Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-06-16 · Heft 47 (16.6.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 47 (16.6.1925)
Date
1925-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652735--17472-3518343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

€K"~jJ tj"""" 1 1 j^sJJ LilJJS mm^ Einzelnummer Q,25 Goldmark ^"•"•^^^ij f*"3| t—j t_-j cuj t__b vj^sy jUdaktlon und Verlag W 15, MelnekcstraOo 10. Erichetot [|(Jen Dltoitaü und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition Monatlich 1,85 Goldmark, Vlort«l|Shrlich 5,25 Goldmark. t„Hii()i«t>oio«»«oti wtrtifo ia in WUimf 4«r •UmUm Lladtr b»r«k»»L Nummor 47 T Berlin, 16. VL 1923 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Malntkcitr. 10 Telephon) Ami Bismarck 7165—70. Ainl(!«rpt.l«ill{tip«lt.Ninp»t«llltnll«0,40G^M.St*lln<«i«elnO,«)O..M, AaMld<iickli>Bi DUatU« und Fr«ll*( n«okmlll*| 4 Uhr, Telephon i Bhmark 7165-70. Postscheckkonto; Berlin Nr. 17392. FUr OnUfftltki Poilirnrinnnuml Wl»n. Konto Nr. 114030. FürTi(h«cboil»w>1itli roitipitli«i«-n«ml Prtf. Knnl» Nr. 5HIO. Für Pol» i l'oilipttkaiMnira) Wttuhiu, Kooto Nr. 1M708. Redaktionsschluß- Sonntag und Mittwoch nachmittag. rv'Din *)vd to XXX. JahrR. 8af ZtonlBwiii« «ftrabt lUr du JQdlacha Volk dl« Schaffung einer ttifontttch - rechtlich pailchorfn Halmitatto In Pnl.litina. „Daseler Programm.«« SBe$e$itsait$ <Plui.cr— Swiic! Die Jewiih Times erfährt: Lord Plumcr wird sich •r-t im August nach Palästina begeben, um sein Amt p! übernehmen. Vorher wird er in Tirol mit Herbert s,mucl zusammentreffen und mit diesem über die Palästinayolitik Besprechungen abhalten. Samatls Abschied Jerusale m. (J.T.A.) Coloncl Kisch gab am 9. Juni u .«einem Hause einen. Empfang zu Ehren des scheidenden Oberkommissar Herbert Samuel. Kisch gab in seiner r<|-riißungsrcdc den Gefühlen der palästinensischen Judenhcit Ijr Herbert Samuel Ausdruck. Der Oberkommissar dankte a einer längeren Ansprache und führte aus, es müsse jeder dafür sorgen, daß in Palästina mehr Einigkeit und Zusammenjtbeit Platt greife. Er selbst werde auch fernerhin mit Leislern Interesse die Entwicklung in Palästina verfolgen :nd hoffe, hi ein oder zwei Jahren, in einer öffentlichen Eigenschaft Arbeit zu tun. Sir Itrbrrt Samuel sprach dann von der Zusammenarbeit der mi der zionistischen Exekutive repräsenlicrten Jcwish Agcncy -it der Palästina-Administration auf Grund Artikel 4 des Mandats und stattete Coloncl Kisch den Dank dafür ab, daß* •r die Regierung in vielem unterstützt habe. * Jerusalem. (J.T.A.) Aus Anlaß des Scheidens Her- •frt Samuels veranstalteten der Waid leumi und die pai-u'ncnsisch-zionislischc Exekutive ihm zu Ehren einen tfiichicdsabcnd, der am 15. Juni stattfand. VX'ic die Pai. Tcl.-Agcnttir meldet, will Sir Herbert "unucl an diesem Abend im Rahmen einer Ucbcrsicht über!ic letzten fünf Jahre seiner Amtstätigkeit als Leiter der britischen Administration im Lande sehr wichtige Er- Würtingen abgeben. Generalversammlung des Economic Board London. (J.T.A.) Am 8. Juut fand in London unter im Vorsitz von Sir Alfred Mond die dritte Gcncralvcrsammang des Economic Board of Palcstinc statt. Nach Ermattung des Jahresberichts führte Sir Alfred Mond.ln einer ingcrcn Hede aus, jeder, der die Verhältnisse könnt, werde iit ihm übereinstimmen, daß in Palästina nach jeder Riehmg eine große Entwicklung vor sich gegangen Int. Während filier letzten Anwesenheit im Lande habe er seine Auimcrk- •mfceit besonders der Wirtschaftslage gewidmet. Die Aufebung des Orcnzzollcs zwischen Palästina;nd Syrien hat eine wohltätige Wirkung ausgeübt. Heute iiklen diese beiden Linder eine wirtschaftliche Einheit; ein ■nportroll schützt ihre Eigenproduktion. Auf diese Weise urdc der palästinensische Markt, der sich früher auf Hundertusindc beschränkte, auf drei Millionen Personen ausgedehnt.!ic Industrie blühte auf, ein Beispiel dafür ist, daß in kurzer 'tit äff ein in lef-Awiw \20 Fabriken entstanden rtd. Sir Alfred Mond gab einen Uebcrblicfc über die einzelnen •duslricn Palästinas und kam zu dem Schluß, dali Palästina it den Mittclmecrhandc! weit günstiger liegt als zum Bei- Oesterreich und daß in Palästina investierte Kapitalien cit bessere Erträgnisse bringen, als in Kanada, Amerika oder •■ '* > *. " . n ■« ' , »» I udafrika. Jede neue Industrie in Palästina gibt Raum für lilfsindir-trirn. Als z. B. Ruthcnbcrg seine Elcktrifizicrungsirhfilm hrgonnen hatte, mulllc jede Leiter eingeführt werden, tl/t kann ähnliches nicht mehr vorkommen. Die ägyptischen ■Linken haben die Lage bereits erkannt und bringen Knni- »üfii nach Palästina. Wenn Juden nicht Ihr Ocld In Pa- JMina investieren, so werden die Länder des Miltclmccrcs «•es allein besorgen; die gute Gelegenheit wird sich nicht »icdcrholcn. Dies würde aber ein Armutszeugnis für den inan/icllcn Instinkt der Juden bedeuten. Die Bauten in Telwlw könnten. für eine Million Pfund Sterling verpfändet verden, wodurch totes Kapital in lebendes verwandelt werden 'oimle. Die britische Regierung tue gut daran, wenn sie jich beeilt, einen großen Hafen in Haifa zu bauen. — :n hin nicht sanguinisch, setzte Sir Alfred Mond fort, aber "h hin überzeugt, daß der Rutbcnbergschc Plan auf gc< Mildester Orundlage ruhe. Kiithenbcrgs Kraftanlage Ist ginn "jwI im Entwurf, künstlerisch in der I orm und praktisch voll Climen. Sie ist auch billig und leistungsfähig. Um Ruthen '•ergs Plan auf die Höhe seiner Leistung zu bringen, ist cm ^pilal von 750000 bis eine Million Pfund erforderlich. "hm wird Palästina eine Kraftversorgung besitzen, die Mcn "wen, Arbeit und Kapital von außen anziehen wird. . Sir Allrcd Mond schloß: Die Ernennung des Coloncl '•nifs zum Obersckretär von Palästina sei sehr zu bc- ••uflen, er ist ein sehr fähiger Administrator, von seiner Jitcit ist ein großer Erfolg zu erhoffen. Die britfschen * halten es für ihre Pflicht, der Entwicklung Palästinas orwiiriR zu helfen. Die Ausnutzung: der Mincraischätze des [osen Meeres, sowie die Möglichkeiten der Octversorgung sind WfMhen der nahen Zukunft. Sir H, B. Cohen und Lieut.-Coloncl H. J. Solomon ywn zu Mitgliedern des Exckutlv-Komitccs wiedergewählt; 'f Jahresbeitrag wurde auf 20 Pfund festgesetzt. GdBSlIge Lage des Arbellsmarklt» , p»e Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiter ' be ''fdigend, und auf keinem Oebiet ist eine bemerkenswerte Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Dem „Solei Boneh" wurde der Palästina-Exekutive zum Ankauf weiterer Maschinen "» dem Kcrcn Hajessod-Budgct eine Anleihe von 1000 £ 'wahrt, wovon dis ArbeUsdcpartcment 700 L und das 'tpipemenl für Handel und Industrie 300 £. Die ■Stellung .Steinbruch" des Solei Boneh wird demnächst In "■" O.m.b. H. verwandelt und unabhlnglg von der-Stimm Ionisation geführt werden. Arbeitnehmer und Arbeltrjcber Deichlösse der jadischen Arbcilskommiulon Die seinerzeit nach den Streiks in Tcl-Awiw uiitl •falfa eingesetzte Kommission zur Rcßclunp; des VcrläUnissc? zwischen Arbeitnchniern tincl Arbcitf-cbern hat am. 6. Mai eine Reihe von Beschlüssen in bezug auf -ohiifraßcn, Arbeitsstunden, Arbcitcrvcrtrctungcn, Entlassungcn, UnfallvcrsicUcrunR" usw. gefaßt. Man kuin übercin, in Jerusalem, Jaffa und Haila SchlichtutiRSStcllc n zu schaffen, die in allen Streitfällen versuchen sollen, eine Cinigunpr herbeizuführen. Wenn dies nicht gelingt, so ist der Streitfall einem Schiedsgericht zu unterbreiten, dessen Entscheidung sich beide Parteien unfcnvcr.'cn. Die Schlichtungsstellcn bestehen ans je 3 Vertretern jeder Partei und drei von diesen ernannten Unparteiischen. Die Beschlüsse vom 6.Mai setzten ferner eine Mindestgrenze für die Löhne ungelernter Arbeiter bis 1. Oktober fest (30 Piaster für Manner, 20 Piaster für Frauen) und sprechen den Arbeitern ilas Recht zu, in Fällen, wo diese Mindestgrenze nicht erreicht ist, eine Aendcrung der Lohnsätze durch die Schlichtungsstcllc zu verlangen. Nach dem 1. 10. soll die Schlichtiingsstcllc Lohnerhöhungen oder Herabsetzungen auf Grund des Tarifs vornehmen, den die Palästina-Exekutive zurzeit ausarbeitet. Der achtstündige Arbeitstag wurde als verbindlich erklärt. Die Arbeitnehmer alter Industrien körnen ein Komitee zur Wahrung ihrer Interessen wählen, das sie!» aber in Fragen technischer Natur nicht einmischen darf. Die Frage der Entlassung, Krankcnvcrgütnng und Unfallversicherung soll von der Kommission eingehend bearbeitet werden. Das Ende der JT0. London. (J.T.A.) Die im Jahre 190H nach der Ablehnung des Uganda-Projekt* durch den 7. Kionistcnkongrell von Israel Zangwill und anderen Persönlichkeiten hegiündcle Jcwish Territorial Organisation (ITO) hat zu existieren aufgehört. Am 7. Juni fand im Hause von Mr. Meyer A. Spielman eine Sitzung des Zcntralratcs der Organisation statt, m welcher eine Resolution angenommen wurde, wonach „der Qcncralstab der ITO beschlossen hat. seine Tätigkeit ein zu steifen". Zangwill schloß sein dabei gehaltenes Referat über die Lage der Juden und über die Lage In Palästina wie folgt: Als wir eingesehen, daß unser Plan fehlschlug, dachten wir daran, den Ucbcrschuß anderen Körperschaften mit ähnlichen Zielen zu widmen. Seit 1005, da die zionistische Majorität die Grlegenheit eines autonomen jüdischen Territoriums so unbekümmert zurückgewiesen hatte, waren mehrere der besten Juden der Welt in unseren Reihen tätig, keiner erhielt je eine pekuniäre oder persönliche Entschädigung. Die Opposition gegen den Versuch einer großzügigen Behandlung der jüdischen Frage hat aber unsere Arbeit gebrochen. Dennoch wirkten wir auf den politischen Zionismus, wie mit die Entstehung des russischen Kolonlsallnnspfans. Wir sliidlrrlrn die Möglichkeiten Jedes unentwickelten Landes, verhandelten mit einer Anzahl Regierungen und lieferten der Wissenschaft wertvolle Berichte über Cyrenalca und Angola. Unsere Existenz war keineswegs vergeblich. Allen Herren des Rates gebühre Dank, insbesondere Herrn Dr. Jocliclmaii, der von Rußland aus die Oalvcston-Expcditlon geleitet hatte, dem Schatzmeister Dr. Mycr Nathan und Herrn M. A. S p I c I man. An der nachfolgenden Debatte hetciliptcn sich N. M. Kisch, Herwald, M. A. Snieltnan, Dr. M. D. Eder. Zangwill schlug vor, von der vorhandenen Summe 100 £ für die geplante Mariunrck-Oartensladt in P.iliistlna und den Rest einem Lhrenkoinitec ru widmen, welches die ITO-Arbclt in einem ihrer Zweige fortsetzen soll. Der Vorschlag wurde ntigciioiiinifu, ebenso der Vorschlag Dr .Eders, daß das Archiv und die Publikationen der ITO der Bibliothek der Jcnisafcmcr Univcrsltät übergeben werden soll. Zangwill schloß die Diskussion mit der Zitierung des folgenden Verses von Browning ab: „Nicht das Fehlen des Zieles, aber die Kleinheit des Zieles ist zu tadeln." Die Erntcansstchlen in Palästina Die Anfang April in Palästina niedergegangenen Regen mengen haben eine bedeutende Verbesserung der früher so schlechten Ernte.ius-iichlfn bewirkt. Laut dem Aprll/Miii» Bericht der zionistischen Kolonlsatlonsabtcilintg bedeuteten diese Regenfiillc geradezu die Rettung der Wci/cncnite. Die Landwirte, besonder« im Nuris-Komplcx, in Nahalal und in der Gegend von Haifa, die K. H.-Siedlungcn auf dem Boden des K. K. L. in Aln-Chnrrxl, Tel-Joscf um! andc-ren Orlen können auf eine beträchtliche Einnahme aus der Ernte rechnen. Auch den Pflanzungen war der, Regen sehr nützlich, 70"/« der von der Landwlrtschaflsnbtcliting neu cingcluhrlciv Dattelpalmen- Schößlinge sind aufgegangen. Der Wein steht gut, au vielen Orten sogar ausgezeichnet, besonders in der Kwuzoth Ocwa, Bcth Alpha und Zcrifiin. Dio Orangcngärtcn in Daganlah ent wickeln »Ich befriedigend, (ZAco.) Abreise SokoUw» Nahum Sokolow hat am 3. Juni Jerusalem verlauen um sich in Haifa nach Europa eingeschifft. (Ziko,) im Arnim tier vierten lilfan Von Dr. Chajim Arlosoroff, Tcl-Awiw. Die letzten anderthalb Jahre haben die Gestalt dc< judi^ sehen Jischuw in Palästina in wirtschaftlicher Hinsicht zwew fach verändert: durch die ersten größeren Versuche der Schaffung moderner Industrie und durch die sogenannte inittclsliindisclie Einwanderung — oder wie nun bei uns sagt: die vierte Alijih. Beide .sind nicht etwa identisch;, sie haben beide verschiedene soziale Gruppen zu Trägern; sie äußern sich in verschiedenartigen ökonomischen Erschei- Illingen; ihre kolonisatorischen Wirkungen und Ergebnisse sind verschiedenartig, im gewissen Maße sogar einander entgegengesetzt. Beide verlangen daher eine gesonderte Untersuchung. Was die vierte Alijah mit der industriellen Initiative gemein hat, ist die bedauerliche Tatsache, daß ihre öffentliche Erörterung in der zionistischen Bewegung sich bisher weit mehr tun Ideologien gedreht hat als um Tatsachen. Für die Beurteilung der gegenwärtig im Jischuw gegebenen Situation, für die Abschätzung der vor sich gehenden Entwicklung wie für die Feststellung des Kurses einer zukünftigen zionistischen Kolonisationspolitik, um die bekanntlich ein besonders heftiger Streit zu wüten begonnen hat, muß daher der Versuch einer Analyse dieser Alijah, der auf objektiveren Großen aufgebaut ist als auf Illusionen oder Wunschpltanlasicn, von besonderem Nutzen sein. < Das äußere Gesicht der vierten Alijah, auch ihre äußeren Einflüsse und Wirkungen kennt jedermann in Palästina. Sie ist es, die die schleppende jüdische Einwanderung zu bisher kaum dagewesenen Monatsziffern emporgehoben hat — aus eigenem Antrieb und Drang, ohne bevormundende Hilfe der Organisation, Sic ist es, die die Bauhcwcr-ung in ihren» laschen Tempo erhalten und die Stockungen auf dein Arbeitsmarkt für Monate und Monate, Wintern wie Sommers, bescitu-t hat. Sic ist es, die die Miels- und Lebensmittelpreise, du* Budeiiwcite in den Städten emporschnellen ließ, Sie ist «••», die als Nachbarn und Arhritsgcnosscn der gottlosen Kommunisten die Jabloncr Chassidim ins Etnck geworfen hat. Sic, die In den Geschäftsvierteln ihre neuen Feldzeichen aufgesteckt bat; die Rcklamcschildcr der Orundstücksagcnturcii, die großen Schaufenster mit ihrer wohlbekannten Buntheit ausgehängter Finnknoten.' Sie, die das Straßenbild in den Wohngcnicindcn des neuen jüdischen Jischuw um und umgedreht, Stockwerk über Stockwerk gesetzt hat; im gewohnten Sabbalhkorso den etwas hinterwäldlerischen paläslineiisischcn Provinz.ialisinus durch die wenig zurückhaltende Eleganz der letzten Warschauer Mode in den Hintergrund geschoben hat; in das wotheuläglichc Bild neben und vor den Bauarbeiter in der Bluse, den kleinen Beamten und die Oymnasiastenscliar, den hierzulande fast schon vergessenen Typus des Juden mit dem Bart und Spazierstock gcdiaimt hat, der Stunde um Stunde unterwegs ist, auf der Suche nach einem Geschäft um „ein Leben zu machen". Sic hat an die Stelle der im jüdischen Jischuw nahezu chronisch gewordenen Niedergeschlagenheit eine geschäftige I last und einen beinahe munteren Geist des unbegrenzten und nach keiner Begründung suchenden Optimismus gesetzt. Sic hat unsere orthodoxen Marxisten aufatmen lassen, beruhigt über den nunmehr sicher bevorstehenden natürlichen Ablauf der Ereignisse. Sie ist es schließlich, die der seit langem körperlos umherflatternden Ideologie des „neuen Kurses" der die „Wiitschaft des kleinen Mannes aus dem Volk" gegen die landwirtschaftliche Romantik auf seine Fahne schreibt, endlich so etwa?, wie einen materiellen Leib gegeben und ihr so stärkere Lebenskräfte zugeführt hat. Konnte man über diese Losungen bekannter zionistischer Politiker noch vor 18 Jahren sagen: „Ic mouliii n'y est encore, mais le vent y est dejä — so gibt es heute schon so etwas wie eine kleine Mühle für diesen Wind. Und der Wind bläst sich darum furchtbar auf. Und er pfeift in starken Tönen um das Sitzungsgebäiidc des bevorstehenden Kongresses! — Das alles ist die vierte Alijiih, ihr äußeres Gesicht, ihre äußeren Einflüsse und Wirkungen. Aber c gilt, darüber hinauszukommen, Iis j;i|t, weiter zu sehen. Wir müssen versuchen, die Bedeutung dfr vierten Alijah und Ihre Wirkungen von innen heraus zu sehen. Vt'ir müssen fragen: welches ist ihr volkswirtschaftliches und soziales Gewicht? Welches ist ihr kolonisatorischer Wert, gemessen an den nationalen, ökonomischen und politischen Aufgaben, die dem JiidiscVitn Siedlungswerk in Palästina gesetzt sind? Es Ist möglich, daß die Resultate einer derartigen Untersuchung nicht die „allgemeine Sympathie" derer finden, die heute mit einem bequemen und gefährlichen Volkstümlertum spielen. Das darf uns nicht dazu führen, über Augenblicksstrftmungcn hinweg die Maßstäbe aus den Augen zu verlieren, die an unsere konstruktive Aurbauarbeit im Lande um der weiteren nationalen Ziele willen, die mit ihr vcrhtiudeu '.lud, gelegt werden müssen. Es ist möglich, daß der kommende Kongreß unter dein Druck einer panischen Phantasie von der Mchrhcitshildung im Lande jede bedenkliehe Stimme mit Hohn niederschlagen wird, sich von lllusionen hinreißen und in seinen Beschlüssen wird bestimmen lassen. Ein Grund mehr für uns, die Dinge so zu sehen, wie sie Find. Nun sind gewiß diejenigen im Recht, die davor warnen, mm der Erfahrung von 18 Monaten endgültige Schlüsse zu ziehen.- Eine wissenschaftliche Methode, die sich auf ein derartiges Material stützen wollte, wäre gewiß kaum haltbar. Aber es handelt sich gar nicht darum, wissenschaftliche Gesetze zu formulieren, soziologische und ökonomische Theorien zu fundieren. Es handelt sich nicht einmal um dir mathematische Genauigkeit statistischer Daten. Es geht vielmehr darum, Entwicklungstendenzen klarzulegen, di«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.