Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HIN.?.l Elnzctnummcr 0,3S Ootdmark *> y^K^jj r-ji C"~j! 1^1 J=d Redaktion und Verlag W 15, Melnckcslraßo 10. Enchelnt leden DicniUfl und Freitag. Bczujiprclf bei der Expedition laonitlicb 1,85 Goldmark. VUrtalllhrllob 9,25 Goldmark. ^,m,c!i»>>o»e«<ii«al» *•'<!•• In <!•' Wlhnial i*t »lonlino Uod*r btrt<Kn«t BorUn, 5.VL 1925 na Anzeigen -Vcrwoltun jj JfldlichoRtwdichaa G.m.b.H., DerllnWl5, Mtlntktatr.lO Telephon* Amt Dlimarck 7165—70. Ai««l««pr«i»i8g«ip»IlJloop«r»lll««ll«*>WO'-M'Sun«»|Mae»«01MO.-M. Ani.k«nichl«Oi Oiaaitatf u»d Fr»U«t oachmltUt 4 Uhr. - --J^^W^wiwiBfi^S^-Ü"inliii»J|,g".t*ntMPli!rTUiPr^^rt,—■■»»■«y *aarwitii^*f Tdephons Diamark 7165-70. Poatacheckkontos Berlin Nr. 17392 Ht 0**l*rr*lcbi Pomo.rkiu.iiinjl Konto Nr. IM OK). FOr TKh.ekoilow.l«', potliiittkaiKatnl Pf»j", Keal« Nr. W4KX rar Pol.oi roiiipuk.,.,,,«, Wir«*««. Koala Nr. 19010* RadaktlotmchluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. iTDin '1VD XXX. Jahrg. per Zionismus Titrcbt für öm» lUdUche> Vo»U dla SthaHung «Incr ttllonlllch ■ rothtllth g«eltli«rtem Malm»t5tto In Palttitlna. „On«olor Programm.**. s«OTte »lifflömiül Itoyi Ste$6§ London. (J.T.A.) Am 25. Mai fand eine von der Jüdischen Historischen Gesellschaft veranstaltete Gedächtnisfeier zu Ehren des verstorbenen Arthur Davis statt Der ncugcwählte Präsident der Gesellschaft, Israel Zangwill, führte den früheren Premier Mr. Lloyd George ein. Mr. Zangwill erzählte, er sei unlängst mit dem früheren Premier Mr. Ramsay Mac Donald zusammen gewesen, und dieser habe sein Bedauern ausgedrückt, nicht ebenfalls zu dieser Versammlung erscheinen zu können, um neuerdings seine Sympathien lür den Zionismus und das jüdische Nntioiialhcim auszudrücken. Mr. Zangwill erzählte weiter, LloydGcorgc hatte ihm erklärt, wenn er im Amte geblieben wäre, so hätte man das Palästina-Mandat mehr erfolgreich für das Jüdische Nntlonnlhcim behandelt, als jetzt. Alte seine Kräfte und Sympathien, die er der Angelegenheit der jüdischen Nation gewidmet hat, wurden von seinen Nachfolgern bagatellisiert. Nach der Rede Mr. Philip Gucdcllas bestieg Lloyd George die Tribüne und führte ungefähr aus: Während des Krieges richteten die Alliierten einen Appell an das jüdische Volk. Sic waren zum Teil von natürlicher Sympathie und Bewunderung inspiriert. Alle lernen in der Schule jüdische Geschichte. In der Schule, die ich besuchte, wurde die Geschichte der Juden besser als die Geschichte des eigenen Landes gelehrt. Ich kann von allen Königen Israels erzählen, ich zweifle aber, ob mir mehr als die Geschichte von sechs britischen Königen bekannt Ist. Die Oeschichtc und die Literatur der jüdischen Rasse dauert bis in den heutigen Tag fort, beeinflussen und formen noch heute den menschlichen Charakter und,die menschlichen Handlungen. Die Völker der Alliierten horchten auf, als der jüdische Appell ru ihren Ohren kam. Sie wußten, daß die Juden ein kleines, aber kraftstrotzendes Volk wären; alle großen Dinge kommen von'kleinen Völkern. Die britische Nation hat für die Ocgcnwart nicht das geleistet, was das kleine jüdische Volk geleistet hat, welches noch zu großen Dingen auserschen sein mag. Die Verfolgung hat die jüdische Kraft gestählt, deshalb konnte man sie nicht zerbrechen. Darum hofften auch die Alliierten, daß ihnen die jüdischen Sympathien viel nützen werden. Ich bin Dr. Welz mann viel Dank schuldig, daß er mich zum Zionismus bekehrt hat. Dr. Wcizmann, der durch seine Kunst als genialer Chemiker uns sehr große Dienste erwiesen hat, indem er z. B. Mikroben zog, die Holz in Alkohol, Mais und Roggen in Zucker verwandelten, wurde gefragt, was man ihm zu Dank tun könne. Wcizmann erwiderte: Tut etwas für mein Volk! Er lehnte Gold Zusammenkunft Welzinana - Pionier NacTi der Londoner „Jewish Times" wird Dr. Wcizmann in der nächsten Zelt eine Zusammenkunft mit dem neuen Oberkommissar, Lord PI um er, haben. Die Begegnung konnte bisher wegen einer Erkrankung Plumers nicht stattfinden. * Dr. Wöhrmann hat Lord Plumcr zu seiner Ernennung *um High Commissioiicr telegraphisch beglückwünscht. Plumer hat in einem Telegramm seinen Dank für die Glückwünsche zum Ausdruck gebracht 14. Zlonislenkongreß Die Exekutive der Zionistischen Organisation teilt mit-, „Der 14. Zionistcnkongrcß wird am 18. August in Wien eröffnet werden. Das mit den Vorbereitungsarbeitca betraute „Büro des 14. Zionistcnkongrcsses" wird «ine Tätigkeit am 25. Mai aufnehmen. Zum Leiter des Kongreßbüros ist Herr Dr. N. M. Gelber, zu seinem Stellvertreter und zum Generalsekretär Herr Fritz Ullmann ernannt worden. Die Adresse des Kongreß* büros lautet: Büro des 14. Zionistcnkongrcsses, Wien »1, Lothringer Str. 20. Telegrammadresse: Congrczlon, Wien." Sitzung des Zionistischen Adlons -Comics Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat '•"n Einvernehmen mit dem Präsidium des AcUons-Comite's c'oc Sitzung des Actions-Comites für den 15. Juli nach Berlin einberufen, die sich hauptsächlich mit der Besprechung und Vorbereitung der Kongreßfragen belassen soll und Ehren ab und bat tun die Wicdcrnufrichtung seines Volkes im eigenen Land. Keiner hat einen solchen Eindruck in der nichtjüdischen Welt hervorgerufen wie Dr. Wcizmann. Er war der stärkste Advokat der jüdischen Sache. Dr. Wcizmann weiß es, fuhr Lloyd George fort, (Infi man niemand aus Palästina vertreiben kann, der nicht freiwillig gehen will. In Palästina wohnen nicht nur Juden, sondern auch 600 000 Araber. Es ist dort genug Raum für eine neue große Bevölkerung. Araber und Juden haben dort Platz. Die Araber haben gar keinen Grund, die Juden daran zu hindern, diejenigen Täler fruchtbar zu machen, in denen einst ihre Sänger sangen. Die Juden wissen, daß man der Unterschrift Großbritanniens unter der Balfour-Dcklaration trauen kann. Welche Partei auch zur llcittcrung kommen wird, die Untcrichrifi GroObrilotmlcni und denen Verpflichtung werden hoch itchallen werden. Nach Lloyd George bestieg Obcrrablner Dr. Hertz die Tribüne, um Lloyd George im Namen der Juden zu danken. Dr. Wcizmann, der als letzter Redner sprach, sagte, er sei zu bewegt, um die Gefühle der Dankbarkeit für Lloyd George in Worte zu kleiden. Die Oeschichtc der Taten von David Lloyd George für das jüdische Volk ist noch nicht beendet. Sic wird mit dem Spaten in den Tälern und Hügeln Palästinas von den besten Söhnen des jüdischen Volkes eingegraben. Das jüdische Volk würde nie und nimmer sein Heim auf dem Rücken Fremder aufbauen wollen. Es hat genug Unrecht am eigenen Leibe erdulden müssen, um noch den Wil Icn zu haben, andcren Un recht zu tun. Kein Jude will, daß der Araber durch ihn leide. Aber zwischen Juden und Arabern stehen andere Kräfte, dunkle Kräfte, die nichts mit Juden oder Arabern gemein haben, aber im Trüben fischen wollen. Sollten sich Juden und Araber von Angesicht zu Angesicht treffen, sie würden fühlen, daß sie Verwandte sind, die '-viel Gemeinsames in Vergangenheit und Gegenwart haben. Ich wünsche, Lloyd George könnte uns den Wegfinden helfen, mit den Arabern in Freundschaft zusammenzuarbeiten, es würde ein Weg sein, der nicht allein zum Aufbau Palästinas, sondern auch zum Wohle aller Länder des Ostens führen würde. In diesem für mich so ernsten Augenblick möchte ich den Wunsch aussprechen, daß Lloyd Ocorgc das nationale Heim besuchen möge, um sich dort persönlich den Dank zu holen. Lloyd George erwiderte, er nehme die Einladung an. Die BoücneriverbunQcu des K. Ii. L. Im Mai vorigen Jahres hat der Kcrcn Kajcmcth eine große Aktion unter der Parole eingeleitet: „Verdoppelung des Bodenbesitzes des Kcrcn Kajcmcthl" „Zukauf von hunderttausend Dunam für den K. K. U" Seitdem ist ein Jahr vergangen und die Verwaltung des Kercn Kajcmcth kann mit Befriedigung mitteilen, daß sie dieses Programm nicht nur erreicht, sondern bereits überschritten hat Dies geht aus nachfolgender Tabelle hervor: U. Neuerwerbungen von Böden, die bereits auf den Namen des Kercn Kajemeth eingetragen wurden: a) in Judäa: Dunam Dunam Bei Beer Jakob 247 „' Rechoboth 200 447 b) im Kischontal: Bei Jadjur, Zukauf 800 c) im Emck Jesreel: Bei Djcbatta, Knefes, Tel Türe 23 960 „ Varakani 353.} „ Charbatsch, Hartic 5000 3 2 553 zirka 33 800 II. Böden, über die bereits Kontrakte abgeschlossen und auf die Einzahlungen geleistet sind: Dunam 10 Punkte mit ' 41600 III. Böden, deren Ankauf beschlossen ist: 10 Punkte mit 65700 insgesamt: 141.100 . Probleme der Landwirtschaft Brie! ans dem Emtk Jesreel RW., Balfouria (bei Afulc), 25. Mal. Anmutiges, liebliches Tal, von blauen Bergen umkränzt, stets von neuem überwältigt dein Anblick da.* Auge. Man versteht die mystische Verbundenheit, die das neue Palästina gerade an diesen Ort kettet und ihn zum Zentrum aller Hoffnungen gemacht hat. Nicht nur die historische Tradition dieser Gefilde, nicht nur die Liebe und Anhänglichkeit tausender der besten jiidisehen Herzen, nicht die Schönheit der Landschaft und nicht einmal die hier bereits in den dürstenden Boden versenkte Menschenkraft und Arbeit geben diesem Stück Land seine Bedeutung; all dies sind irrationale Momente*, die gewiß eine große Rolle spielen, aber wir sind gerade in einem Staditim des Ucbcrgangcs von der mehr irrational hrRlIiiiniten Fuflfiismug zur rationellen Kolonisation. Und da müssen wir uns sagen, daß mit dem Gelingen der Kolonisation im Emck die nationale Heimstätte steht oder fällt. Darum ist die Bedeutung dieses Platzes für uns heute eine ganz reale, und c? gilt mit nüchternem Sinn zu prüfen, was hier zu tun ist. Der 14. Kongreß wird vor einer neuen Situation stehen: beinahe das ganze Emck Jesreel ist in jüdische Hände übergegangen; was der 12. Kongreß begonnen hat, wird der 14. fortsetzen müssen und sich dabei an die gewonnenen Erfahrungen zu halten haben. Allerdings sind diesmal die Bedingungen andere ak damals: 1021 hat der Jüdische Nationalfonds die Piohiertat des ersten Landkaufcs vollbracht, die Kolonisation von Malul und Nuris ist das sichtbare Hauptwerk des Kercn Hajcssod. Heute aber gehört der neu^ckauite Boden zum größten Teil privaten Gesellschaften, die formell vom Zionistcnkongrcß unabhängig sind. Tröt/. dem ist nicht anzunehmen, daß diese neuen Faktoren imstande sein werden, allein und ohne Hille der Öffentlichkeit ihr Werk durchzuführen, so daß also auch hier eine Möglichkeit sein dürfte, den Einfluß der Zionistischen Organisation im Sinne eines einheitlichen Planes geltend zu machen. Die vielfache Kritik, die an dem zionistischen KolonLsationswcrk geübt wurde, »vjrl jet/t Gelegenheit bekommen, ihre positive Seite zu erweisen. In dieser Hinsicht hat allerdings.auch derjenige einiges Recht zur Skepsis, der nicht mit allen Einzelheiten der bisherigen Arbeit restlos einverstanden ist. Man sieht jet/t schon manches, was nachdenklich stimmen muß, obwohl ein endgültiges Urteil schwer zu fällen ist in diesem Land, wo vieles anders kommt als mau erwarten würde. Das Emck ist in Bewegung. Die mit geschickter Propaganda angekündigte Gründung der Stadt auf dem Boden von Afulc hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Heute allerdings existiert von dieser Stadt nur der Plan, von Richard Kaufmann phantasicvoll entworfen; im übrigen ist Afulc ein riesiger Misthaufen, die Reste des arabischen Dorfes. Aber rings um ihn beginnt es sich zu regen. Der Boden ist vollständig verkauft und im Büro der Gesellschaft „Mcschck" in Tel Awiw drängen sich bereits Reflektanten, die möglichst bald den erworbenen Boden in Besitz nehmen möchten, auch andere, die noch ein Stück zu erhaschen hoffen. Es ereignen sich dabei seltsame Mißverständnisse. Ein Jude aus Polen kam dieser Tage nach Afulc und suchte seinen Boden, der, wie man ihm versprochen hat, zwischen der Synago^o und dem Badehaus liegt; nun wunderte er sich, diese* beiden Gebäude, die ihm das Auffinden seines Grund, Stückes erleichtert hätten, nicht vorzufinden. Viele er. rechnen schon, welchen besonderen Wert gerade ihr Grundstück habe« wird. Während meiner .Anwesenheit haben hier zwei Juden ans Rumänien landwirtschaftlichen Boden in der Nähe der Straße um 750 Pfund von einem amerikanischen Besitzer gekauft, der dasselbe Stück vor drei Monaten für 500 Pfund erworben hatte. Auf meino Frage erfuhr Ich, daß von den Käufern der eine Kaufmann, der andere Goldschmied sei. Nun entsteht die Frage, was die Leute mit dem Boden machen werden, Nach der Berechnung des gesunden Menschenverstandes kann bei einem solchen Bodenpreis und der Qualität dieses Bodens eine Landwirtschaft mit Aussicht auf Rentabilität nicht begründet werden. Andererseits müssen sich die Leute doch etwas gedacht haben. Ob sie nur auf die Entwicklung der nahe gelegenen Zukuuftsstadl hoften, ob sie besondere Pläne haben oder ob sie selbst über die Möglichkeit falsch informiert wurden — wci kann es wissen! Dk beginnenden Arbeiten in Afulc haben übrigen* auch die Lage der benachbarten Siedler etwas gebessert, da diese eine Nebenbeschäftigung', insbesondere durch