Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1925)
- Date
- 1925-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer Q,2S Goldmark r\| t^j\ (<j\3 /7S3 pjr? Chi) sJari-i fTTJ C~J gvdtkUoD und Verla* W 15, MelnckeitraQa 10. Ericheint iiden DleniUi! und Freitag, Bewgipreli bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark. Viertel) Ibrllch 5,25 Goldmerk. JuJiud««b«a»»nml» w.rd.» la dtr WlKr»»| 4m «Ui«l».» Ltad.r fctr«cKi«l Nummer 41 I Berlin, 26. V. 1925 Anzeigen -Verwaltung JüdlichoRuadichaa G.m.b.H., UerllnWlS, Melnekeilr.10 Teltphoni Amt BliniMck 7165—70. Aait<(«ipr»lti l{.tpah.No*aii-»UU Mb 0,40 (l*K Sl.llMf »tMa« MOC-M. A»i«l(»*cal*ti Dl.aottf •■<) Ff «Ii»! imUIIIM 4 Uhr. Telephon! Biimi«rk7165- 70, PoMichcckkontoi Berlin Nr. 17392. Hr O.ittrroUfci PoiUn.rl.Mirn.ral Wien, Konto Hr. 154010. NrTicriKikoilowtlc.li PniUpukMHnimtiW. Konto Nr. OT4in. rar l'.Un i PoiltpirkuMniiot Wirtchi«, Konto Nr, 19070(1. RedektioniicbluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. .T'Din '1VD 'J XXX. Jahr/;. ter tlonUmui «r»tr«bt IQr da» JOdlichi Volk dl« Schaffung einer öffontlfch - rxhlHch flBilchTtai» HolmatBtt» In Paia»tlnn. „Dnieilor Programm.«« M MS® EmMm m m m&o® Da» vom Zentralkomitee der Z.V.f.D. beschlossene ,;ongreßprogramm der deutsehen Zionlsten (vgl, den ,1 anderer Stelle dieses Blattes abgedruckter Bericht) lautet: I. Zionistische Arbeit Die klare Herausarbeitung der Kennreichen der Monistischen Forderungen und der Zionistischen Organisation soll vor allem durch folgende Momente deutlich werden: 1. Eindeutige Betonung des nationaljüdischcn Gcjmkcns auf allen Ocbictcn der zionistischen Arbeit. Def nationale Oedanke bleibt die Grundlage jer zionistischen Bewegung und der Arbeit iin.Oaluth, if ist charakteristisch für die zionistische Auffassung 2er Judenfrage, er ist für die Entwicklung Palästinas i'e treibende Kraft. 2. Die Betonung des idealistischen Charakters der :ionistischcn Bewegung und des Glaubens an die gefallende Kraft des zionistischen Willens. 3. Die Ablehnung aller chauvinistischen Vorstellungen und der Wille, unsere nationalen Forderungen in Einklang zu bringen mit der Verantwortung gegenüber!tr arabischen Bevölkerung in Palästina. 4. Das Recht und die Pflicht der zionistischen Belegung, jüdische Menschen zu erziehen und umzuformen. Die Zionistische Organisation veranlaßt junge Juden, iie für die" nationale Entwicklung Palästinas geeigneten Berufe zu ergreifen, sie hat für die Vorbereitung dieser «enschen zu sorgen. Sic hat ferner die Aufgabe, Renschen auszuwählen und in ihrer Entwicklung zu föriern, die geeignet sind, im Oaluth Träger der zionistischen Arbeit zu sein. n. Jcwish Agency Die erweiterte Jcwish Agency ist die gegenwärtige srganisatorische Form der vor Jahren eingeleiteten Bünd- •ispoilük. Nachdem die Frage der Erweiterung der iewish Agency grundsätzlich bereits entschieden ist, »11 bei der praktischen Ausgestaltung auf die Berücksichtigung folgender Punkte Wert gelegt werden: 1. Die Jcwish Agency, deren Repräsentant heute iie Zionistische Organisation ist, soll durch den Hinzutritt von Palästinafreunden erweitert werden, die nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sind. Voraussetzung für die Teilnahme an der Jcwish Agency ist die Anerkennung der Balfour-Dcklaration. 2. Prinzipiell sollen Mitglieder der Agency nur Vertreter von Gruppen und Organisationen sein. Da die tatsächlich vorhandenen Unterschiede in der Struktur der Judcnheit eine einheitliche Regelung des Wahlmodus nicht zulassen, muß eine Gewähr dafür geschaffen werden, daß hinter den Mitgliedern der Jcwish Agency die charakteristischen Oruppcn und Organisationen der Judcnheit ihres Landes stehen. 3. Nur solche Gruppen haben das Recht des Eintritts in die Jcwish Agency, die materiell zum Aufbau Palästinas beitragen, Es muß die Garantie geschaffen werden, daß Rechte und Leistungen miteinander in Einklang stehen. 4. Alle organisatorischen Einrichtungen der erweiterten Jcwish Agency sollen einen provisorischen Charakter tragen. Die endgültigen Formen können sich erst aus den Erfahrungen der Zusammenarbeit ergeben. Dieser provisorische Charakter ist gerade dann festzuhalten, wenn mit dem vollen Gelingen des Planes der Erweiterung! der Jcwish Agency zu rechnen ist. Der Palästina-Aufbau wird neue wertvolle Freunde gewinnen, denen die Möglichkeit einer ihrer Bedeutung entsprechenden Eingliederung in die neue Organisalion offen gehalten werden muß. Aus diesem Grunde sind kurze Wahlperioden erforderlich. 5. Die Rechte der Zionistcn als Mitglieder allgemeiner jüdischer Organisationen, insbesondere des Kcrcn Hajcssod, dürfen dadurch keine Einbuße erfahren, daß die Zionistische Organisation ihrer. Bedeutung; entsprechend in der erweiterten Jcwish Agency eine besondere Berücksichtigung erfährt Es liegt jedoch im Sinne der Erweiterung der Jcwish Agency, daß die allgemeinen jüdischen Gruppen Vertreter wählen, die nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sind. III. Reorganisation Die Zionistische Organisation bedarf der Ncuordnnug. Die von der Organisations-Kommission der Z.V. f.D. ausgearbeiteten Vorschläge sind auf dem Kongreß zu vertreten. Ihr Ziel ist die Stärkung des Einheit». Charakters der Organisation*durch Verwirklichung folgender Hauptforderungen: Einhcitsschckcl, einheitliche Tcrritorialvcrbände, in denen alle zionistischen Gruppen eines Landes vereinigt sind und einheitliche Exekutive als Ausdruck der Kongreßmajorität. Erforderlich ist ferner eine Verlegung) des Schwerpunktes der Exekutive nach Palästina, wobei der die Politik leitende Teil der Exekutive in London bleibt. Zur Durchführung der organisatorischen und propagandistischen Aufgaben sind Vertretungen der Exekutive in Amerika und Europa erforderlich. IV. Der Aufbau Palästinas Das Problem der Gestaltung des Aufbaus Palästinas muß eine der zentralen Fragen des Kongresses sein. Die Entwicklung der Immigration im letzten Jahre erfordert gebieterisch die Festlegung klarer Richtlinien für die Kolonisation. Die Grundlage des jüdischen Palästina muß eine starke jüdische Landwirtschaft, der Träger des jüdischen Palästina muß der Typus des Pioniers, des sclbstarbcitendcn Juden sein. Dieser Grundlage der Kolonisation ist nach wie vor die stärkste Aufmerksamkeit und intensivste Unterstützung zu gewähren. Der Aulbau des Landes muß in erster Reihe aus dem Gesichtspunkt der Notwendigkeiten und Bedürfnisse eines solchen jüdischen Palästina erfolgen und nicht aus den Bedürfnissen der jüdischen Immigration. Auch die Sicdlungsarbcit in den Städten ist zu (ordern, sie muß eingeordnet werden in den Gesamtrahmen eines großzügigen Kolonisationsplancs, der unter Voranstellung der oben erwähnten Gesichtspunkte aufzustellen ist. Die Organisierung der Einwanderung und ihre Regulierung soll in einen solchen KoJonisationsplan einbezogen werden. Bodenwucher und Bodenspekulation sind mit allen Mitteln zu bekämpfen und mehr als bisher müssen die zentralen Instanzen der Bewegung den Aufbau des Landes bestimmen und kontrollieren. Nur so können durch ein neues jüdisches Palästina die Lebensformen des Gallith überwunden werden. ©er neue BfäHi coiniHsssosier Während sich die Zeitungen aller Welt in dem üatespiel übten „wer wird Oberkommissar in Palästina?", :"at die britische Regierung in nicht zufälligem Zusammenhange mit dem Rücktritt Lord Allcnbys vom jg-plischen Oberkommissariat und der Ernennung von >ir Georges Lloyd an seiner Stelle, die Entscheidung -ber Herbert Samuels Nachfolge getroffen. Sic hat den gegenwärtigen Gouverneur von Malta, den Fcldmarschall I-ord Plumer, zum High Commissioncr des britischen ^andatslandcs Palästina ernannt. Plumer ist ein beehrter General und steht im 69. Lebensjahr. Er hat im Sudan und in Südafrika während des Burenkrieges ^gezeichnet, hatte während des Weltkrieges wichtige Kommandos an der Westfront und in Italien und nach J«n Kriege in Köln, dann in Malta milttärisch-administra- •>e Aufgaben zu lösen. Auf die Frage, was die britische Gerung bewogen hat, als Nachfolger Herbert Samuels "«ht einen hohen Beamten zu nehmen, wie es vielfach "wartet wurde, sondern einen Oencral, wird vermieden geantwortet. Unzweifelhaft erscheint, daß nach •tni Weggang Allcnbys aus Kairo und seinem Ersatz :-fch einen Verwaltungsbcamten die britische Regierung •;Jh daran interessiert zeigen mußte, auf der anderen!".iic des Suez-Kanals einen militärischen Sachvcrständi-?(n zu haben. Die hohe strategische Bedeutung Paflinas, die so oft bezweifelt worden ist, wird jedenfalls *ufch diese Ernennung deutlich gemacht. England hat, •Inders nachdem Aegypten unabhängig geworden ist,?somchr Interesse, sich auf dem asiatischen Ufer des ^«•Kanals zu behaupten. ( Weniger einleuchtend erscheint uns die Vermutung, im „Daily Telegraph" geäußert wird und von dort ,,Jdi in die deutschen Zeitungen übergegangen ist, wo-!'c» die kritische Situation im sogenannten Mittleren ^cn, insbesondere die Mossulfrage und der Kurdenauf« ^«d, zur Ernennung eines Generals Anlaß gegeben ^'te. Es ist nicht anzunehmen, daß die britische Rejjie- \ zum High Commissioncr in Palästina einen Mann *>cht, dessen zentrale militärische Aufgabe in Meso- ^»mien zu suchen ist , In der englischen Presse wird der Hoffnung Ausgegeben, daß Plumer, der nicht nur ein schneidiger. General, sondern ein taktvoller und geschickter Vcrwaltungsbeamtcr sei, sich auf seinem neuen Posten als der Staatsmann zeigen werde, der auf diese Stelle gehöre. In der Tat wird das der Wunsch sein, mit dem die Zionistcn der ganzen Welt die Ernennung) Plumcrs begleiten. Nachdem der Kolonialminister Amcry sich soeben in Palästina von der Lage der Dinge und dem Forlschritt des jüdischen Sicdlungswerkcs überzeugt und seiner Zufriedenheit sowohl in Palästina, wie bei der Eröffnung des Palästina-Pavillons der Ausstellung In Wcinblcy öffentlich Ausdruck gegeben hat, wollen wir nicht daran zweifeln, daß Amery als Herbert Samuels Nachfolger einen Mann gewählt hat, der Ihm geeignet erschien, die Politik der Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk fortzusetzen. F. L, Lord Pioniers Lebensoang Der neue High Commissioncr von Palästina, Marschall Herbert Clt. O. Plumer, ist im Jnlirc 1857 geboren und trat 1876 in den britischen Militärdienst, Er zeichnete sich 18S4 Im Sudan und später als höherer Offizier Im Burcnkricßc aus. Während des Weltkrieges hatte er größere Kommandos am westlichen Kriegsschauplatz als Befehlshaber der britischen zweiten Armee und befehligte dann die englischen Truppen, die an der italienischen Front kämpften. Vom Dezember 1918 bis zum Frühjahr 1Q10 befehligte er die britische Rheinarmee mit dem Sitz in Köln und wurde Im Juni 1910 zum Oberkommandeur von Malta ernannt, wo er bisher tätig gewesen ist. Er erhielt 1918 den Baronstitel, etwas später den Rang eines britischen Marschalls. Nebcnkoofjrcsse Ii Wies Wien. (J.T.A.) Im Zusammenhang mit dem in der zweiten Augusthiilfte In Wien stattfindenden 14. Zionlstcn- Kongrcß wird ein Weltkongreß der hebräischen Lchrcrschalt abgehalten werden. Die Anregung geht von der hebräischen Lehrerorganisation Palästinas (HUtadruth Hamorim) aus. Erwogen wird die Schaffung einer Weltorganisation hebräischer Lehrer. Im Anschluß an den XIV. Zionistcnkongreß findet in Wien ein Kongreß des „Brith Hanoar" statt, der zum ersten Mal im Vorjahre in Danzig tagte. Um dieselbe Zeit wird auch ein Kongreß jüdischer Ingenieure und Architekten, die am Palästina-Aufbau interessiert sind, ..tattlüvien, Rothschild In Tel-Aulw Tcl-Awiw. (J.T. A.) Am 17. Mai traf Baron Rothschild in Tcl-Awiw ein. Der Empfang durch die Einwohner der jüdischen Stadt war ein überaus herzlicher. Der Tag wurde als Volksfcicrtng erklärt, alle Häuser waren mit der britischen und jüdischen Flagge geschmückt, in den Straßen wogte eine freudig bewegte Menge. Abgesehen vom Besuch Lord Balfours hat Tcl-Awiw noch nie ein so festliches Bild geboten. Die offizielle Begrüßung fand in der Großen Synagoge statt. Der Baron wurde von einer Abordnung, mit Tliora-Rollen. eingeholt und in die Synagoge geleitet. Die Rabbiner Aaronsolm und Uziel segneten ihn, worauf der Bürgermeister Herr Dizcngoff den Gast im Namen der Stadt willkommen hieß. Baron Rothschild dankte tief bewegt und sagte, nie habe er es so tief bedauert, nicht hebräisch sprechen zu können, wie heute. Er bat eine Person aus seiner Begleitung, seine Rede ins Hebräische zu übertragen. Der Baron sprach den ersten Pionieren Palästinas seine Anerkennung aus, die in fünfzig Jahren harter Arbeit die heutig« Entwicklung vorbereitet haben. Bei all seinem Optimismus habe er einen so schnellen Fortschritt nie erwartet An diesem Fortschritt haben die britische Verwaltung und die weise Politik Sir Herbert Samuels einen großen Anteil. Die Juden in Palästina mögen die hohen jüdischen Ideale pflegen und alles tun, um in Frieden mit den Arabern leben zu können. Der Baron schloß: mit den Worten: „Gott schütze die nationale Heimat!" Die dicht gedrängte Menge in der Synagoge stimmte begeistert den Hymnus „Hatikwah" an. Damit war die Zeremonie zu Ende. Am Nachmittag besichtigte Baron Rothschild cino, Anzahl Industrieller Unternehmungen in Tcl-Awiw, dann wurde er zu dem nach ihm benannten Rothschild-Boulevard geleitet, wo er von 5000 Kindern begrüßt wurde, Zionistische Jihreskonlmnre« Die 26. Jahreskonfercnz der Englischen' Zionistischen Föderation findet in London am 5. Juli statt. Die Jahrcskonvention der amerikanischen Zionistcn Ist für den 28. Juni nach Washington einberufen. (Ziko.)