Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 40 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer O.30 Goldmark m E» J C*~™J und Verla* W 15. M«lnck*»lr«CU 10. Erscheint! *'/,»" DlewUtf und FrtlUg. Bcngtpreli b«i der Expedition r„illiob 135 Goldnurk, Vi«rt.ü JbrUcb 5.25 Goldcairk. ', „JubM«»«"'« «•">•■ >• <!•' WtVritl *»t tlnr«lt»o IHAtt barackMl Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b. II, Berlin W15. M«b«kcttr.lO TeWphom Ami Blimarck 7165—70. Aaitle*Dpr«lit8(<tptlLNe^uiai«i*lli0l4OG/'M.SI«U«*t«tvek*0,%O^M A>ul(«aicKI«Si DI««iU| ■<! Fr.lt.| «»«kaltlM «UW. ** TT' fMT y f^«fM|w.,?^Myq»|f!*« jggfcg-il.1 ^^r^rr^if "ü-rftgl Tclcplioni Hismtrk 7165-70. Poiticheckkontoi Ilcrlin Nr. 17393. Vtt OtiUrtilttii Po«IipmI«im».ioI Wir«, Ke»l» Nr, IW'A fat T.th.ckoilowA.li Poilap.rkaiMa.ml Pf Koala Nr. V «KX PS* PoImi l'oiKpukmtoLi WarKbio. Koni« Nr. 1*010«. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. nwDin fTO 1 XXX. Jahrg. []ummor 40 /■ Berlin, 22. V. 1923 ^famenmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmummä.......... ■■i.. .....■■............ .-■ ■■ ■ - ■ - , - ^zionUmus erstrebt fOr das Jüdisch« Volk die Schaffung cdnor dlf ntHch ■ rechtlich fjoalcharlen Heimstätte in Palästina. „Paactor Programm.'« alle gäoiniBQiil^cDjiC JTm^?@iigl \ Im August f indot der XIV. Zionistcnkongreß In Wien statt. Ei wird darauf ankommen, daß der deutsche Zionismus |Sf diesem Kongrtfi in der Stärke vertreten Ist, wie es seiner Bedeutung für die zionistische Bewegung zukommt. Die Grundlage des Kongreßwahlrechtes bildet die ZalU der «abgelieferten Scheitel, I, eindeutig die Stärke der zionistischen Bewegung dokumentiert In diesen Tagen beginnt in ganz Deutschland dl« Schekelalctlon, die alle Anhänger des ziomsWcchen Gedankens flehen soll. Die zionistische Jugend hat die Pflicht, an dieser Arbeit nach den bereits ergangenen Anordnungen ^tt Leitungen teilzunehmen. - Das Gelingen der Aktion hingt von Euch ab. Wir rechnen auf Eure Disziplin und Euer zionistisches Verantwortungsgefühl. Bundesleitung des Blau-Weiß Werner Bloch Zionistische Vereinigung flir Deutschland Vereinigle zionistische Jugendbllndc Merlin» Pr&sidium des Kartolls jüdischer Verbindungen Herbert Foerder, Siegfried Kanowitz Bund zionistischer Korporationen Dr. Zwirn Herxl-Cl.jb Arthur Hirsch Zionistischer Studentenveroin Hntlkwsh Jüdischer Turn- und Sportverein Bax-Kochba Jung-Jüdischer Wanderbund Hans Beyt, Fritz Lichteostein, Hans Noack Zlon. Jugendverein Hechawer Kurt Kramarski ZOT ZiÄiilÄI! M€@l®dt€ Aus drei Quellen ist der heutige Zionismus gc- [3?scn: aus dem nissischen Chowewe-Zionismus, aus im politischen Zionismus Theodor Hcrzis und aus :tr, vor allem von Achad-Haarh befruchteten, hebräischdtjrcllcn Renaissance-Bewegung. Die Erkenntnis von itr entscheidenden Bedeutung Palästinas, die Notwendigitit, das Land, durch Arbeit, der Juden wieder zum jüdischen Lande zu machen, ist der unverlierbare Qcwinn 12$ der Bewegung der Chowcwe Zion und der Bilu. "-!e Einsicht, in .das. Wesen der Judenfrage als einer •Jtionalen Frage, deren Lösung durch politische Mittel rj erreichen sei, ist der Kerngedanke von Hcrzis poliischem Zionismus. Die Erkenntnis endlich, daß Rc- «issance des Landes und des Volkes untrennbar verzapft werden müßte mit der Renaissance des Geistes, ::r Kultur und der Sprache, fand immer stärkeren tsjang in die zionistische Ideologie und Praxis. Unytelbar vor dem Kriege konnte man diese drei Ströt.ngen als vereinigt ansehen: man sprach mit Weizj-inns Wort vom synthetischen Zionismus. *c Auffassung war etwa die, daß die Gründung einer "«ntlich-rcchtlich gesicherten Heimstätte für das jüiithe Volk in Palästina nur dadurch geschehen könne, •»3 Juden in das Land gingen, es bebauten und in zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Macht- ''>ior würden. Diese Palästina-Tätigkeit zu ermöglichen, zu fördern, und Hindernisse aus dem Wege zu »jmen, galt als die Aufgabe der politischen Führung. In dieser Situation brach der Krieg aus, der zu- -ichst mit Naturnotwendigkeit die wirtschaftliche und titurcllc Palästina-Arbeit auf ein Minimum reduziert '■'■i Mies Interesse auf die Politik konzentrieren mußte, :; dann zu den bekannten Ergebnissen geführt hat. *! dem Aufhören des Kriegszustandes, mit der Wiederi:"f normaler Verhältnisse hat dann die Politik Schritt •r Schritt von ihrer beherrschenden Stellung weichen :'-s<cn und wurde wieder zur Dienerin der Kolonisation. t5 Rroßcn und ganzen besteht die Ideologie des syn- Aschen Zionismus heute wieder zu recht. Vorauf beruht nun das unzweifelhaft in weiten ''tecn der zionistischen Bewegung vorhandene Gefühl ideologischer Unsicherheit, von der Notwendigkeit Wichprüfung der geistigen Grundlagen unserer ug? Es werden hierfür verschiedene Antworten;; Die häufigste, der wir erst vor kurzem in •Htrcm Blatte Raum gegeben haben, geht dahin, der ^ismus sei aus einer umfassenden nationalpolltischon ^Sung zur Lösung der Judenfrage und zur Er- ^««ng und Organisierung des ganzen Volkes zu einem ^•iiin-Kolonlsatlons-Vcrcin geworden, dessen prak- Tätigkeit r.ich im Gcldsammcln erschöpfe. Von ^f anderen Seite her wird hinzugefügt, daß diese '•Verliehe Tatsache sich ja erfreulicherweise In dem ^'enblick ändern werds. wo die Zionistische Organieinen wesentlichen Teil ihrer praktischen Funkan die erweiterte Jewish Agcncy abgeben und die Möglichkeiten finden wcrde,.slch ihren „eigent- Mo Aufgaben" zuzuwenden. w»r uns hier mit der prinzipiellen, theoretischen VU,nduRtJ befassen wollen, so sei darauf verzichtet, ^yjend auseinanderzusetzen, daß die praktische Arbeit '»rüsten und der Zionistische* Organisation auch nach Konstituierung der erweiterten Agency sich voraussichtlich weit weniger von ihrem gegenwärtigen Zustand unterscheiden wird, als das von vielen Seiten offenbar angenommen wird. Aber prinzipiell soll gefragt werden, ob in der Tat die Grundbegriffe des Zionismus eine ganz andere geistige Haltung und daraus.hervorgehende praktische Betätigung verlangen, als sie in der Realität gegeben sind. Zunächst darf nicht verkannt werden, daßes eine allgemein anerkannte zionistische Ideologie nicniaU gegeben hat. Die Sozialdemokraten aller Schattierungen, vom rechten revisionistischen Flügel angefangen bis zum Bolschewismus erkennen in dem philosophischen und ökonomischen Gcdankcngcbäudc von Karl Marx die geistige Grundlage ihrer Bewegung an. Und ideologische Auseinandersetzungen der einzelnen Gruppen betreffen fast immer die Auslegung und Erklärung Marxschcr Gedankengänge. Etwas Entsprechend« hat es bei uns nie gegeben. Die Begründung des Hcrzlschcn Zionismus, als einer Volkswcrdung wider Willen, erzwungen durch den Antisemitismus, der die den Juden 6o erwünschte Assimilation zum Scheitern brachte, stand in schärfstem Widerspruche zu anderen Auffassungen, die, wie etwa Achad Hanin, nicht vom Feinde, sondern vom jüdischen Volk selbst ausgingen und aus den Inneren oder äußeren Bedürfnissen desselben den Zionismus abzuleiten versuchte. Wir gingen vom Begriff der Judcniragc nus, wir erklärten das Gohisdnseiu des jüdischen Volkes für anormal und sahen die Lösung, also die Normalisierung In der Konzentration des Volkes in der alten Heimat auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage und mit eigener Kultur. Aber abgesehen davon, daß der eine die geistige Unproduktivst, der andere die wirtschaftliche Vcrmittlcrtätigkcit, der dritte die Bedrohung durch den Antisemitismus, wieder ein anderer die Gefahr der nsslmilalion für den entscheidenden Faktor hielt, übersah man im Anfang völlig, daß Palästina nur beschränkten Raum bot und daß mit dem Fortbestehen einer Palästina zahlenmäßig sehr überlegenen Diaspora gerechnet werden mußte. So werden wir uns heute scheuen, von einer Lösung der Judenfragc durch den Zionismus in dem Sinne zu sprechen, als wenn dos Golusdasciu des jüdischen Volkes durch den Zionismus aufgehoben werden könnte. Es dürfte heute Allgemeingut zionistischer Erkenntnis sein, daß eine Lösung der Judenheitsfrage in einem' auch äußerlich alle Juden umfassenden Sinne nicht existiert Das kam zum deutlichsten Ausdruck, als das Kopenhagener Manifest der Zionistischen Organisation außer der Anerkennung des Rechts auf Palästina auch die Gleichberechtigung für die Juden aller Länder und die nationale Autonomie in den Ländern der Massen- Siedlung als Teile eines zionistischen Programms proklamierte. Wenn also Palästina nicht dxs Land ist, das mechanisch die gesamte Judenheitsfrage aus der Welt schaffen kann, so ist die Frage, worin die Begründung unseres Zionismus liegt, dahin zu geben, daß wir die Lösung der Judentumsfragc und damit in Wahrheit die Lösung der Judenfragc erstreben. Unser Ziel Ist, nicht In einem beliebigen Lande, sondern in Palästina Juden die Bedingungen eines normalen Volksdajicins zu verschaffen, und zwar zunächst um derjenigen Juden willen, die selbst nach Palästina gehen, um dort den Kcr.i des neuen Volkstum« abzugeben. Mögen andere jüdische Gruppen aus welchen Gründen auch immer an der Schaffung dc9 jüdischen Nntionalhcims mitwirken, mögen für sie Oe« danken der Hilfe und Philanthropie maßgebend sein, der entscheidende F?kor für uns bleibt* dem Vortrupp, der das Leben im Golus nicht um äußerer Verfolgungen, sondern aus seelischen Gründen als möglich empfindet, in Palästina zu ermöglichen, dort Ercz-Isracl zu schaffen. Weil wir erkannt haben, daß eine Wiederbelebung der schöpferischen Fähigkeiten unseres Volkes nur möglich ist, wenn dieses Volk gesunde, wirtschaftliche und politische Dascinsbcdingungcn hat, deshalb wollen wir den Zionismus. Diese ideologische Einstellung kann in der Tat zu klarerem Ausdruck kommen, wenn wir die Last des Aufbnus mit anderen teilen werden. Freilich auch in der Zukunft werden wir uns nicht aus jener propagandistischen und geldsnmmclndcn Tätigkeit zurückziehen können, die heute zum einzigen Inhalt unserer Bewegung! geworden zu sein scheint. Unsere Aktivität und Energie wird weiter an dieser Arbeit entscheidend beteiligt sein müssen. Aber mehr als je werden wir uns jetzt der Aufgabe zuwenden können, Menschen zu gewinnen, die nicht das Palästinawerk unterstützen wollen, sondern jenem Kern anzugehören wünschen, der selbst das Land erbaut Unsere Arbeit im Gallith muß also vor allem in der Gewinnung und Erziehung neuer Menschen bestehen, vor allem jugcndliclwr Menschen durch Jugendbewegung und Pionlcrtum. F. U Der neue High Commlsstoner Wie wir nach Redaktionsschluß erfahren, ernannte die britische Regierung den General Lord Plumcr zum High Commissloner von Palästina. Kerci-üalcssod Einginge In April 1925 Vereinigte Staaten von Amerika Polen: Warschau..... Lemberg ..... Wilna ... ., * .. .,■ Krakau ' . ... . Dnitf.rliland ...... Arge nliiiien ........ Süd-Afrika........ Ruiiunlcn: Bukarest .... Czernowliz .... . . ... .20,816.18. 8 £ 2855.-. 3 £ 531.15.10 .£ -103.51.'3 £ 319. 3. 0 4,255.15. 1 .....3,066.17. 6 . •. . . . 3,000.—.— ..... 3,000.-.- £ 1228. 3. 9 £ 212.16. 4 1,441.-. 1 England............... 1,050.—.— Holland............... 654. 5. 9 Marokko.............. . 628. 3 5 OcMcrrcich ............. 5W.17.*m Tschechoslowakei........... 531.3.11 319.17 5 30O.—!— 284. 1. 1 2(>S.—. 1 172.10.10 80. 9. 5 64. 6. 2 55.10.- 51. 3.- 32.14.11 8.-. 7 —. 5.— Schweiz............... Litauen............... I'.il.istliia.............. Lettland............... Schweden n^ad-Lothrlngen ........' . . . Kstlniul ............... Danzlg ............... Aegypten ,............ . Dänemark .............. Norwegen .........'..... Flnzclnc Beilrage .........._ 40,081.-. 9 Die OesamtcIngSnge beim Hauptbüro des Kcrcn Hajcssod belaufen sich b:s zum 30. April auf £ 1,813,007.17.7. S. E. Lamporls Palsstinxclndrückc Auf der Rückreise von Palästina nach den Vcreiniglcn Staaten traf Mr. S. IL Lamport, einer der führenden luden der Vereinigten Staaten, in Berlin ein. In einem Gespräch mit dem J.T. A.-Vcrtrctcr schilderte Mr. Lamport seine Lindrücke In Palästina. Mr. Lamport, der als Vizepräsident des Joint Distribution Committce und als einer der Führer der Kampagne zugunsten des Authautonds der GcwlkctuU „ORT" an hervorragender Stelle im jüdischen sozialen Leben tätipr war, hat sich nun auch mit dem Aufbauwerk in Palästina vertraut gemacht. In Gesellschaft des bekannten Philanthropen Mr. David A. Brown aus Detroit, dem Leiter der Kampagne zugunsten der Palcs'inc Economic Corporation, wanderte er 30 Tage lang krciu und quer durch Palästina, von KwuiMh zu Kwuzah. Unser Erlebnis war, so erzählt Mr. Lnmnort, der neue jüdische Meiischcntyp, wie er jetzt In Palästina sich entwickelt, und zwar so entwickelt, «laß er nicht allein der Slnlz des liitllni-lieii Volkes, sondern auch das Symbol der Höherentwicklung der Menschheit werden wird. Wir sahen Menschen: stolz, frei, ohne Furcht und ohne Eigennutz. Wenn man diese Menschen erlebt, so lernt mau alle Ismen, alle Methoden der Propaganda, gering schätzen; man empfindet es, was es nun heißt, sich mit uanzer Seele einsetzen. Ich bin ein stolzer und loyaler Amerikaner, mein Amcrikanismus hat mich aber nicht daran gehindert, daß sich meine jüdische Seele entflammt hat, nachdem ich die neue Jugend in Palästina erlebt habe. Nunmehr weiß Ich: wir Juden haben der Welt noch viel zu geben. Nichts würde mehr dem Antisemitismus den Boden abKraben, als die allgemeine Erkenntnis der Tatsachen In Palästina. Wir lernen In Palästina, daß der jüdische Sieg nicht ein materialistischer, sondern ein geistiger ist Der Chaluz in Palästina verkörpert den Typ dca .physisch-geistigen Menschen, ein Typ, wie Um kein- Land in der Welt aufzuweisen hat t