Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 32 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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April einen Empfang, zu dem Vertreter [ jüdischen und arabischen Bevölkerung igcladcn wurden. Amcry erklärte einem Vertreter des Reuterfuro?, die englische Regierung halte an Ihrer Politik des Jüdischen Nationalhcims in Pastina fest und begrüße mit Genugtuung die unter jjn Juden herrschende Tendenz, sich der mdwlrtschaft zuzuwenden. London. (J.T.A.) Der britische Kolonialminister Mr. 5. Amcry besuchte am 17. April die jüdische Kolonie ichon-Ie-Zion und unterzog dort insbesondere die rdnkellcrclcn einer eingehenden Besichtigung. Der Minister icli eine Ansprache an die versammelten Kolonisten, in der msführtc, die britische Regierung erstrebe cOründung eines jüdischen Nationalheims Palästina auf gesunder wirtschaftlicher Qrundlage; freue »ich deshalb, mit eigenen Augen beobachten zu Ü«cn, wie sehr die Judenschaft dieser Kolonie zu landschaftlicher Arbeit belähigt ist. Die an ihn gerichteten »iriischen Begrüßungsansprachen hätten ihn um so mehr reut, als er aus ihnen das Wiederaufleben des ebräischen als einer lebenden Sprache mit kwunderung feststellen konnte. Von Rischon-Ic-Iüon begab sich der Minister nach Telwiw, wo die Stadtverwaltung ihm zu Ehren ein Festessen ib. Der Bürgermeister von Tcl-Awlw, Herr Dizengoff, «ch den Toast auf den König und richtete dann im Simcn der Bevölkerung von Jaffa und Tel-Awiw an den Minister die Bitte, einen modernen Hafen in Jaffa mit «cm Landungsplatz am Strande von Tcl-Awlw bauen zu issen. Mr. Amcry sagte in seiner Antwortrede, er 6che mit tlrlcdigung, wie sich Tel-Awiw .entwickelt hat, er habe doch die Empfindung, daß Tel-Awiw nur dann gedeihlich uchsen wird, wenu es sich nicht allein'auf Industrie und Kindel, sondern auch auf eine gesunde'Landwirticha11 stut zt. 'Zu diesem 'Zweck' müsse die Stadtveriltung für einen, hinreichenden Bodenzuwachs zwecko Erching eines' landwirtschaftlichen Teils' Tel- »iws sorgen. Ich habe — so schloß der Minister seine We — heute einen sehr interessanten Morgen verbrach». XlowUmu» erytfbt fOr de» jüdisch« Wolle die Schaffung einer fltf entlieh ■ rechtlich ge»lch«rtan MolmstHtta In Palästina. „Baseler Programm.« . Amery in Palästina Der Kolonialministcr über die britische Politik Zuerst beobachtete ich die Tätigkeit der alten Pioniere in Rischon-le-Zion, Jetzt habe Ich ein Bild von der Arbeit der neuen Pioniere in Tel-Awiw. Von Tel-Awiw begab »ich der Minister zur Ruthenbergschen Elcktrizitätsanlagc. Dann unternahm der Mlnlutcr einen Spaziergang durch die Stadt und den Strand von Jaffa. Hierauf begab er sich nach Haifa. In Begleitung des Ministers befanden sich der Unter- Staatssekretär des Kolonialanites Sir John Ii. S huck bürg Ii, Captain Wallacc und General Sir Ronald Storrs. Ein Briet Oaltoori an Welzmani Jerusalem. (J.T.A.) Dr. Wclzmann erhielt am 17. April einen Brief von Lord ßalfour, der nach dessen Abreise aus Syrien nach Aegypten geschrieben war. Lord Balfour schreibt, er freue sich, noch einmal Gelegenheit zu haben, Dr. Weidmann für die Einladung zur Universität», cröffnung zu danken, wodurch ihm Gelegenheit geboten wutdc, den Fortschritt des großen Unternehmens in Palastina, „das uns allen ein so tiefes Interesse abringt", festzustellen. „Das Hauptcrclgnis meines Besuches", setzt Lord Baltour fort, „war die Eröffnung der Universität. Aber auch die höchsten geistigen und moralischen Ziele halten nur halben Erfolg, wenn nicht Hand in Hand mit ihnen eine materielle Entwicklung vor sich geht. Deshalb war es mir eine große Freude zu sehen, wie groß der Fortschritt in der alten und in der neuen jüdischen Siedlung ist. Ich hoffe, daß die Erfolge eine freundschaftliche Zusammenarbeit aller Schichten der Bevölkerung herbeiführen wird." Der Herta IU|tssod Im März Laut einer Mitteilung des Hauptbüros des Kcrcn Hajessod sind im Monat März d. J. 59 617 Pfund eingeflossen. Diese Summe Ist bis jetzt nur einmal, Im Mal 1023, übertroffeu worden, In welchem Monat 66000 Pfund eingeflossen waren. Die Einkünfte im vergangenen Monat reichten hin, um das vollständige- Monatsbudget der Palästinaarbeit zu decken. Zu den Mhrzcinkünften steuerten u.a. Amerika 33 500 Pfund, Deutschland etwa 5000 Pfund, Polen und Rumänien Je über 4000 Pfund, Südafrika 3000 Pfund bei. Die steigende Palästina-Einwanderung stellt an den Kcrcn Hajcssod sehr hohe Anforderungen; das normale Eluwanderungsbudget reicht für die Erfordernisse lange nicht mehr hin. Die prophetische Sendung Eugen Hoefllch stellt uns nachstehenden Abschnitt aus einem an ihn gerichteten Briefe des Japanischen Universitätsprofessors Kanokogi zur Verfügung. Der Schreiber ist genauer Kenner Indiens, Japanischer Interpret Oindhis, und kennt das Judentum; er hat auch die Propheten im Urtext gelesen. .... Sic fragen nach meiner Ansicht über die Bc- Endung der Hebräischen Universität in Jerusalem, »'s Freund des jüdischen Volkes, als Verehrer und Bewunderer <ü unvergleichlich tief ernsten ethischen Wertes des Juden- •«©s, vollcnd dessen Prophetismus kann ich diese große twtige Tat der gegenwärtigen Juden io der ganzen Welt l»f mit der größten Begeisterung begrüßen. Meine Bcfetcrung dafür aber gleicht der Erwartung, die ich an diese fandung knüpfe: mir schwebt der Gedanke vor, daß diese L'?iversltat keine gewöhnliche Universität sein kann und sein l* Der Erfolg und der Mißerfolg dieser Oründung scheint ,8a dem Oradc abzuhängen, wie viel und wie weit sie die ,( von vornherein auferlegte Aufgabe, ihre wahrhaft gütt- Aufgabe erfüllen wird. Ungemein groß scheint mir *«e Aufgabe zu sein. Muß doch in erster Linie die Hebra- "*c Universität die ungeheure Arbeit der Wiedererweckung Verstärkung des echt prophetischen Ocistcs unter den «[streuten Mitgliedern des Volkes übernehmen, von denen '"«e manche unter dem heuchlerischen Gewände der „Assi- ["'«ion" gerade das wertvollste Erbe und den unauslöschlich, '«tu Beitrag des Judenrums an der Entwicklung der gesamten ^«»chheit verschmähend, sich selbst zu ewiger Verkrümmung ".^Verkleinerung verdammen. Das heutige Judentum bedarf wahrhaften •Ncubclcbung, einer. Selbstreinigung, einer!{ gehenden, echtjüdlschen, ich möchte sagen prophetischen ^'Rclsclung: der Selbstkritik. Dies muß die erste und Jfnehmste Aufgabe der neuen jüdischen Universität sein.;cm diese erste Aufgabe erfüllt sein wird, dann wird sich 5 I*clte Aufgabe schon von selbst ergeben: der modernen und seelenlosen europäischen Kultur, die voll erfüllte ^krete Idee der ethischen Persönlichkeit zu geben. Ich *lont ' „ethisch", die neue Persönlichkeit kann 6,r Ganz kernhaft substanziell sein. So allein kann sich f trhibene prophetische Wort eines Jeremias, elnci Jesajas * das ganze jüdische Volk neu bewahrheiten. . . p»ß die großen und reinen jüdischen Frauen unä "Männer u E"dc doch diese schwere Aufgabe.erfüllen,werden, hoffe ,'; m't festem Zutrauen im Andenken an die.großen Helden •we» Volkes« die Bich unter schlechteren' Umständen die /'»Rkeit errangen. An.sich ist «Q der Zukunft und Aussicht Universität nur Oyles. Aber Ich möchte nicht ein mir . *uimig erscheinendes Omen verschwelgen. Es scheint mir, Wrde die Unlversitit unter einer nicht gm glücklichen politischen Konstellation geboren sein. Was ich darunter meine, verstehen Sic ja von selbst, denn kein anderer als eben Sie haben in Ihrem letzt erschienenen Buch vor dieser unheilvollen politischen Konstellation gewarnt. Ich glaube nicht, meine diesbezüglichen Bedenken weiter ausführen zu müssen: Ich möchte trot/ilcin meinem Olniibcn Atmlnick geben, daß trotz dieser Konstellation es dem jüdischen, einem orientalischen, Geiste gelingen wird, auch In diesem Falle das wunderbar zähe und kraftvolle Ocnie des Judentums voll und ungehindert entfalten zu können. Ihr Prof. K. Kanokogi. Die Entrechtung der |Bdliehfn Spreche Ii Polen Warschau (J.T.A.). Der Jüdische Parlanienlskltib veröffentlichte über die Verfolgung der jüdischen Sprache in Polen eine Erklärung, In der es u. a heißt: Der jüdische Parlamcntsklub beschäftigte sich eingehend mit der Antwort des Innenministers auf die Interpellation der jüdischen Deputierten wegen des Verbots von Reden Iii Jiddisch in öffentlichen Versammlungen. Die jüdischen Deputierten sind sind einig darüber, daß alle Jüdischen Man datarc und die gesamte jüdische Bevölkerung dieses Attcu tat auf ihre Sprache mit der größten Energie abwehren müssen. Der Parlamcntsklub beschloß einstimmig, alle Mittel anzuwenden, um diesen unerhörten Angriff auf die Verfassung, welche die elementaren nationalen Rechte ga> rantlcrt, abzuwehren. Der Parlamcntsklub wird den Innen' minister auffordern, im Sejm die Stellung der Regierung zu dieser Frage klar zu präzisieren. Das Ctmeladegeselz Ii Lllaaei Kowno. (J.T.A.) Der litauische Sejm hat mit seiner christlich-demokratischen Mehrheit das Oesetzprojekt Über die jüdischen . Gemeinden in erster und zweiter Lesung a n genommen. Wie bekannt, Ist das Oesetz gegen den Willen der jüdischen Sejmfraktion und der gesamten jüdischen Bc völkerung Litauens eingebracht worden. Es beschränkt die Autonomie der jüdischen Gemeinden in Litauen in empfindlicher Weise und entzieht insbesondere den Ocmcinden das Recht, die Steuer zwangsweise einzutreiben Die jüdischen Deputierten, auch die Vertreter der orthodoxen Partei „Achduth" sprachen sich in schärfster Form gegen diesen Anschlag auf den letzten Rest der jüdischen Autonomie in Litauen aus. Sie bezeichneten die Annahme des Gesetz* Projektes als einen Racheakt der rechten Parteien für die Jüdische Widerspenstigkeit". ' Der Oberkommissär Die Rede, die Sir Herbert Samuel bei der Eröffnung der Universität gcliallcn hat, bildete nach dem Urteil vlolcr Teilnehmer den Höhepunkt der ganzen Veranstaltung und (ibertraf, sowohl rhetorisch als auch Inhaltich die Rede Balfours. Die Versammlung bereitete dem Obcrkommissiir, der sich in so yornchmer und dabei unzwcidcutiRcrwcisc für den großen Oedanken der jüdischen Auferstehung nusgesprochen hatte, eine rauschende Ovation. Diese Kundgebung mag nicht nur der Dank für die gehaltene Rede an den Redner gewesen sein, .wildern eine Demonstration politischen Charakters für den High Cotninissioncr Herbert Samuel. Denn je näher der Zeitpunkt der Neubesetzung des Oberkommissariats rückt, desto stärker zeigt sich, daß die Figur Herbert Samuels sich die verschwiegene Liebe und Verehrung der Juden Palästinas erworben hat, eine Liebe allerdings, die erst im Augenblick der Trennung so recht zum Bewußtsein kommt. Es hat den Anscluin, als ob der Jlschuw, wenigstens in bedeutenden Teilen, heute dem Obcrkommtssär gegenüber wieder ein ähnliches Verhältnis hat wie vor fünf Jahren, ab; Samuel nach Palästina kam und dort mit ungeheurem Jubel empfangen und als der erste jüdische Statthalter gefeiert wurde. Dieses Verhältnis beruht mehr auf einer gewissen Sentimentalität als auf klarer politischer Erkenntnis. Denn sclion int ersten Jahre seiner Regierung, Im Anschluß an die Rede vom 3. Juiil 1921, schlug die Stimmung um, und seitdem haben die scharfen Angriffe gegen Samuel nicht mehr geruht. Man warf ihm geradezu Verrat an der Sache der jüdisch-nationalen Heimstätte vor, jede seiner Maßnahmen wurde von einem einseitigen Gesichtspunkt aus leidenschaftlich kritisiert, und es Ist kein Ochclmnis, daß innerhalb der zionistischen Kongresse und Tagungen die Stimmung für Herbert Samuel sehr ungünstig war. Nicht nur der Londoner „Jewish Chroniclc" vcrlntfgtc und verlangt noch heute beharrlich Samuels Abgang, sondern auch ein großer Teil der palästinensischen Presse stieß jahrelang in dasselbe Horn. Die „Jüdische Rundschau" gehörte zu den ganz wenigen zionistischen Organen; die für die schwierig« Position des High Commlssioners und für die Weisheit seiner ix>litlschcn Linie Verständnis hatte und auch innerhalb der zionistischen Welt sich bemüht hat, diesem Verständnis zun» Durchbruch zu verhelfen. Auch wir haben natürlich einzelne seiner Regicningshandlungcn kritisiert, aber wir haben niemals seine Aufgabe als britischer High Comtnissioncr verwechselt mit der Rolle eines zionistischen Parteimanncs, der das zionistische Interesse über jedes andere stellen darf. Der britische High Comtnissioncr konnte auch der Politik des nationalen Helmes nur dann zum Durchbrach verhelfen, wenn er sie in ein System der objektiven Gerechtigkeit der Verwaltung des Landes einzugliedern verstand. Dieses Problem des Ausgleiches divergierender Interessen durch überparteiliche Gerechtigkeit, unangefochten von den persönlichen Wünschen und Träumen des Menschen Samuel, hat der Obcrkommlssär in einer Weise gelöst, die auch im wohlverstandenen Interesse des Zionismus lag. Er hat den Jischuw gezwungen, mit den Realitäten des Landes1, die man so gern ignorieren wolltr, als entscheidenden Faktoren zu rechnen. Die Konsequenz, mit der er au seiner politischen Linie trotz allen Angriffen von beiden Seiten festhielt, zeigt ihn nicht nur nls starken Charakter, sondern als wahrhaft überlegenen Politiker. Daß gerade ein Jude es war, der sich nicht zu einseitiger jüdischer Parteinahme (durch die er, notabene, alles verdorben hätte) hinreißen ließ, sondern über den Partelen blieb, sollte uns zu besonderer Genugtuung gereichen. Mau braucht nur einen Blick in Palästinas Nachbarländer, nach Aegypten und Syrien etwa, zu werfen, um zu erkennen, welche guten Resultate Herbert Samuel* Verwaltung gehabt hat. In Palästina sind heute die Bedingungen für einen erfolgreichen Aufbau, für fruchtbare wirtschaftliche und kulturelle Arbeit, ja sogar für eine friedliche Annäherung der Nationen geschaffen. Allerdings liegt es nur an uns, diese Chancen auszunützen, es stellt ungeheure Anforderungen an unsere Kräfte und unsere Weisheit. Aber wir können mit Ucbcrzcugungi aussprechen, daß ein Verbleiben Herbert Samuels auf seinem Posten ein Segen für das Land wäre. Wir wissen, daß dieses Verbleiben für ihn ein großes persönliches Opfer bedeutete, aber er Ist der Mann, der dieses Opfer zu bringen berufen wäre. Noch immer ist die Frage der Nachfolge In tiefes Dunkel gehüllt. Vielleicht wird der Besuch des Kolonlalminlstcrs Amcry in Palästina zur Klärung beitragen. Wenn der zionistischen Exekutive im gegenwärtigen Stadium ein Weg offen steht, auf die Besetzung des Obcrkommlssariatcs Einfluß zu nehmen, so sollte die» u. E. In der Richtung eines Verbleibens Herbert SomucU geschehen. V T.' t 't Vi " (.'