Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1925)
- Date
- 1925-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IV. 1925...... A«.i<...chiaa, DUn,J^J£^(£^i|^^^ iTDm «]D^ t"D | XXX. Jahr£. '^fonlvit^ Offontllch »rothtllth a«»lch«>rten HalmsHlHo In Palästina. „Qasolor 'Prooromm." Damaskus Berlin, den 20. A^ril 1925. \n anderer Stelle unseres Blattes veröffentlichen wir tt Berichte über die letzten Tage des Aufenthaltes Lord Hilfours in Ercz-Isracl sowie die Reuter- und Havaswjclicn über die arabischen Demonstrationen gegen gjifour in Damaskus und die Rede Lord Balfours in ^xandrien nach seinem verunglückten Besuch in Syrien. Es ist schwer, aus der Ferne zu beurteiten, welche frilfe am Werk gewesen sind, um die Araber in Da- B«»us aufzuhetzen, welche Unterlassungen der lokalen forden in Damaskus den Ausbruch der „arabischen Voikslcidcnschaft" ermöglicht haben und gegen wen sich i( Demonstrationen in Damaskus in besonderem Maße dlchlct haben. Uns interessiert in erster Linie natürlich Härder Umstand, daß die Araber erneut ihrer Ablehnung itt ilonistischcn Bestrebungen Ausdruck gegeben haben, «an es sich auch in diesem Falle um eine Demonstration »eil vom Schuß gehandelt hat. Sicherlich bedeutet für -$ die Tatsache, daß die Massen der Araber in Palästina, tt täglich mit dem neuen Jischuw zusammenkommen ~i seine Arbeit und Bedeutung aus eigener Anschauung ksnen, sich von den Drahtziehern des Antizionismus icht in Schlepptau nehmen ließen, eine große Genugkuhr. Andererseits sind aber die Ereignisse in Damas- Li ein neuer Beweis, daß die Ocgner des Zionismus iicllc am Werk sind und jede Gelegenheit und jedes Mittel in Anwendung bringen, um ihre verschieden!,- liehen Ziele — das Jüdische Nationalhclm in Palästina ist nicht der wahre Hauptstein des Anstoßes — zu ergehen. In diesem Blatte muß nicht noch einmal ausdrück- Ich und feierlich betont werden, daß die jüdische Auffeitmbcit in Palästina sich von jeder antiarabischen Tcndenz frei weiß. Die Zionistische Organisation, die führenden zionistischen Geister sind von dem ehrlichen Streben erfüllt, Hand in Hand mit dem arabischen Volk in Ercz-Isracl den Aufbau des Landes zu bewerkstelligen. Die Segnungen der bisher erreichten Resultate kommen weh den Arabern in hohem Maße zugute. Die Juden <:r,d und fühlen sich nicht als Werkzeug europäischer l'aterdrilckting der arabischen Bevölkerung, noch tarnen sie ins Land als Hcrrcnvolk mit einer Herrenrcnl oder als Ausbeuter und Kolonialherren. Sie wollen «tbst arbeiten, und die Araber in Palästina — zumindest £t arabischen Massen — haben schon heute dank der Htbung des allgemeinen Wohlstandes im Lande einen, höheren Standard of lifc erreicht. Das sind Tatsachen, deren Verständnis dauernd Im arabischen Bevölkcrungsfil des Landes wächst. Nicht die Juden sind Werk- Kug irgendwelcher über die Interessen des Landes hin- »gehender Aspirationen, sondern diejenigen aufgellen Araber, die sich von den Schlagwortcn vermiedener Komitees betören lassen. Immerhin sind wir Zionistcn durch die Vorkommest in Damaskus wieder einmal auf die Wichtigkeit <«f Aufgabe aufmerksam gemacht worden, in verstärktem Mißc um das Vertrauen des arabischen Volkes zu »eben und mit verdoppelter Energie Aufklärung über tatsächliche Bedeutung des Jüdischen Nationalhcims die arabischen Kreise zu tragen. In der ganzen Welt und insbesondere in der Weltpdcnhelt hat selbstverständlich der schrille Abschluß fcf Balfourrcise peinlich gewirkt. Es freut uns, festhalten ri können, daß Balfour — seine Rede in Alexandrien fcwcist es — weit davon entfernt ist, dem Zwischenfall if| Damaskus eine besondere Wichtigkeit beizumessen, «ch wir Zionistcn werden gut daran tun, die Damaskus- '"»re nicht zu überschätzen. Andererseits aber müssen *ir den Kern herausschälen, der in den Ocschchnisscn U Syrien Bezug hat auf unsere Bestrebungen und auf Aufbauarbeit in Ercz-Isracl. Unser ehrlicher Wille die Reinheit unserer Absichten gegenüber den "»bern werden schließlich doch die Mißverständnisse 1* die aufgebauschten Interessengegensätze aus der ^schaffen Mw M.W. Ein Abkommen Iba Sandi mit Enfjliid , ^>e der „V o s »l» c h e n Zeitung" aus Konstantlnopcl «meldet wird, hat da« Haupt der Wahabitcn, Ibn Saud, wf. E"ßland ein Abkommen geschlossen, In dem «Ich die "«biten verpflichten, keinen neuen Angriff gegenTrans- 0fd'nlen zu unternehmen. Dagegen soll sich England '"pflichtet haben, König All von Hcdschas weiterhin nicht?7 materiell zu unterstützen. Dieter Vertrag «ei gleich C,(u c"d ml; der englischen Anerkennung des heutigen Mach» "»lüci ibn Saud«. _ Im Hirz 3300 jüdische Elawaulerer „J«rusal em. (J.T. A.) Wie die PaL Tel-Agentur meldet, kn? VerUui des MonaU Mirz d. J,3300 Einwanderer " PHiatlfl* eingetroffen, ' ' Der XIV. Zionislcnkonflrcß London, 17. April. Das Büro der Zionistischen Exekutive teilt heute offiziell mit, doQ der XIV. Kongreß für den 18. August nach Wien einberufen ist. Einzelheiten und Tagesordnung werden noch verlautbart werden. Der Endtermin für den Abschluß der Schckclsammlung ist auf den 18. Juni festgesetzt. Amcry In Palilsllna Ende der vergangenen Woche sind der Kolonialminister Amcry und der Luftfahrtmiulstcr Hoarc, von Mesopotamien kommend, In Palästinn eingetroffen. Der Berichterstatter der „Wiener MorRenzel tung" (dem wir die Verantwortung für die Richt'gkclt überlassen müssen) meldet hierzu: „Für die nächsten Tage erwartet man in Jerusalem die Ankunft des Kolonialmlnlstcrs Amcry und des Sekretärs für das Luftvcrkehrswcscn Hoarc, die in der Vorwoche sich nach Bagdad begeben hatten. In ihrer Anwesenheit werden zwischen Herbert Samuel und den Führern der jüdischen und arabischen Parteien Besprechungen stattfinden, denen man mit großem Interesse' enlgegensicht, da im Verlaufe der Unlvcrsitätsfclerlichkcitcn eine unverbindliche Fühlungnahme erfolgt Ist, die g u < c Aussichten auf eine Verständigung ergab." Ballours Rede In Alexandrien Ans Alexandrien wird unter dem 13. April der ..Times" eine Rede Ballours gemeldet, die er bei einem Souper der britischen Kolonie, bei der er ru Oiste ßcladcn war, gehalten hat. Er beantwortete eine To.ntrcde, bedmerte alarmierende Berichte, die von besonderen Vorsichtsmanrcpeln für die Sicherheit seines Lebens erzählten und sagte, «lafl ihm derartige Nachrichten absurd erscheinen, da sich während seines Aufenthaltes in PaI>'. *tiin kein einziger unangenehmer Zwischenfall ercilfnet hätte. Sicherlich habe Ihn die Poluci untrr Ihren Sehnt* genommen, wie bei vielen vorherigen Anlassen, .ohne daß damals Gerüchte entstehen konnten über MobilWcriing von Kavallerieregimentern und Maschinengewehrabteilungen. Die Ereignisse der letzten Wochen trugen einen einzigartigen Charakter; ihr Mittelpunkt war ein Ereignis, das keine Parallele in der. Welt hat. In der Geschichte der Menschheit bedeutete Palästina das Sonncnland für drei große Religionen und hat einen so tiefen Eindruck hinterlassen sowohl In der sozialen, bürgerlichen, militärischen und religiösen Organisation der Menschheit, daß wir angesichts seiner geistigen Bedeutung fast seine Winzigkeit übersehen. Unser Land (Großbritannien) hat eine unbestreitbare Rolle in der Geschichte der Zivilisation gespielt, ist aber nicht von fjrollcr Ausdehnung-. Aber nehmet Palästina, es ist nicht viel größer als drei britische Gaue. Es ist (cMg und arm an Boden, und doch hat es seine »o außerordentliche Wirkiniß auf die Menschheit gehabt, weil seine Bewohner eine Art für »ich waren und einzig dastehende Individuen hervorgebracht haben. Ich werde heute nicht über Zionismus debattieren. Niemand weiß es besser als Ich, daß das ein neues, noch nicht vorgekommenes Experiment Ist, an dessen Erfolg Ich aber glaube, und zwar für beide Teile, für Juden und Araber. Ich will mich nicht näher darüber verbreiten, oder Sic um Ihre Meinung fragen, ob Sie einen Erfolg für möglich oder wahrscheinlich halten. Aber um das eine bitte ich Sic: Vermeiden Sie es, die Chancen des Erfolges nach althergebrachten Regeln zu beurteilen. Und vergessen Sic es nicht: Hier kommt nur ein kleiner, unendlich kleiner Teil der Araber in Betracht. Palästina — diese paar Quadratmellen ' nimmt eine besondere Stellung In der Geschichte ein und muß auch demgemäß betrachtet und behandelt werden. Es hat seinen eigenen Charakter, geboren aus seiner Vergangenheit und dieser Charakter wird auch seine zukünftige Ocschichte, beeinflussen. Alles, was ich in Palästina gesehen habe, kann mich in dieser Meinung nur bestärken. Dieses neue Experiment wird wichtige Wirkungen auf jedes Land ausüben, wo Immer die jüdische Rasse in ihrer Zerstreuung lebt. Diese Wirkungen werden niemandem einen Schaden zufügen, und auch sicher die arabische Rasse ganz unberührt lassen. Ich kann mir den Glauben nicht nehmen lassen, daß Juden und Araber gemeinsam Ihre gemeinsame Mission erfüllen werden. Meine Meinung geht dahin, daß die Orößc der Mission eine» Volkes sich nicht In Reden über eine phantastische Wcltbürgerschaft erschöpft, oder daß es Ins Meer der Farbloslgkclt versinkt, sondern, daß jeder sein redlich Teil In Arbeit und Förderung des Fortschrittes der Menschheit leistet.'« 100000 Dollar lOr das Bnstela-httltut Jerusalem. (J-T.A.) Herr Philipp Wattenberg aus New York, der der Unlversltätsfclcr In Jerusalem beiwohnte, stiftete eine Summe von 100000 Dollar für das Einitein-InsÜtut iür Mathematik und . Physik, Der Alltag beginnt Die Festtage sind vorbei, der Alltag beginnt wieder. Nach Lord Balfour kommt der Kolonialminister Mr. Amcry nach Palästina, nicht zu Feierlichkeiten, sondernzur Erledigung bestimmter politischer Geschälte. Was der eigentliche Zweck dieser Reise ist, ist bisher nicht klar. In erster Reihe wohl das natürliche Bestreben des Mannes, dessen Ressort die Verwaltung Mesopotamiens und Palästinas untersteht, sich persönlich über die Lage in diesen Ländern zu informieren. Ein unmittelbares Eingreifen in die Verwaltung ist jedenfalls nicht seine Aufgabe, wohl aber wird er sich von dein- Obcrkomtnlssär unterrichten lassen. Es ist anzunehmen, dal) das Hauptobjckt seines politischen Interesses das Problem der Selbstverwaltung der Mandatsgebiet: bildet, im Zusammenhang mit der angestrebten Reduzierung der Ausgaben, Insbesondere für militärische Zwecke. Die Gerüchte über eine beabsichtigte Räumung Mesopotamiens tauchen in der Prcsr.c wieder auf. Schon vor zwei Jahren stand bekanntlich dieser Gegenstand auf der Tagesordnung, nachdem der britischc'Obcrkommissär für Mesopotamien, Sir Pcrcy Cox, bei einem Bankett die Erklärung abgegeben hatte, daß England Mesopotamien nicht länger als sechs Jahre besetzt zu halten gedenke. Der Versuch, Wahlen im Irak durchzufühen, ist inzwischen gescheitert und die Mossttlfragc gleichfalls noch nicht zum Abschluß gebracht. Dagegen ist durch de Gründung der Auglo-tCirkischcn Pctrolcumgcsclkchaft, die die Konzessionen für die reichen mesopitnmischen Oclfcldcr hat, eines der wichtigsten Ziele Englands in Mesopotamien erreicht, und es ist nicht ausgeschlossen, daß auf dem minder wichtigen politischen Gebiete gewisse Konzessionen gemacht werden sollen. Durch eine Räumung Mesopotamiens würde sich natürlich auch für die anderen Mandatsländer eine neue Situation ergeben. Unmittelbar betroffen wäre zunächst nicht Palästina, sondern Syrien. Der enge Zusammenhang zwischen diesen beiden Nachbarländern hat sich erst jüngst deutlich gezeigt, als England gegen die Ucbergabc des an der Nordgrenze Syriens verlaufenden Zweiges der Bagdadbahn (der für die Türkei zur Bekämpfung des KiirdcnnufstnndcB von größter Wichtigkeit ist) an die Türkei protestierte. In der türkischen Frage zeigen sich am klarsten die großen Gegensätze zwischen Frankreich und England in Vorderasien, die wirksam sind, obwohl man sie nach außen bemäntelt und obwohl erst kürzlich General Wcygand, der frühere Oberkomnüs*är von Syrien, feierlich erklärt hat, daß England und Frankreich in den benachbarten Mandatsgebieten nur in engster Kooperation arbeiten könnten. Insofern allerdings scheint ein direkter Zusammenhang zu bestehen, als schwer denkbar ist, daß ein Mandat ohne das andere erhalten werden kann, wenn einmal in das vom Völkerbund geschaffene System der B-Mnndate eine Lücke gerissen Ist. Wie sich das Schicksal Palästinas dann gestalten wird, ist natürlich auch nicht vorauszusehen; feststehend ist nur das eine, daß Palästina in einer grundsätzlich anderen Situation ist, als Mesopotamien und Syrien, da Palästina das einzige Mnndalsland ist, in welchem ein bestimmter Mandntszwcck feierlich proklamiert und der Mandntarmacht zur Erfüllung übcrtr.itrcm worden ist, ein Mandatszweck, der gerade in den letzten Wochen von den Vertretern aller zivilisierten Nationen In der feierlichsten und cindruckvollstcn Weise neuerlich anerkannt worden Ist. Wie undurchsichtig die Zusammenhänge der Politik gerade In jenen Gebieten sind, beweist der erstaunliche Vorfall während der Anwesenheit Lord Balfours in Damaskus, von dem an anderer Stelle des Blattes die Rede Ist. Man kann nicht annehmen, daß die Demonstrationen mit Wissen und Willen der französischen Mandntarmacht in Szene gesetzt worden sind, andererseits füllt es aber schwer, sich vorzustellen, daß eine solche Aktion, noch dazu In einem orientalischen Lande, vorbereitet werden kann, ohne daß die Behörden davon Kenntnis haben. Was kann General Sarrnü, den Oberkommissär von Syrien, veranlaßt haben, Lord Balfour nach Syrien einzuladen, wenn nicht alle Garantien für einen völlig ruhigen Verlauf des Besuches gegeben waren? Balfours Besuch Syriens'war keineswegs ein offizieller Akt, sondern lediglich eine private Vergnügungsreise, die ebenso gut hätte unterbleiben können. Gibt es keine englische Vertretung in Damaskus, die den Tatbestand rechtzeitig melden und den Besuch verhindern konnte? Alle diese sich dem naiven Betrachter unmittelbar aufdrängenden Fragen werden wohl niemals eine klare Antwort finden. Ob die französische Regierung ihr Bedauern ausspricht, ob die Sache für Qcneral Sarrail persönliche Konsequenzen hoben wird, Ist von sekundärer Wichtigkeit. Sicher scheint nur zu sein, daß die Veranstaltung dieser höchst gefährlichen Unternehmung, bei der, Balfours Leben einen Moment lang in direkter Gefahr schwebte, . irgend Jemandem in den Kram gepaßt haben muß. Mit