Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 29-30 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt* Seite 278 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr. 29/30 Eroa Blankenstein Anläßlich des tragischen Todes von Erna Blanken« Klein crhiltcn wir aus dem Kreise des Zionistischen Frauenbundes nachstehende tiefempfundene Zuschritt. Er ist nicht leichter, von einem toten Menschen zu reden, als von einem lebendigen. Wenn es uns weniger schwer wäre, das Wesen des andern Menschen zu erfassen, wenn wir uns mehr in ihm verlieren, ihn tiefer lieben könnten, würden weniger Menschen an sich selbst zugrunde gehen. Wir haben Erna Blankenstein mit ihrer Arbcilsbcrcilschaft, ihrer Vornehmheit, ihrem Feingefühl, ihrem Clcist und ihrem Verstand geliebt. Aber vielleicht drang diese Liehe nicht tief genug In sie ein, vielleicht blieb sie zu versachlicht. Erna Blankenstein hatte sich vor mehr Als einem Jahr zur Arbeit in dem Zionistischen Frauenbund bereit erklärt. Sic hat diese ganze Zeit hindurch mit immer gleichmäßiger Gewissenhaftigkeit die Arbeit einer Sekretärin des Hunde* erfüllt, obgleich sie durch diese Arbeit fast dauernd zeitlich und pekuniär überlastet war, niemals von Fcrnerstchcndcn gesehen und anerkannt wurde und — was die Hauptsache ist — nicht einmal auf ihrem eigentlichen Arbeitsgebiet stand. Erna Blankenstein w«r wesentlich wissenschaftlich, begabt. Sic hat im vergangenen Winter in der indisch-nationalen Frnucnvcr» einlgung einen Jüdischen Gcsclnchtskiirsu* abgehalten. Die» war die einzige Arbeit, die sie hier Innerlich ganz befriedigte. In diesen Vorträgen arbeitete sie bei sorgfältiger Beachtung des Materials grolle geistige Richtlinien heraus. Hier gab sie Resultate aus ilirrm viele Jahre langen, ernsthaftesten Studium über das Judentum und die Jüdische Qcschlehte. Sie blieb auch dabei Immer ihr strengster eigener Kritiker, war nie ganz zufrieden, lernte dauernd weiter und sah zu den geistig ärößeren auf. Ab:r sie hatte das Ocfühl, hier auf Ihrem Wege zu sein. wie sie zu der anderen Arbeit gekommen war? Vielleicht durch einen Zufall, als sie sich gerade entschloß1, aus Ihrem nur suchenden geistigen Leben in eine reale Arbeit für den Zionismus hinaufzugehen. Vielleicht auch mit klarem Bewußtsein, weil sie sah, daß die Arbeit unter den zionistischen Frauen notwendig Ist, und well sie auf dem Posten, auf den sie sieh »teilte, hier bei Intensiver Leistung zugleich wenig sichtbar blieb. Ihre Arbeit war in jedem Augenblick ganz ehrlich. Erna Blinkenstein war Frau, junge Frau; da ist es gut, verborgen zu sein; aber es schmerzt, wenn die Hüllen so dicht werden, daß sie entstellen und das wahre Wesen vielleicht für immer verbergen. wenn Erna Blankenstein über die zermürbenden Jahre ihres Jungen Menschseins und ihres jungen Fraucntiims, die beide gleich schwer und gleich leidenschaftlich waren, hinweg« fefcontmen wäre, so wäre sie eine ganz große jüdische rau geworden, denn si«: trug den mit Zartheit. Reinheit, Güte und Fröhlichkeit gepaarten Qeist in sich. Aber eben diese Fröhlichkeit war in Ihr verschüttet — und sie Ist In den Tod gegangen. Ich habe dies geschrieben, weil ich mochte, daß auch die zionistischen Frauen, die sie nicht gekannt haben, wissen, daß eine der allerwertvollsten unter uns fortgegangen Ist und Ihr Andenken ehren. M. T. Breitaner Brlel (Von unserem Korrespondenten.) Dr. J. P. Breslau, Ende März, Atem Versprechen, über die hiesige Gemeindeverwaltung m berichten, kann heute leicht gehalten werden. Im Mittelpunkt des jüdischen Interesses stellen augenblicklich Vorgänge in der jüdischen Gemeinde, die interessante Parallelen in Berlin und in anderen deutschen Städten haben, Vorgänge, die unter dem Kapitel „Liberale Oemelndcpolltik und Demokratie" einen Interessanten Beitrag zur Methodik des jüdischen Liberalismus m liefern imstande sind. Wie überall, sollte auch die llrcslauer Gemeinde ihre Vertreter in den Rat des preußischen Landesverbandes schicken. Bekanntlich hatten die Wahlen sechs Mandate für die Liberalen und je zwei tilr die Konservativen und Zionistcn ergeben. Bei der nunmehr zu erfolgenden Nominierung der beiden Ratsmit glieder hatten sich Konservative und Zionistcn zusammen geschlossen und gemeinsam einen misrachistischen Kandidaten aufgestellt, der schon deshalb als außerordentlich geeignet für den Rat angesehen werden mußte, weil er sowohl in der jfidischen Politik als auch in der jüdischen Wissenschaft eine bedeutende Rolle spielt. Bei dem Stimmverhhltnls der letzten Wahl (6:4) hätte man erwarten sollen, daß der konservativ-zionistische Kandidat gemeinsam mit dem Kandidaten der Liberalen in den Rat gewählt werden würde. Aber bekanntlich spielt sich die jüdische Gemeindcpotitik in den Fraktionszimmern der liberalen Majorität ab. Die Wahl des konservativ-zionistischen Kandidaten wurde von der gesamten liberalen Fraktion abgelehnt. Als man versuchte, für den zionistisch-konservativen Knndldaten wenigstens den Sitz eines Stellvertreters zu erhalten, sah man sich wiederum getäuscht. Liberale Demokratie forderte für die liberalen Mandatsinhabcr •«ich liberale Stellvertreter. Der immer wieder vertagte Antrag des zionistischen Re Präsentanten Jacobsohn, die Gemeinde möge für den Keren Hajessod 3000 M. zur Verfügung stellen, wurde in der letzten Rcpräsentantenvcraammlimg endlich verhandelt Trotzdem die Mitglieder der Gemeindevertretung Gelegen' helt hatten, in das Material über den Keren Hajessod Einsicht 'u nehmen, begegnete der Antrag einer Verständnlslosigkeit, die wiederum deutlich zeigte, .wie weit unsere Gemeindevertretung davon entfernt ist, Ausdruck des Willens und der Stimmung der Ocmcindc selbst zu sein. Wahrend man allenthalben und gerade In Breslau die Bedeutung Palästinas anerkennt, hörte man in dieser Repräscntantcnvcrsammlung «och immer die alten Argumente von anno dazumal. Ein liberaler Repräsentant brachte es sogar (c'Ug, als Argument Etgcn den Keren Hajessod die angeblichen Arabcrunruticii, von denen er in der sogenannten demokratischen antizionistischen „Bresljuer Zeitung" gelesen hatte, vorzubringen Der Antrag Jacobsohn wurde mit Qberwal tlgender Mehrheit abgelehnt. Trotz allem geht die Palästina-Arbelt in Breslau vorwärts. Der Keren Kajemeth arbeitet hier mit ebenso viel Eifer wie Erfolg. Die Purim-AJction, die durch ein sehr eelungencs Purimfest eingeleitet wurde, ist durchaus alt Er folg zu betrachten. Zum Schlüsse «ei noch erwähnt, daß ein prominentes Mitglied der konservativen Fraktion In der hiesigen „Jüdi- »ch«n Zeitung für Ostdeutschland" scharf gegen die liberale Gewaltpolitik Front macht. Bei dem starken Einfluß,'den öle Konservativen auf die Stimmung der hiesigen Oemelndc «ben, dürfte der Artikel seine Wirkung nicht verfehlen 2000 Mark IBr All|akzwecke Die'Jüdische Gemeinde Mannheim hat 2000 M. für Alijahiwecke m Deutschland zur Verfügung gestellt. Hoffentlich findet, dieses Beispiel such in anderen Gemeinden Nach- «muog," Volksoemciade — Volksparlcl Die Oruppc Wcst-Charlotlcnburg der B. Z. V. veranstaltete am 25. März einen Erörtcrungs-Abcnd, der «Ich In seinem theoretischen Teil mit dem Begriff der „Volksgemeinde", In seinem praktischen Teil mit der Frage des Fortbestandes b/.w. der Ausgestaltung der „Jüdischen Volkspartci" befaßte. Das einleitende Referat hielt Dr. Köllen sc her, der etwa folgendes ausführte: Soweit der Begriff „Volksgcmclndc" aus dem Oberbegriff der „Nationalen Autonomie" abgeleitet worden sei (die N. A. schafft bezirksweise eine Organisation der nationalen Minderheit, also auch Volksgcmclndcn) sei er für Deutschland nicht verwendbar. Hingegen sei eine Fundlcrung dieses Begriffs durchaus zu erörtern, die auf der analogen Durchführung drs Prinzips der Trennung von Staat und Kirche beruhe. Diese Anwendung kann natürlich, da dieses Prinzip die vollkommene Trennung der weltlichen und der religiösen Gewalt vorsieht, nicht schcinatisch auf die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden In Deutschland übertragen werden, da diene nicht die „Gewalt" in dem Sinne haben, daß sie selbst die Orcnzcn derselben ziehen könnten, (es fehlt die sogenannte Kompetenz-Kompetenz), aber doch etwa in dem Sinne, daß die weltlichen Gemeinde-Auf« gaben vollkommen getrennt von den reinreligiösen erledigt würden, wie es z. B. In Mamburg mit großem Erfolg durchgeführt worden sei. wo die nrollgnnelmlc Bich außer der Urpräsenlntlon und Vertretung nach außen, nur mit Wohlfahrts-, Schul- und Kulturfragcn, Bcgräbnlswcscn usw. beschäftigt, während sie aus Ihrem Bereich die religiösen Fragen vollkommen ausgeschaltet hnt, bis auf die Tatsache, daß die weltliche Gemeinde die einzelnen religiösen Gemeinden zii konzessionieren habe, die Ihrerseits wiederum Ritus, Verwaltung und Statut vollkommen selbständig regeln könne». Redner empfiehlt überall eine Trennung zwischen weltlicher (d. f. der Volksgcmclndc) und religiöser Gemeinde zu postulieren, wie Ja auch diese Trennung schon im neuen Preußischen Landesverband angebahnt sei, der hauntsächlich ein weltlicher Verband sei und überall dort, wo religiöse Interessen zu wahren seien, eigene Kommissionen mit autonomen Befugnissen vorsehe. Man solle versuchen, auch nlchtzionistisclic Kreise für diesen Gedanken zu gewinnen, da wir ja ohnehin die Volksgemeimlc schon hätten, wenigstens In ihren ersten Anfängen, und zwar Insofern, als sich ja auch die heutigen jüdischen Gemeinden nicht mehr auf die Vertretung rein religiöser Bestrebungen beschränken. In seinen weiteren Ausführungen befaßte »Ich Dr. Köllenscher dann mit der Ausgestaltung der „Jüdischen Volk spart ei". Die jetzige Volkspartci sei lediglich eine Firma ohne dingliches Substrat. Die Behauptung, daß neben der Z. V. f. D. eine Volksparld nicht möglich sei, will Redner nicht gelten lassen, und zwar einmal aus einer Reihe von taktischen Erwägungen und dann auch aus dem Gesichtspunkt der allmählichen Erziehung der nlchtzlonlstlschen Wähler der Volksparlcl zu fiberzeugten Zionistcn. Er verlangte den vollkommenen Ausbau der Volkspartei zu einer jüdischen Volksorganisation neben der Z.V. f.D. Diese habe sich, was durchaus naturgemäß sei. zu einer reinen Palästina-Organisation entwickelt, nbrr die Führung und Fühlung In den meisten sonstigen jüdischen Fragen verloren und könne keineswegs heute den Anspruch erheben, die Juden Deutschlands In wlcli> tigen Fragen, wie: Landespolilik, wirtschaftlichen, kulturellen usw. Fragen zu führen. Die Z.V.f.D. solle welter ihren bedeutsamen Spezlalaufgnhen Icbon und selbstverständlich innerhalb der Volkspartci die führende Rolle spielen. An der nrörferinirr beteiligten siel» die Herren! Benzion Fett, Rabbiner Dr. Wilhelm Levi, Prclß, Hörschel» bäum, Dr. Stahl und der Vorsitzende Dr. Apfel. Fast sämtliche Redner hoben hervor, daß Ihnen der Jetzige Zustand unhaltbar erscheine, daß die Leitung der Z.V. f. D. m Deutschland sich den Oahitlt-Aufgaben nicht In genügendem Maße oder doch allenfalls fn einer Welse widme, die der Masse der Zionistcn in Deutschland nicht sichtbar sei. Den Gedanken allerdings, hieraus die Konseriucnz zu ziehen, die Volkspartci zur Erfüllung dieser Aufgaben neben der Zionistischen Organisation auszubauen, lehnten fast alle Redner a b, indem sie die Ucbcrnahme dieser Aufgabe durch die Z.V.f.D. verlangten. — Lfcbcr die Frage des Fortbestandes der Volkspartei waren die Ansichten geteilt. Ein Teil der Versammlung schien ihren Fortfall zu wünschen, während ein anderer Teil die Frage lediglich unter taktischen Gesichtspunkten betrachtet wissen wollte. Die Frage Dr. Apfels, ob ein etwaiger Ausbau der Volkspartci in dem von Dr. Kollcnscher vorgeschlagenen Sinne nicht einen Spaltpilz für die Zionistische Organisation in sich trage, verneinte der Referent In seinem Schlußwort nachdrücklich. Eine Moiu Meidehioha.Austeilt»a Ii Devsan In der Anhaltischen Landeiböchcrcl zu Dessau h\ t\n. Moses Mendelssohn-Ausstellung eröffnet worden, die auch die gesamte Aufkl.rungspcriodc umfaßt. Der Eröffnung ging f j„ Vortrag des Ilihllothcksasscssors Dr. Wahl über das lflfmi „Moses Mendelssohn und seine Gclstcsrichtungen" voraus in welchem Mendelssohns Bedeutung für das Geistesleben dcs'is Jahrhunderts, «eine Beziehungen zur Aufklärung und ihrtn' führenden Männern und seine Verdienste für das Judentum da« er — wie der Vortragende ausdrückte — „aus der Nj»^ sozialer und wirtschaftlicher Unterdrückung und geistiger Wn. freihclt einem neuen Morgen entgegenführte", gewürdigt wurden. In drei großen Vitrinen bietet sich ein umfangreiche« Ma. ferlal, hei dessen Sammlung die Nachkommen Mendelssohn, den Veranstalter unterstützt hatten, dem Beschauer dar. In der ersten sind die Werke Moses Mendelssohns nach dem Erscheinen chronologisch geordnet, meist in Erstausgaben ausgestellt. Xus der Zell der literarischen Fehde mit l.avater, der ihn vergeblich zum Christentum bekehren wollte, liegt ein äußerst Interessanter und wertvoller Brief Mendelssohns an den Erbprinzen von Braunschwcig vor. Originell sind die Bride, die er an «eine Braut Fromct Ougcnhelm in Hamburg geschrieben hat; rlc sind In hebräischer Kursive im Jahre 17Ö2 verfaßt und IPV) von einem Dr. Stcinheim erstmalig* transkribiert worden. Neben Mendelssohn* Hauptwerken in Erstaiugahcn Ist auch seine Uehcrsctzung des Pcntatcuchs (1780) und der Psalmen (1783), von denen eine erste Niederschritt des 15. Psalms handschriftlich vorliegt. Aus dem Englischen hat er das nuch drs MnnnsMcn hrn InmcI über die „Rettung der Juden" übersetzt, das er als Anhang zu der Dohm'sclieii Schrift „Uebcr die bürgerliche Verbesserung der Juden" (1782) hatte erscheinen lassen und zu dem kein Geringerer als Mirabeau (1837) eine Ucbcrsetziing In das Französische schrieb („Sur la Wörme politlquc des Juils")- Von seinen sonstigen Schriften sind besonders zu erwähnen: „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum" (1783), „Morgenstunden oder Vorlesungen über das Dasein Gottes" (1785) und sein letztes Werk „Mendelssohn an die Freunde Lcssings", das nach seinem Tode sein Freund Johann Jacob Elidel herausgab und das ein Schlußwort Im Athelsmusstrelt mit dein Philosophen Friedrich 1 Icinrich Jacobl darstellt. Ferner das „GencralschuU- und Handctsiirivifegium mit den Rechten christlicher Kauflcute", das 1787 König Friedrieh Wilhelm II. der Witwe und den Kindern Mendelssohns gab und auf dem das Autograph des Königs zu sehen ist Die zweite Vitrine enthält die Werke seiner Zeitgenossen in Erstausgaben, die dritte Vitrine enthält Oraphik, Kupfer- und Stahl- Stiche, sowie Mendelssohn-Bildnisse, von denen das wertvollste eine Rötclzelchnnng von Chodowiecki Ist, die der Landesbüchrrel von der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zur Verfügung gestellt wurde. — Die Ausstellung Ist den ganzen April tu besuchen. Die Führung übernimmt der Bibliotheksassessor der Anhaltischen Landesbücherei in Dessau, Dr. P. Wahl, gegen vorherige Anmeldung.' lleberlübrono der Cebeloe Theodor Berzl's neb Palhlloi Wien. (J.T. A.) Hier hat sich ein Komitee »u« »Hrn Freunden' Theodor Ilerzls gebildet, welches es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die sterblichen Ucberrcstc Theodor Ucrzls nach Palästina zu überführen. Das Komitee wird an den kommenden Zlonistcnkongrcß mit der Aufforderung herantreten, einen feierlichen Beschluß betreffend die Ucberführung der Gebeine Ilerzls zu fassen. 11 Emil Cohn wieder In Berlin Von unserem Gcmcindc-Berlchlcrstatter. Nach 11 jähriger Trennung ist Rabbiner Dr. Emil Cohn nach Rcrlin zurückgekehrt, vergangenen Freitag fand In der Synagoge des Svnngogenvcrcins Grunewald seine Amtseinführung statt. Das in «1er Frnnrensbadcr Straße 7 herrlich gelegene, von erwachenden Gärten umgebene Oottcshaus war stark besucht. Geführt von den Gemeindevorstehern, durch Chorgesang begrüßt, betrat Herr Dr. Cohn die Synagoge. Als erster ergriff Herr Rechtsanwalt Dr. Leszynski das Wort, um im Auftrage des Synagogenvorstnndes den neuen Rabbiner willkommen zu heißen. Die Gemeinde wisse wohl den Vorzug zu schätzen, daß eine Persönlichkeit von der Bedeutung und jüdischen Einstellung Emil Cohns dem Ruf an die Synagoge im Grunewald Folge geleistet habe, Rabbiner Dr. Abraham Loewcnth.nl überbrachte die amtsbrüderlichen Grüße des Berliner Rabblnats, das tiefe Freude empfinde, den neuen Kollegen In seinen Reihen zu sehen. Dr. Klee überbrachte die Willkommcnswünsche der Berliner Freunde. Wie der Weggang Dr. Colins von Berlin gesegnet gewesen sei von Mannesmut und Treue gegen seine Ideale, so stehe sein Eingang zu neuem geistigen Wirken In der Relehshauplstadt, der zeitlich zusammenfalle mit der Einweihung der Hebräischen Universität, unter dem Segen des Altmächtigen. Mit allen Zeichen tiefer Ergriffenheit bestieg Dr. Emil Cohn die Kanzel, um allen denen, die ihm mit freundlichen Worten Willkommen geboten haben, den Dank abzustatten. Seiner Gemeinde und seiner Ucbcrzcugung gelobe er innige Treue, die so wenig verlöschen werde, wie das ewige Feuer auf dem Altare. Wir empfinden angesichts der Rückkehr des Rabbiners Dr. Emil Cohn nach Berlin eine ganz besondere Freude und es erfüllt uns mit Genugtuung, daß er hier eine Wirkungsstätte findet, die einer Persönlichkeit von so starker und eigenartiger Begabung eine innere Befriedigung gewähren muß. Dr. Emil Cohn hat sich bekanntlich auch wissenschaftlich und literarisch hervorgetan. Wir nennen nur sein Juda Halcvy- Werk und seine Bekenntnisschrift „Judentum" (erschienen bei Ocorg Müller, München), welche besonderes Aufsehen erregt hat. Daß Dr. Emil Cohn such ein Mann von literarischer Begabung Ist, wird sich erweisen, wenn im kommenden Winter das Deutsche Theater in Berlin ein Werk von ihm zur Aufführung bringen wird. Wir entbieten Herrn Dr. Emil Cohn in der Rcichshauptsfadt auch unsererseits einen herzlichen Willkommentgruß. K. Die Tachkenoil-Sehule Ii Berlli Die Entwicklung der seit etwa einem halben Jahre bestehenden Tachkcinonl-Scliulc schreitet in erfreulicher Weise fort. Die Jüdische Gemeinde hat In der Oroßen Hamburger Straße 27 (Knabenschule) Räume zur Verfügung gestellt, wo die Knaben und Mädchen in Ihrer schulfreien Zelt wochentags zwischen 4 und 6 Uhr am Nachmittag unterrichtet werden. Die Lehrfächer sind: Chumcsch mit Rascbl, Telillih, Klzzur Schulchan Anich, hebräisch Schreiben und Lesen usw. Da der Unterricht von Beginn an In hebräischer Sprache geführt wird, sind die Kinder nach verhältnismäßig kurzer Zelt in der Lage, sich gut hebräisch zu verständigen und sich die Sprache zu eigea tu machen. Eine Prüfung, die nach dem vierteljährlichen Bestehen der Schule vorgenommen wurde, zeigte die überraschend großen Fortschritte der Kinder und Ihre Fähigkeit, alle an sie gestellten Fragen in hebräischer Sprache fließend zu beantworten. Das Ziel der Schule geht dahin, die große Lücke auszufüllen, die unsere anderen Berliner Schulen noch aufweisen: Mit Hilfe der hebräischen Sprache den Qeist unserer n»Vipn ,mn In den Kindern lebendig erstehen zu lassen und ihr Denken und Fühlen mit ihm zu durchtränken. Das neue Schuljahr beginnt am 22. April. Anmeldungen nimmt der unterzeichnete Leiter der Schule vom 12. April an in der Zelt von 10-1 Uhr vormittags entgegen. Das Kuratorium: Oberreglcrungsrnt Hans Goslar. Dr. Oscar Wolfsberg. Dr. Oabricl Knollcr. Pinkas Hauser. Der Schulleiter: Moses Roßmsnn, Monbijouplatz 1 (Misrachl-Zcntralböro). (Tel. Norden 1159. Königsberg. In der gemeinsamen Sitzung der Königsberger Ocnichidckörpcrschaften am 31. März wurde einstimmig beschlossen, folgendes Glückwunschtelegramm nach Jerusalem m senden: „Vorstand und Repräscntantcnvcrsamm- Hing der Synagoßengemeindc zu Königsberg senden zur Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem die herzlichsten Olückwünsche. Dresden. Der Vorstand und Oemelndcrat der Israelitischen Rellgtonsgcmelnde, Dresden, hat In der Sitzung am l. April einstimmig beschlossen, zur Eröffnung der Universität in Jerusalem ein BcgrüOungstclcgramm abzusenden, das ß«' schchen ist. Druckfchtcrbcrlchtlßiing. In dem Artikel von Herrn Leo Kohn „Das Problem" in der vorigen Nummer unseres Blattes sind leider zwei sinnentstellende Druckfehler unterlaufen. In der ersten Spalte, Zeile 50, muß es statt „Selbstbestimmung" richtig heißen: Die „Selbstbesinnung", und In der zweiten Spalte, Zeile 36, muß es statt „Kulturstaates" heißen: „Kulturgutes". Im Leitartikel der vorigen Nummer („Zu diesem Tage") sind folgende sinnstörende Druckfehler zu berechtigen: Aul Seite 2, Sp. 1. Zeile 5 von unten des 3. Absatzes soll es statt „Schutz von den Mitbürgern" richtig lauten „Schutz vor den Mitbürgern". - Im letzten Abiatz, Zelle 8, statt „ausfragen' richtig „au Ire gen". Im Karl Kra u s-Aufsätze unserer vorigen Nummer fiel die folgende Zel c aus: „Indes such der Widerspruch gehört tu Karl Kraus." Einzufügen ist sie vors „Er tot nicht n"T Olympier für ikh aUeinK .! '» ■ l ß< . '/'•• •. ■■ :;» : |)i . ■ : I'r •) V- 5* m'*> II. ■ v V ü h»,::.../ / Ii ' *• r, Ni '.i;fl '.• Y- V 5 i -\ *■ , ." •>? , \..- :• «i / ai;":: b. i ,; •'; n-\'(<:., ■ I* ■ 11 i> v<: üi ' '• ,;:, 4 c; v X * t <■<:"■ ..; 7v w ' (v; >7 fiif.'," 'Vy n< l v iw,'.>!». »s v Li >-,VmJ ,i r.vf,,/ ,Y7, Fr » >., Ii , ' v :' fn;;: / d. \ ' H-'., i ■ ii, ii H ■ II; A '■ ii .';•. In , " I ', * 1 ' \ £••'>:■■■: v Kl •■, K. I :'.-*; ' m '• Jr* m O Oi) j n. r i .» \i* Sei S,|. St,1) Ti i ( ■ w \' \> * '■<',., \v';.,( .1. <\ /,:,. -x ■) £'••',;>r . , V! < < ' H I P P 0' G :« P v i in > lo ■'' .! ii; , ■ V' '. <ll »' Ii._____ III ■>-," Ki\ iu..; V( scv il "i 7 .'ii ,1 I W,| i V.'. ,;! , ai» '■:<'■' , iU/ :!£■:'. fö' ,!,:• C's» •, 1 Hi