Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1925)
- Date
- 1925-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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..itiammcr 0,30 Qotdmork Der Hebräischen Universität Jerusalem | """""^JX^^ Cp*?! ETI irr""^^!* 1 ^^^^J "' J' ÜJ «tvJ) co) CL? «je rJiilio0 und VtrUj W 15, MtlnektatrijQ« 10. Enchciat 0iefl«Uj und FrclUj, BezugipreU bei der Expedition ■ B*tUcb 145 Coldmvk, VlerUl|»hrlleb 5,25 Goldmark. ,ll>iit**BMm**i' w*"im •* tu W4hru| dar «laula« Ua<W bwtckxL ^oiamor 27/28 j Borlln, 3. IV. t925 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Randichau G. m.b. IL, Berlin W15, Meintkettr. 10 Telephon i Amt BUmtrck 7165—70. . Au«it«epr^HS(<iptlLN(wp»ft{llM*Q«ft<0O^M.Su0<aCMiiek*0,)0O.>M. Aa*«U«aKM-Ji Dl.a.K' nd Fr»ll»» ntokmltlH «Ukr. Telephoni Bltmtrk 7165 -70. PoiUchcckkontoi Berlin Nr. 17392. Far Ottl.rr.IcSi Po.tinukuMiuat Wl.n, Konto Nr. I540M. Kür Tich.djoilow.U.li PmUp.rkiii«n.r«t Pr.s. Konto Kr. W4I0, Für Pol» i Potupulutitauol W»r»eh»«, Koala Nr. IWX& Radaktlontschluß Sonntag and Mittwoch nachmittag. n-Din •p'o 'D XXX. Jahrg. Hf lionlsmiii «»trabt für daa JUdlicha Volk dl« tchaHunp alnor öllautlich ■ rochtllch o<mlcharton Halmata.i« in Palästina. „Oaialar Programm.«« MSi «w OTSalMl Der Tag der Eröffnung der hebräischen Universität, der 7. Nissan, wird fortan ein Gedenktag unseres Volkes sein, zum Zeichen, dass an diesem Tage der jüdische Geist 51:0 ein eigenes Zentrum lür seine freie Betätigung aut ureigenem Heimatboden geschaffen!.L Die Universität in Jerusalem, berufen Mittler zu sein zwischen Orient und Occident, ^die Stätte werden, wo der jüdische Genius, an seine Traditionen anknüplend, zum Heil des fischen Volkes und der ganzen Menschheit wirken soll. Niemand zu Leide, allen zum geile wird der jüdische Geist im eigenen Heim als Diener des Fortschritts, als Streiter für Wahrheit und Erkenntnis mitarbeiten an der Lösung aller wissenschaftlichen Problcmo der ^nschheit. brüderlich vereint mit dem arabischeu Nachbarvolk, im Einvernehmen mit den jjsten aller Nationen, sollen Lehrer und Schüler unserer Hochschule fortschreiten aut dem #ege ehrlicher Forschung und beitragen zum. hohen Gedanken der Völkervereinigung. Die Lehrstätte in der Hauptstadt Ere« Israels ist nicht Sache einer Partei im jüöchen Volke; durch die Initiative der Zionistischen Organisation und mit aufopfernder ängabe ihrer Führer geschaffen, ist sie als ein Werk der jüdischen Gesamtheit gedacht. Das deutsche Judentum, seit jeher Träger der Wissenschait des Judentums, wird it Bedeutung der hebräischen Universität in Jerusalem zu würdigen wissen. Darum soll it Förderung der Universität und aller ihrer Institutionen fortan eine der vornehmsten richten des deutschen Judentums sein. Durch materielle Spenden und Stiftungen, durch Schenkung von Büchern und Zeitschriften lür die Universitätsbibliothek, von Instrumenten ad Einrichtungsgegenständen für die naturwissenschaftlichen Laboratorien können die Kutschen Juden aur Erhaltung und zum Ausbau dieses grossen Kulturwerkes beitragen. Berlin, am 1. April 1925. j 1 ■ ' " . '.; ■ Zionistische Vereinigung für Deutschland. Die EEiwetiiüissereiiMie ail i<m §<c©p§ jtrusalem. (J.T.A.) Ära 1. April, wurde die He- Sräclie Universität In Jerusalem in Anwesenheit zahlreicher aahilter Gelehrter und Vertreter der Universitäten und [Udtraicn aus allen Ocgenden der Welt feierlich eröffnet Feierlichkeiten vollzogen sich genau nach dem vorher «gestellten Plan. Als erster sprach der Oberrabbincr des Britischen Reiches, J- H. Hertz, folgendet Weihegebet In hebräischer suche: fc» Weihegebet dei Oberrabbincr» Dr. Hertz , Herr der Welt, der Du den Menschen das Wissen gabst, preisen Dich heute freudig und sagen Dir Dank für •wc göttliche Onadc und Wahrhaftigkeit. Du hast uns den J%n Tag erleben lassen, damit wir Zeugen werden der Hhr dieses grollen Lchrliauscs, der 1 Icbraisclicn Universität, ' der heiligen Stadt Jerusalem. Unser Oott und Qott ■:>trcr Väter, wir wissen, daß wenn Oott das Haus nicht •«t des Menschen Arbeit vergeblich ist. Empfange heute »trt Gebete und unsern Dank, daß Du dies Haus errichtet '3 damit es ein Born des Oottcswlsscns und eine Quelle der 'iiihtit werde, aus welcher Dein Volk Lehre und Wissen- Rat und Kraft schöpfen wird. Möge Deine Göttlichkeit ' <;c«m Hause walten und schaffe uns Weise in Israel, die ff« Augen mit dem Lichte der Thora erleuchten,* und ' uns heraus aus der Zerstörung, damit Israel auf seinem ->l«n Boden seine Jugend gleich einem Adler erneuere. , Unser Vater ,1m Himmel, lasse Deinen Segen über die -'•*^cr und Bewahrer dieser Universität ausströmen, über «4!f umi Schüler, über Seine Excllciu den Oberkommissar;?«'!igen*Landes, über die verehrten Gelehrten und Staats-;«;cr, denen es gegeben war, die Sympathie Großbritanniens : «Sic jüdische nationale Heimat Im Lande Israel zu ver-, ,,5tn< ebenso Über alle diejenigen, die aut Herzeiutricb jT <!« heiligen Stadt gepilgert sind, und über alle Teil« "« an dieser Feier. Gesegnet ihr Kommen und ihr Gehen. , Hüter Israel», bewahre den Ucbcrrcst Deines Volke» und '•■>* Zelt Deine» Friedens au» über die .Kinder jeder tt, ' cdle I" diesem Lande unter dem Schutz unsere» HerrkFSeiner Majestät de» König» Georg V., wohnen. Lasse Mi» TaS anbrechen, an dem alle Völker, zur Erkenntnis it*«*n, daß uns alle ein Oott geschaffen und ein Qott C «ns walte». Dann wird das Wissen uro Oott unsere .wie das Wasser den Meeresgrund, bedecken.'Amen. iJ?ie,v<>n Dr. Hertz anschließend gehaltene Ansprache "»entliehen wjr an anderer Stelle. Anm. d. R.) Hierauf hielt Dr. Cholm v WcUmann ... ^"spräche ,n dje Anwesenden, in der er ausführte, die hkt werde bald über die ersten .Anfinge hinausc L \,Un<l «Ich ihrer berühmten Schwestern in der Alten und \d. c.ucn Welt wardig erweisen. Die Sprache der Uni« «t, hebrlisch sein, aber sie wird den Angehörigen \ p^bensbekcnntnlises und jeder Nation ■ offen stehen. uu« wird Ja diesen'Riiunen vollkommca ausgeschaltet sein. Die Universität wird nicht nur den Juden, auch nicht allein dem Lande Palästina, sondern dem gesamten Menschengeschlecht zu Nutz und Frommen sein. Möge die Universität die Krone und der Ruhm des Nationalliclms In Palästina werden. Sodann ergriff der britische Oberkommissar für Palästina Sir Herbert Samuel das Wort und sagte: Die britische und die palästinensische Regierung spricht dieser Universität die besten Wünsche für ihr Ocdcihcn aus. Tauscndc Meilen reiste Lord Balfour, um diesem Institut persönlich seine Sympathie zu beweisen. Anwesend ist nuch Ocncral A11 e n b y, der Befreier Palästinas, dessen Sieg erst die heutige Feier möglich machte. Diese Universität wird für alle Teile der Bevölkerung Palästinas sowie für das ganze Menschengeschlecht gleich wert sein. Aus den Sumpfen Palästinas werden die Oärtcn erblühen. Hier wird ein' „Ncr-tomld", ein ewiges Licht, leuchten und von hier die Welt erleuchten. Gesegnet »eist du, der du uns diese Zeit erleben ließest." Nach Sir Herbert Samuel sprach Lord Balfour Er sagte, er hätte gar zu gern hebräisch gesprochen, allein die Kenntnis dieser heiligen Sprache sei ihm versagt und er müsse sich der Sprache seiner Heimat bedienen. Die Eröffnung dieser Universität sei ein großes historisches Ereignis, In diesem Lande, wo schon Jedes Ding geschichtlich denkwürdig Ist. Die zukünftigen Generationen werden an diesen Tag zurückdenken. Auf diesem Hügel stand einst der römische Feldherr T11 u » und leitete die Operationen gegen die Festung Jerusalem. Er meinte, Israel endgültig vernichtet zu haben. Aber es gelang Ihm nicht. Heute beginnt hier eine neue jüdische Epoche. Die hebräische Sprache, die die Lchrsprachc dieser Universität Ist, eignet sich ebenso gut als Sprache der Laboratorien, wie sie schon die Sprache der Bibel ist. Das jüdische Volk hat treffliche Lehrer. Ich , nenne die Namen Bcrgson, Freud und Einstein. J üd Ische und arabische Oclclirtc und Denker arbeiteten gemeinsam In den Zeiten des finsteren Mittelalters, um Europa Licht zu bringen. Warum soll es nicht möglich sein, daß Juden und Araber wieder In Palästina zusammen arbeiten? Für die Eröffnungsfeierlichkeiten ist eine Dauer von drei Tagen vorgesehen. * Jerusalem. (J-T.A.) Am 31. März abends fand Im Reglcrung»hau»c ein Empfang zu Ehren der berühmten Oiste, die sich zur Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem eingefunden haben, statt , Am 1. April, nach Schluß der Eröffnungszcrcmonlen, veranstaltete das Komitee der Hebräischen Uni« versitit ein Festessen zu' Ehren der Repräsentanten der verschiedenen Universitäten und Akademien, die den Eröffnungsfeierlichkeiten beigewohnt hatten.. Zu diesem Tage Die Universität in Jerusalem ist eröffnet. Mit großem Pomp, unter Aufmerksamkeit der ganzen Welt, die olfenbar von keinem Stadium der Aufbauarbeit in Palästina einen so mächtigen Eindruck empfing wie von diesem großen, theatralisch wirksamen Akt. Das jüdische Volk, in der Nacht seines Alltagslebens leicht entflammt, ist hingerissen; Int Osten, wo unsere Massen leben, auch in Amerika, werden Feste der Rührung und der Freude gefeiert Die jüdischen Schulen haben einen Fcrialtngi erklärt Die jüdischen Gemeinden und Vereine halten Festsitzungen ab. Ein starkes Gefühl des Stolzes und der Zukunftshoffnung verbindet das jüdische Volk an diesem Tage von einem Ende der Welt zum andern. Dieses Qcfühl der Freude und der Verbundenheit ist eine große positive Kraft im jüdischen Leben. Aber der Fcsttrubcl verrauscht, es kommen die Tage der Besinnung. Wohl feiern wir, etwas Vollendetes, ein fait nccoinpll, aber das ist nur nach außen. Nach innen, für uns selbst, wissen wir: Es ist ein Anfang. Die Universität ist noch nicht da, sie ist bloß proklamiert. Die Eröffnung ist eine „Dcclaration" (mit der, notabene, wieder Dalfours Name verknüpft sein wird); die Ausführung muß erst folgen. So wie die erste Balfour- Dcklaration uns das nationale Heim nicht schaffen konnte, so kann uns diese Deklaration nicht die Universität schaffen. Wir müssen sie schaffen, sie fällt uns nicht in den Schoß. Wir müssen endlich den seltsamen Wunderglauben verlieren. Es ist doch fast bedenklich: Die jetzt am lautesten sich brüsten, in Uebcrschwang und nationaler Phrase den Sieg feiern, sind meist von denen, die am wenigsten zur Erreichung der Sache heigetragen haben. Sic fragen sich gar nicht, wie dies denn zustande kam, sie fragen nicht, ob das denn möglich ist, daß eine Universität wie ein Pilz aus dem Boden schießt, woher die Mittel kommen usw.; ja — auch dies muß gesagt sein — viele Zionistcn, die niemals tieferen Anteil an geistigen DIwjcn genommen, diese sogar verspottet haben, begrüßen die Univcr:i!ät als eine neue Gelegenheit, ins Horn zu stoßen, als ein Mittel, unsere Staatsfähigkeit zu beweisen. Die Universität ist in Gefahr, Propagandamittc! zu werden, und darum tut es not, mit aller Nüchternheit zu fragen, was sie ist und was sie sein soll, und was sie von uns verlangt. Denn wenn der Festrausch vorbei sein wird, dann wird sie erst von uns konzentrierte Kraft und Ausdauer verlangen. * Die Universität ist heute sehr wenig. Sic Ist ein Wille, aber sie muß ein ehrlicher Wille sein. Sie wird sein was wir aus ihr machen. Es wurde vielfach gesagt: Sic soll keine Universität im herkömmlichen Sinne werden, das Wort „Universität" möge nicht irreführen. Viele aber wollen gerade dies, wollen eine Universität nach englischem, deutschem, amerikanischem Muster, je nach dein Herkunftsland des Beurteilers. Innerhalb unserer eigenen Kreise ist das Wesen der Universität noch umstritten. Sie muß dem Aufbau des Landes, der nationalen Heimstätte, eingegliedert sein, muß einen organischen Zusammenhang mit dem Leben, mit den arbeitenden Menschen haben. Wir können nicht den hochmütigen Intellektuellen-Typus brauchen, nicht weltfremde Professoren, nicht Studenten mit Corps-Ocist und Kasten-Bewußtsein, sondern den geistigen Arbeiter, der sich als Bruder des physischen Arbeiters fühlt. Wir solllcu nicht leugnen, daß — unter den gegebenen Umständen Palästinas — die Universität eine Anomalie ist, die einer Rechtfertigung, nicht mit Worten, aber im Leben, bedarf. Die große Bedeutung wirklicher Wissenschaft wird p'--i:;-.d verkennen; wir dürfen keinen Dilettantismus dulden, müssen die Bedingungen für eine hundertprozentig ernste Arbeit schaffen; trotzdem aber darf — in dieser Situation sind wir — der große Zusammenhang niemals aus dem Auge verloren werden; viele von uns werden daher die Bitterkeit mancher Bemerkungen unseres ausgezeichneten Chemikers Prof. Fodor in seinem Beitrag in dieser Nummer nicht ganz ' verstehen — oder wohl verstehen, denn die Anforderungen an die Ocduld sind oft außerordentliche, aber nicht mitempfinden können. Die ersten Anlange der Universität werden unter Schmerzen geboren; aber immerhin, sie sind da, und gerade Fodors Aufsatz beweist die große Leistung, die auf einem Ocbict vollbracht wurde. Aber es lauert schon die Gefahr, daß der Wissenschaftler allmählich; in seinem Laboratorium sich einsperrt und den Herzschlag des palästinensischen Lebens zu spüren auf-