Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mr 23 TIDDISCHE RUNDSCHAU Seite 211 Die Wahlen zum Rat des preußischen Landesverbandes In Berlin ein üewallstrelch der Liberalen Während de» Wahlkampfes Ist von unserem Qg. Kireski „ einer Versammlung behauptet worden, daß der Berliner ■)!ffll|ndevorstand m einer Abstimmungsmaschine herab« -tsunken Ist, In der Ober alle wichtigen Fragen mit der ^rwälilgcnden Mehrheit von vier zu drei Stimmen ent- ,chledcn wird. Diese durch viele Tatsachen zu belegende Cctiauptung Ist vor und nach dem Wahlkampf von den liberalen geleugnet worden, ohne daß sie sich genierten, l(n dieser Majorität, weiterhin den rücksichtslosesten Qe- Irnich « machen. Jetzt haben sie wieder einmal sich tjn StOckchen geleistet, das Ihrem bisherigen Verhalten die Krone aulsetzt, Indem sie unter Fälschung des Wahl- (tsultatea und unter Bruch Jedes politischen Anstandet in Judischen Volkspartei einen Sitz im Rat de« Landes- «rbandes geraubt haben. Für die Besetzung der zehn von Berlin tu vergebenden Kits sitze sollte auch nach den ausdrücklichen Erklärungen der Liberalen das Starkeverhiltnl* der Parteien bei den Verbandswahlen maßgebend sein. In Berlin »aren 48644 Stimmen abgegeben worden, und zwar für die Liberalen 24 692, für die Volkspartei 14 491, für die Mittelfirlcl 4990, für die Konservativen 2756, für die Poale-Zion [715. Die Liberalen haben demnach um 370 Stimmen mehr als die Hälfte der Oesamtstimmen, würden also, wie man auch rechnen mag, ein wenig über die Hälfte der Mandate, also etwa 5,2, zu beanspruchen haben. Der Volkspartel ilthen dann mindestens drei Mandate zu, die beiden restlichen Mandate entfallen auf die anderen Parteien. Wie aber rechnen die Herren Liberalen? Sie erklären: ii wir ein wenig über die Hüfte der Stimmen haben, so ithmen wir uns sechs Mandate. Das siebente Mandat gehört Herrn Dr. Freund, dem „parteilosen" Oeschäftsleiter des Landesverbandes. Die Volkspartei muß sich mit zwei Sitzen aMinden, die Konservativen erhalten den letzten Sitz, die Mittelpartel und die Poale-Zlon gehen leer aus. Der Liberalismus hat wieder einmal seinem Namen Ehre gemacht. Wenn die Herren schon meinten, Herrn Dr. Freund laden Rat wählen zu müssen, dann hätten sie bei der geringen Slimmenzahl, die sie über die Hälfte erlangt haben, ihm das sechste Mindat geben müssen. Sie hatten aber kein Recht, der Volkspartel, welche um 2145 Stimmen mehr alt die Hälfte der liberalen Stimmen hat, nur ein Drittel der sich selbst angemaßten Ratssitze konzedieren. Das hätte die Volkspartei auch beanspruchen können, wenn sie 6030 Stimmen weniger erlangt hatte, als sie tatsächlich erhalten hat Die Mittelpartei, die fast doppelt so stark wie die Konservativen Ist,;;ht überhaupt leer aus. Man muß si:h wundern, daß die Liberalen nicht gleich alte zehn Sitze eingesteckt haben. Diese Wahlen sind vermutlich nur ein Vorspiel zu der Art, in welcher die Herren Liberalen Ihre Mehrheit zu mißbnuchen beabsichtigen. Mögen sie auf diesem Wege fortfahren. Es Ist eine reine Gewaltpolitik, die keine guten flüchte tragen kann, Die Verfassung des Verbandes enthält genug Bestimmungen, um auch eine sich sehr sicher wähnende Mehrheit nicht völlig unbehindert walten zu lassen. Und die #iscbe üeffcntllchkelt wird hoffentlich/ noch' so- -viel Oe-' rechtigkeltsslnn aufbringen, um diese Methode der Majorilierung zu verurteilen. i'' ' * In den Rat des Preußischen Landesverbände« Jüdischer Gemeinden sind seitent der Berliner Jüdischen Gemeinde »wählt worden: Justizrat Makower, Jusuzrat Lilienthal, Frau Helene Meyer-Stargard, Justizrat Sonnenfeld, Prof. Dr. Türk, Kimmergenchtsrat Wolff (alle von der liberalen Vereinigung); Direktor Kareski und Dr. A. Klee (Jüdische Volkspartei); Dir. Qilewskl (konservativ); Dr. Freund (keiner Partei angewlg. * Wie die J. T. A. erfihrt, tlnd tlmtllche Proteste gegen die **h!en zum Verbandstng des Preußischen Landesverbandes Wischer Qemclnden abgelehnt worden. Der inllsemlllsche Alpenverela Bei der am 13. März stattgefundenen Hauptversammlung •fr Sektion Berlin des Deutschen und Oesterreichischen «penverelns wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt, der wh bekanntlich mit der Bedingung 7ur Wiederwahl gestellt hat,?>B er in Zukunft befugt sein solle, eine Beschrlnkung in der Zahl der sich neu meldenden Jüdischen Mitglieder, also einen Numerus clausus für Juden, einführen. Et kam bei der Hauptversammlung natürlich zu «n üblichen antisemitischen Pöbclszenen. Das Wahlergebnis Jird im Vcrwaltungsstrcitverfahrcn angefochten werden. Einer «f Gründe der Anfechtung besteht darin, daß es trolz de« •i'lens einer Minorität von etwa 40«/o der anwesenden Mit- Weder der Sektion zu einer Aussprache überhaupt nicht kam. Das „Berliner Tageblatt" sehreibt zu diesem Er- J,,b"ii u. a.: „Die Sektion Berlin galt bisher als Hort der H'n guten Tradition, politische und religiöse Momente über- M»Pt nicht In den Alpenverein hineinzutragen. Nachdem sie diese Tradition gebrochen und in wüsten Larmsienen weh gewaltsame Wiederwahl des Vorstandet den Numerus Mwus und damit die Degradierung der jüdischen Mitglieder beschlossen hat, ergeben sich für die jüdischen J!« die zahlreichen christlich-deutschen Mitglieder der Sektion. diesen Rückschritt in Unduldsamkeit und Oehässlgkcit r5M mitmachen können, die Konsequenzen von selbst. ... P*J »tcht fest: der 13. März 1925 Ist.eln .dunkler Ta g ™ der Oeschlchte des deutschen Alpinismus., Widerspruchslos »«den sich die Freunde der Gleichberechtigung und der fernen Staats- und der modernen Staats- und Weltauf- Max J. Bodeohetmer Zum 60. Gebnritfag Der. Zionismus Ut einmal In Deutschland alt eine echte Jugendbewegung entstanden. Männer von Rang und Titel waren eine Seltenheit In Ihm. Zionlstcn mit grauen Haaren fast unbekannt Der Kampf gegen das Notabelntum war zunächst ein Kampf einer Jungen Generation gegen eine alte. Die Zahl der Zionlstcn war klein. Noch fm Jahre 1901 zShlte man In Deutschland nicht mehr als 2030 Srhckeltnliler. Unter Ihnen waren russisch-jüdische Studenten und Akademiker, die sich nur vorübergehend In Deutschland aufhielten, ostjüdische Kaufleute und Handeltreibende, für die Deutschland nur ein Durchgangsland war, und die heute in London und Paris, In den OroßstSdten der Vereinigten Staaten und in PaUstlna leben. Unter den in Deutschland ansteigen Zionlstcn waren viele Schekelzahler In Gänsefüßchen, Die Zahl der ansässigen Zionlstcn, die bewußte Nationaljuden waren, war gering. Und gerade'unter Ihnen befand sich eine nicht unbeträchtliche Zahl von Menschen, die der nlchtzlonlstl- «dien Welt al« besonders radikal galten, deren Radikalismus aber nur in ihrer damaligen Unkenntnis der Jüdischen Realitäten beruhte. Rußland war eine Terra Incognlta und Palästina war nur ein Endziel. Die Tatsachen des palästinensischen Lebens waren zu unbekannt und zu schwach, um die Gedankengange der Theoretiker und Systematiker kontrollieren zu können. Seit dieser Zelt des Anfangs tlnd noch nicht einmal 30 Jahre verstrichen — eine einzige Oencratlon. Aber da die Zahl der bewußten Zionlstcn außerordentlich gering war, so Ist die Zahl derer, die heute Imstande sind, die Kenntnis der Vergangenheit den Heranwachsenden zu übermitteln, sehr gering. So sind dem Oros der heutigen Zionlstcn In Deutschland diese Zelten des Anfangs ganz unbekannt geworden, und das ist nicht gut. Denn noch Immer und auf lange Zeit hinaus Ist der Fortschritt des zionistischen Gedankens in Deutschland davon abhängig, daß es Immer wieder gelingt, heranwachsende junge Menschen zum Zionismus zu bekehren. Und wenn es auch heute In Deutschland nur noch verhältnismäßig wenig jüdische Kreise gibt, die vom Zionismus und von der Paläsflnabewegung nicht» gehört haben, so gilt es auch heute, wie in den Jahren 189) bis t9M, den heranwachsen« den Juden die Kenntnis des nationalen Oedankcnt zu ver mittein und In ihr die Empfindungen zu erwecken, von denen getragen der assimilierte Jude fällig wird, die Konsequenzen des Zionismus für seine eigene Person zu ziehen. Diese Empfindungen Immer wieder der Jugend zu ver mittcln, wäre leichter, wenn die Kenntnis der schweren und entsagungsvollen Anfangszeit des Zionismus weiter verbreitet wäre. Demi die heutige Ju;;end hat ei leichter als die Alten es seinerzeit hatten. Heute gibt es genug Zionlstcn mit grauem Haar, Männer In Amt und Würden, und die Parole des Kampfes gegen das Notabelntum Ist heute ein sachliches Programm geworden, das sich nicht mehr gegen eine filtere Ocncrntion richtet, sondern dn* Im Jüdischen Lehen Deutsch lands die Grundsätze der Demokratie durchzuführen und ein System zu schaffen sucht, In dem der gewühlte Führer der Kontrolle derer untersteht, die Ihn gewählt haben. Allerdingt fallen, der heutigen Jugend die verantwortlichen Posten nicht mehr von selbst zu, aber die alleren wissen, daß man einer jeden Jugend immer wieder die Freude an der Arbelt geben muß, welche das Gefühl übernommener Verantwortung erzeugt. Die Entwicklung det zionistischen Oedankens In Deutsch land war zwar keine sprunghafte; sie Ist vielmehr allmählich und In proportlonellem Anstieg vor sieh gegangen. Sie Ist aber doch eine sehr schnelle gewesen, so schnell, daß es schwer fällt, das rlcht'ge Augenmaß zu diesen Anfangsjahren zu finden. An der Spitze dieses Zionismus von vor 30 Jahren stand Max J. Bodenhelme r, damals ein Junger Rechts anwalt In Köln. Er war der Vorsitzende der Nntlonaljüdl sehen Vereinigung für Deutschland aus dem Jahre 1896, und er war nach dem ersten Basier Kongreß der erste Vor sitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Er war nicht nur der Repräsentant der zionistischen Propaganda dieser Zelt, sondern er war auch Ihr Bannerträger. Er hat die Grundlagen der Organisation, wie sie heute besteht, geschaffen. Er war auch einer der Ersten, die die persönliche Verbindung mit Palästina herstellten, und er war neben David Wolffsohn der Repräsentant des deutschen Zionismus gegen über den Zionlstcn der anderen Linder. Wir wissen, daß wir Im Namen aller deutsehen Zlonlsten und darüber hinaus weiterer zionistischer und nlchtzlonlstl scher Kreise sprechen, wenn wir Max J. Bodenheimer zu seinem 60. Ocburtstag die aufrichtigsten Glückwünsche aus sprechen, und wir glauben, daß man zu diesem Tage nicht einen Katalog all der zahlreichen Arbeiten aufzustellen braucht, die Max J. Bodenheimer In seiner langjährigen zionistischen Laufbahn durchgeführt hat. Ocdcnken wir Heber det Anfangs seiner zionistischen Tätigkeit, der unlöslich m|t den Anfängen des Zionismus In Deutschland Oberhaupt verbunden Ist. Denn auf diesen Anfängen beruht alles Spatere. Arthur Hantke. Die polnische Realcrung bei der EruIIanog der Universität Warschau. (J.T.A.) Die polnische Regierung sandte dem polnischen Generalkonsul für Palästina, Herrn Hubickl, eine Instruktion, daß er bei der Lrölfnung der hebräischen UnlversIWt In Jerusalem, am 1. April, die polnische Regierung offiziell repräsentieren solle. * In Polen hat sich die Sitte eingebürgert, daß Palästinareisende Oese henke für die hcbiiiisdic Universität mit «Ich fahren. Der Präsident des Vereins der Freunde der hebräischen Universität, Herr Horris Stawski, nahm eine Bronzestatuc des Maim>nidcs mit, die eine Arbeit des jüdlscnen Bildhauers Ostrzega, des Schöpfers des J. L. Pcrez-Dcnkmals, ist Der Verein der Warschauer Antiquitätenhändler sandte das seltene Exemplar eines Im Jahre 1583 erschienenen lateinischen Werkes, enthaltend eine Geographie Palästina«) nebst Karte von Jerusalem. Der Sportverein Makkabl sandte eine Marmortafcl, das Zionistische Komitee Warschau eine Bronzcslatuc Theodor Herzls. Ebenso führen zahlreiche andere Palistinareisendc Geschenke mit. ,«»ung dieses Oeschehnls nicht gefallen lassen. Ml»Pfen um Ihr gutes Recht auf die Alptn." Sie werden Die „Revisionistischen Zloilsfet" ^ie die Wochenschritt der russisch-zionistischen EmK!L.nt,V1> „RaswJet", mitteilt, wird .am 26. April In Paris rJJ* Konferenz der „Zionlsten-RevislonlsUn". (jabotlnsky. £Pf|e> beginnen; suf der Tagesordnung stehen Prägen der £?'»sehen Offensive" (Boden-, Steuer-, Zoll- und Veriitu n5sr«'ormcn In Palästina und die Frage einer gesicherten pönalen Anleihe), der Legionismus, Jewish Agency SfVfc Fr»8c d" Wahlsystems für den zionistischen Kon kl \ die L'£c dc» Jüdischen Schulwesens in Palästina, schließ In interne Organllallontfragen der ,,ZlonJsten•Revl;loni^ten•,, V. besondere Oruppe mit einem entsprechenden ^vmm konstituieren "wollen. ......____; :. Kleine Nacbrleblrn Am 12. März fuhr von New York der Dampfer „Prlsldent Arthur" der Palcstine American Line mit JjJ l'asiagieren an Bord nach Haifa ab. Sämtliche Passagiere begeben sich zur Lröllnung der hebräischen Universität nach Palästina. Der Dampfer hiflte die zionistische Fiagge. Die rumänische politische Polizei (Siguranza) nahm im Lokal der Bukowinaer Schomrim-Organisation in Czernowitz eine Haussuchung vor und versiegelte dasselbe. Eine Abordnung des Internationalen Arbeitsamtes beim Völkerbund begibt sich dieser Tage nach Südamerika, um die Aufnahmefähigkeit der dortigen Länder für europäische Emigranten zu prüfen. Der Kommission wird als gleichberechtigtes Mitglied Herr Lazki-Bartholdi, Vertreter des jüdischen Emigrations-Direktoriums, angeschlossen sein, um die jüdischen Interessen wahrzunehmen. Die „Voss. Ztg." vom 15. d. M. brachte in ihrer illustrierten Sonntagsbeilage eine Reihe schöner Bilder aus dem Jüdischen Leben Palästinas. 50030 Dollar für ein hebräisches Lehrerseminar. Wie die Palästinensische Telegrafen-Agentur erfährt, hat Herr Juilns Rotcnwald aus Chicago 50 0JO Doliar für die Errichtung eines Ocbäudet für ein hebräisches Lehrerseminar In Jerusalem gespendet. (Es Ist unklar, worum es sich handelt, A. d. R.) Agudah-Tourlstcn nach Palästina. Auf Anregung der Delegation der Allwcltlichen Palästina-Zentrale der Agudas Jlsroel hat das Einwanderungsamt der Palästina-Regierung das englische Konsulat in Warschau angewiesen, für Passah- Touristen Empfehlungen der agudistischen Organisation ebenso zu berücksichtigen, wie ~ ganfsatlon. diejenigen der Zionistischen Oröle BiMlofte*- Idmx Golflifters ta Jerusalem Wie unseren Lesern' bekannt, ist In Jerusalem die Bibliothek von Ignaz Ooldzlher, dem In Budapest verstorbenen Begründer der modernen Islam-Wissenschaft, eröffnet worden. Sic ist In der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek, der tlc von der Zionistischen Exekutive zugeführt worden war, untergebracht. Das „Zentralblatt für Bibliothekswesen" schreibt dazu, daß der Wettbewerb um diese bedeutendste orlrnlalische Privatbibliothek sehr scharf gewesen war und daß auch Preußen, trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse, sich daran Im Interesse der Berliner Staatsbibliothek beteiligt hat. Auch Japan hatte einen Fachmann deswegen nach Europa geschickt. Die Bibliothek enthalt etwa 6000 Bünde von 2 600 Autoren. Ihr besonderer Wert liegt darin, daß Ooldzlher schon 1873/74 als erster und einziger Europäer die zentrale Hochschule der moslemischen Theologie, die Ashar-Akademle k» Kairo besuchen duritc und durch den Ankaut der Kairoer Drucke alter /eit den Orundslock zu seiner Sammlung gelegt hat. Ein Junger Berliner Orlentalist, Dr. Hartwig ßaneth, Ist nach Palästina berufen worden und bearbeitet dort die Neuerwerbungen und die Korrespondenz Qold/lhcrt, die von seinem Sohn, Prof. Carl Ooldzlher, für die: Jerutalcmer Bibliothek herausgegeben werdest wird. Die Zentralwolitlnbrtsstclle der deutschen Juden Die Zcntralwftlilfahrtsslelle «ler deutschen Juden verftlfent. licht einen Bericht über Ihre Tätigkeit Im Jahre 1924, dem wir folgendes entnehmen: Die amtliche Wohlfahrtspflege, die vom Relchsnrbeltsmliilsterlum und Prcufl|schcn wo. Irahrisml listcrium repräsentiert wird, war auch int Jahre 1024 bestrebt, den in der In- Ilations/cit angebahnten Kontakt mit der freien Wohlfahrtspflege fester zu gestalten und hat zu diesem Zweck regelmäßige Aussprachen mit den Vertretern der großen Snlttenverbäude herbeigeführt. Es ist erreicht worden, dalt zum ersten Male In klarer eindeutiger Weise die Rechte der freien Wohlfahrtspflege gegenüber der öffen.li:hcn gesetzgeberisch In 8 5 der Fürsorgeverordnung verankert worden sind. An allen diesen Bcralu i^en hat die ZcnlralwohHahrlsstelle mitgewirkt und verstanden, dem Anseilen der jüdU sehen Wohlfahrtspflege die notwendige Ocltung zu verschaffen. Mit den .Verbinden der freien Wohlfahrtspflege arbeitet die Zcntralwohllahrtssfcllc fn engstem Einvernehmen. Nach dieser Rlchtunp hin hat sich gerade in den ict/tcn Monaten nls Auswirkung der neuen rcl ^rechtlichen Regelung des Wolfnlirlswcrieiis ein viel engerer Zu<aiumcn*chhill als I« früherer Zelt herausgebildet, indem eine Deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege, bestehend aus der Charitas, dem Zcntralausschuß der Inneren Mission, dar Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, dem Ausschuß der christlichen Arbeiterschaft und dem sogenannten 5. Verband (Langslvinschen Verband) begründet worden ist. Auf dem, Qchietc des Ausbaus der iüdlschen Wohlfahrtspflege In Deutsch Und war die Z.W.St. Im vergangenen Jahre in doppelter Weise tätig. Einmal handelte es sich darum, den Zusammenschluß der jüuischcn Wohlfahrtscinrlchiungen in den Ocmclndcn, wo dies bis jclzt noch nicht geschehen war, herbeizuführen, hauptsächlich aber in Preußen Provluzlnjvcrb.'imlc ins Leben zu rulcn. Es sind solche Verbände In kurzer Zelt bereits in Hannover, Sachsen- Anhalt, BiniHlcnburrr, Rheinland entstanden. Diese Provlnzi.il. verbände stellen die Vertretung der Wohlfahrtsplicge der Provinz gegenüber den Lanuesfürsorgcämtcrn dar und schließen sich mit den analogen kathollichen und cvangc'ischen Organisationen, sowie mit anderen Verbänden der frci.-n Wohlfahrtspflege zu Unterorganen der Deutschen Li-ja für Wohlfahrtspflege zusammen. Auch nach einer zweiten Richtung war die Z.W.St. organisatorisch tätig, indem sie sich bemühte. Innerhalb der Gemeinden, der örtlichen Zentralen und Landesvcrbändi eine SystcmaJk In der jüdischen Wohlfahrtspflege durchzuführen, , ,„ „ , Einer besonderen Anregung seitens der jüdischen äugendverbinde folgend hat die Z,\V..^. a :,i ie upendorgnnlsalloncn In Deutschland zu einem Beirat der ir'cnd neben der Z.W.S*. /inn-i-ic -e-ci •«c'-Kt'i-h mit ihren Vertretern Richtlinien für die Mitarbeit der Jugend nur sozialem Oebletc ml. Ue < ör - '; cu-d Landesverbänden aufgestellt und Wege gefunden, um In die Jugend selbst die soziale Arbeit hineinzutragen. Das Aufgabengebiet der Auskunft und Beratung hat sich Im vergangenen Jahre stark erweitert, da die Z. W. St. zurzeit die einilge Stelle In Deutschland darstellt, welche über ein außerordentlich umfangreiches, durch regc'.nüiligc Umfragen sich erneuerndes Material über *i~n l:se 'üd'«ch:n Woltlfahrtseinrlchlungen geschlossener, halboffener und offener Es liegt In der ganzen wirtschaftlichen Situation der Nachkriegszeit und der Slablllslcrungspcrlodc begründet, daß die Z.W.St sich außerordentlich statk auf dem Oeblet wirtschaftlichcr Fürsorge betätigen mußte. Man muß hierbei eine Reihe von Operationen unterscheiden. Einmal handtlte es sich darum, die letzte Verteilung der J o I n t g e I d c r, die Im Jahre 1924 200 000 t betnw, au/ y . i-i neuen Schlüsselt vorzunehmen. Et wurde hierbei In besonders ttarkem Maße die offene Fürsorge berücksichtigt, nacidem In den früheren Ausschüttungen insbesondere die Anstalten Gegenstand -der Fürsorge gebildet hat. Die Z.W. St. ist «ul Orund der Erfahrungen und tut Grund sorg-