Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-02-24 · Heft 16 (24.2.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 16 (24.2.1925)
Date
1925-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652707--17175-3518018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Einzelnummer 0,2$ Goldmnrk ^wmm R»MUon und Verla< W 15, Mclnckc»lr»ßc 10, Encbclat f j,0 DleniUtf und FrolUg. BeiugiprcU bei dw Expedition, ' .3»tllcb 1.S5 Goldnmk. VlerUl|*hrllch 5,25 Goldmark. '||i(14MbMM«i«al' ytmrin l» d*r WUraal Utr ditthit* Llndir b<rxlui<L Nummer 16- Bcrlla, 24. II. 1923 Anzeigen -Verwaltung JüdlachaRtmdacbm G.m.b.H., BetllnWl5,M«lntke»U.10 Telephons Ami DUmarck 7165—70. AHtl(«BpctliitgM|itltNonp*r«lll«i«l1«IUOO^M.SUO<a<M*alitt,l90.>M. AutlftuchltSi DUnita*.tit<i Fr«U«< ■ •ehultt»f 4 Uhr. ■>«>aawMBaia«aa«M«MaanMMaMaai Telephoni Ul«mark 7165-70. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392, Fflr Otiltrrtlehi rnit.nalV>ii»ian>l Wien, Knnlo Nr. IS4 0VX Hf T«ti.c)io.low«V.I, fo.lipuk.,„0,m| |W Konto Nr. S9 «I«. rOr Poltai r<»lip«rkaiHatnt Wanchiu. Ratio Nr. 19070(1 ' , RedaktlomichluQ Sonnt»« und Mittwoch nachmlllaü. rrpnn >D3ty | ' xxx.jahrg. f|f xionUmm «ritrabt «Ir da» jüdisch« Volk dl« Ichaffunrj «Iwar »entlieh ■ rechtlich ge»Kh«rt«n Halmaliitt» in PnlSatlna. „oatalor Programm.« 0 ümt taMM! Der Keren Kajemeth befindet sich in einer schwierigen Situation. Tausendc von Menschen j„ Palästina und im Galuth warten auf Ansicdlung. Der nationale Bodenbesitz ist aber zu klein* Deswegen ist es notwendig, die zionistische Jugend an ihre besondere Pflicht dem Keren Kajemeth gegenüber zu erinnern. ... Nur durch den Keren Kajemeth wird es der Jugend, die nach Palästina geht, auch weiterhin möglich sein, ihr wichtigstes Ziel, nämlich die Schaffung einer jüdischen Landwirtschaft» ju verwirklichen. Nur der Keren Kajemeth kann unseren Chaluzim den Boden geben, auf dem jie durch eigene Arbeit in Formen leben können, die ihnen entsprechen. Nur so wird die Grundingo für das nationale Heim gesdiaffen, die eine gesunde wirt» ichaftliche und soziale Entwicklung ermöglicht und eine starke politische Sicherung bietet. Die sonistische Jugend hat heute die Pflicht, den Beweis zu erbringen, daß der Aufbau mit Hilfe der nationalen Fonds möglich ist. Leider ist es vorgekommen, daß der Keren Kajemeth Bodenkomplexe, die von entscheidender Bedeutung für die nationale Kolonisation sind, sich entgehen lassen musste, weil er nicht genügend Mittel besaß. Hier kann die Jugend im Galuth Abhilfe schaffen. Die praktische Arbeit für den Keren Kajemeth eignet sich insbesondere auch für unsere Jugend. Die Arbeit ist leicht, abwechslungsreich und stellt nicht allzu erhebliche Anforderungen an den Einzelnen. Ohne die Jugend aber isl eine gute Arbeit für den Keren Kajemeth unmöglich. Schon in der nächsten Zeit kann die zionistische Jugend in Deutschland beweisen, daß sie gewillt und fähig ist, mitzutragen an der Verantwortung für das Gelingen unseres nationalen Werkes. Die Sammelstelle des Keren Kajemeth in Deutschland ist mit ihrem Kontingent von 6000 Dunarn im Rückstand. - Nur durch eine große, Aktion zu Purim bietet sich noch die Möglichkeit, diesen Ausfall wett /u machen. Deswegen sollen am 8. März in allen Orten Deutschlands Haussammlungcn für den Keren Kajemeth stattfinden. Die unterzeichneten Vorstände fordern hierdurch die Mitglieder ihrer. Organisation auf, sich am 8. März ausschließlich in den Dienst des. Keren Kajemeth. zu stellen. In den Orten, in denen kein Vertrauensmann des Keren Kajemeth ist oder der Vertrauensmann die Sammlungen aus irgend welchen Gründen nicht durchführen kann, sollen die. Mitglieder ynserer Verbände die Organisierung selbst übernehmen und sich deswegen umgebend an die Zentrale in Berlin wenden. Wir erwarten bestimmt, daß alle unsere Freunde neben den älteren Zionisten ihre Pflicht bei dieser Aktion erfüllen werden. Bundesleitüng des Blau-Weiß Präsidium des Kartells Jüdischer Verbindungen' i. A.t Benno Cohn Georg Strauß Förder Das Präsidium des deutschen Kreises des Maccabi-Welt-Verbandes :'• Muntner Bundesleitung des Jung-Jüdischen Wanderbundes Bundesleitung des Brith Haolim Fritz Lichtenstein Noack Reichmann Stein Rosenblatt Präsidium des Bundes zionistischer Korporationen Misrachi Jugendgemeinschaft Zwirn ,,.','* Wolffsberg Geschäftsführender Ausschuß der Zionistischen Verbindung Hatikwah Glaser Vorstand des zionistischen Jugendvereins Hechawer Fechtklub Bar Giora Kramarski Kuhn Jüdischer Ruderklub Ivria' Hapoel Hazair Merkas des Hechaluz Präsidium des Herzl-Bundes Engel Landauer Nagler Ascher Rudel Walter Samuel 0(r Waad Lenml lOr Verbleiben Herbert Samuels Jerusalem. (J. T. A.) Der Waad Lcutnl (Na- ^nalrat der Palästinensischen Juden) nahm in seiner j^ung vom 17. Februar cit.c Resolution an, in welcher?ie Notwendigkeit ausgesprochen wird, daß Sir Her- ,.eft Samuel in seinem Amte als Obsrkommissar Palmas verbleibi In der Resolution heißt es, sowohl allgemeinen Landcsintercsscn, als auch die besonderen »dischen Interessen heischen das Verbleiben Sir Herbert **jnuels. Der Waad Leumi beschloß, Schritte zu unter- .pmen, um die maßgebenden Stellen zu informieren und ('r Herbert Samuel zu bewegen, sein, bisherige» Amt r °ic nächste Amtsfrist zu behalten. h * Di* orthodoxen Rabbiner Amerikas Iflr Herbert Samuel .New York. (J.T.A.) Die gegenwärtig In New York genut Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas sandte '.'graphische Kundgebungen an die briiiiche Regierung so- ,jL411 Sir Herbert Samuel, in welchem die Bitte ausgesprochen V'r> i Slr Herbert Samuel sein Amt als ObcrkommlM.-ir" x, 'tUitlna für eine weitere Amtsperlode behalten im8jC' d' »eine Amtsführung dem Lande Wohlfahrt bringt * lüdlacht nationale .Heim fördert. . Prozeß Steiger Im Marz . Der Justizmiiilstcr teilte dem Präsidenten des Jüdi sehen Parlamcntsklubs, Dr. Leon Reich, mit, daß der Prozeß gegen den jüdischen Studenten Stanislaw Steiger, gegen den der Verdacht besteht, daß er in Lembsrgein Attentat gegen den Präsidenten Wojcicchowskl versucht linbc, noch Im Verlauf des Monats Marz lu Lemberg — nicht, wie mehrere Zeitungen meldeten, fn Warschau — stattfinden wird. Lard Allcnby kommt lach PallMlia Fcldmarsehail Lord 'Allcnby, der britische Eruberer Pn-' lästinas im Weltkriege, wird Ende April nach Palästina kommen, um den Soldatrnfnctlhnf auf dein Oclbcrge zu Jerusalem, auf welchem die britischen und Indischen Soldaten, die auf dein palästinensischen Schlachtlcklc fielen, bestattet sind, ein* /uweinen. Auf den britischen Soldateufricdhöfen In Palästina (Jerusalem, Qaza und Dcir-al-Bclah) sind ungeflhr 100C0 Gefallene bestattet. Jeder /Friedhof wird eine Ocdenktafcl mit dem1 folgenden Text erhalten:' „Die Erde dieses Friedhofe» ist icln freies Geschenk de» Volkes in Palästina als Ruheplatz für diejenigen alliierten Truppen, die Im Kriege 1014 Ws 1018 hier -ihrleben Mcn." : ' ,• . . Die jüdische Kolonisation in Rußland Wenn wir uns bisher zu einer sehr wichtigen Erschclnung im jüdischen Leben der Gegenwart, der jüdischen Kolonlsatlonsbcwcgung In Rußland, nicht geäußert haben, so geschah das darum, well es noch heute außerordentlich schwer Ist, objektive und zuverlässige Nachrichten fiber irgend etwas, was In Rußland vorgeht, zu erhalten. Jedes auch nur kleine Ereignis politischen oder öffentlichen Charakters ist so sehr von der Parteien Haß und Gunst verzerrt, daß schließlich nur ein allgcmeines Mißtrauen auf Seiten des Information Suchenden zurückbleibt, und er resigniert vorziehen muß, zu schweigen und'abzuwarten, „walt and sec", wie der Engländer sagt. In der letzten Zelt allerdings mehren sich die Nachrichten illur die Fortschritte der Kolonisation von Juden In verschiedenen Gebieten der Sowjet-Republik so. sehr, daß es schwer ist, daran vorüberzugehen.- Wir vermögen nicht diese Sache so gering anzuschlagen, wie eine große jüdische Zeitung Mitteleuropas tinlängst tat, indem sie die ganze Sache als „plumpen Schwindel" bezeichnete, auf den niemand mehr hereinfallen werde; wahrscheinlich "hat jenes Dlntt die Sachlage gründlich geprüf«, bevor es zu einem solchen Urteil kam, da aber seine Informationen «ms nicht zugänglich und daher von uns nicht nachzuprüfen sind, können wir uns vorerst seiner Ansicht nicht nnschlieflcn. Die Mehrzahl der jüdischen Emigrnntrn aus Rußland, darunter natürlich auch zionistische, bemühen sich nachzuweisen, daß der ganze Reuen von Nachrichten nichts anderes Ist, als ein Manöver der Jüdischen Kommunisten, die dadurch jüdisches Geld aus dun Ausland in ihre H.'indc bekommen und dann für Ihre Pnrtcizwecke gebrauchen wollen. Wem» diese Auffnssimg richtig: Ist, dann handelt es sich in der Tat um rlnc schwere Beschuldigung und dann müßte die gesamte jüdische Oclfcntllchkcit mit allem Nachdruck gewarnt werden, sich an der Sache zu beteiligen. Wir hallen jedoch diesen Nachweis bisher nicht für erbracht, denn Behauptungen sind kein Beweis. . Sachlich tind objektiv betrachtet scheint uns nichts natürlicher, als daß .die Sowjet-Regierung tatsächlich versucht, das Judcnproblcut in möglichst konstruktiver Welse zu tdsen.' Die, Massen des jüdischen Kleinbürgertums, Kowcit sie von den wclßgardistiscuru' Pogromen vcrscliont geblichen sind, sind zum großen Tei! ihrer Existenz beraubt und völlig paupcrlsicrt. Dieses Judentum Ist ein gesunder widerstandsfähiger, zum Teil fast bäurisch gebauter Typus, keineswegs arbeitsscheu, vielmehr harter Arbeit* gewohnt. Die Juden sind durch die historische Entwicklung, durch gesellschaftlichen Zwang und Ausnahmegesetze in den Handel hineingedrängt worden. Dieser Handel Ist jclzt vernichtet, die Sowjet. Regierung hat die Pflicht, diesen Massen eines arbeitssamen und .moralisch hochstehenden Bcvölkcrungs-Elc« mentes eine-„fair chance" zu geben, eine Möglichkeit, tm Rahmen der Arbeiter- und Baucm-Rcpublik durch Ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Wenn die Sowjet-Regierung hierfür tatsächlich große Strecken Landes zur Verfügung stellt (die Idee einer jüdischen Republik in Rußland wurde wohl nie ernst genommen), so können wir von unserem nationalen Standpunkt dies nur begrüßen, da wir in der Rückkehr eines g-^ßeren Teiles unseres Volkes zur Landwirtschaft etilen wichtigen nationalen Aktivposten scheu. Die wichtigste Trage, die uns dabei beschäftigt, ist wohl das Problem des Verhältnisses des Zionismus zu diesen jüdischen Kolonlsations-Bcslrcbungcn. Auch hier dürften die 'Anschauungen geteilt sein. Die einen schön In einer Anteilnahme der jüdischen Ocffcnllichkclt am russischen Kolonisationswerk eine Vergeudung, öffentlicher Mittel und Kräfte für einen national bedeutungslosen'oder sogar, schädlichen Zweck. Im heutigen Zeitpunkt, so heißt es, müssen wir uns ausschließlich auf Palästina beschränken, das die Gewahr für ein wirklich dauerndes nationales Werk bietet, wir dürfen keiue Zersplitterung der Kräfte dulden, wir haben auch kein Interesse an der Entwurzelung jüdischer Massen in rnssisehen Boden. In diesen Argumenten steckt zweifellos ein richtiger Kern. Es Ist nicht Aufgabe von uns Zionisten, die wir die einzig mögliche Lösung der Judentrage In Palästina sehen, für eine jüdische '■'olonisaüon In Rußland, zumal diese noch im Dunkeln liegt und ihre Rcalllfit nicht einwandfrei feststeht, Propaganda zu machen. Aber an erster Stelle steht garnlch» das Problem der tätigen Hilfe, sondern die theoretische Ktäiuug unserer Beziehung zu einem solchen Projekt. Was das betrifft, so glauben wir nicht, daß eine wirkliche Kollision zwischen den beiden Dingen besteht. Palästina wird niemals alle Juden aufnehmen können. Es wird immer eine Diaspora geben, das Ist eine zionistische Binsenwahrheit. Allerdings hat sich noch niemals jemand klar darüber Rechenschaft gegeben, wie wir uns, vom nationalen Standpunkt aus, die Gestaltung dieser Diaspora denken tollen. Es wäre heute wohl auch viel zu schwle-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.