Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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y /^'"fV""" iLl l-JjtLa l.. T7^ 1 3 r~r 0 i r—3 m r v,b:- "g^aklion und V«rl«f( W IS, Mcinckcslrtßc 10. Erscheint ieico DleniUi und FrclUtf. Bozugiprci« bei der Expedition jaonatUch 135 Goldmoxk, Vlcrttlilbrlich-3,35 GoldiunrU. ^|tjiejitti«ui«MUtt warf«. Is 4u Wlfcnnf im «loubta Linder berachtft. Nomzner 13 Berlin, 13. IL 1925 v.b isesvrrr.. tMAsWuurMmm^^a^e»1aMgaJ^s^sa,^ Anzeigen-Verwaltung JUdifchoRundiirhsaC.n.b.lI., Bcrllr>WI5. MrIntl.c0r.lf/ Telephons Ami Bismarck 7165 -70. Aoz»l{enpr«UiC£r»p^Vxpmi'l,<«il.-0.10C..\t SuU,oi«KKetCUiü.^ A*t«ll!«atcbl«ti 0(aatta£v«4 Kf«IU< ■ tab«Ut a( 4 UVr. fiinzslmimmsr O,^0 Gofdmnrk \Q r~? «.-^ r~i |—j l-; \ 1 i l... J V. f X 1 I "--1>7■"W"1- "-"-^'•^==='=^—.r.^4T3il=-T3«=-r.3. I r«,c'>''0cn.1 Ü^.'"'^.71^-70'. l'o.Ucbcckkontoi Berlin Nr. 17392. f£tv£ 7,,fh' f'il"lu"»,n" Konto Nr. I.VWM. fürTichttio.low.k.l, {••»•hpaikaiianant |W Kaute Nr. .Vi.'IO. , j o* T<>'«u»»o»Mt Wa»acJ>.a. Koalo Nr. I'.O70V J™^bZl"c-l1»* So»»»'ft «"»<* Mittwoch nfcch ' ** *'f"*^>ll''*^-^**i^mm**tmai, «aiS ili? '■ '■ J.' '&V ~~~"T"~~T^'r'«"—» :htntltag. ________ ., HTHr», 03P I wmMW|;itt.Ba;»)MaM^gIW XXX. Jahr«. — uxncsaasaaxasBtarm Ott Ztonlimu* cratrobt fOr da» |0d»s<ha Volk die Schaffung otnor SKcnttlch»rechtlich gcsUhortaft^iaolin-^iaiio in PoiSst'na. „Dasotor Programm.*« •Ja-* An die Ziomsteii im' DeiifiscMaindS Unser Kolonisationsfonds ist der Kerea Hajessod. Die Erschließung ' des Bodens vod Erez-Israel ist nur mit öffentlichen Mitteln möglich. Die Aufgabe der Zionismen ist es, diese Erkenntnis den Juden zu vermitteln. Durch wirksame Propaganda gelang es, wertvolle Nichtzionistcn unserem Werke zu verbinden; wir, hoffen auf den steigenden Ertrag dieser Arbeit. Unsere Zuversicht auf den Erfolg des großen Aufbau-Werkes beruht auf der Zuverlässigkeit und dem Pflichtgefühl der organisierten Zionlsten. . Zwei Argumente Hat unsere Propaganda: die Bereitschaft und das Leben unserer Pioniere in Erez-Israel und die Erfüllung der Maoßerpflicht durch jedes Mitglied der Zionistischen Organisation. . Zahlreiche Beschlösse verlangen von den Zionisten den Manßcr; die Bekleidung von Ehrenämtern ist an die Erfüllung dieses Maaßcrs geknüpft. ' Ein gewaltiger Strom von Einwanderern will von Erez-Israel aufgenommen werden. Mit beispielloser Hingabo arbeitet.der Präsident unserer Organisation, Dr. Weirmann, Jag für Tag für die Stärkung des Keren Hajessod.; Sein Besuch hat uns vor Augen geführt, iaß die Verwirklichung unseres Programms von der Arbeit und der Opfcnvilligkcit eines jeden von uns abhängt * Wir erwarten, , daß alle Zionisten in kürzester Zeit unserem Rufe Folge leisten; Jeder soll Säumige an ihre Pflicht erinnern. Die .Hoffnung auf schnelle Fortschritte in Palastina ist mit dem Ergebnis unserer Werbearbeit verknüpft; ', ■ * Zionisten,. zahlt Euren. Maaßer und gebt uns, so die'Kraft und die Zeit, die nichtzionistische Welt zu neuer größerer, materieller Leistung zu bewegen I ' . / . Der Landesvorstand der Z.V.ID. Blumenfcld Roienblüth $d!>warx Aron .Oarth, Fo erder, Giniburc;, Nahura Goldxoa-Q, Hantke, Hüb, SaMy Hirsch, M&S Jaccl>sonn, Landau er, Undiborsr, Lelbowitach, Siegfried Moiei, Melnho'd Nußbaum, Rau, Rosenberg, Julius Rothenfeld, Sudler, Schocken, Georg Strauß, Tumpowakl, Waldm&nn. Wcltacb, ^olfbcirn, Wollotclner, Slddy Wronalcy. Sokolow beim Nontlos Pacelli Herr Sokolow besuchte während seines kurzen wüner Aufenthaltes den Nuntius Pacelli und harte nit ihm eine längere Unterredung über die Lage in 1'iläMina. Pacelli war im Jahre 1017, als er noch in Vatikan in Rom tätig war, einer der ersten vati- »mischen Staatsmänner, mit welchen Herr Sokolow da- '"•i!s (in Verbindung mit dem englischen Botschafter beim Vatikan Orafcn DcSalisund mit Sjr Mark.Sykes) die •'»Handlungen wegen Palästina führte. Jene Verband- Hen haben bekanntlich zu. einer sehr freundlichen taianing des damaligen Papstes Benedikt XIH. zupJistcn des Zionismus geführt. Herr Sokolow wurde von Pacelli sehr liebenswürdig «"ipfangen und gab ihm einen Bericht .über die Entwicklung, die die zionistische Arbeit .seit damals gekommen hat und über die jetzige Lage. Er versicherte Nunitus, daß es die feste Absicht der Zionistischen Organisation ist, Mißverständnisse jeder Art zu zerren und die guten Beziehungen, die damals in Rom '"geknüpft wurden, weiter zu pflegen. Die ErSUnungsvorlesungeo In Jerusikni Die J.T. A. verbreitet nachstehende Meldung: Wie in Jerusalem am 8. Februar bekanntgegeben j^rilc, werden am Tage nach den Eröifnungsfeieriich- ^itcn an der hebräischen Universität zu Jerusalem Jt°rg Brandes und Albert Einstein Vorjungen lialtcn. Ferner werden lesen: Oberrabbiner Cha jes-Wien, Oberrabbincr des Britiscticn Reiches "r- J. H. Hertz-London, Oberrabbincr von Frnnk'eich p Israel Lcvi-Paris. Oic Vorlesung am Eröffnungs- £S« wird Lord Balfour halten, und zwar km titimittcl- .'•rjn Anschluß an die Eröffnung^ücrcmonie. Am Abend [rc!' dem Eröffnungstage werden die Studemen der j"lvcrsitätgcmcin&im mit den Zöglingen der jüdischen ^«icn in Jerusalem einen Fackelzug veranstalten,' Cf £icl• durcfi die Hauptstraßen der Stadt bewegen wird. lidK»!e,f Nachricht Ist, ziimiude«t \va* Prof. Einstein v!,n'it. falsch. Einstein, der anfangs März eine Reise nach .^»merik» antritt, kann zur Eröffnung der Univewitüt nicht v Wus.lem «ein. Berüglich der anderen Oeninntcu können Augenblick die Richtigkeit nicht nachprüfen. "itfi° cs* nicht besser, wenn die Eröffnung der Universität l,nd;„cnh'cr Pomp' und Reklame In Szene'gesetzt würde? Wir Vinn' daö n'*n dem Ernst dcr .Saclie keinen Piennt leistet, "> man die Ausbeutung der groBcn Namen zu weit treibt. Jewtaa AfjcBcy unü zsIiQuIUcer ObcrkommissSr Tel-Äwiw (J.T.A.). Alfred Mond, der sich auf dem Wege nach Haifa, wx> er die Eröffnung des Technikums vornahm, in Tcl-Awiw aufhielt, fiußcrtc sich zu Vertretern der Presse, daß die Jcwieh Agcncy, die gegenwärtig durch die Zionistische Organisation re« präsentiert hvt, über die Pcra>n des Nachfolg-^rs Herbert Samuels ah Obcrkommksar von ,'alästina zu Rate gezogen werden wird. Alfred Mond sagte ferner: Jetzt, da vier bedeutende englische Kabinette die Balfour-Dcklaratiou als feststellend erklärt haben, ist die englische Politik In Palästina fest und unabänderlich. ■Der Bcrlcnt der ständigen Mandatskommission des Völker, bundes mit seinen ungünstigen Feststellungen, betreffend die jüdische Immigration In PaUstlna, sagte Alfred Mond weiter, wird faktisch der Einwanderung nicht schaden; die Ein-vandcntntf ist ein wirtschaftliches Problem und einzig und alkin von der wirtschaftlichen Absorptionsfähigkeit des Landes abhängig. Mond betonte eindringlich, cs wäre zu wünschen, daß die Juden sich nicht viel darum kümmern, was widere über ihre Leistungen In Palästina sagen. Dennoch attr muU viel getan werden, um die In Pclästlna gemachten Fortr-chrllte der Welt bekanntzugeben. Tcl-Awlw Ist ein wunderbares Werk und ein Beispiel dafür, daß ein Teil der Jüdir.chcn Hoffnungen In Palästina sich bereits erfüllt hat. Die EröÜycßfj des llaltetr Tetiafttnas Jerusalem. (J-T. A.) Das Technikum In Haifa wurd: am 9. Februnr durch den Präsidenten des Vcrwnllungsrats des Technikums, Alfred Mond, fricrllchst eröffnet Ansprachen hielten der President des Jüdischen hhllonalfonds, M. M. Ussischkln, das Mitglied der palästinensischen Exekulive, Dr. Arthur Ruppln, der Gouverneur des Nord'' distrikts von Palästina, Oberst Syme«, der Fifirfrcrmelster von Tcl-Awiw, Dlzengoff, uo<\ der Direktor des Technikifms, Herr Profcmr Alexander Blok. Schriftliche Begrüßungen wurden vcrlc«n von Herbert Samuel, Sir Ollbert Clayton, Sir Ronald Storrs, Dr. Welzmann, CoL Kfsch, Achid Haam, ferner von der Amerika Universität in Beirut', vim Jüdischen Nationalrat in Polen und zahlreichen anderen Körperschaften. Alfred Mond drückte in seiner Ansprache das Erstaunen darüber aus, daß die Regierung de« Landes das Technikum materiell nicht unterstützt. , , , I/Aftaire, Djelo, Sprawa Der „fin de sii-clc" Frankrciclw r-Und im Zeichen der DreyfuH-Affaire. Die franzöji-clic Republü; war damals in zwei Lager gespalten,.die einander mit allen Mitteln bekämpften. Das gesamte politische, KCi<ti;-e und auch wirtschaftliche Leben der dritten kcpublik' war in stärkster Weise von dem Gegensatz zwischen Reaktion und Fortschritt beherrscht, der in der DreyfulV. ^ffairc seinen Airsdruek fand. Die Pctm:\ des Angeklagten spielte schließlich in der ganzen An^cli-c-cn- Vc-clt eine nebensädilichc Rolle. Sic war ein Zulallsopfc-, an dem Ankläger und Verteidiger letzten Endes nur ein mittelbares Interesse hatten. Man.sprach in Frankreich' viel weniger von Drcyfuß als von der „Affaire" .schlechthin. . •" Hatte Frankreich seine „Affaire", so war Vorkricr^- rußland von dem „Djelo Bclissa" (Bcili.vProzcH) beherrscht. Auch in diesem Falle handelte c.i sich viel weniger um die Person des angeblichen Ritualmörders Beilis als uindie Bemülning der russischen Reaktion, alle Forlschrittsclcmcntc in Rußland zu treffen und unter Aufgebot aller Mittel die latente .Revolution unmöglich zu machen. Jahre hindurch standen in Rußland ähnlich wie in Frankreich* alle politischen und intellektuellen Kräfte unter dem Zeichen des . Beilis-Prozcsses. Achnlich wie in Frankreich knüpften sich auch in Rußland an die Hauptangcfcgenltcir, den Beilis-Prozcß, zahllose .Ncbcnaf fairen, die das Hatrptthema überwucherten und geradezu zur Nebensächlichkeit herunterdrückten. Die junge' polnische Republik1 hat nunmehr ähnlich wie einst Frankreich und Rußland ihre Affaire: die „Sprawa Stcigcra" (Steiger-Prozeß). In diese-Sprawa sind, wie bei Drcyfuß und Beilis, bereits andere Alfairen eingeschachtelt und die 'Entwicklung der Angelegenheit mutet wie ' die Qcschichtc Scbchcrezades in Tausend und eine Nacht an, die in das Haupttlicma Jcbcnfcr/ählumjen cinflicht, d.'c wieder von. Untertsvählungcn dcmtaBen durchwirkt sind, daß man fast die Hauptgcschiditc vergißt Mit Steiger Ik- {rann es, "dann folgte^ die- Episoidc ' P.inczyÄzyn-Mikictin; dann die' Vcrhafümg' von vier angesehenen jüdischen Bürgern, dmn der Bombenfund im Vaterhause Steiders und schließlich die Aussage des Leutnants Rcgcnstrcif,» der diese Bomben im Kriege als Hcercsgut in der Dachkammer des Hauses Steiger deponiert haben will.- Die polnische Ocffcntlichkcit Ist in zwei Lager gespalten, die Presse des Lindes nimmt je nach ihier politischen Einstellung unbekümmert um den Tatbestand und das Recht, für und gegen Steigers Schuld Stellung — die „Sprawa Steiger" bchcrrsdit die polnische Gesellschaft Die Entwickhing der Affaire Steiger uci hiermit fn kurzen 'Zügen skizziert: Im Herbst 1921 besuchte der polnische Staatspräsident Wojcicchowski anläßlich der Eröffnung der Ostmcs.sc die Stadt Lemberg. Ate er In das Rathaus fuhr, wurde gegen seinen Wagen eine Petarde geschleudert, die keinerlei Schaden anrichtete. Es entstand ein Tumust, das Publikum stob auseinander und dk* Polizei verhaftete auf Grund der Angabe einer „Artistin" Pasternak den jüdisch» n Studenten Stanislaus Steiger, der gerade auf dem Wege in ccin Büro war und mit einem Bekannten die Frage eines Gcburtstigsßcschcnkcs für seinen Bürochef besprach. Das erste polizeiliche Communicjuc* stellte fest, daß die'geschleuderte Petarde eigentlich harmloser Natur war und keinen besonderen Schaden anrichten konnte. Als sich doch herausstellte, daß der verhaftete Steiger Jude und Mitglied der Zionistischen Organisation war, wurde ein Sachverständigen-Urteil über die;;cschlcmlcrtc. .Bombe" (die Petarde war avanciert!) von Artillerie- Offizieren eingefordert, die aussagten, die Brisanzkrnit der Bombe' sei so groß 'gewesen, daß im Umkreis von vielen Metern eine bHIicltc Wirkung hätte eintreten können. Auf Grund dieses Sachverständigen-Gutachtens ■_md des in Ostgalizicn geltenden Belagerungszustandes Viiirü Steiger vor ein Kriegsgericht gestellt, das In: solchen Fällen nur zwei Arten von ■ Urteilen fälleii' kann: Verurteilung.zum Tode oder Freispruch. Im Pro-, zcß vor dem Kriegsgericht trat als Kronzeugin die er- : wähnte Pasternak auf, die gesehen haben wollte, wie der verhaftete Steiger, die Bombe geschleudert hatte. Während des Prozesses richtete das Komitee der revolutionären Ukrainer Briefe an die zionistische' Zeitung „Chwiia" und an den Vorsitzenden . des . Kriegsgerichtes, in: denen es erklärte, das Attentat gegen den Staatspräsidenten sei von seiner Kampforganisation. ausgegangen. Das Kriegsgericht konnte die ■ Schuld Steigers nicht feststellen, traute sich aber unter dem- Drucke der antisemitischen polnischen Ocffcntlichkcit nicht, den Beschuldigten freizusprechen. Es übergab . den Fall dem örocntliclten Strafrichfcr. Man nahm in diesem Stadium der Angelegenheit an/daß Steiger'flach