Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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>n €nrra J-U üu Reaktion und Verlag W 15, Mclnekeau-aDa .10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition oonitlleh 135 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark. Aii!u4ubMata»U wtrit» ta iv fflinu| 4u *lu*lam Hain Wrtckul. Kammer lt | Berlin, 6. aX 1925 -*V7' Hffg.2«. 1 /; 0 Einzelnummer 0,40 Qoldmark Anzeigen -Verwaltung J0Ü«cne Rundichau G.m.b.H., Berlin W15, Meiavkettr.10 Telephoni Amt Bismarck 7165—70. 1 R A«i»lj oprtlu 8C, ip»lLN»npif»lll«iill. 0J0O.-M. Slelltajti<iefc«0,t JO.-M. "° A«nlfl.»icU»Oi DI«Dttt| und FrtlUf atcbnlllM 4Ubr. looi DUmark 7165 - 70. Po»Uchcckkontoi Berlin Nr. 17392. Fflr O.ilirtWtSi PoitinirViurniml Wirt, KoM« Nr. IMftM, F«rT«h»ckt,low»l«h PotliptrktiuntfitPrtl.Keola Nf. 59410, rar rolui ratlipuUittcDtal Wtriclitu, Kooto Nr, 140708. «daktlonaiehlufl Sonntag und Mittwoch nachmittag. iTDin /jay , | XXX. Jahrg. M, Zlonltmu» »ratr«bt fflr da. ]0dl3<h« Volk dl« Schaltung «Incr olfantllch r«thtHth B«itcHerf w H«1matBtU m Paiaatina. „Basalt» Programm.« / Die Wahlen zum Landesverband Dat Gesamtergebnl« dürft« ■ich ich&tzuga* tvatso folgendermaßen steUoni Llboralo . , . . . , \ , 67 Sitze Jüdisch. Volkapartei . . 32 M ' ' Konservative o. Mlttolpartel 19 „ Pealo Zloa ....... 2 „ Die Vcrbandswahlea Berlin, den S. Februar 1025. Ol* Redaktionsschluß sind um die offiziellen Daten Ober im Ausging der Wahlen In den Landesverband der Jüdl- Khca Ocmelndcn nlch zurt Verfügung gestellt werden, da Kl der Zentralstelle In Berlin, dem Jüdischen Oemclndc- Krbjnde, die einzelnen Berichte noch nicht eingelaufen sind. Dxh werden die authentischen Zahlen kaum das allgemeine EU besonders verändern. In der Landcsversammlung werden de Liberalen die Mehrheit haben und die Volkspartd mit cätfähr 32—34 Mandaten vertreten sein. Der Rest der Xindate entfällt auf die Konservativen, Mitlelpartcller und ftdc-Zion. Die Jüdische Volkspartei kaiin mit 4cm Ausgang itt Wahlen zufrieden sein. Angesichts der Im Wahlkampfe it<i Liberalen und national-deutschen Juden benutzten Vitien, angesichts der Haltung groOcr, unter libeiilcm Einfluß stehender Tageszeitungen, die «Ich In den Dienst der Verdrehung der zionistischen Forderungen stellten, ist die Stimmenzahl der Volkspartei auch in Bezirken, ><> bisher die Liberalen unumschränkt geherrscht haben, Mdut erfreulich. Der Wahltag hat erwiesen, daß es den Liberalen trotz allen Anstrengungen nicht gelungen Ist, die Ifidillcrenten In gröOcrem MaOe auf die Beine zu bringen. Vjflerdem aber hat sich gezeigt, daO viele Liberale und Mitglieder des Centralvcrelns sich als Protest gegen die Kampfmethoden des C.-V. von der Urne fernjctulten haben. Die Wahlschlacht ist geschlagen und nun gilt es, sich für i* Zukunft zu rüsten. Die vornehmsle Aufgabe der ge-- •iWlcn Vertreter" muB jetzt darin bestehen,-die neue Körper*' Kluft mit intensivem Leben zu erfüllen und nützliche Arbeit n kisten. Die liberale Mehrheit hat Im Wahlkample manche i Versprechungen gemacht, die auch von der Volkspartei bei [Mig aufgenommen wurden, und nun - liegt es an den Liberalen, diese Versprechungen zu erfüllen. An der loyalen L'simtülzung der Volkspartei soll es gewiß nicht fehlen, wo |«sich um Maßnahmen handelt, die dem Wohle des ludenf-as dienen. Wir erwarten, daß unsere Oegner einsichtsvoll . fl«ug sein werden, Ihre Kampfmethoden nunmehr zu Indern «i in der Landcsversammlung eine positive jüdische Arj«it zu ermöglichen. Auf jüdischem Oebicte wollen wir | Auseinandersetzung führen, im jüdischen Leben unsere Hetn durchsetzen, und wir sind überzeugt, daß ein solcher rapf um die Erneuerung jüdischen Lebens fruchtbar sein ton. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Verzicht auf I «nunilatorische Methoden und auf Verschiebung der ganzen «mpfbasla in eine nlchtjOdische Sphirc. Der Wahlkampf als solcher, so unerfreulich manche ge- Rhenen und geschriebenen Entgleisungen auch waren, ■^tutete Immerhin eine gewisse Aufrüttelung der In 0;ic!)g(illigkcit gegenüber jüdischen Dingen versunkenen [Wcnschaft Preußens. Es genüge bloß die Tatsache, daß ' ™* Wahlbeteiligung im Vergleiche zu früheren jüdischen *ittkn auffallend zugenommen hat. Der Umstand, daß jj* die judcnhelt Preußens In einem inncrjfidischen Wider- [S!,c!t der Ansichten entscheiden mußte, daß sie skh gelungen fühlte, Partei zu nehmen, Ist vom allgemein jüdi- |W>a Standpunkt betrachttt, ein großer Oewlnn. Es wira '■«cht des Landesverbandes sein, das .während des Wahl- J^Pfes gesteigerte Interesse der preußischen Juden an W«hen Dingen durch fruchtbare Arbelt wach und rege *> «halten. Nschstchend veröffentliehen wir Einzelresultate aus ver- ^enen Wahlkreisen. Wir bedauern, daß es uns vorläufig J;"' möglich Ist, vollstindige und amtliche Zahlen unseren zur Kenntnis zu bringen. Provinz Sachsen (Amtliche Ziffern). Schleswig-Holstein. Jüdische Volkspartei Liberal-orthodoxer Block Altona •»-.,, 258 137 Stimmen . Klei..... 159 .80 „ Wandsbek... 54 50 J, Zu dem In unserer vorigen Nummer veröffentlichte« Resultat Ist rIchtlRtuateilen, daß die der Volkipartel gegenüberstehende Gruppe nicht „liberal" war, sondern alne Koalition der extremen Orthodoxie mit den aullorsten Liberalen. Trotz diesem unnatürlichen Wahlbündnis erhalt dl« Volkipartel wahrscheinlich beide Mandate.. Waitfaltn. » Magdeburg •'alle Ha Erfurt Nordhausen Burg . . Schönebeck Weicherode Wittenberge Stendal . . Aschertleben Suhl , . . Mühlhausen Delitzsch ..... Oardelegen.....65 Qenthln ......11 Uberale 514 351 292 175 28 24 52 23 . 23' 41 31 62 54 .Volkspartei 435 2« ' 140 87 22 4 9 < ,5 ■ 18 . 23 26 26 / 18 . . . 1 Volkspartei Liberal« Dortmund ..... . . 737 1020 204 121 Castrop ..... . . lo 6t Reck'inghamen Stadt . 78 117 Wattenscheid. . . . . . 30 80 Herne ...... Rcrklinghauscn-Süd . . . 68 102 . . 28 52 10Q Lünen...... 4 ' 100 25 Bochum..... . . 172 3-5 17 380 Hort-Emschir . . . . . 31 30 Gladbeck..... . . 30 38 Herford ..... . . 22 102 116 In Remscheid hat die Volkspartei 12 Stimmen mehr als die Liberalen. In Frankfurt wurden auf der liberalen Liste gewühlt: R.-A. Dr. Mcrzhach. R.-A. Dr. Baerwald, Frau Forclihclmer, Herr Henry Rothschild, Willi Drevfu* um! Willi Wolff. Außerdem wurden vier Mandatare aul der Vereinigten Liste der Volkspartd und der Konservativen gewählt. Für die Liberalen wurden 5330, für die Vereinigten Konservativen und Zlonlstcn 3117, für die Poate Zlon 109 Stimmen abgegeben. In Aache-n haben von 1090 Wahlberechtigten 614 llberat und HO Volkspartei gewShlt. In Elss'e n'wurden für die Liher'aferi"13f)7, für die Jüdische Volkipartel 478, für die Poale Zlon 102 Stimmen abgegeben. In Elbe rf cid haben 525 Wahler liberal, 239 Volkspartei, 44 poalezionlstisch gestimmt. ■ . ' In München-OIadbach stimmten 318 liberal, 103 zionistisch. Der Wahlsieg In der Provinz Sachsen Aus Magdeburg wird uns von nichtrlonUtlschcr Seite peschrieben: Die Provinz Sachsen hat bekanntlich nur eine geringe Jüdische Seelcn7ahl; sie reicht nur für zwei Mandate tür die Landcsversammlung. Es standen sich zwei Listen eegennber: die der Liberalen und der Volkspartei. Die Orthodoxen hatten, da ihre führende Oemclndc Halberstadt bekanntlich dem orthodoxen Landesverbände angehört und In den übrigen Ocmelndcn Orthodoxe nur ganz vereinzelt wohnen, von einer Sondcrliste Abstand genommen. Die Haupfgcmeinden Magdeburg, Halle, Erfurt, Nordh.viscn find als überaus liberale Ocmelndcn bekannt — die kleinen Ocmelndcn haben durchweg liberal gewählt, das brachte whon die Arbeit des Central. Vereins mit seiner weitverzweigten Organisation mit sich —. so daß der Wahlkampf für die volkspartd von vornherein fast aussichtslos erschien. Da/u kam noch, daß der Spitzenkandidat der Liberalen, Sanltätsrat Dr. Frankenstein, der erste Vorsteher der Magdeburger Gemeinde, sich, hauptsächlich durch die Logen, einer gewissen Popularität In der Provinz erfreut. Und trotz all dieser ungünstigen Voraussetzungen hat die Volkspartei ihrem Spitzenkandidaten, Rechtsanwalt Dr. Felixbrodt-Halle, zum Siege verholfen. Zur Stunde stehen 1746 liberalen 1075 volksparteiliche Stimmen gegenüber. F.lmge wenige kleine Ocmeindcn stehen noch aus; aber Ihre Ziffern werden an dem Grsamtrcsultnt noch kaum etwas Indern können. Besonders überraschend und ausschlaggebend war da« Wahlergebnis in Magdeburg. In dieser alten liberalen Gemeinde wurde fast die Hälfte aller Stimmen (435 gegen 514 liberale) für dje Jüdische Volkspartd abgegeben. J746 1075 fehlen noch einige kleine. Gemeinden mit Insgesamt [Q^eni 300 Stimmen. Selbst wenn diese sämtlich den {^nern zufallen, ist an dem OcismtrcsulUt wohl nichts mehr 1 »Mtrfc ..... k.. .. y . i....... , .. Die Stelfltr-Anire Wie schon mitgeteilt, hat der Vater des unter dem Ver dacht, einen Attcntalßversuch auf den Prüsldcnlcn Wojclechowskl In Haft befindlichen Jüdischen Studenten Steiger, der Polizei mitgeteilt, daß in einer unbewohnten Dachstube seines Hauses Bomben liegen. Er glaubte an eine Provokation judcngcgncrlscher Kreise und daß die Bomben In das Haus eingeschmuggelt worden sind, um «einen Sehn zu belasten. Nunmehr meldete sich ein Leutnant Regenstreif, der in den Baracken zu Lodz wohnt, und teilte mit, daß er während des Krieges im Hause Steigers wohnte und dort in der Bodenkammer Kriegsmaterial aufbewahrte, Wahrscheinlich sind, als er später aus dem Hause fortzog, die Bomben dort vergessen worden. Er identifizierte die gefundenen Bomben als zu, dem' von Ihm aufbewahrten Kriegsmaterial gehörig. ' » Diese neue Aussage macht die aufgebauschte Affäre, die alle Kennzeichen einer causa cÜcbre hat, noch «erworrener. Denn die judenfelndlkhcn Stimmen werden ver mutllch die Angaben Regenitrelfi als einen Jüdischen Verdun kelungsvenueh bezclcbneiu...... •'..........•......• Das zentrale Problem Von Dr. Robert Wcltsclt. DI« Palästina-Ucwcgiing Ist In ein Stadium getreten, wo eine zionistische Beslnnunp; dringend not tut. Wir müssen uns darüber klar werden, worin die spezifische zionistische Funktion innerhalb dieser Bcweffiuig besteht. Es wind lilclit nur Zionlstcn, die heute nach Paüstlna gehen oder sich für Palfislltia Interessieren, Nicht Jeder, der nadi Palästina geht, Ist dadurch ZlonLst, Wie Ist die Laß«? Das Judentum Im Chtcn Ist wieder einmal In einer kritischen Situation. Die Kunde von Judcnstant und Palästinamandat v.nrtie, so sehr auch verantwortlich« Menschen auf den wahren Zustand hinwiesen, von den breiten Mayen doch mehr oder weniger so aufgefaßt, als ob es siel» liier um ein großes Unterstützungswerk nicht nur für das Judentum, sondern für den einzelnen Juden handle. Daher ist nichts natürlicher, als daß heute aus der Kombination dieser zweü Kräfte, der abstoßenden Kraft des Qolus und der AnzIchutiR-skraH dieses vermeintlichen Untcrsliitzungswcrkcs ein Palästina-Interesse entsteht, das nicht nur den Juden ergreift, der für die Zukunft seines Volkes besorgt ist, sondern auch den Juden, der unerträglichem! materiellen Druck entgehen und seine Lage verbessern! will. Diese Stimmung hat ihre guten, aber auch ihre schlechten Seiten. Denn die Vermischung ideeller und! materieller Momente ist immer etwas bedenklich und! führt leicht zu Enttäuschungen und noch schlimmeren1 Dingen. , So wiederholt sich heule eine Erscheinung mit geradezu verblüffender Aehnlichkcit, die bereits \or 35 Jahren ni einer Krise der Palästina-Arbeit geführt hat. Damals erhob Achad Haam die warnende, prophetische Stimme; was der große Mahner und Lehrer damals in unbestechlicher Wahrheitsliebe gesagt hat, hSttc nie vergessen werden dürfen. Wahre nationale OröÖc besteht nicht darin, daß man mit dem Strome schwimmt und dem Volke sagt,, was es gerade gern hört, sondern darin,' daß man den Mut und die Kraft hat, den Fluch der Unpopuliifitiit um der Wahriicit willen nicht z« scheuet» in dem Bewußtsein, nur so wirklich dem Volke ruf dienen. Die Palästina-Bewegung hat alle Schranken der Partei durchbrochen. Wir sehen sogar, daß große Organisationen, die den Zionismus und die Palästina-Idee stets erbittert bekämpft haben, sich der Palästina-Bewegung bemächtigen, weil sie dem Drucke des Volkes nachgeben müssen, nachdem der Zionismus den Weg nach Ercz-Isracl frei gemacht hat. Ucber die Zustände in dem Lande der größten jüdischen Masscnsicdlung, in Polen, hat erst .vor kurzem ein so besonnener <undi überpartclisch denkender Mann wie Hillel Zcitlirt Im „Moment" geschrieben, sie habe alle Schichten des Volkes, Proletarier, Bourgois, Kleinbürger, Cha.ssidim, Zionistcri, Orthodoxe und parteilose Juden crgrilfcji. Jeder Jude wolle heute nlc'it n ir ..lircz-'sracl bitun", sondern auch selbst „von Ercz-lsracl gebaut werden".' Diese Bewegung hat eine elementare Qcwalt, aber sie muß beherrscht werden, sonst kann sie — wie jcd«( FJcmcntnrcrcIgnls — mehr Zerstörung anrichten ab Nutzen bringen. Es Ist fast selbstverständlich, daß dio Stimmung vielfach mißbraucht wird von Leuten, die In Jeder Situation in erster Linie an ihr Ocschäft denken; In jedem Volk begegnen wir solchen Erscheinungen und wir hatten während des Krieges und der Revolution Gelegenheit, zu beobachten, wie Leute das National- Gefühl der anderen mißbrauchten, um selbst Profit« zu machen. Aber bei der zarten Pflanze unserer wer« denden natbnalcn Heimstätte sind die Gefahren besonders groß. Darum Ircißt es die Augen offen halten: Wir haben vor uns cht klares Bild, wohin die Ideologie der schrankenlosen Privatinitiative und des un« kontrollierten privatkapitalistischen Aufbaus führen muß. In Palästina und im üaluth wütet eine Epidemie der Bodenspekulation' mit palästinensischen Grundstücken. Niemand kümmert sich um das Ende, wenn er nur In der Zwischenzeit hohe Gewinne einstreichen kann; Der städtische Boden und damit die Wohnungsmictcrt werden so maßlos verteuert, daß keine normale Wirtschaft die.Belastung aushalten kann, aber j,uch der Preis des ländlichen Bodens wird durch Kettenhandel! so hinaufgetrieben, daß eine halbwegs rentable Kolonisation ausgeschlossen ist und derjenige, der als letzter den. Boden'erwirbt, und nicht mehr weiter verkaufen kann, notwendig der Betrogene sein muß. Aber nicht das persönliche Schicksal dieses letzten Gliedes der Kette ist für un* wichtig, .sondern das, Schicksal unserer Kolonisation, die dadurch fast unmöglich gemacht wird. In Polen existieren: Itcute eine unübersehbare Menge von tmkontcollierbaren. PaUsUnA-Oe^ls^alteo . aller Art ( ii $ y:!»; » 9 \ \\ uv- •>* •;•. •r ,'' 1 ' . '. . » i "•,». ' , ,11 ■■ 'i , i