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Jüdische Rundschau · 1925-02-03 · Heft 10 (3.2.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 10 (3.2.1925)
Date
1925-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Cl fTP" I Ml r\f SsJIO) / \.) s v;\ . \ '.' Einzelnummer OJO Goldmark i^r/p**^ ***'|' *y~ i i^jj tl_i R«Jtktk.. und Vtrlag V IS. Mtinekttb-aS« 10. Erscheint :,dtn DIanaUg und Freitag. Besugtprela b«4 der ExptdiÜon „onatlleh 1.85 Goldoaark, VUrUl|lbrllcti 5.23 Goldmark. i—U »«rf— |» diT Wttnif 4w ttasataa Uafef fcrr.clu.l. Nummer 10 1 Berlin, X IL 1923 Anzeigen -Verwaltung JüdUoh« Rundschau G.m.b.H., Berlin Wl 3, M«la«ktftr.10 Ttlepboni Ami Blimarck 7163—70. Aii*<lrapr«tii((<tp*U.ViM(«r«IUiMiliOJoa>M.SUU«»|«nMU«ll)O..M. A»i«Ij»«KkI»ii Dl*aiU< uni Fr.ltij ■ tahalttag 4Ukr. Telephon i BUrasrk 7163-70. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392. Fo» O.it.rt.lcht P«»|tn*rkt»*ium< Wltn, Koni» Nr. IMOM. FOrT«ch»cbo.]nwik«|, rWi;trki,itn>MtFrij[, Keats Nr. 54410. I-Ur FoImi FaitM>t<VMM*»al W.tichi«. KooU Nr. 190706. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. nunn 'oa» 'D XXX« Jahrg. 04f itowlwwu» ort trabt fOr dai jndltcaa Volk dl« Schaf funa m\nmr CffamUlch»rachHKh Icnarlan MatmUHtu in Palatino. „Dasalar Programm.« /. Die WahlresMliate glänzende Erfolge der Volkspartei: 31 Mandate Wir veröffentlichen nachstehend die Resultate, die bla Rediktkmwchtuß (Montag mittag) der Redaktion bekannt ergeten wurden. ■' B«rl(n (53 Mandate) . Volkspartel ....... 14441 Liberale \...... 24673 ■ Konservative , . ... 2 754 Mittclpartcl ......4953 Potte Zk» ....... 1721 1 : Dk Mandate dürften (Ich wie folgt verteilens VoJkap. 16, yb, 28, Mitteln. 5, Kons. 3, Poale Zion l, / ■ ■ Breslau (10 Mandate) Volkipartel . , , . . .. , 2 201 Liberale .......6399 Konservative ...... 20ÖJ MnhnaWkhea Ergebnis: 2 Voiksp., 6 Üb., 2 Koos, Schiesten (6 Mandate) {Vorläufiges Ergebnis) Volkapartel . , . ... 1500 Kons.-iib. B!ock ..... 4000. Mehrere Qcmelndea stehen noch aus. Rhelnprovlnc (10 Mandate) . . 2711 5720 Volkspartet-Kcna. Liberale (Wahrscheinlich VolVspirtel 2.) •Ia ekirelnen Oemelnden, z.B. Stadt Duisburg, haben «¥• der Stimmen Volkspartel gewählt Westfalen (5 Mandate) Volkfptrtel ....... 2002 '. Uberale . , ,...... 3649.. Volkipartel 2 Mandate, Köln ' ' (Stimraenzah! aoeh auutehend) Uberale 4, Dem.-Kons. Block 3. Sachten (2 Mandate) Hall« Volkapartel.......1008 Liberale , . .... 1542 Erlurl Volkspartel. ....... 508 Liberale ....... 90t Andere Oetncmde« noch ausständig. Hessen-Nassau Kusel Volkapartel....... 354 Liberale ....... 892 *Ui baden Volkspartel..... 319 Liberale ...... 440 ^te Marxhelmer (m. Volkipartel verbunden) 129 Schleswig-Holstein (2 Mandat^ ' Volkipartel <84 Llberate 320 (Es atthon noch restliche Ergebnis«« .aus; Volkspartel erhält mindestens 1 Mandat.) In Ostpreußen, Mainover, Brandenburg. Pommern-Grenzmark, hat. die Volkipartel, Im' Koni" promlOweg je 1 Mandat erhiiten.; ' In Frankfurt und Köln waren die von uns In Nr. 6 der ..J. R." angegebenen Listen, die wir unseren Freunden zur Wahl empfahlen, nicht Listen der Volkspartel, eondern Kompromißlisten, was versehentlich, anzumerken,unterblieb, i Nach vorläufiger Schätzung dürfte das Oesamtrefultat sich so stellen, daß die Volkspartet itt Mandate In der Landeaversammlung haben wird. Wahlvorabrad oad WaWtsa In Berlin Die Veranstaltung der Volkspartel am Vorabend der Wahlen in der Stadthallc war eine der großartigsten Kundgebungen des jüdischen Berlin. Schon um >/j8 Uhr war die Stadthalte bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Vor dem Gebäude In der Kloaterstraße drängten sich Tausende und Abertausende, die keinen Einlaß finden konnten und sich dennoch nicht entschließen wallten, wegzugehen. Nsch zündenden Ansprachen mehrerer Kandidaten der Vo'-ksptrtel Im Saate, begaben sich einige Redner vor das Tor der Stadthalte und forderten die draaißco Harrenden auf, am Wahltage durch die Tat ihr Inlerer.se an der Jüdischen Volkspirtet zu bekunden, AllmAhllch; zerstreute »Ich die versammelte Menge. Der Wahltag eclbst zdgte Insbesondere Im Zentrum, Norden und Osten ein ergreifende« Bild der Interessiertheit an den Wahlen. Sehr stark mochte «Ich die Tätigkeit der Wahlhelfer der Jüdischen Volltapartel geltend. Die Wahlbeteiligung war überaus stark. Es stellte «Ich jedoch bald heraus, daß zu wenig Wahtloknte vorgesehen waren, Ueberau herrschte ein fast lebensgtfihrliches Oedrar.ge, und die Wahlhandlung ging äußerst schleppend vor sich. Es ist kelq Zweifel, daß viele iltere und r:hwlchllche Personen nsch stundenlangem Warten unvcrrlchtclcr Dtngc weggegangen sind. Die Jüdische Ocmclnde wird bei der nSctutcn Wahl dieser Stimmung unter der Jüdischen Wählerschaft Rechnung tragen müssen. Das Interesse an jüdischen Dingen Ist vor allem dank dem Auftreten der Jüdischen Volkspartel gewachsen und die Idyllischen Zelten, wo sich an jüdischen Wahlen «ur e'.n Bruchteil der Wahlberechtigten beteiligte, sind dahin. Ueber einzelne Erscheinungen wahrend des Wahlkampfcs und am Wahltage soll demnächst noch ausführlicher berichtet werden. Die polnische Drejlas-Anaire ß«mbenfunde Im Haute der Eltern Steiger«. rf.uVberg. (J.T.A.) Der Vater des unter dem Verdes Attentatsversucns gegen den Präsidenten der pol-!f<fctn Republik, Wolciechowski. In Halt befindlichen J0- «•Khen Studenten Stanislaw Steiger (s. „Jöd. Rundschau" hTk ««etilen bei der Polizei und meldete, daß in einem »Jchraumt geines Hauses sich Bomben befinden. Er sei ,""uK*i daß die Bomben erst kürzlich dorthin elnge- L*\?uKKeIt worden sind, um den Verdacht der Täter- »eines Sohnes zu verstärken. Die Polizei untersuchte das tviftfrsehe Haus und fand tatsächlich In einer Dachstube zwei *m%n lieg«,. u,.7c1 auf Orund der Aussagen des Lockspitzels „.rjotlk verhalteten luden Olasermann, Muenz, Kornhaber .j.,,/*eRer. sowie der Privatdetektiv Dworctzky, sagen überibS« mend ,us» Mlkle»:k sei zu ihnen gekommen und bätte tvw Resagt, er habe Bcwilse, daß der IJkrainer Panczyszyn <n nc.hLder Jud« s,elR«r die Petarde gegen den Wagen P?i,.i SAid,r.ntcn geachteudert habe. Sie liätten darauf der irt,mi Me,t|unrT erstattet, woraufhin die Verhaftung des un- ™%e„, pincqrtw,, erf0|8te. Die Behauptung Mikletlks, tto.« rihm e,nR Belohnung versprochen hätten, wenn er irfu^^anczTsrrn aussagt, tef von Anfang, bis zum Ende . * V#,vll?.mb0-T.A.) Im Zusammenhing mit den letzten U 'Mitungcn jüdischer Persönlichkeiten Lembergs verflffent- Rtirk Pr«*'dcnt des Jüdischen Parlamentaklubs, Dr. Leo Artiir.ii In dcr Lemberger Tageszeitung „Chwlla".einen «ii h. I welchem er die Oeschldite de» Attentatsversuch« •vi °.en Präsidenten der polnischen Republik, Wolciechowski, •«Ii,,»!" "'ederdrückenden Eindruck tchlldert,. den die Ver- 0c (.„?,,dc» Judischen Studenten Steiger auf. die jüdische „'''ntllchkelt gemacht hat. Er fahrt forti Wir weisen Ve» un* d,e UnterstcMung zurück, daß. Juden falsche 1« v*M,SLtdttfl*cn "aben, um einen unachuldlgen Menschen "»Ifl'jr^i i?en« Wlr wende" uns an den ehrlichen Ten der kreefc» iL Oeadlschaft, der keine Verhetzung, sondern eine ntt Untersuchung wünscht, Ich, der durch den Willen der jüdischen Bevölkerung dai höchste Amt unter der polnischen Judcnhelt bekleide, wende mich mit einem Appell an alle ehrlich denkenden Menschen, daß sie es sieht zulassen sollen, daß die Seele des polnischen Volkes durch häßliche Legenden vergiftet werde. Die Jüdische Bevölkerung aber .fordere Ich auf, teiltet Wut zu bewahren und an die Wahrheit zu glauben. Die Dreyfus-Affäre In Frankreich wurde schließlich auch liquidiert, obwohl sich g.öflcre Talente als in Polen in den Dienst des Unrechtes '/teilten. Wir können also sicher sein, daß durch die Leiden der Einzelnen dennoch die Gerechtigkeit triumphieren wird. Diese Nummer der „Chwlla" verfiel der Beschlag, nähme. . . ArbelWosloVdl tn Uii irnd Warsebw Aus Lodz wird mitgeteilt, daß dort Infolge der Wirtschaftllchem Depression furchtbare Arbeitslosigkeit herrscht. In Lode gibt es Jetzt 100000 Arbeitslose, das Ist mehr als ein Fünftel der OcsamtbcvöUerung. Besonder» groß Ist das Elend unter den jüdischen Arbeitslosen, die keine Reglcrungsunter. atützung' erhalten. Unsagbar Irt auch dat Elend unter den intellektuellen Arbeltslosen. Sollte die Depression anhalten,- so werden traurige Vorkommnisse nicht zu vermelden sein. Auch In Warschau nimmt die Arbeitslosigkeit un-, geheure Dimensionen an. Vordem Lokal der Jüdischen Gemeindeverwaltung Ummeln sich zahlreiche Jüdische Arbelutote an. Jeder erhielt eine Unterstützung von fünf bla zehn Zloty. Ala später Nachzügler kamen, war die Kasse leer, so daß man ihnen nicht* geben konnte. Dl« Arbeitslosen besetzten die Türen und ließen die Jüdischen Beamten und Rite nicht hinauf. Ea kam zu größeren Tumultizenen. Die Funktionäre mußten durch .Hintertüren du Lokal ver. iMten. ' ,' '' '. . ' '. ■ Die Bodenfrage Vbn Adolf Böhm, Wien. Alt auf der Londoner Jalr.cc'.ion.'oicuz 1020 Ute linV.cj Parteien verhngten, dafl in Palistina v^itens der Juden hur der Jüdische Natronalfbnds ah Boden'<ätifcr anerkannt werden sollte, so war zwar klar, daU eine derhrtijjc Bcstlmiminrr nicht durchführbar t;ci, daß ferner der J. N.-F. selbst bei starker Steigerung seiner Einnahmen nicht in der La^c sein werde, in Stadt und Land allen für die wachsende Ansicdlunjj nötigen Boden tu kaufen, aber prinzipiell war die Forderung sicher jjcrcchtfcrtist. Der K.K.f.. ist die einzige Institution, durch die wir die Möglichkeit haben,'der BoJcnspclntlalion in Ercz-Isracl zu begegnen. Es lagen damals Rrenug Erfahrungen mit Bodenpreis« Steigerungen in.Tcl-Awiw «und, in den alten Kolonien vor. Aber was seither'und iiubcsondors in der letzten Zeit hn Linde darin zutage tritt, iiiuO die Aufmcrkoastikeit , der ganzen . zionistischen Oclfcntlidikcit, auf die große Ocfahr lcn!<cn, die in der ,Bodenspekulation liegt. Ncucstcns Ist es nicht mehr nur rein städtisches Terrain, auf dem sich diese abspielt, sondern durch die großen [>rivntcn Käufe im Emck und bei Haifa wird nun auch endlicher Boden arm SpcVulationsobjckt. Es Ist wohl nicht notwendig, autn hundertsten Male zu wicdcrliolcn, was für Gefahren diese Spekulation für den Aufbau des Landes in sich birgt Wem dieso noch nicht War sind, möge die Darstellung in meiner N.-F.-Broschürc nachlesen. Wohl aber muß die Aufmerksamkeit der Zionistcn nachdrücklichst auf diese Zustände gelenkt werden. Palästina ist ein Lind, in dem heute die private Unternehmung und das private Kapital keine übermäßigen Qcwinnc machen können, mit einer einzigen Ausnahme: Infolge der steigenden Einwanderung und des starken Drang* cinwandcrungsbcrettcr Messen ist der private Boden kauf das einzige hoch lohnende Betätigungsfeld für die privatJcapifalistischc Spekulation (geworden. Der Boden bei Afulch z. B., der mit Amclioratlon die erwerbende Gesellschaft zirka 4 bis 5 Pfund per Dunam gekostet haben dürfte, wird nach verschiedenen Informationen in Einzctparzcllen,' die bei der künftigen Stadt Afulch gelegen sind, bis zum Preise von 14 Pfund per Dunam verkauft! Eine Gesellschaft, die solche Riesengewinne macht, kann leicht Kapital finden, um ihre Tätigkeit intensiv auszubauen; wir hörten such schon von weiteren sehr großen Käufen, insbesondere im Emck. So erfreulich es Ist, daß gerade dieses Gebiet nun fast Ränzlich in jüdischen Besitz übergeht, so muß andererseits der Befürchtung Ausdruck gegeben werden, daß mit dem neu erworbenen Boden ebenfalls spekuliert werden wird. Aber auch wenn das nicht so bald der Fall sein wird, so hat ja die private Gesellschaft die Möglichkeit, mit dem Verkauf einige Jahre zu warten, bis die Preise weiter gestiegen sind, d. h. also den Boden zu „sperren", und zwar gerade denjenigen, der für. den Ausbau der nationalen Kolonisation im Emck dringend nötig ist. Schließlich kann sich der J. N.-F. selbst in einiger Zeit gezwungen sehen, diesen Boden der privaten Gesellschaft zu erhöhtem Preise abzukaufen. Dazu kommt, daß die privaten Ansicdlungcn dem Einfluß der zionistischen Institutionen so ziemlich entzogen" sein werden. Was den städtischen Boden betrifft, so ist ja£ bekannt, wie die hohen Mieten und der Wbhnungsmangcl die ganze Ansicdlungstätigkcit hemmen und die Allgemeinheit zum Nutzen einiger privater Bodenbesitzer belasten. Gewiß trägt die Hauptschuld an all diesen Schädigungen der Umstand, daß der Kcrcn Kajemcth nicht über gewaltig gesteigerte Einnahmen verlügt, um sclb'.t In Land und Stadt genügend Boden zu erwerben. Hier zeigt sich wieder die fundamentale Bedeutung des K. K. L für das Aufbauwerk, die leider noch nicht genügend erkannt worden Ist. Selbst In der Agitation für den K.K. L unterlassen es aogar führende Propagandisten, gerade diese wichtige Aufgabe des K. K. L hervor* zuheben: Er Ist das einzige Instrument, das verhindern kann, daß der Ertrag der nationalen Arbeit zum großen Teil privaten Nutznießern „unverdienten Wertzuwachses" In die Hände fällt, und daß die Bedingungen der Aufbauarbeit gewaltig ertchwert werden, durch das Steigen der Bodenwcrtc, das gerade durch diese Arbeit erzeugt wird. . Die erste und wlclrtlgste Qcgcnmaßnahmc Ist des-, halb die Stärkung, des J. N.-F. Aber dies Ist nocl» nicht genug. Denn e* Ist klar, daß selbst bei großer Steigerung der Mittel det K.K.L dieser allein nicht allen käuflichen und nötigen Boden erwerben können wird; Es sind also außerdem bestimmte Maßnahmen , nötig. Wir haben seinerzeit in London einen Beschluß'

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