Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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' SS/ GW *•«« zrrs.?5 JO ME IRUMIE) Einzelnwnmer 0,3S Goldmark /r?m>£ «y"' Redaktion und Verla* W 15, Meinekeilrafl« ia Erich eint uAta Dienet««' und Frelteg. BexJögprcU bei der Expedition aoDitltcb 1.85 Goldmark. Vier tot JAbrllch 5,25 Goldmark. Au,i,idi«b«<««»«1' ••ri'«e l» «I« WUml dar «laitlBM Limit b*r«hn«L fjofflinor 9. Berlin, 30. L 1925 4) C^—n 1 »J E§mJ JieV Anzeigen -Verwaltung 1 Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Melaeke- »treße 10. - Tolcphoni Amt Blimarck 7165—70 A«ttl{«opttl«iS j1ip»lLNoopir«ll!«nl1t0,X)O.-M.SUIIt»(«iuch»0,UG.'H. Aat«4|.»«cUaSi 01 ■ ■ < « u*4 Krall»« ■ •aknllUf 4 Üb» Telephon! Bismarck 7165-70. Postscheckkonto! B.rUn Nr. 17392.;«Otilyr,lehiroil.Mrk«i..o«|W|«aK0«loNr.IMa30 ✓ FOtTkIik»««!«««»** rMUptrktntiitml Fr«i Konto Nr. 5» HO ✓ Fl. Foluu P«t»ptrl,4M«Mal W.ne)iM Nr. 190 70». - KedektlotiMcliliin Sonnte« und Mittwoch naebmlttetf. - n^Din oaty 'n XXX. Jahre* otr Honlnwu» «rmtrabt für du iUdlscha Volk dl» Schaffung Huer älfontHth . rejchttlth geulcrucrtun Heimstatt« in Palästina. „Bosoler Proaramm.« i 4 In letzter Stunde! Sonntag» am 1. Februar, findet die Wahl zum Preu&ischen Landesverband Jüdisdw Gemeinden statt. Jeder Zionist und jede Zionistin müssen zur Wahl gehen. Zum ersten Mal wird eine Gesomtvertretung des preußischen Judentums nach demokratischen Grundsätzen gewählt. Es ist Ehrenpflicht jedes Juden und jeder Judin, von diesem Wohlrecht Gebrauch zu machen. Jeder möge auch seine Bekannten zum Wühlen veranlassen. Sorget dafür, da& der Landesverband eine Körperschaft werde, die die jüdischen Aufgaben der Stunde zu bewältigen vermag und die wirklich aktiv und würdig die preußische Judenheit innerhalb Preußens und innerhalb der jüdischen Gesamtheit repräsentiert. Wer dies wünscht, der wühl! .Jüdische Volkspartei*. Jede Stimme der „Jüdischen Volkspaiiei"! Volks- oder ReilgtonsrjemelDde Die vereinigten Ocgncr der Jüdischen Volkspartcl führen i's rlncs der stärksten Argumente Regen das Programm der Ztonistcn und der mit diesen vereinigten Oruppcn an, daß tit Volkspartei den Preußischen Landesverband und die eintelnen jüdischen Gemeinden von Ihrer eigentlichen, der religiösen Aufp.be ablenken und zu einem politischen Instrument machen will. Es wird ein Oegensatz zwischen Volks- und Reilrlonsgcmelnde konstruiert und dann die Rcligionsjemeinde gegen die Volksgemelnde ausgespielt Wie 6tcht es nun In Wahrheit? Kannmandenndie jüdische Religion vom jüdischen Volke und das jüdische Volk von der jüdischen Religion lösen? Ist denn die Jüdische Religion ein ATier» »eltsbekenntnis, dem auch Anhinger inderer als Jüdischer Abstammung zuneigen? Ist es nicht eine Verdrehung der Tatsachen und eine Verkeonung vlerlausendjahriger Erfahrung, wenn man indisches Volk und Jüdische Religion als zwei gesonderte Pegtilfe nebeneinander statuiert und diese Begriffe gegenwunder ausspielt? Ist nicht jede jüdische Religlonsgcmrinde zugleich die Gemeinde der jüdischen Volksgemeinschaft? Ist nicht die jüdische Volksgemelnde zu gleicher Zeit auch Nische Religionsgemeinschaft? Es kann keine ausschlicß- ■:he Rcligk>nsgcmclndc, es kann auch nicht eine ausschlief)- •;ht Volksgemeinde geben. Beide Begriffe »Ind Innig mittender verbunden, es gibt nur, was selbstverständlich ist, 'ine jüdische „religiöse Volksgemelnde". Das hat übrigens Im Leben kein Jude, dem Judentum Richtschnur für sein Handeln Ist, jemals bezweifelt Seit Mer haben sich die jüdischen Kultusgemeinden, Rcligions- «emelnden oder Synagogcngcmelndcn, einerlei wie sie sich feunnt haben, mit Angelegenheiten befaßt, die außerhalb rein religiösen Interessen, wofern es bei Juden solche 'wschließliche religiöse Interessen Oberhaupt gebert kann, 'cRen: mit sozialer Fürsorge, mit Prägen der Erziehung, mit ['mn der Jüdischen Wissenschaft — mit allen Angelegenselten, die die gesamte Judenheit betreffen. Judentum ist nicht nur Bekenntnis, sondern stcls auch ^«nsform für seine Anhänger gewesen, In der alle Aeu- Emilien de« jüdischen Lebens Raum gefunden haben. tr>|chuiig und Bildung Ist bei Juden Teil der Religion, *»'''e Fürsorge und Vcrantwortllchkeirsgciühl für die jü- Cl«ie Gemeinschaft gleichfalls religiöse Selbstverständlichkeit ^nesseth Jlsrocl heißt nicht nur Jüdische Olaubens- Wficliurhift, sondern auch Jüdische Gesamtheit? Jüdische Volksgemelnde Ist weder Vorstufe der von den vk)rl»ttn anget'lch verlangten nationalen Autonomie noch Verwaltungsorgan für allgemein staatliche Angelegenheiten ,v' «'"einen Juden. Sie »oll lediglich Instrument zur Regeder besonderen Jüdischen Bedürfnisse «In. Wer da« Judentum In allen seinen Erscheinungsformen bejaht, wem jüdische Interessen, welcher Art auch Immer sie •eien, wichtig sind, wer wünscht, daß alle Olleder der Jüdischen Qemelntchaft gleicherweise titigen Anteil an allen Aufgaben der Jüdisch«! Gemeinde nehmen, wer keine belanglosen Unterscheidungen zwischen Juden verschiedener Observanz vornehmen will, **' v«rUnjt die Jüdische Velksttmelnde als Sach- . w«Herln aller Juden, nur Juden betreffenden Interessen und Forderungen. v .k Ut «in unehrliches Spiel, wenn man versucht, einen zwischen den Begriffen Volk», und Rellricmigemclnde 1,5 ««Iben, Nur die t:UpikM Synthese beider Begriffe; d*B Tatsachen und den Bedürfnissen der . Jüdisch« Gemeinschaft, Die neue palflsUnensIiehe Währung: Der Dinar , Die Palästinensische Telegrafen-Agentur teilt mit: Am 26. Januar fand unter dem Vorsitz des Obersekretärs der palästinensischen Regierung Sir Ronald Storni eine gemeinsame Sitzung der von der Regierung «mannten hebräischen und arabischen Wiihrungs-Bcncnnungskommission statt. Es wurde beschlossen, daß die künftige palästinensische Währungseinheit, die einem englischen Pfund gleich sein wird, „Dinar" heißen soll. Diese Benennung gilt für Araber und Juden. Der zehnte Teil eines Dinare wird hcbräUch „Sehekel", arabisch „Miskal" heißen. Dann wird es noch einen „Halb-Schckcl" und „Halb-Mlskal" geben. Ein Halb-Schckcl wird einem englischen Schilling gleich sein. Der tausendste Teil eines Dinar» wird htbri« isch „Pruta", arabisch „Sali" heißen. Die palästinensische Regierung" hatte zwei Kommissionen ernannt, die die Namensbezeichnung der neuen Wahrung in hebräischer und arabischer Sprache feststellen sollten. Die Kommission, die über die hebräische Benennung entscheiden solltr, bestand aus den Herren: Dr, Josef Klausner, Prof. Klein und Oordon; letzterer Ist der Leiter der Jerusalem er Abteilung der Anglo Palestlne Bank. Die Jaffscr jüdische Handelskammer hat beschlossen, den Obcrkommissar darauf aufmerksam zu machen, daß das Pfund eine allzu hohe Wcrtcliiheit für Palistina darstellt, und daß die Festsetzung einer niedrigeren Wertclnhelt den Interessen des Landes förderlich sein würde. Sokolow nochnala bei Data Bukarest (J.T. A.) Der Präsident der Zionistischen Wcltcxckulivc, Herr Nalrtim Sokolow, hatte am 25. Januar, während seiner zweiten Anwesenheit In Bukarest, eine längere Besprechung mit dem rumänischen Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Duca, über den Zionismus und die allgemeine politische Lage der Juden In Rumänien. Die Unterredung war eine sehr umfassende und bewegte sich In recht freundschaftlichen Formen. Als Ergebnis der Unterredung* kann mitgeteilt werden, daß die rumänische Regierung die S n m m I u n g e n für den Palästina-Aufbau als legal anerkannt hat. Den lokalen Behörden werden Weisungen erteilt werden, daß sie die Jüdische Palästina-Arbeit moralisch unterstützen. Herr Sokolow verließ noch* am 25. Januar Bukarest Vorher fand ihm zu Ehren eine Abschlcdsversammlung ntntt. Er hegnb «Irh zunJlchat nach Tr« nsnylvnnlcn, wo er die Stadt« CluJ (Klausenberg), Oradea Marc (Oroßwardein), Tcmcsvar und andere Orte besuchen wird. Dann wird sich Herr Sokolow über Budapest und Prag nach Berlin und von hier weiter nach London begeben. e Das Ungarfsehe Tclegr.-Kbrresp.-Bflro weiß zu melden, daß die rumänischen Behörden (n Transsylvaolen die geplanten Sokolow-Versammlimgen In Klausenburg, Temeavar und Arad verboten (?) haben, um antisemitischen Kundgebungen vorzubeugen. ■ Arbeitslosigkeit uter den Juden Poleis Die Arbeitslosigkeit unter den Jüdischen Arbeitern und Angestellten in Poten hat sich In den letzten Wochen In einer ungeahnten Welse gesteigert T3gllch werden größere Werkstätten auf unbestimmte Zeit geschlossen und von anderen die Zahl der Arbeiter reduziert Du Elend iUnter der. IWUcbea arbeitenden; KIsijc ist sehr groß, 1 „Konionklur" in Palästina? Von Dr. Jacques Adler, Leipzig. An Wirtschafhllicorctikcru mit all dem Radlkatfs« '»Iis der Forderung, wie ihn die Theorie nun einmal mit sich bringt, leiden wir nicht gerade Mangel. Es klingt oft recht gefährlich, wenn von. dem Einen die .landwirtschaftliche Kolonisation aus nationalen Mitteln abgelehnt und die Privatinitiative hoch gepriesen wild, während der Andere beide ,Tendenzen gerade mit dem umgekehrten Vorzeichen versieht. Aber c«s ..klingt" mir gefährlich. In der Praxi«, die im übrigen den Theoretikern für die von ihnen besorgte Aufhellung der groOen Zusammenhange wohl Dank wein, «setzt siel» schließlich doch die Wirtschaftspolitik der mittleren Linie durch, die neben dem unentbehrlichen weiteren planmäßigen Ausbau unserer „nationalen Kolonisation" auch] Existenzrecht und Notwendigkeit der produktiven Privatinitiative anerkennt Das Sciu-Sollcndc, das die Fon derungen und Theorien verkünden, spielt neben dem tatsächlich Werdenden nur eine geringe Holle. In mancher Beziehung ist das gut. In mancher Hinsicht aber auch! recht bedenklich. Ist es nicht eigentlich eine Verschwendung, eine falsche Disposition unserer theoretischen Arbeit, wenn man auf der einen Seite eine Fülle abstrakter Thesen aufstellt, nn denen die Praxis j* doch vorübergeht, während auf der anderen Seite die wichtige Aufgabe der Wirtschaftskritik, der täglichen Bcschäftij.'ung; mit dem Werdenden von Fall m Fall, von Erscheinung! zu Erscheinung, vernachlässigt wird? , Die Wirtschaftskritik, der Kommentar, den Tage.*» und Fachpresse, Vorträge und Konfcrenzbcschlüssc zu den Tagesereignissen des Wirtschaftslebens rreben, hst, neben der landläufigen Funktion der unnbliänsicen Information und Belehrung, im Rahmen unseres Paristin i- Aufbauwerkes noch ein ganz besonderes Ziel: sie sr.U mich als „Wirtschaftspolizci" tätig sein. Wie man weiß, fehlt es uns durchaus an Machtmitteln, um im Laufe der wirtschaftlichen Entwicklung des jüdischen Palästina Bestrebungen vorzubeugen, die dem Gesamtwerte nachteilig sein könnten. Unsere Exekutive kann unmittelbar nur auf Jene einwirken, die von ihr Kredite oder Beihilfen empfangen. Im übrigen 'ermangelt sie jeglicher Zwangsbcfugnis auf wirtschaflspolitwdscm Gebiet Tür die Erfüllung unr.crer etwaigen Wünsche zur Regelung der Agrar- oder der Gewerbe- oder der Finanzpolitik die Palästina-Regierung in Anspruch zu nehmen, ist — soweit es sich nicht um die Schaffung von Positivem, sondern um „Polizei", um die Bc*citi;»ung von Mißständen handelt — begreiflicherweise eine mißliche Sache. Wir müssen streitige Angelegenheiten des jüdischen Palästina-Aufbaus unbedingt selbst zu ordnen suchen. Und dies, da wir keine Zwang-'bcfugnissc besitzen, nur durch moralische Einwirkung, durch ungeschminkte Wirtschaftskritik, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt und eben deshalb weithin gehört und beachtet wird. Palästina wirkt heute mit magnetischer Kraft auf die jüdischen Massen. Chaluzim kommen; kleinere und grfißere gewerbliche Unternehmer wandern ein, die Maschinen, Rohstoffe, Barkapitalicn und somit allcrlnnd neue Möglichkeit zu produktiver Tätigkeit und entsprechender Erweiterung des jüdUcheu Lebcninums im Lande mit sich bringen. Sehr gut! Aber c-s kommen mich noch andere. Leute, die Palästina nicht brauchen kann; Leute, die das jüdische Aufbauwerk r.chädigen. Schiffbrüchige Existenzen, die Palästina nur Inlcreisicrf, well Amerika verschlossen ist. Spekulanten, die eine „Konjunktur" wittern. Unproduktive Elemente, die den Grundstock einer heuen „Chalukah"-Bcvölkening abgeben. Ueber diese Ding« muß offen gesprochen werden, ehe <.% tu «pllt Ut. Wir haben |» ic«ln undctc* MUtcl rur Abwehr kommender sozialer Krisen als die rechtzeitige öffentliche Diskussion. Zunrich:tl vr\ fcMtrcstcllt, daß es lvegrüßt werdoi» muß, wenn heute nicht nur junge und alte Idealisten, sondern auch die recht realistisch denkenden „balabnttlschcn" Juden In Ost- und Mitteleuropa sich ernstlich mit der Frage der tfcbersledlung nach Palästina beschäftigen. Für sie alle hat das Leben Im „dolus", In einer sprachlich und kulturell ihnen fremden Umgebung In den letzten Jahren einen recht bitteren Geschmack bekommen, den auch die materiellen Vorteile diesen Lebens nicht wieder von der Zunge bringen. Echte Sehnsucht nach „Eitz-Israel" l&t darüber erwacht Zu dieser Sehnsucht steht — so lautet eine zweite Feststellung — das Streben, sich in Palästina eine angemessene Existenz zu sichern, die unter Umständen auch". eine materielle Verbesserung gegenüber dem Dasein in Europa enthält, keineswegs Im Widerspruch. Von der Luft kann man nirgendwo leben, auch nicht in Palästina. Nun aber folgt ein scharfer Trennungsstrich. Er soll die ebengenannten, uns willkommenen Elemente von jene«