Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1925)
- Date
- 1925-01-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 74 fUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 8 Juden, die für den Aufbau von Erez-lsrael Geld geben, zwischen den Zeiten der Kapltalverschlebunjr In, das Ausland und de» Landesverrat», der finanziellen Unterstützung einer fremden Mach» ru beschuldigen und »Ic wegen dieser Delikte In der deutschen Ocffcntlicnkelt zu denunzieren. „Dcutseh-fühlcndc Judenl Keinen Pfennig dem Pa- . Iästlnawcrk." So lautet die fett gedruckte Ucberschrlft eines der (amosen Mitteilungsblätter. „. . . Haß Entscheidende Ist, daß Teile des deutschen Volksvermögcns ohne Gegenwert dem Lande entzogen werden." Und ausdrücklich wird da» Vorgehen der .Ortsgruppe Breslau des Verbandes nailonaldciilschcr Juden gebilligt, die, to wird in dem Mitteilungsblatt berichtet, „die zweite Vorführung des zionistischen Palästinafilms durch Einspruch bei dem.Leiter der Kino-Gesellschaft verhindert bat. Die Vorführung dieses Werbefilm« ist vom deutschen Standpunkte ein Skandal." So muß selbst eine harmlose Filmvorführung als Material für diese Herren dienen. Und so etwas glaubt »Ich dann „dcutsch-fühlciid" nennen zu dürfen! 30 *'» Ostjudenhetze. Am widerwärtigsten wirkt dieses Denunziantentum dort, wo es »ich schkehtweg gegen die „Ostiuden" richtet, die in Bausch und Bogen verdammt werden. Es gehört eine besondere Art von Mut dazu, die hinterhältigen Angriffe immer Segen die Schwächsten zu richten, die sich am wenigsten agrgen wehren können. So pflegte Amalek vorzugehen, und so handeln seine Nachkommen, die Naumauniter, r.lnlge Beispiele: „Die Einbürgerung Ist ausnahmslos zu Versagen und jeder Ostjude, der sich an für das Deutschtum schädlichen Bestrebungen beteiligt, ist rücksichtslos auszuweisen. Dies gilt nicht nur von denen, die strafbare oder sonst unlautere Handlungen begehen, sondern auch für die Politiker gleichviel welcher Partei und ebenso für die zionistischen Agitatoren, die vom Osten kommen. Wir müssen uns gefallen lassen, dal) die ZI o n t s t e u deutscher Abstammung Im Lande bleiben; die ausländischen brauchen wir nicht dulden . . . Für uns dcutsch-fühlcnde Juden gilt das Besondere, daß wir in geschäftlicher und gesellschaftlicher Beziehung dem ostjüdlschcn Element gegenüber die größte Zurückhaltung zu bewahren, daß wir ic Anmaßung der ostjüdischen Organisationen und das ungeheuerliche Vordringen der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden mit den schärfsten Mitteln zu bekämpfen haben." Wer ist es, der diese Autforderung an die Repiciung zur Ausweisung aller ostjüdIschen, nicht nur der zionistischen Politiker richtet, der die deutschen luden ersucht, die Ostjuden geschäftlich und gesellschaftlich zu boykottieren? Es ist ER selber, der Vorsitzende des Verbandes nationaldcutschcr Juden, Herr Dr. Naumann! Da nimmt es denn nicht wunder, wenn als Antwort auf die schweren Ausschreitungen gegen die Ostjuden in der Grenadierstraße zu Berlin Ende 102} der Naumann-Verband folgende Erklärung an die Tageszeitungen versendet. — (Man muß solche Dokumente der Vergessenheit entreißen, darum mag es hier Im vollen Wortlaut folgen; ru bemerken ist dazu, daß die ursprünglich als Beschönigung der Pogrome von antisemitischer Seite aufgestellte Behauptung, Ostjudcn hätten durch Aufkäufe von Qoldanlclhcn die Pogrome hervorgerufen, alsbald widerlegt worden ist.) — „Unter dem Schlcbcrgcsindcl, das vor Auszahlung*- stcllen der Erwcrbslosenfürsorge, an Bahnhöfen und anderswo alle erreichbaren Goldanlcihestückc zusammenkauft, ist auch das ostjüdischc Element vertreten. Diese Tatsache ist an verschiedenen Orten Deutschland« von bezahlten Agitatoren dazu benutzt worden, die Bevölkerung' zu Ausschreitungen gegen „die Juden" aufzureizen. Der Verband nationaldcutschcr Juden weiß sich mit allen anständigen Menschen, Nichtjuden und Juden gleichviel welcher politischen Anschauung, darin einig, daß die Qoldanleiheaufkäufer in verbrecherischer Weise sich gegen das Wohl des deutschen Volkes vergehen und daß schärfstes Einschreiten gegen sie geboten ist. Wir fordern alle vaterlandsliebenden Juden auf, bei dem Vorgehen gegen diese Schädlinge in erster Reihe zu stehen und, wenn Polizei nicht zur Stelle ist, durch energische Selbsthilfe das Gemeinwohl zu wahren. Niemand soll sagen dürfen, daß man Antisemit sein müsse, um derartigen Lumpen, wenn sie zufällig Juden sind, entgegenzutreten." Während also damals der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten seine tätigsten Mitglieder den armen, mißhandelten Ostjudcn nach der OrcnadicrstraOe zu Hilfe schickte, hielt es Herr Hauptmann Naumann für tapferer, ihnen durch diese mutige Erklärung in den Rücken zu fallen. Darum müssen Leute seines Schlages jetzt unbedingt zum Landesverband gewühlt werden. (Schluß folgt.) Aas dem Rheinland In den Wahlkreisen Rheinland und Westfalen fanden bis zum 24. d. Mts. u.a. in folgenden Orten Wahlversammlungen der Jüdischen Volkspartei statt, die überall stark besucht waren: Aachen, Bochum, Duisburg, Geilenkirchen, Gladbeck, Harnborn, Herne, Mühlhclm-Ruhr, Recklinghausen, Trier, Wanne, Wattenscheid. In den nächsten Tagen sind u.a. noch Versammlungen geplant in: Aachen (H.>, AVUröilnnen, Barmen "f», Bielefeld, Duis. bürg (28.), Duisburg-Ruhrort (27), Dortmund (25.), Düsse!' ' dorf (28.), Düren, Elberfeld (27.), Eschwcilcr, Essen (29.), Gclscnklrchcu (25. und 31), Qladbcck (27,), Hamborn (27. und 31.), Hagen (25.), Hamm a.d.Slcg, Herne (31.), Krc fckJ, Koblenz (28.), Mühlhcim-Ruhr (26), Mühlhclm-Rhein Oberhausen (3!.), Wanne (31.). Die Jüdische Volkspartcl hat sehr viel unter Pnichtwidrigkeit liberaler Gemeinde-Vorsteher zu leiden. In Bochum, Lippstadt, Buer, Gladbeck i.W. veranstalteten die offiziellen Synagogen-Gemeinden Centralvcrciris-Vcrsammlungen, in denen gegen die Volksparlci gearbeitet wurde. In Buer fand eine solche Versammlung In der Synagoge statt. Li Vor,'cncr der Synagogen-Gcmelnde vcranlaOtcn die erschienenen Ostjudcn unter dem Rufe „Ostjudcn raus" die Synagoge zu verlassen. In allen Fällen wurde mit Erfolg Beschwerde beim Preußischen Landesve b»nd erhoben. m VcTtMgsrcIhc, veranstaltet von dor Bundctlcltung des ».Blau-Wclß» Der für Mittwoch, den 28. Januar, angekündigte X°rtrjÄ njujl leider abgesagt werden. Der nächste Vor r'RMwnd findet am Mittwoch, den 11. Februar, Im Vereins mu» DcuUcher Ingenieure, Somraerstr. 4a, statt . * - m Aufbauwerk in Palästina Das Weizmann - Interview im „Berliner Tageblatt Irin der letzten Woche wellte In Berlin der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Professor Dr. Welzmann. Er wurde hier u. q. vom Reichspräsidenten, vom Reichskanzler und vom Auswärtigen Amt empfangen und halte außerdem Gelegenheit, mit einer Reihe von Persönlichkeilen des i^ntisclten, wirtschaftlichen und geistigen Lebens Deutschlands über die Probleme des Aufbnus Palästinas zu sprechen. Dr. Weizmann gewährte einem Vertreter unseres Blattes eine längere Unterredung, in deren Verlaufe er erklärte: „Die Dringlichkeit des Problem*, das der Zionismus in Palästina lösen will, wird In immer steigendem Maße von der nichtjfidischro und jüdischen Welt erkannt. Es Ist tinbcstreitbar, <lnß mehrere Millionen Juden heute In einer politisch und wirtschaftlich unerträglichen Atmosphäre leben und zur Auswanderung gezwungen sind. Diese Wanderimg zweckmäßig zu regulieren, Ist ein internationales Interesse. 1 leute sind die Tore der meisten Länder, vor allem auch Amerikas, Inlolgc der neuen Immigrationsgesetze, für die Einwanderung geschlossen. Unter diesen Umständen gewinnt Palästina erhöhte Bedeutung. Aufgabe der Zionistcn ist es, d.i» Land durch plamn.'itilgen Aufbau po Aufnahmefähig; zu niaclirn, daß ein erheblicher Teil der zur Auswanderung1 gedrängten Juden dort Aufnahme finden kann. Sic werden dort die Möglichkeit zu einem produktiven Leben finden, und schon die heutigen Erfahrungen beweisen, daß in diesem Lande, wo die Freiheit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht beschränkt Ist, die Juden, die man in Europa manchmal als arbeitsscheu bezeichnet hat, ein Leben der schwersten Arbeit führen. Dies Ist also ein moralischer Ocwhut und wir hoffen, daß die allerdings überaus schwierige Aufgabe, tus einer überwiegend aus städtischem Mittelstand bcstehnwle ninw.indermtR eine alle Berufe umfassende Landbevölkerung zu machen, pelinncn wird. Für diese Sache appellieren wir an di? Mithilfe nicht «mr aller Juden ohne Unterschied der Parteirichtung, sondern der aufgeklärten und fortschrittlichen Elemente aller Völker, die das Große dieser Idee verstehen," Auf die Frage nach den politischen Schwierigkeiten, die sich der Durchführung der jüdischen Kolonisation entgegensetzen, antwortete Dr, Weltmann: „E-t müßte nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn ein sc» exzeptionelles Werk wie das unsere, das heute noch von sehr vielen Leuten, auch Juden, mißverstanden wird, nicht auf Schwierigkeiten stoßen sollte. Palästina ist ein sehr empfindlichcr politischer Boden, auf dem sich die verschiedenartigsten politischen und religiösen Interessen begegnen. Auch Ist die Majorität der Bevölkerung heute arabisch, und man versucht sie gegen die jüdische Einwanderung aufzuhetzen. Wir können uns durch diese Dinge nicht beirren lassen, und wir sind überzeugt, daß mit dem Wachstum der jüdischen Siedlung auch diese Schwierigkelten Immer mehr schwinden werden. Es ist unser aufrichtiger Wunsch, InFrledenmlt den Arabern zusammenzuarbeiten, wir glauben auch, daß es ein breites Feld gemeinsamer Betätigung in diesem gemeinsamen Lande gibt. In dem englischen Weißbuch, das den Kommentar zum Mandat enthält, heißt es ausdrücklich, daß die Juden kraft eigenen Rechts und nicht als Ocduldctc nach Palästina kommen. Darauf stützen wir uns, aber wir wollen auch die Rechte anderer nicht verletze«. In der letzten Zeit wurde z. D. von katholischer Seite die Befürchtung laut, daß wir m irgendeiner Weise auf die Frage der heiligen Stätten der Christenheit Ingerenz nehmen wollen. Ich habe wiederholt feierlich erklärt, daß wir an dieser Frage ganz desinter csslert sind und nur wünschen, daß die Verwaltung; der heiligen Stätten so geregelt wird, wie es dem Frieden des Landes am meisten zuträglich Ist. Wir wünschen, daß die heiligen Stätten von der Stelle verwaltet werden, die die Autorität dazu hat, wir selbst werden uns gewiß nicht ein mischen. Was die Haltung der englischen Regle, rung betrifft, so kann ich darauf hinweisen, daß bereits vier Kabinette, die verschiedenen Parteien nnsfchörlcn, den in der Balfour-Deklaration niedergelegten Kurs der Palistinapolitik bestätigt haben. Trotz nllcr Schwierigkeiten glaube ich fest, daß auf politischem Ooblct unsere Sache als gesichert angesehen werden kann und das Oellngen aus schließlich von den wirtschaftlichen Leitungen abhängt." Und wie entwickelt sich diese wirtschaftliche Arbeit? „Der wirtschaftliche Aufbau des Landes geht vor sich zum Teil durch die Arbeit, die au« öffentlichen Mitteln geleistet wird, und zmn Teil durch privates jüdisches Unternehmertum. Unsere öffentlichen Mittel sind konzentriert in zwei Fonds, dem »igenmntcn Nationalfonds, der ausschließlich für Dodenkauf bestimmt ist (unl zwar als nationales Eigentum, daher „Nntionallumls"), und dem Kcrcn llajcsod, dem Grundfonds, der die Kosten der Immigration, der landwirtschaftlichen Vorbereitung, arbeit, der sanitären Hille, des Er/ichungswcscnt »nd ähnliche Ausgaben bestreitet. — Wir haben seit dem Friedensschluß etwa vierzig neue Dörfer gegründet, zum Teil sind es genossenschaftliche Siedlungen, zum Teil Ernzcl. Siedlungen, Die Genossenschaften haben siih besonders bri den Vorhrrvltungsarhrltrii bewährt, da die jungen Leute, zum großen Teil europäische Intellektuelle, sich mit großem Enthusiasmus der gemeinsamen Aufgabe der Eni-, sumpfung, Entstelnung, Urbarmachung eines Jahrhunderte lang vernachlässigten Bodens gewidmet haben. Ich war vor zwei Monaten in Palästina, und Ich kann Sic versichern, daß im Verlauf weniger Jahre weite Strecken wüsten Landes in blühende Gärten und fruchtbare Felder verwandelt wurden. Es Ist heute bereits erwiesen, daß die Juden sich für die landwirtschaftliche Arbeit sehr gut eignen, und viele christliche Fachleute haben Ihr Erstaunen darüber geäußert, daß es gelungen ist, In so kurzer Zeit aus diesen Menschen ohne landwirtschaftliche Tradition gute Bauern zu machen. Besondere Erfolge ergeben die seit einiger Zeit betriebenen Tabakanpflanzungcn. Auch das städtische Siedlungswerk macht rapide Fortschritte. D:e Stadt Tel-Awlw, die als ein kleines Stadtviertel von Jaffa gegründet wurde, überragt heute bereits Jalfa selbst an Größe und hat 24 000 Einwohner, die jeden Monat infolge der Einwanderung zunehmen. Die Schnelligkeit des Häuscrbaticns übertrifft beinahe amerikanische Begriffe. In allen großen Städten haben wir moderne Stadtviertel gcschalfcn. Das von der Ruthenberg.Gesellschaft angelegte Elektrizitätswerk, das bereits im Bau ist, wird das ganze Land mit Kraft versorgen. Heute schon haben wir den Anfang einer Industrie in einer ganzen Reihe von Fabriken. Der Zuzug aus Lodz schafft die Grundlagen für eine Textilindustrie, Der größte Bauunternehmer im Laude ist die jüdische Arbeiter-Genossenschaft Solclbonab. Insgesamt kann man schätzen, daß in den letzten sieben Jahren etwa 7 M 111 i o n c n Pfund an privaten und öffentlichen jüdischen Geldern nach Palästina geflossen Und." Wo werden diese Gelder autgebracht? „Der größte Teil kommt aus Amerika, wo ich seilet mehrmals gewesen bin, und ich muß mit Genugtuung erklaren, daß die drei oder vier Millionen amerikanischer Juden sich in wachsendem Maße ihrer Verpflichtung gegenüber Palästina bewußt werden. Nicht nur in Amerika, sondern auch in anderen Ländern ist Palästina nicht mehr die Sache der Zionlstcn allein, sondern aller Juden, und wir bemühen uns gegenwärtig, eine organisatorische Porm zu linden, um den Anteil der nichtzionistisch eu Juden am Palästinawerk festzustellen. In Amerika hat erst in jüngster Zeit eine Reihe prominenter, mich in Europa bekannter jüdischer Finanziers, eine Investment Corporation mit drei Millionen Dollars Kapital gegründet, die die geschäftlichen Unternehmungen in Palästina bilanzieren bzw. für den Absatz palästinensischer Wertpapiere sorgen soll. Natürlich erfordern die steigenden Bedürfnisse auch immer größere Mittel, besonders seitdem die Immigration eine Höhe von etwa 2000 .Menschen monatlich erreicht hat, was beträchtliche organisatorische und ökonomische Probleme verursacht. Wir hoffen aber, daß wir die Mitte! bekommen werden." Zum Schluß erörtert Dr. Wei/tnanu noch die geistigen Aspekte de* Palästina-Werkes. Heute bereits wird ein beträchtliches Schulwesen von der zionistischen Organisation erhalten, in welchem die Unterrichtssprache die hebräische ist. Im Frühjahr soll die jüdische Universität auf dem Oelberg eingeweiht werden und Lord Rdfour selbst hat versprochen, an der Einwcihuiigsfelcr teilzunehmen. F.iuc technische Hochschule Ist bereits im Betrieb. Dr. Wcizniann sagte: „Wir wollen eine große Menschheit*- sache; wir wollen niemanden schaden und niemanden verletzen, aber wenn es uns gelingt, durch unsere viele Opfer kostende Arbeit etwas beizutragen zur Besserung der Lage der Menschheit und zur Bereicherung des menschlichen Geistes, dann wird dies für uns ein schöner Lohn und ein reines Glück sein. („B. T." vom l t. Januar d. J.) Die neue Einheitsfront Central verein und Agudah. Der „Israelit", das Zentralorgan für das orthodoxe Judentum, schreibt (Nr. 3 vom 15. Januar) unter der Ucbcrschrift: „Widersprüche" das folgende: „Wir verwerfen dieses Programm (der Jüdischen VolkspatUtt nicht nur aus iuncrpoVitischcn Gründen, sondern auch vor allem aus religiösen. Aber beide Momente stehen In tief- Innerem Zusammenhang. Nur das Primat der Religion hebt das jüdische Volk über alle irdischen Macht- und Intcressrngogensätzc hinaus und befähigt es, seine weltgeschichtliche National, aufgäbe in innigster und aufrichtiger Anbürgcriing an die Staaten und Völker seine« Golusaufenthalts zu lösen. Indem der Zionismus die Religion entthront, führt er das jüdische Volk ungewaffnet, zur politischen Schclngrölle herausgenutzt, In die Arena der internationalen Politik und überliefert damit alle luden der Welt den ungeheuersten Ocfahren für Leib und Leben. Der Ccntralverein und die ihm nahestehenden Logen- und Notabclnkreisc des offiziellen deutschen Großstadtjudentum» scheinen von diesen Zusammenhängen nichts zu ahnen. . Sie sehen ruhig mit zu und helfen in rührender Sclbstver. gessenhelt mit. daß Herr Professor Weizmann als ungekrönter König der Juden . . . vorgeführt wird." Der Ccntralverein hat darauf an die Sclulfllcitung des „Israelit" folgenden Brief gerichtet: „In Nummer 3 des .Israelit' vom 15, Januar d. J. befindet sich unter .Wochenschau« ein Aufsatz, betitelt: .Widersprüche«, in welchem u. a. auch der Kampf des Ccntralverein* gegen den jüdischen Nationalismus und den Zionismus berührt Fit. Wenn in dem Aufsatze «sagt wird, nur das Primat der Religion hebt das jüdische Volk über alle jüdischen Macht- und Intcr» csscngcgcgcusatzv hinaus und befähigt ci, seine wcltgcichiclit liehe nationale Aufgabe In innigster und aufrichtigster Anbürgerung an die Staaten und Völker seines Gnhis-Aulcuthaltes zu lösen, so möchten wir ausdrücklich br.toncn, daß diese religiöse Auffassung Ihres werten Blattes restlos der Auffassung des Ccntralvcrelns entspricht. Infolgedessen ist es auch nicht richtig, wenn es in dem Aufsätze so dargestellt wird, als habe der Ccntralverein sich an dem Empfange des Herrn Prolcssor Weizmann in Berlin irgendwie beteiligt. Eine solche Beteiligung wäre nicht nur eine innere Unwahrheit gewesen, sondern sie würde auch zu Mißdeutungen aller Art Anlaß geben können. Die zionistische Wellauffassting des Herrn Professor Weizmann steht mit der deutschen und jüdischen Aulfassung des Ccntralvcrelns in unüberbrückbarem Gegensatz. Wir würden es dankbar begrüßen, wenn Sic von diesem Schreiben Ihren Lesern Kenntnis geben wollten." Wer die Oeschlchte des letzten Jahrhunderts des deutschen Judentums kennt, mit seinen erbitterten Kämpfen zwischen Orthodoxie und Liberalismus der wird dieses neue Seelenbündnit nicht ohne Humor betrachten können. „Selten habt ihr mich verstanden, Selten auch verstand ich euch ..." Stcrbcfall. Der stellvertretende Vorsitzende der Renräscntantenvcrsammlunp der Berliner Jüdischen Gemeinde. Herr Adolf Lcwlnskl, Ist in Berlin verstorben. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung in Wcidcnscc statt. Rabbiner Di. Bleichrodc hielt die Trauerrede und der stellvertretende Vorsitzende der Repräscntantcnversannnlung, Dr. Klee, sprach Im Namen der Gemeinde, MapistraUrat Ncumann sprach im Namen der konservativen Fraktion.