Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1925)
- Date
- 1925-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 52 TUEDISCHERUNDSCHAU Nr, 6 Jüdische Vollksparfei — Jüdische Zuknnlü Die Bedeutung der Wahlen zur PreuCjischcn Londcsversammlunö Von Obcrrcglerungsrat Hans Goslar, Berlin. Die Jüdische Volkspartcl erat hat hier eine rückläufige Bewegung angebahnt, eine Zuröckführung, eine Reaktion im besten Sinne. Sie ruft der judlschtn Jugend zu, daß die Ocntrinde wieder werden kann und soll, was sie war, eine Organlsationsform jüdischen Lebens, bestimmt und geeignet, den gesamten Inhalt jüdischer Werte zu umspinnen. Sie fordert die Jugend auf, an der Gestaltung der Ocmclnde teilzunehmen, um ihre Wertungen, ihre ideale durchzusetzen. Und ich'denke, dieser Wahlkampf wird zeigen, daß die jüdische fugend dem Rufe folgt II. Dieser Zustrom Junger Kraft wird süch die Welt- «nschauungen befruchten, die Innerhalb der Ocmclnde miteinander ringen. Ja, er wird vielleicht erst wieder erweisen müssen, daß es wirklich Weltanschauungen sind, die «ich hier messen, nicht Formeln und Parteien. Der Liberalismus hat sich eine Uluitre, wenn auch nicht zwcifclfrcic Ahnentafel zugelegt; mit Vorliebe — und es Ut oft schwer, dabei nicht ein wenig zu lächeln — berufen sich unsere Liberalen auf Propheten und prophetischen Ocist. Aber wahr Ist doch, daß die Propheten Revolutionäre waren, dafl sie auftraten wider Herkommen und Trägheit, und, zum Teil wenigstens, ausdrücklich wider Oesetz und Form. Wahr Ist, daß die Führer der Emanzipationsbewegung In großem Oelste liberal waren. Wahr Ist, daß H e r r m a n n Cohens Werk groß, liberal und jüdisch war, jedenfalls rfurchscclt von einem wahrhaftigen, fast tragischen Bemühen, die Oedanken der Aufklärung mit jüdischem Oelste zu vermählen Wahr Ist und bleibt der problematische Drang des modernen Menschen und modernen Juden: alle Tradition zu messen an der Vernunft und hinzunehmen nur, was im h&hstrn Sinne begriffen werden kann. Aber was hat das alles mit unserem Liberalismus zu tun? Cr ist nicht Ringen um religiöse Probleme, er versteckt sich und seine glaubenslose Armut hinter dein Schutzwall der Religlonsgemeinde, er will Entjudung und Assimilation (und das unter Dcrufung auf die Propheten I), er weiß nichts von Jugend und Fortschritt, und sie nichts von Ihm. Jüdischliberal heißt heute Stagnation und Reaktion, über die Wortgleichklänge hinwegtäuschen sollen. Umgekehrt ist es der Wortsinn des Konservativ« mus, der die Jugend schreckt. Aber es ist doch n'cht zu verkennen, daß auch der jüdische Konservatismus, der Anhang der Tradition, nur wenig noch von seinem großen Ursprung weiß. Jüdische Tradition war jüdische Wissenschaft, die Welt ungezählter Generationen umspannend, von einer erstaunlichen LiKengcsctzlichkcit, lückenlos und widerspruchslos In sich geschlossen, ein Zusammenhang von obersten Leitsätzen bis zur alltäglichsten Elnzclfolgcrung. Der Jugend Oeisteskraft, Ehrgeiz und Leidenschaft rangen um die Triumphe dieser Wissenschaft wie irgend nur um die Palmen westlicher Akademien. Wie wenig hat der Durchschnittskonservatismus im westlichen Judentum davon behalten. Ritualismus, starrsinnig und unfrei, Tradition, ohne Verständnis übernommen, ohne Geist überliefert, sind der Jugend lastende Fesseln. Die Erfahrung lehrt, daß nur wenig konservative Eltern imstande sind, ihre Kinder so in konservativem Oelste zu erziehen, dafl das Resultat den unmittelbaren Zwang des Elternhauses überdauert. Wir erst haben der jüdischen Jugend von Innei« heraus begreiflich gemacht, was Tradition und geschichtlicher Zusammenhang bedeuten, wir haben den Sinn für die Eigen- Gesetzlichkeit jüdischen Wesens wieder erweckt. Unsere Jugend erst kann wieder konservativ und frei «ein — wie sie liberal und jüdisch sein kann. III. Nur dann wird Jugend in die Oemelndcsluben kommen, wenn zugleich mit ihr der Pallstl nage danke einzieht. Da» soll nicht etwa eine Politik des „do, ut des" ankünden — aber die Gemeinde kann nicht werden, was jüdische Jugend von ihr verlangt, ohne Palästina. Oroßc Zusammenhänge, geschichtliche Perspektiven, bewährendes Leben — das verlangt die Jugend, — gibt nur Palästina. Wie klein ist Umfang und Tragweite der Eliizelgemclnde, gemessen an den Maßstäben der Umgebung! Reuß jüngere Linie konnte keinen uns vorsteilbaren Patriotismus erzeugen; wem das Läudchcn Heimat ist, ist es ruglclch ein Teil Deutschland». Selbst llcrllner Oemeludcpolitik — so respektabel immerhin schon Ausmaß und Ausbau sein mag —• Ist noch immer Sache eines recht engen, begrenzten Kreises — derer, die so gerne auf das „nächste" sehen, wenn man mit weitergehenden Forderungen an sie herantritt. Aber Berlin kann zugleich ein wichtiges Olied innerhalb eines deutschen Judentums sein — unu selbst dies ist noch wenig, auf die Dauer nicht lebensfähig, wenn es nicht ein Glied des Oesamtjudentums ist. Lebendiger Teil aber des großen Judentums sein — „Weltmacht" nennen es die anderen —, von hier aus bedeutsam auf das Ganze wirken, seine zusammenströmenden Finflüsse hier empfangen, umschalten, zurückgeben — das schafft Perspektiven und Zusammenhänge, die einer Ocmelndcarbelt Wert und Größe verleihen. Nur durch Palästina Ist dieser Zusammenhing heute herstellbar. Nur Ercz-Israel Ist nachbarlichen Konflikten und Verstrickungen entrückt, gesichert und zukunftsträchtig In dem Augenblick, da alle Zentren des Oalutli nl» unsicher und ephemer sich erwiesen haben. Nur Erez-Isracl als geistiges Zentrum btdtuttt nicht den Einfluß eines „polnischen", „russischen" oder dergleichen auf ein „deutsches" oder anderes Judentum — es hat keine andere landsmannschaftliche Note als die reiner jüdischer Wesenheit. Nur Palästina endlich bietet heute, rein äußerlich gesprochen, die Möglichkelten, brennende Probleme der Wanderung und Judennot, die Orundfragen des Qcsamtjudcntums, zu lösen. Ocsamtjüdischer Zusammenhang und Palästina als Zentrum sind heute untrennbare Korrelate. In Ercz-Israel ober werden sich auch die Weltanschauungen des Judentums erst wahrhaft wieder bewähren können. Denn dort werden Formeln — Leben, Programme — Wirklichkeit. Dort wird der Konservatismus wieder werden müssen, was er war: scharfsinnigster Ausgleich unveränderlicher Rechtsgrundlagen mit wechselnden Bedingungen <?•:$ Lebens. Dort wird der Ursinn der sozialen Forderungen, der Lebensregein Zulage treten, werden die Begriffe, der „Wirkung" und „Ausführbarkeit" die Gesetzgebung regulieren. Und der Tradition wird der Liberalismus einen Ochalt gegenüberstellen müssen, einen positiven und jüdischen Inhalt - denn dort gibt es nicht wie hier eine reine Negation, öle durch erborgte Oedankenmassen der Umwelt verschleiert Wird., rxrt,. wird, der überaluraus »Ich als. Anarchie heraus-, Das preußische Judentum — drei Viertel aller deutschen Juden! — steht vor schweren, verantwortungsvollen Entscheidungen. Es soll sich eine Repräsentanz, eine Ocsninl- Vertretung wählen, die seinen Ocsamtwlllcn möglichst klar und unverfälscht zum Ausdruck bringt und die die vielen großen und oft verzweifelt schweren Aufgaben In die Hand nehmen soll, die die Leistungsfähigkeit und den Tätigkeitsbereich der ein/einen heute erst loic zusammengefaßten Gemeinden weit iibcrutilgen und daher nur von der Gesamtheit bewältigt werden können. Das preußische wie das gcsnnilc deutsche Judentum hat eine repräsentative Ocsnmtvcrtrclung bitter nötig. Taufe «md vor allem Mischehe lichten seine Reihen, eine a» vielen Orten geradezu schreckenerregende Unzulänglichkeit in der Versorgung der heranwachsenden Generation mit jüdischem Wissen schwächt noch weiter auf das Unverantwortlichste die Widerstandsfähigkeit und jüdische Qclstlgkcit derer, die unsere Zukunft und Hoffnung sein sollten. Müdigkeit und Lässigkeit, Erlahmen In Opfcrwilligkelt imd Festigkeit zeigen sich überall da, wo noch nicht der Ocdankc einer vom Zionismus ausgegangenen national religiösen Wiedergeburt und Aufschwunges Boden erobern konnte. Streit der Parteien kommt hinzu, um uns «och weiter zu lähmen. Wir brauchen endlich eine zentrale Stelle, von wo all die an sich gutwilligen, aber noch latenten Kräfte Im deutschen Judentum aufgerüttelt werden, die erst durch starke und nachhaltige Anregungen, durch Impulse sowohl wie auch durch tatkräftige brüderliche Hilfe frei werden können. Wir brauchen den Sammelpunkt, an dem all unsere Nöte, Schmerzen und Bcschwerdr.n zusammenfließen, wo aber auch die Heilmittel und Schutzvorrichtungen sachgemäß zusammengestellt werden. Wir brauchen dit große Warte, von wm mau das gesamte deutsche Judentum übersehen, Einblick In all seine Verhältnisse nehmen und am rchncllstcn und untrüglichsten erkennen kann, was ihm not tut. Alles das aber, was wir wollen, weil es das preußische Judentum braucht, und weil wir ihm helfen müssen, weil wir es stärker, jüdischer, einheitlicher und widerstandsfähiger machen wollen, wird nicht erreicht werden, wenn diese LaiKlcKVCrriatnuiliing Willig in die Hände einer „liberalen" Majorität gelangen sollte. Der jüdische Liberalismus, der in Deutschland fast überall seit zwei Generationen nahezu unbeschränkt regiert hat, hat den Ucfähgungsnachweis seiner Eignung zur Festigung und lirhaltung unseres Judentum* nicht erbringen können. Er hat —- trotz vielen guten Willens und Multens — fast überall versagt. Er hat es nicht verhindern können, daß die Indifferenz, die absolute Gleichgültigkeit gegen unser Judentum, für das die Ahnen freudig in den Tod gingen, immer weiter um sich griff. Er hat den Taufen aus gesellschaftlichem Ehrgeiz, aus Karrieresucht oder falscher Liebe zu seinen Kindern, denen „mau das Leben leicht machen" wollte, cbcnivoweulg wie den Mischehen /u steuern vermocht. Er hat die religiöse Innigkeit, die Anteilnahme der Juden am Gemeinde- und öffentlichen Jüdischen Leben nicht oder doch nur wenig zu lieben gewußt. Er hat weiter die Jugend nur in sehr geringem Umfange zu erfassen und zu begeistern verstanden. Umsonst hat er die Orgeln in die Synagogen hineingeführt und dafür in den „modernisierten" Gebetbüchern die seit Esras und Ncltcmla« Zelt gesprochenen Gebete für Zlon und Jcrwchalajlm und für das Kommen des Mor.chiach liinausgcstrlcheu — ca half alles nichts. Es kamen nicht mehr Menschen deshalb und die, die kamen, erhielten nur noch weniger wcscnhaflcs Judentum vorgesetzt. Kein Wunder: wirkliche Anziehungskraft übt auf die Jugend, die Ganzheit will, wie auf alle nudern Suchenden und innerlich Unbefriedigten nur das in sich Ocfestigte, Harmonische, Ganze aus, nicht aber da« moderne Rcfornijudcntum, das sich immer „zeitgemäß" zu halten sucht und sich eiligst an den jeweiligen Stand der Wissenschaft anpaßt. Obgleich die wissenschaftlichen Erkenntnisse etwa* höchst Relatives r.iud, sich von Jahrzehnt zu jnhr/ehut lindern, svähreud die Stärke des Judentum» darin liegt, daß es ewig und überzeitlich gedacht Ist. Es darf und kamt nicht mehr nach den Methoden des jüdischen Liberalismus gearbeitet werden, der heute völlig stagniert und dessen beste Köppfc daher schon immer mehr und mehr zu einem positiver gerichtetetn Ideal hlnstrchcn, als es ihnen der landläufige Liberalismus bietet. Wir wollen nicht länger unser Judentum als etwas „Konfessionelles" bagatellisieren lassen. Es Ist tausendmal mehr als eine „nur" Religion oder Konfession. Es Ist eine gewaltige religiösnationale Ganzheit, in der alles Weltliche und Göttliche zusammenfließt, es Ist etwas, was weit über die Kompetenzen einer „nur" Religion hinaus, alle Lebensregungen des Menschen erfaßt und ihn gan*. ausfüllt Die jüdische Jugend, Jeder jüdische Mensch muß mit dem Bewußtsein des Werte» dieses Judentums erfüllt werden, muß unser heiliges Schrifttum, muß die gcisl Igen Sch&tzc der Ahnen, muß die Sprache der Bibel und der Psalmen, muß die leidens- und opfervolle Ocschichte unseres Volkes kennen lernen und muß zu tatkräftiger Mitarbeit an den dringen de n Oege ii wartsaufgaben d c r J u d « n erzogen wc rden: der Abhilfe der grauenhaften materiellen und oft auch gel s t lg-sceli sehen Not der jüdischen Massen Im Osten, der k'örderung des riesenhaft schweren Emigrationsprobiems und der Mithilfe am Aufbau eines durch seine Kultur, Leistungen und Jüdischkeit den jüdischen Namen vor der ganzen Welt ehrenden Palästina. Kann man da» etwa — auch nur teilweise — mit dem jüdischen Liberalismus erreichen, der, au» falscher ' i:r lädierlichcr Angst um seine Staatsbürgerrechte — die dadurch in Wirklichkeit in nichts gefährdet werden — oft n'cht wagt, von Palästina au;h nur zu sprechen und der das iüdlsdie Schu 1 werk und d'c jüdische Lehrerschaft in Deutschland aus Unfähigkeit »nd Mangel .an Idealismus nahezu hat zugrunde gehen lassen? Wir brauchen in der Landesversammlivig unerschrockenen echt jüdifchen Heist, Treue zur jüdischen Vergang.nheit und hoffende Zuversicht In die jüdische Zukunft. Wir brauchen da einen neuen positiven Geist, der nicht nur etwa einen Vcrwaltungsapparat schaffen will, sondern einen Brennpunkt aller Jüdischen Interessen, eine Zentrale rastloser Tätigkeit und geistigen Ansporns. Die kleinen Oemcinden im Lande draußen, die Kraftgucllcn des deutschen Judentums sollen vor dem Zusammenbruch geschützt, sollen gvstiikt und auf neue Grundlagen gestellt werden, der ernsthafte Versuch zur" sozialen und beruflichen Umschichtung der deutschen Juden, zur Ucberlcltung in andere Berufe als die Oroßstadt und die Konzentration im Handel und Ocwerbe sie mit sich brachte, miiil unternommen werden. Landwirtschaft und Handwerk müssen In wachsendem Maße für unsere Jugend erschlossen werden. Ein mustergültiges Sc Ii Hl werk, jüdische Volks- und Mittetsc h u 1c n , eine Jüdisch-positive M ä d c h c n e r z I e Ii u n g, die auch für das praktische Leben ertüchtigt, Schutz und Stärkung der sabbath-haltcndcn Kreise der selbständigen Kauflcutc,Gewerbetreibenden und Angestellten, Bekä in pf u n g des Antisemitismus, d< rt wo er unsere Lehre und und unser Schrifttum besudelt oder unsere Ehre und Sicherheit antastet: all das brauchen wir. Aber auch Bekämpfung des wirtschaftlichen Antlnein I tis in un, der nnr.crrn Mlttclvtand gefährdet und zu vernichten droht, Schaffung ausreichender Arbeits mög- Ii chkeiten für jüdische Angestellte, denen der Antisemitismus den Arbeitsmarkt einengt. Für all das will In der Landrsvcrsammlung der Teil dta Judentums die Voraussetzungen schaffen, der sich in der J ü (tischen Volkspartet, zusammengefunden hat. Wie wollen kein Judentum der Reformen und Kompromisse, sondern ein starkes, echtes, wurzclfcstcs und seiner Vergangenheit würdiges Judentum. Und wir vertrauen auf die vielfach noch schlummernden, aber immer noch lebendigen und unverwüstlichen Kräfte der jüdischen Menschen, die In sich I l?he /iiui Judentum und zum jüdischen Volke, Vertrauen auf den alten starken Gott und Trauer über den Zerfall und Abfall um uns spüren, Wer mit uns es als einen persönlichen körperlichen Schuiciz empfindet, wenn in unserer Nähe wieder ein jüdischer Mensch von uns geht, weil niemand da war, der ihn dadurch zu halten verstand, daß er ihm rechtzeitig sagte, was Judentum Ist, und was er mit ihm aufgibt, wer mit uns jede Jüdische Seele nls etwas Kostbare» empfindet, um dev.en Erhaltung wir kämpfen wollen, wer mit uns will, daß von sichtbarer Stelle den Hinausstrebenden und Fahnenflüchtigen ein lautes „Halt" zugerufen wird, wer mit uns will, daß die neue Organisation des preußischen Judentums ein lebensvolles Ocbilde werde, das zum Segen werde, der stimme für dlo Jüdische Volkspartcil Der vollere durch seine Abstimmung dafür, daß er — gegenüber einem überlebten Innerlich gebrochenen und gescheitelten Liberalismus — ein einheitliches, religiös-nation.-)!rj, mit eelncr großen Gcehlchte, mit Palästina und mit dem Judentum der ganzen Welt verbundenes jüdisches Leben in Preußen-Deutsch land wllll stellen müssen (vielleicht wird seine sehr bedenkliehe Parallele mit dem Luthertum dort noch klarer zutage treten), oder er wird vor eine sehr schwere Aufgabe geteilt sein; in Freiheit gegenüber der Tradition verbindliche Formen zu schaffen. Damit etlült dann alles, was Wer In den Gemeinden vorgeht, von den Organisatiousfnrmen über die engeren und weiteren Aufgaben bis zu den Kämpfen der Weltanschauungen, einen Hintergrund, der erst Tiefe und Körperlichkeit verleiht. Und an den Oemcinden wird sich bewähren, was sich an allen noch bewährt hat, die für Erez-Isracl wirken — Ercz-Israel gibt tausendfach mehr, als der beste ihm geben kann. Dr. Haus Bloch. Nationale Autonomie und Volksflcirtelndc Ein viel umstrittenes imd von den Ocgncrn der Vo'.kspirtel In entstellter Form als Argument gegen uns ins Treffen geführtes Problem ist die Frage der Volksgcmclndc und der nationalen Autonomie. > Vorerst zur Frage der nationalen Autonomie einige Worte. Es Ist barer Unsinn, wenn die niclitjüdlsche und auch die wenig kritisch veranlagte jüdische Welt gegen uns aufgehetzt wird mit dem Argument der nationalen Autonomie In Deutschland. Es unterliegt keinem Zweifel, daß hier dk Ocgncr zum großen Teil auf die Dummheit oder Uninformlcrlhelt der Jfldlscheu Wähler spekulieren, denen das Schrcckcnsgespcnst der nationalen Autonomie zu dem Zwecke vor Augen geführt wird, um ihnen plausibel zu machen, daß die Volkspartei nichts mehr und nichts weniger will, als sie au« der deutschen Stn.n-.- gcmclnschaft als Fremdkörper abzutrennen und nach dem UtbpkJ der östlichen linder, ah nationale Gruppe selbständig politisch zu organisieren und sie dadurch d;s politischen Einflusses, den sie eventuell in den politischen Parteien Deutschlands Itaheil, zu Ucraubcn. Abgesehen davon, daß Deutschland Im nationalen Sinne ein einheitliches Gebilde darstellt, was in den östlichen Ländern nicht der Fall Ist, bilden die Juden in Deutschland eine solche verschwindende Minorität, daß ihr Einfluß Im politischen Leben Deutschlands, als nationale Minderheit gar nicht zur Geltung kommen kann. Es wäre daher absurd, in Deutschland die Forderung der nationalen Autonomie aufzustellen, da hierzu sämtliche Voraussetzungen,'insbesondere eine jüdische Masscnslcdlung, wie wir sie in den östlichen Ländern haben, fehlt. Der Gedanke der nationalen Autonomie in Deutschland, Ist dem Gehirn unserer Gegner als Wahlargument entsprungen, ohne daß sie sich auch nur einen Moment darüber im klaren waren, daß dieses Argument schwerlich bei den breiten Jüdischen Wählcrmasscn ziehen wird, da wir die politische Schulung der jüdischen Wählcrmasscn zur Genüge kennen und bei ihnen in der jahrelangen Zusammenarbeit volle Klarheit über unsere Ziele geschaffen haben.