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Jüdische Rundschau · 1925-01-20 · Heft 6 (20.1.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 6 (20.1.1925)
Date
1925-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^^T) ■c ,) 6 Einzelnummer 0,30 Goldmark RcdkkUon und Verl«« W15, Mcinekcslriße 10. Erscheint |«d«a DicntUÄ and Freitag. BcxurfipreU bei der Expedition monatlich iM Coldmtrk. VlortciUhrllch 5.25 Goldmtrk. Aiiligd>iboea»mr«ti var^** i*t Vlhnta< 4*t «Iaido«« LloeV b«r«<tiB«l. Nommor 6 Berlin, 20. L 1925 Anzeigen-Verwaltung: JOdUche Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Melnekf itraOc 10. - Telephon! Amt Dlnnwck 7165—70 AiMltfanprilii R<tan<ll.NaDntr«UUi«ltt0,10O<ildmitli. Sullrn. tiMucti« O.ISColdnutk. Hr lubrllieb« AbmIh« I00>i AulicMi<. Aoiill.oirhluOi UI«o<t«( nid f-r«IU< b t c U m 1111 ( «Ubr. Telcphoni BUmirck 7165-70. Po.Lchcckkonto« Berlin Nr. 173W. P«^i«,k^^h-V'IP.•,J,'•J•n*",*l,trl•"•K',n,0Nf. y i-trT«S«h0.)owdk.h foil.p„k„„„m, j)„t Koelo Nr. 19410 / Vit Pol.«, rc.l.p.,kii.«»«ä „.,, ,, tokIm Nr. 190708, _I_gcdttkUon"eM"P Sonntag und Mittwoch nachmittag. - "toxi «roa to I xxx, Jahr*. per Zionismus «rstrsbt IQr da» IQdliih« Volk dl« Schaffung «mar ÖfUntllch , fcMtlth tj«alth«r*an H«lmsl«W« In Palästina. „Baseler Programm.«« Das Programm der Jüdischen Volkspartei pte „Jüdische Volkspartci" veröffentlicht anläßlich der Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden nachstehenden Aufruf: Die „jüdische Volkspartei" ist begründet aut der Überzeugung von der Einheit des Judenlums in aller Welt. Sie lehnt daher alle Bestrebungen ab, die das Judentum in landeskirchenähnliche, von den Staatsgrenzen beschränkte einreine Gemeinschaften zerreißen wollen. Sie verlangt, da& über den Kreis der rein religiösen Tätigkeit hinaus und im Zusammenhang mit dem Gesamtjudentum allen Interessen der jüdischen Gemeinschaft im jüdischen Sinne gedient werde. Der Preußische Landesverband, die erste öffentlich rechtliche Zusammenfassung eines erheblichen Teiles des deutschen Judentums, hat sowohl die Aufgaben zu lösen, die das preußische Judentum besonders angehen, als auch die preußische Judenheit zu einem wirkenden Faktor zu machen innerhalb der Gesamljudenhett. Neben der Pflege der Überlieferten Schatze der Vergangenheit verlangt die „Jüdische Volkspartei" vom Landesverband umfassende Mitarbeit an den Zukunftsaufgaben. Im einzelnen erhebt die „Jüdische Volkspartei" folgende Forderungen: 1. Sammlung aller jüdischen Kräfte zur Einheit. Gleiches Recht für alle Richtungen im Judentum, die der Erhaltung des Judentums dienen. — Gleichberechtigung der ausländischen Juden im jüdischen Leben, Gleichberechtigung der Frauen. Wirksame politische Vertretung nach außen — Schaffung eines umfassenden sozialen Hilfswerkes — restlose Demokratisierung der jüdischen Körperschaften. 2. In kultureller Beziehung: Erziehung eines von jüdischem Geiste und judischem Bewußtsein durchdrungenen Geschlechts. Der Jugend muß das Judenium lebendig und lieb gemacht werden. Die jüdische Schule ist zu fördern; neue jüdische Schulen aller Art sind ins Leben zu rufen. Das Hebräische ist als Sprache unserer Vergangenheit und als lebende Sprache zu pflegen. Hierzu brauchen wir einen hochstehenden Lehrerstand, dessen Unabhängigkeit und wirtschaftliche Gleichstellung mit den vom Staat angestellten Lehrern gesichert werden müssen. 3. Der Kampf gegen die Feinde des Judentums ist in würdiger form zu führen. Nur jüdische Leistung, nicht Beteuerung erzwingt Achtung. 4. Das deutsche Judentum hat an dem vom Völkerbund gewährleisteten Aufbau de» jüdischen Heimstätte in Erez Israel ideell und materiell mitzuarbeiten. Die Regelung der jüdischen Emigration, insbesondere aus den Ländern des Ostens, gehört zu unserem Pflichtenkreise, Juden! Jeder, dem die Ziele dieses Programms am Herzen liegen, der ein starkes, lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes, die Zukunft bejahendes, stolzes Judentum will, gibt am Wahltage seine Stimme der $9 Jüdischen Volksporlei"! Die Kandidatenlisten der Jüdischen Volkspartei befinden sich auf Seite 51. Zur Preußenwahl Derselbe Gott, dessen sinaitisches: „ich bin der Herr, Dein Gott', Grundlage aller jüdisch-religiösen "fberzeugung ist, hat uns auch gelehrt: „Ihr sollt mir Jtin ein Reich von Priestern und ein hcUig Volk." Erhaltung des jüdischen Volksrums muß danach for jeden jüdisch-religiös empfindenden Juden heilige Laicht sein. Die jüdische Weltanschauung verlangt einen 'üßer. Ohne jüdisches Volk keine jüdische IVeltan- 'chauung. ' ' Jüdische Wohlfahrtspflege darf an keine Landes- Rfcnze gebunden sein. Als unsere deutsch-jüdischen '"ititutionen zur Zeit der Inflation dem Untergang gc« XVc'ht waren, als wir unsere Hungrigen nicht mehr Reisen, unsere Kranken nicht mehr pflegen, unsere Alten "seht mehr versorgen konnten, kam uns die Hilfe von Jenseits des Ozeans. Die Geber waren In Ihrer über- ^tilgenden Majorität diejenigen Ostjuden oder!er«n Nachkommen, die unter der Wirkung* der Igna- ''Aschen Maigesetze zu Anfang der achtziger Jahre?U| Rußland Ober das Weltmeer geflohen waren und ^1 Ihrem Durchzug durch Deutschland offenes Herz offene Hand bei den deutschen Juden gefunden haben. Es ist jüdisches Schicksal, nehmen zu müssen, aber auch jüdisches Schicksal, geben zu können. Wer heute nehmen muß, wird vielleicht morgen geben können, wer morgen geben kann, wird vielleicht übermorgen nehmen müssen. Das sollten wir nie vergessen. Wir verlangen die jüdische Schule. Sic wird unseren Kindern gewiß auch alle Schätze deutscher Kultur und das Wertvollste, was die Wcltkultur hervorgebracht hat, übermitteln. Sic wird aber die Möglichkeit haben, Ihnen auch all das zu geben, was der jüdische Geist von den Tagen der Patriarchen bis heute hervorgebracht hat. Wie kindlich zu glauben, da'l zwei Stunden Ersatz- Religionsunterricht, in dem noch nicht einmal lrebräisch gelehrt werden kann, Juden zu erzielten vermag, die Religion, Ocschichtc, Litcralur Ihres Volkes wirklich kennen. In Berlin wachsen tausendc junger jüdischer Menschen heran, dte nie ein Wort hebräisch lernen. Was können wir normalerweise von diesem Geschlecht erwarten, wenn es einst zur Leitung jüdischer Qcschicke berufen sein wird! »Wenn wir uns selbst nicht helfen — wer dann," und wenn nicht heute — wann denn?" Alfred Klee, Wahl-Rundschau Berlin, 18. Januar. Nicht viel mehr als eine Woche trennt uns von den Wahlen zum Preußischen Landesverband der Jüdischen Gemeinde. Der Wahlkampf ist in vollem Gange, und leider müssen wir heute schon sagen, da» er nicht in der Weise vor sich gegangen ist, wie wir es von einem Wahlkampf unter Juden gewünscht hatten. Wir haben leider sclron mehrmals Gelegenheit gehabt, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß mit allerhand Unrichtigkeiten, Entstellungen, falschen Schlagwörtern, kurz mit a!I den kleinen demagogischen Mitteln Bearbeitet wird, die in anderen Wahlkämpfcn üblich sind. Der Durchschnittswählcr, der natürlich nicht in der Lage ist, alle Informationen nachzuprüfen, die ihm von seinem Mentor in jüdischen Angelegenheiten zugeschoben werden, soll sich den Kopf so verdrehen lassen, daß er, ohne selbst zu denken, ein gefügiges Werkzeug in den Münden jener wird, die ihre Machtposition im jüdischen Lehen stets nur mif den Indifferentismus der breiten jüdischen Oeffcntlichkcit aufgebaut haben. Zu diesem Zweck soll ihm auch Angst und Schrecken eingejagt werden vor angeblichen Gefahren, die sein ruhiges Dasein bedrohen, wenn die Zionistcn oder die Jüdische Volkspartci einen Einfluß auf den Preußischen Landesverband bekommen. Diese Vergiftung der jüdischen Atmosphäre ist nicht von den Zionistcn ausgegangen, die die Idee der jüdischen Einheit und der jüdischen Gemeinbürgschaft al» fundamentale Voraussetzung der Weiter- und Höherentwicklung des Judentums ansehen. Diese Vergiftung ist vielmehr vom Centralvcrcln ausgegangen, und wir fordern alle Wähler auf, ihren Protest gegen diese Kampfmethode dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß sie die Jüdische Volkspartci wählen. Es Ist unbedingt notwendig, daß Juden a'Icr Parteirichtungen einmal deutlich bekunden,' daß sie von Methoden innerjüdischen Kampfes, die den anderen Juden als minderwertigen Staatsbürger vor der Öffentlichkeit verdächtigen und damit nur den Antisemitismus fördern, abrücken. Wir haben den Hauptteil unserer heutigen Nummer der Jüdischen Volkspartci und ihren Kandidaten zur Verfügung gestellt. Wir bringen das Programm der Jüdischen Volkspartci, das uns als das beste* Programm für jüdische Betätigung in Deutschland erscheint, nochmals zum Abdruck. Die Jüdische Volkspartci ist nicht Identisch mit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Sic ist eine Vereinigung mehrerer Gruppen, ein Kompromifl-Oebilde, in welchem sich verschiedene Intrrcssen begegnen. Die leitung der Volkspartci liegt nicht in .den Händen der Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Das Programm der Volkspartci hat jedoch die Zustimmung der deutschen Zionistcn gefunden. Daher ist es Aufgabe der Zionistcn, diesem Programm bei den Wahlen zum Siege zu verhelfen. Wir bitten unsere Freunde, diese Nummer zu verbreiten und sie dazu zu benutzen, die Uniformierten über das Wesen und den Sinn dieses Wahlkampfcs! aufzuklären. * Der Vorsitzende der „Vereinigung für das liberale Judentum", schreibt in einem übrigens durchaus sachlichen Programm-Artikel, „jede llcbraisicning der Jugend verbitten wir uns und bekiimpfen wir, wobei natürlich unter Hcbralsicrung nicht die gründliche Vorbereitung der Jugend für das Verständnis unserer Quellen im weitesten Sinne gemeint ist, sondern der Ersatz der deutschen Muttersprache durch die hebräische". In diesem Satz spricht sich die völlige naive Unkenntnis jüdischer Dinge aus, die heute noch im liberalen Lager herrscht. Wir brauchen hier nicht zu erklären, daß es auch dem extremsten Zionisten nicht eingefallen ist, die deutsche Sprache in Deutschland durch die hebräische ersetzen zu wollen. Wir erstreben die hebräische Sprache als Umgangssprache in Palästina, und wir sind, allerdings der Meinung, daß die „gründliche Vorbereitung für das Verständnis unserer Quellen" nicht erzielt werden kann ohne Kenntnis der hebräischen Spruche. Die Liberalen allerdings haben diese Kenntnis für überflüssig gehalten, unter ihrem Einfluß ist es bekanntlich sogar in der Synagoge zu einer schritt-1 weisen Verdrängung der hebräischen Sprache gekommen, sie haben sich damit abgefunden, daß ein Jude im oesten fall soviel hebräisch lesen kann, um ohne Verständnis Ocbctstextc herzusagen, aber die Sprache ver- ' stehen Ist doch gänzlich unmodern, rückschrittlich, für das praktische Leben unnötig und eine Belastung des Gehirns. Wir Zionistcn lnngcgcn glauben, daß ein Jude nur dann seines eigenen Wesens und Wertes bewußt Ist, wenn er die alten Quellen wirklich versteht, wenn er begreift, was «einen Ahnen durch viele tausend Jahre

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