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Jüdische Rundschau · 1925-01-13 · Heft 4 (13.1.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 4 (13.1.1925)
Date
1925-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Se<t( 33 fUEDISCHF RUNDSCHAU Nr. 4 Redner schildert« die Ocfrthlc, die die Kunde von Dt. Welzinaiins zionistischer Tätigkeit während de* Kriege» In «Jen Kreisen der ganzen zionUli*chcn Telt hervorgerufen hat. Seitdem hat wei/mann Großes für unsere Sache getan, und wir wissen, was wir ihm schuldig sttul. Die »weite Ocneration hat die Aulgabe, über die erste hinauszugehen und die Wirklichkeit des palästinensischen. Aufbau* zu meistern. Der Zionismus hat heute zwei große Aufgaben: die Mittel »u schaffen und die Menschen tu tr ziehen für den Aulbau des Landes., Die Jugend die wir in unserem Lager sehen, «igt uns, daß wir stark sind gegenüber allen Machten iu der Jüdischen Welt. Redner begtüflt zum Schluß in herzlichen Worten namens der Z.V.f.D. den Präsidenten der Organisation in Berlin. Der nächste Redner, Dr. Werner Bloch, begrüßt Dr. Wcizmann namens der zionistischen Jugend. Er weist darauf hin, daß erst vor einigen Wochen die Arbciler im Emck Jcsrccl und auf den Hügeln Judäas und Galiläas den Pr.lsideuten miltcn In ihrer Arbeit empfangen und Ihm von ihren täglichen Sorgen sprechen konnten. Hier In Berlin muß sich die Jugend damit begnügen, im geschlosscr.cn Saale und in einer ihr eigentlich etwas fremden Form mit dem Präsidenten zusammenzukommen. Der Redner schildert dann ausführlich die Entwicklung der zionistischen Jugendbewegung In Deutschland und die schwierigen objektiven Verhältnisse und menschlichen Probleme, mit denen sie zu ringen hatte. Heute hat sie ihren Weg gefunden, in der Idee der Chalu/iulh, der Pionierarbeit in Palästina. Der Redner wendet sich an Dr. Wcizmann mit der herzlichen Versicherung, daB die Jugend nicht nur abgesondert ihre eigenen Wege geht, sondern sich verantwortlich fühlt für das Oanzc der Bewegung und in ihrer Arbeit für die Sache der Echfhclt ihrer Qesinnung zu erweisen verstehen wird. Welzmanus Antwort Dr. Welzmann dankt herzlich für die freundliche Begrünung und versichert, daß «lic zionistische Leitung die innigsten Beziehungen zur Jugend und besonders zu den Chalurim zu erhalten wünscht. Er verweist darauf, dall viele von denen, die heute Im Zionismus arbeiten, in Berlin erzogen worden sind und in dieser Atmosphäre zu Zionislcn wurden. „Damals waren wir eine kleine Schar, die sich gegen eine Welt durchsetzen mußte, und es ist ein langer Weg von damals bis zu dem heutigen Tage, wo man iu diesem Saal auf eine tjuscmlkiipfigc Versammlung Micken kann. Dieser Weg ist es und nichts anderes, der die Balfour- Deklaration, San Rcmo und alles, was damit zusammenhängt, gebracht hat. Es war nicht das Werk einer Person, oder einzelner Personen, das ist alles nur Zufall, sondern es war der große Zusammenhang und diese Entwicklung der Bewegung, die die Völker der Welt überzeugt ha», daß wir es mit dem Aufbau wirklich ernst meinen. Sic Jungen Zlonlstcn von heute haben es leichter und haben es schwerer. Sie haben es leichter, weil sie doch schon ein gewisses Vorbild haben. Die Chalu/iuth ist eine Realität, ist ein. Vorbild, eine Mahnung und ein Ruf, Sic haben es schwerer, weil Sic sich an den Ecken und Kantiii des wirklichen Palästina vorbluten könnrn. Abci Sic werden den Weg gehen; und damit nicht viele am Wege liegen bleiben, ist eine ernste Vorbereitung notwendig, nicht nur dort, sondern auch schon hier. Ich weiß, daß dies einen wichtigen Inhalt Ihres jetzigen Lebens bildet, aber es ist wesentlich für Ihren eigenen Schutz, für die Schonung des wertvollen Miterials, das wir Wr den Aufbau brauchen. Eine wirkliche Hachscharah, in physischer, moralischer und auch geistiger Hinsicht, Ist vielleicht der ein!« Schutz, den wir Ihnen mitgeben können. Wenn mir vielleicht vieles, was Sie bewegt und was in dieser Rede klang, fremd war, so suche ich sie doch zu verstehen. Wir sind als Zlonisten in die Welt gekommen, für uns Ist alles selbstverständlich und vielleicht k'ingt das auch aus vielem heraus, was wir tun und reden. Sic müssen durch schweres Rinnen dazu kommen und ich wünsche Ihnen, daß diese» heilige Ringen Ihnen »o leicht und schmerzlos wie mö?lich gemacht wird, und daß Sie dieses Ringen drüben in definitive Werte verwandeln werden. Möge Ihr Weg leicht gemacht werden durch die, die von Ihnen gekommen sind. Möge es Ihnen beschert sein, in großer Schar auf den Hügeln und in «!«n Feldern, in den Sümpfen und auf den Feben das zu schaffen, was die künftige treue, verwurzelte, einlach*», aufrechte und xtaike Oencration für Ihr Leben haben wird." Mit einem Qcsang schloß die Feier. Im Zionistischen Haus, Mcliickcslr. 10 Sonnabend nachmittag winden Dr. Welz.manu und Dr. Feiwel iu den Räumen des -zionistischen lluihri in der Meiuckcstralle empfangen. Our getarnte Beamtenstab aller zionistischen Büros sowie die Mitglieder des Laudcsvorstandcs waren anwesend. Herr Blumaufeld sprach in wannen Worten die Oefühlc der Arbeiter an der zionistischen Maschine aus, die sich als selbsilosc und treue Helfer des Führers betrachten. Herr Borger sprach den Toast auf Dr. Feiwel. Dr. Wcizmann dankte in «rrr Rede, in dT er die eigenartige Situation des Führers beleuchtete, der den Vermittler spielen nniB /wischen der Aullcnwelt und der jüdischen Welt. Dadurch mag es oft den Anschein haben, daß er der Masse entfremdet wird, weil er in einer anderen Sphäre zu wirken gezwungen ist. Dr. Wei/mann versicherte, daß die letzte Reise, bei der er mit den alten Freunden und mit den zionistischen Massen Mitteleuropas zusammen gekommen ist, für ihn einen großen Wert hat und eine innere Stärkung bedeutet. Er glaubt, daß er in «Uesen Tagen den Kontakt mit der jüdischen Masse gefunden hat. Dr. Wei/mann besichtigte sodann die Räume des neuen zionistischen Büros. Weitere Veraas talluiiflcn An den Ab: .• i d:< . ■ hivnr fanden aus Anb" der Anwesenheit Dr. Weizm? tt-s in Rctl'.n Privatzirkcl statt, bei denen Dr. Wcizinnim mit führenden deutschen Politikern und Parlamentariern wie mit den Spitzen der Berliner Jtulenhcit Nückspracbc zu nehmen Gelegenheit hatte. Am Dienstag, den 13. Januar, Morgens, reist Dr. Wcizmann nach Köln, wo noch an demselben Abend eine Zirkclversainmtiiiu* stattfindet. Von Köln reist Dr. Wcizinanii nach Ijondon. Am 18. Janu.T wird er in Manchester auf einem K.rcn Haj'cssod'Meetinr» sprechen. Endo Januar tritt Dr. Wei/mann die UcUe nach Amerika an, Er wird dort zusammen mit dem Mitglied der palästinensischen Exekutive Colonel Kisch, der bereits in Amerika weilt, die Verhandlungen mit den Niclitzionisleu iu den Fräsen der Erweiterung der Jcwish Agcucy und der Investierungen iu Palästina führen, sowie an der diesjährigen Keren Hajos, tcxl« Kampagne teilnehmen. Der Aufenthalt int nur fltif 5 Wochen herechnet, da Dr. Wcizmann zu PcBach zur Einweihung der Universität in Palästina sein will. Felix Warlurn Dbrr lUdlvche rrz'ebunfi New York. (J. T. A.) Im Hot.l Majestic zu New Yoik fand dieser Tage eine Beratung führender Persönlichkeiten der amerikanischen Judenhcit über jüdische Erziehung statt. Vor« sitzender war der Präsident des jüdischen nildungsvcreiiu Mr. Israel Unterberg. Mr. Felix Warhurg hielt eine längere Rede über die Wichtigkeit der jüdischen ür/ichinig. Nicht das Lehrbuch ist die Hauptsache, sondern der jüdische ("K'lst und die gesunde Atmosphäre. Mr. Warburg verlas einen Brief des jetzt in Jerusalem weilenden Dr. Magnes, der eine Schilderung der Eröffnungsfeierlichkeit des jüdischen Instituts der hebräischen Universität in Jerusalem enthält. Mr. Unterberg forderte die Anwesenden auf, iiire Kräfte in den Dienst der wahren jüdischen Erziehung /u »teilen. Es wurden 125000 Dollar gezeichnet. Die Anwesenden verpflichteten sich, alles zu tun, damit eine Million Dollar bald aufgebracht werde. Wei/mann In der Tschechoslowakei , Von unserem Korrespondenten. uch, Prag, den 8. Januar l'IJj. Die Reise, Weiiinauiis in die Tschechoslowakei war ein gewaltiger Erfolg; rs war ein Vorstoll der Palästinasacli«, wie es in der Tschechoslowakei einen ähnlichen «hon lansj« nicht gegeben hat, Weltmann hielt sich einen Tag in Prag und l»'j Tige ui Brünn auf, wo er einer Konferenz der Kcreu-H vj-s o l/eiclnu •.- beiwohnte. Außerdem hielt er in diesen Slidtcu zwei gio'c Meetings, sprach iu drei interneren Versammlungen un l cidgen kleinen Begrüßungsveran tiltunnn und stat.vte mehreren offiziellen Persönlichkeiten Besuche ab. In Pragwurde das Meeting im größten Saale der Stadt abgehalten, und »war am 4. Januar d. J An 100") Menschen waren anwesend und jubelten Wcizmann m'niitcnl.m? zu. Weiziuann gab hier einen klaren Ueherhü'k über den Sl.m l der Kolonisation P.dt.tm.i», (Iis durch sein? Sichlök <i im I durch Keinen I nist, dem jedes Pathos fehlt \ «neu liefen und überzeugenden Umdruck tnachU, Am Abend find im Festsaale der B'nal IVrith-l.ogcn ein I uipl.indsal'ciul Hat', /u dein ein Komitee eingeladen hatte, dein führende M.inncr iler Präger Oeselisehaft angehörten, Männer, die bisher dr Palästina-Idee fremd, ja oft feindlich gc jeiribergcManden waren. An diesem Abend sprach Wcizmann im Tone einer leichten Plauderei, und gewann die Sympathien sedier Zu. hürer —- es 'hatte sich die best.« Pra<;cr j i linhe (icscllscliatt eingefunden (tu Sturme. Seine Ausfiihaiii",eu waren w> I von echt Wci/maimschcii Geist, rei:h au packenden Ami thesen und fesselnden Anekdoten. Nach dein Vo.tra^e l.m l eine Begrünung statt. Vormittag war er bei Minister Benesch gewesen. Am Nachmittag weilte er beim Präsidenten Masaryk uber e ue Stunde. Präsident Masaryk hell sich über den Stand des palästinensischen Aulhauwerkes aufs genaue;t: info inien n. In Brünn, wohin Wei/mann am nichidcn Tage fuhr, wurde er von einer be,;ei.t rten Menge empfangen. «Ii.* ihn jubelnd bis zu seinem Hotel geleitete, von dein die blauweiße Flagge wehte. Am Nachmittag stttUlc Wei/uiaim die offiziellen Besuche ab, das Mcrtlnt; fand abends im großen Tempel statt, Dem liinpfaiü'skoinitcc gehörte o'f ziell die Kultusgciuciudc Itruini uml die Uuiniu r Ü'ini H'r'tli-l.<H*e Moravia an. Auch in Brünn svar du- Rede Wci/mamii von überaus tiefgehender Wirkung. Die Kereu-Hnjessiiil-Kouferen/, über «lic schon kurz berichtet wurde, laßto nach reger IKh.iUe den D.schlull, ein Zentralkomitee lies Keren ll.ijrssol zu wühlen, das /u fünf Neuntel von der Konlcrcit/ d.-r Kereu-I lajes: o '•/..ivUner gewShlt, zu vier Neuntel vom Zionistischen LaudesVoin tee ernaimt wird. Diese gemischte KomniHs'oi in Zukunft für eine gesteigerte Keren-Hajessod-Täti-ikeit verantwor 1 eh sein. In der Kommission sitzen beinahe alle führenden Männer der Prager und Brüuucr IVnai B'rlt'i-l.o^cn. Am Nachmittag fand eine Aussprache mit den Zimii' t< n statt, an der sich die leitenden Zioni»lcn der Tsched o- Slowakei beteiligten. Am Abend fand ein feierlicher Um-fan? statt, den die U'i ai B'ntli.l.o^e Moravia Wcizmann zu L Ii reu ßab. Damit endeten die Wei/m,inn-Tage iu der Tscheclu»- Slowakei, die einen geradezu überwältigenden Begriff vr>i der Arbeitskraft unseres Führers gaben. * Worin liegt der große Erfolg dieser Tage? Es handelte sich um keine Ziffern, denn die kurze Spanne Ze't gab keini Möglichkeit zur Durchführung einrs „Drive". Das war auch nicht die Absicht. Die Absicht war einmal, Dr. Wei/- uianiifc große und einleuchtende Pcrsonlu hhkeit auf dir , tschechoslowakische Judenhcit wirken zu lassen. J Dies ist nun freilich in gerade/u v e r b I u f f in I der Weise gelungen. Die Persönlichkeit VX'el/inauin bezauberte einfach die Prager und Bninner Juden, die lisr; Politik wohl schwer zu haben sind, aber ein guter, (V-fülil i dafür haben, wenn ein wirklich grofler Mensch zu ihnen : spricht. Die Begeisteninr der Massen war eine solche, \mc : sie hierzulande außer im Theater — selten gesehen wunli, |Killtischen Führern gegenüber uohl noch nie. Iu Brunn —" du: w« ri.il MIC dCI I!C rill ):« sie ..r Na in 4 his Ire 's Na juc * /ii Ire ' In de Di de WC juc tSC dil <*h 1." * sc: hc .ilt \\< ICI;gC i j M 1 W § ■■ nfc l,f sa m de 'IM Iii Di eir zu A te 1 lu d r e s nu gr tiu i \ HO Jüdische Rebellen i. Vor uns liegen awel Bücher autobiographischen Inhalts, geschrieben von zwei Männern, die In der literarischen Welt einen hohen Rang einnehmen. Beide Männer sind Juden, und Ihr Schicksal Ist cht Judensclilcksal, Daß diese Bücher fast gleichzeitig auf dem deutschen Büchermarkt auftauchen, ist ein eigenartiger Zufall, und obwohl die Verfasser wahrscheinlich voneinander kaum mehr als den Namen — vielleicht nicht einmal diesen — wußten, zeigen sie beide überraschend ähnliche Züge, ähnliche Dcnkuugsar» und ähnliches Schicksal. Zwei Männer von verwandten geistigen Anlagen, beide nicht nur feinsinnige Literaten, sondern unerbittliche Kritiker einer verlogenen Gesellschaft, Wahrheltsrtichcr und — jeder in seiner Ar» — Rebellen. Jede dieser Lebensgeschlchten ist ein höchst anziehendes, menschlich ergreifendes Dokument; nebeneinander Jedoch erhöht sich Ihre Wirkung, denn beide zusammen geben mehr alt die bloße Summe zweier Lebensgeschlchten, geben einen erschütternden Einblick In die Tiefen des modernen Juden- Problems. Denn gerade der Umstand, daß unter so ganz verschiedenen äußeren Verhältnissen, In verschiedener Umgebung, in durch Meere gctwintan LJndcrn, Im Bewußtzweier Menschen, die Juden sind, und »ich In Ihrem Verhältnls zum Judentum so parallele Vorgänge «Ich ab plc en, ist ein Beweis für die Eigenart der Judenfragt, „die in ihrem Wesen überall wo Juden sind gleich bleibt. Die Bücher, um die es sich hier handelt, sind; Arthur Moli tscher „Lcbensgcschtchte eines Rebellen" (S, Fisther, Verlag Berlin) und Ludwig Lew!söhn „Qcgcn den Strom"*). Der eine ist ein in Ungarn geborener Jude deutscher Kultur, der in Deutschland die Heimat salnes Schaffens fand, aber ruhelos und unbefriedigt durch die Welt zieht, und sich nicht abfinden kann mit einer Zeit, die dem Interesse der feiten Dividenden kajtblfltlg und mit moralischem Zungcnschnalzen OlQck und Leben Tausender opfert, sucljcnd nach neuen Formen menschlichen Seins. Der •) Deutsch von Thea Wolf, VerUg der Frankfurter SoiletSUdruckerel, Frankfurt a. M. andere Ist ein dculschcr Jude, der assimilierten Oberschicht entstammend, in Amerika zu einem vollständigen Anglo- Amerikaner verwandelt — so meint er wenigstens — nach und nach die Scheinheiligkeit und Heuchelei der demokratischen Oesellschaft entdeckend, schließlich auf seinen Ursprung sich besinnend und im Judentum festen Fuß fassend. I.rwisohus Much ist schon vor einigen Jahren In Amerika erschienen und hat damals außerordentliches Aufteilen erregt; jetzt liegt «lie (leider sprachlich nicht gaiu befriedigende) deutsche Uebersetzung vor, die zweifellos auch In IVeutsch. land den stärksten Eindruck machen wird. Es lohnt, jedes dieser Bücher für sich zu betrachten. Jedes für sich Ist menschlich, kultiirkritlsch und kluiMlcrbch bedeutungsvoll. Arthur IIolit scher schildert in anschaulicher Lebendigkclt die Stätte seiner Jugend. Es Ist ein ungarisches Dorf, in welchem die Juden ein strenges Somlcrleheu fuhren und jene ganz meikwürdige und kostbare Abart des Ghetto bilden, das nicht den Charakter einer zivilisatorisch zurückgebliebenen Siedlung in kulturell vnTwäils*Utlve«wle.n\ Milieu, sondern umgekehrt den eigentlichen Träger der Kultur inmitten einer rustikalen Bevölkerung darstellt. Allen Kemtcm der alt.östcrrcichiüchen Provinzen Ist der Typus «licscs Landjudentums wohl bekannt. Inmitten der anderssprachigen bäurischen Landbevölkerung, »eleu es nun Tschechen, Slowaken, Rutiiciicn, Ungarn, Polen oder was ts nonst noch an Nationalitäten gab, lebten die Juden als oiue Enklave der deutschen Kultur; so wie lu dun Städten entstand auch in den Dörfern das Im Zeichen der liberalen Aera großwerdende jüdische Bürgertum mit seinem Wohlstand, seinem Sinn für würdevolle Pose, dem Streben nach höherer Oeltung und höherer Bildung, die allerdings ihren höchsten Ausdruck fand in der Metropolo Wien und In Jener mit tiefstein Renpekt verehrten Wissens.Enzyklopädie, die von W|cn aus täglich auch lu die kleinste jüdisch« Hütte der Monarchie drang lu Üestalt der „Neuen Freie« Presse". Trollend sagt Höllischer, daß dieses jüdische Bürgertum zu einem Kosmopolitismus hinneigte, der In Wien seine Grenze fand. Das Bild dieses jüdischen Milieus zeichnet Höllischer in der ganzen Buntheit und Vielheit der Typen, die In der ganzen Breite der jüdltchon Ausdehnung fast dieselben sind, von Kasriltwku his Whitechapel. Merkw ürdige Mensch«' i, Krämer und Idealisten, huschen vorüber, Erinnerungsbilder, mit gütigem Humor beleuchtet. Die weitverzweigte S p;ischalt mit Tanten und Onkeln, die sieh um die l'iri'u Barurh Höllischer 1^ Sühne gruppiert, mit dein .iu".gepr.igleiii Famlliein-Inu wlid uns vorgeführt, und darunter die lh'. tali « Ines wunderbaren Juden, tlc» Vaters. Die lelienswei-e ihc , Kreises, Fest- und Alltag, Fr/iehung der Kinder, «Iiis; durih «las liKtrunient der verknöcherten Schule iler gebildete.i Wolil •Inständigkeit cingeglic«lert wer«Ien sollten - dies alles \vud letienswahr geschildert. Ebenso auch die charakteristisch Umstellung dieses Bürgertuins zum Judentum, «lie wörtlhli zitiert zu werden verdient: „Was das Judentum anbelangt, so hielten die .P.itri/infamilicn* noch an etlichen Geboten des Ritus fe.t; ni.l,i an vielen. An, der Uescluieiduiig; «ler Zeremonie iu «hf Synagoge Im «Irei/chulen Lebensjahre mit «ler Verlesii.n: des Thoraahschuittcs; nn den vorgeschlichenen l'eeilulikejten bei Hoch/eil und Beerdigung. Man hielt im Herbst deu „laugen Tag'* mit vieruud/wan/igstündigem Fasten und das Neujahrsfest; im Frühling aß man am ScderAbeid bei «Un Großeltern gesüßten Mee/rett'ch, las aus der llagadah und delektierte sich während «l, r Osterwiehe m der Maare, die mau durch die christliche. Kcchin auf vielerl*i Arten lecker zubereitet bekam. Au Samrtagen mahnte d.- gefährliche, Sclwdct-Ciericht mit bösem Bauchgrimmen an «lic Zugehörigkeit zum Judentum. Auch der Religionsunterricht, den Herr Rabbiner Hack einmal iu der Woche im Schulhrusc hinter «ler Tabakgassen- Synagoge erteilte, war die relna Farce. Die jüngsten Pennäler nahmen Ihn nicht ernst. Fs war noch nie vorgekommen, daß'jemand in Religion einen Vierer bekommen hätte oder gar •diireh«t |alli,n wäre. Herr Inspektor Ullunuit kaut einmal Im Monat und revidierte den Unterricht, cm weitläufiger Verwandter meiner Familie, Groflkaufmann, Karlen- »plelpartner meines Vaters im Klub und Lebemann — et war der reine Hohnl Zudem kannte man ja die spezifischen, aus der Ras»f stammenden Fehler und Mängel und Eigenheiten und Ungezogenheiten der Glaubensgenossen genau. Sie bildeten im Familienkreise willkommenen Stuf! der Unterhaltung; inm Pr \vi di« V C. üa (l U'I *.v fü. un AI na Bi lU 'M tu In :U di kt V. d« sc V« di st lä 1». ni di ' ,v H si st , ni : «Ii ei VI ki . i: ir Ii Ic V. It IT «I .1 ' T. Ii' Ii ti h

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