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Jüdische Rundschau · 1925-01-09 · Heft 3 (9.1.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 3 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 20 IÜEDISCHE RUNDSCHAU Kr. 3 lluß auszuüben. Sollte man In diesem radikalen Vorschlag eine Entrechtung der Minorität erblicken, dann wäre der Eventualvorsching zu erwägen, die Repräsentanz aus allen Oruppen zu bilden, wobei ober alle Mitglieder sich verpflichten müßten, den Direktiven des A.-C. Folge ru leisten und da* A.-C. das Recht haben müßte, gegebenenfalls einzelne Mitglieder der Repräsentanz abzuberufen und lu euetzen. Dies sind die wesentlichsten Vorschläge, die ich Ihnen XU unterbreiten habe. Ich sagte schon, dafl man nicht glauben «olle, daß «ie allein die Ocwähr für die Erneuerung der Bewegung bieten. Kein Statut kann e*. Aber »ie sind eine Voraussetzung für eine solche Erneuerung und bahnen ihr den Weg. Wer davon überzeugt Ist, daß die Zionistische Organisation nach wie vor den größten Teil der Verantwortung für den Aufbau Palästinas tragen wird, wer weiß, daß die Zionistische Organisation noch entscheidende historische Aufgaben im Jüdischen Leben zu erfüllen hat, der wird die Bedeutung dieser Reform der Organisation nicht unterschätzen. Sie wird bestimmend sein für die Zukunft und da* Schicksal des Zionismus als des entscheidenden umgestaltenden Faktor* In der Entwicklung Palistinas und des jüdischen Volke»,; v...Thesen I. ZuzehSrlgkett zur Zionistisch«! Organisation Aktives und passives Wahlrecht. 1. Der Scheie! soll mindestens 4—5 sh betragen. Für iugendlirhe, Mitglieder des Heehaluz und andere Omnpcn ann eine Ermäßigung des Schckcls eintreten, sei es durch Beschluß der Exekutive oder des Aktions-Gomltc's Es soll nur einen einheitlichen Schckcl für alle Verbände ceben. Damit entfallen auch die Sonderwahlcn zum Kongreß innerhalb der Einzelverbändc. 2. Wahlrecht zum Kongreß soll nur derjenige haben, der außerdem noch einer bestimmten zionistischen Einzelorganisation als dauerndes Mitglied angehört (Landesverband, Sondervcrband, Jugendverband usw.). 3. Der Beschluß des letzten Kongresses, wonach das Sasslve Wahlrecht an die Erfüllung der Verpflichtung gecenber dem K.M. geknüpft wird, r-oll strengstens durchgeführt und ru einer Bestimmung des Organisationsstatuts erhoben werden. I!. Kongrtss ' a) Tagesordnung des Kongresses. Der Kongreß zerfallt in drei Teile: Erster Teil. Allgemeiner Ueberblick über die läge des jüdischen Volkes, über die Tätigkeit der Zionistischen Organisation und Generaldebatte. Zweiter Teil Beratungen der Kommissionen und 'Abstimmungen über ihre Beschlüsse im Plenum. Dan Kommissionen soll das Recht gegeben werden, mit einer qualifizierten Majorität all ihrer .Mitglieder Beschlüsse tu fassen, die definitiv sind und nicht mehr vor das Plenum gebracht werden. Doch sollen unter bestimmten Umständen letwa, im Falle eines Vetos der Exekutive, des Pcrmanenzausschusses oder der Finanzkonimission oder — falls Dreiviertel des Kongresses es verlangt —) dem Plenum die Entscheidung auch über solche qualifizierten Majoritätsbeschlüsse der Kommissionen vorbehalten bleiben. Dritter Teil: Wahl der neuen Exekutiver Darlegung des Programms der Exekutive und der Mitgliederliste durch den vom Permarienzausschuß designierten Präsidenten. Sielhingnihme des Plenums und Vertrauensvotum. Im Anschluß daran Wahl der übrigen Instanzen der Organisation. b) Wahl der Instanzen. 1. Die Mitglieder des A.-C die vom Kongreß gewählt werden (siehe unter A.-C), werden vom Permanenzausschuß vorgeschlagen und vom Plenum gewählt. 2. Die Exekutive soll nicht mehr vom Pcrmanenzausschuß vorgeschlagen werden, vielmehr einigt sich dieser lediglich auf die Person des Präsidenten der Exekutive, der identisch sein soll mit dem Präsidenten der Organisation. Dieser stellt die Exekutive zusammen und tritt mit ihr direkt vor dar. Plenum des Kongresses unter Darlegung seines Programms. Im Falle eines Vertrauensvotums gilt die Exekutive als gewählt; im Falle eines Mißtrauensvotums tritt der Permanenzatisschuß zur Dcsignlerunß eines neuen Präsidenten zusammen. 3. Die Wahl der zionistischen Mitglieder der Agency erfolgt nach der Wahl der Exekutive aus dem Kreise der Majorität des Kongresses, der die Exekutive gewählt hat. E vc n tu al vorschlagt Sollte sich dieser Vorschlag als undurchführbar erweisen, so wäre der andere Modus in Erwägung zu ziehen, uwiach die zionistischen Mitglieder der Agency aus a I Ic n Oruppen des Kongresses gewählt worden unter der Voraussetzung, daß sich die Gewühlten verpflichten, bei den Abstimmungen in der Agency sich den Direktiven des Kongresses und des A.-C. m unterwerfen. III. Executlv« Die Resser!* der Exekutive wären folgende; t. Organisation. ' "i. Propaganda. 3. Finanrnropaganda (Propaganda für die zionistischen Finanzinslitute). 4. Kulturarbeit (Hebralslerung). 5. Nationale Galulhpolitik. 6. Jugendbewegung und Hachscharah. 7. Alijah. Außerdem sollen die Direktoren der Pinanzmstitute (f. C. T. und N.-F.) der Exekutive angehören und deren Direktiven unterstchen. IV. Aktlons-Comlt<5 1. D.is Aktions-Comitc* der Zionistischen Organisation (Zcntralrat) erhält alle Rechte des Kongresse* während der kongreßlosen Zelt Es kann auch durch eine qualifizierte Majorität die Exekutive abberufen und ddreh eine andere ersetzen, wobei jedoch In einem solchen Falle der Exekutive das Recht zusteht, einen außerordentlichen Kongreß einzuberufen. Eventuell soll das A.-C In einem solchen Fall mir das Recht haben, einen außerordentlichen Kongreß einzuberufen. Insbesondere hat auch dis A.-C. die Aufgabe der Instruktion der zionistischen Mitglieder der Agency, die verpflichtet sind, nach den Direktiven des A -C. ru stimmen. D.is A.-C. kann einzelne zionistische Vertreter In der Agency abberufen und durch andere ersetzen. 2. D.is A.-C. soll nirs 50 Mitgliedern bestehen. 15 von diesen werden vom Konrreß gewählt, 35 werden von den einzelnen Verbänden (Lindr-sverhänte. Sonderverbmde usw.) nach einem bestimmten Schlüssel delegiert, wobei die Verbände dis Recht haben sollen, zu den elnzeJn«n Sitzungen jeweils Delegierte zu entsenden. Kleinere Verbände werd»n dabei zusammengefaßt und entsenden gemeinsam einen Delegierten. 3. Das A.-C. muß mindestens alle sechs Monate eine Sitzung abhalten. Die Fvckiitive kann jederzeit ehe Sitzun" anberaumen; falls ein Viertel der Mitglieder es vcrUnrt, i"uß eine Sitzung einberufen werden. 4. Die Jahreskonferenz. kommt In Wegfall. V. Sitz der Exekutive Nach Ansicht der K*mmi?sion soll die Exekutive ihren Sitz im Gallith haben. In dic«em Fa'le müßten die zionistischen Mitgli^er der Exeku'ive der A«rcnry in Pa'ästina in en*er organisatorischer Verbindung mit der Zionistischen Exekutive stehen, sei es. daß sie Pt als Mitglieder angehören eder in ei er airWen zweckmäßigen Form. Nach Ansicht der Majorität des I.andcsvorstandcs soll der Sitz der Zionistischen Exekutive in Palästina sein. Sllztmfj im Montan Abend, 10 Ihr Diskussion Dr. Bamberger (Nürnberg) spricht Im Namen des deutschen MIsrachi. Die Vorschläge Dr. CHdmanns «o'len die völlige Parl»»nentari*i*nin(r d»r Zionistischen Orpaniss'ion mit allen lieht- und Sc'-ait-nset*n e'-ier sitrlrn vorher*"'"- Mit d»n b:^heri"~n M-tlrd«n der Seh-k-lsimmlung s-l auch der deutsche Misrachi ni-ht einverstanden. Fr erh"bt im einzelnen Cinwendunfen gegen manch* Vorschläge und erklärt insbesondere, daß in der Jewlsh A"cncv sich der Misrachi bei ir<cndcin*r Kulfirfragc einer Mijvl«irrun<r nicht unterwerfen könne. Die Kulturfngen lassen sieh iikht ausschalten, und deshalb müßten die Zlonisten selbst iiire B*- handlung in der Agencv verlangen. Die Aqcncv hat die Aufgabe, die Mitarbeit des Gesamtvolkes ru gewinnen. Dr. llantkc: Vor allem sei die Forderung des Einheitsfchekels zu begrüßen. Bei der Kritik des A.-C. dürfe nicht vergessen werden, daß es außer dem Kongreß die einzige zionistische Körperschaft sei. In der alle zionistischen Gruppen zusammenarbeiten. Deutschland sei das einzig» Land, wo Im Landesverband alle Fraktionen vereinigt t,iml. Die* sei Im Osten früher auch der Fall gewesen, wo In den einzelnen Orten der Waad llair alle Vereine umfaßte. Dies müsse wieder angestrebt werden. Eine Exekutive wie <iw heutige, von «Icr ein Drittel der Mitglieder in London und /«ei Drittel In Jerusalem sich befinden, die keine V«r-! antwortum? tragen, *ci unmöglich. Es gäbe heute nicht " -i weniger als fünf . zionistische Zentralen. Vor allem auß-.-r ■ den beiden Exekutiven das N.-F.-Dirckturiuni und den Finanz, t ued WirUchafisrat, dessen Kompetenzen überhaupt nicht! s feststellen. Alle Zcntralinstanze.n müßten an einem Ort k«i- 1 zentriert werden, und dieser könne nur Jcrusilcm sein, wo \ < nur eine einheitliche Exekutive gebildet werden kann. Dr. j ' Hanlke tritt dagegen auf, daß der Kreis der Zionisten be- ' schränkt werde, die zionistische Bewegung müsse Volk*. : bewegung bleiben. Das Fehlen der Resort.*, für zionistische! Politik und Palästina bei der Exekutive bedeute eine Vcr-! kennune der Sachlage, die durch die Erweiterung der JewUh j; Agency entstehen werde. Das A.-C sei nicht überaltert, \\ von seinen 40 Mitgliedern umfasse es nur zehn, die bereits I j vor dem Kriege darin saßen. Man niümc die D«sku.'si-,n , i der Organisationsreforin über den deutschen Zionismus hin- ' austragen. > Professor Fraenkel (Marburg) begrüßt für *eir.« ", Person, daß die Agency sich jetzt gegen die anfänelichen Widerstände durchgesetzt habe. Er spricht gegen die Bindung 1 der zionistischen Mitglieder der Agency an dis Votum des; A.-C oder des Kongresses. Das sei nicht ein PioWcni der ' Zweckniäfligkcit, sondern der Uiiertriglidikcit. Im Namen d<s Misrachi begrüßt er schließlich die Eröffnung der Jertisjlcmer!• Universität und dankt insbesondere Wcizmann dafür, daH j die Universität als intensives Forschungsinstitut, statt als j Lelirunivetsität errichtet werde, und daß bei dein jud.iis.tir sehen Institut ein Kulturkampf vermieden wurde. Julius Rcrgcr (Jerusalem): In Osteuropa g bl es fast gar keine Zionistische Organisation mehr trotz einer uiice-! heueren Palastinastimmung. Außer der Z.V. f.D. interessiere | sich kaum nocli ein Verband für die Frage der Oigani- [ sationsreform. Der Delegieitentag muß über die Frage de* « Sitzes der Leitung eine klare Resolution f.is-.eu. Redner tritt für die VrrUcuiK* aller In-duuen nach l'.il.istui.» ein 1% . srJ ein cratesker ZuslniJ, daß, während Koren ll.ije-.sod und Keren K.ijcinclh jährlich TittOOO £ aufbrächten, die l.v kutlvc nicht 50(iC0 für ihr Hudget erhalten kann. De..ic Fonds sollten etwa je 15 f>T) £ de.r Exekutive zur Verfügung stellen, was nach den übereinstimmenden Urteilen aller am Delegicrtcntag anwesenden Leiter der GtMaufbrlngungsarbcit diese nicht schädigen, sondern n'ir fördern würde. Zum Schluß tritt Borger für die Regelung der Beamtenfrage ein, die schon aus dem Grunde wichtig r.d, well die Zionistische Organisation ungefähr 505 Hauptberuf-! lieh tätige Beamte In leitender Stellung fn den verschiedenen Lindern habe. j, Bcnrflßnnnen j Von den eingelaufenen Begrüftunjen sind noch zu er-! wähnen: Schreiben des ZcntraikomitcM der lotttsehe.o Zionlsten, des Zentralkomitees der litauischsn Zionistischen Ortsi gruppe, des Zentralkomitees der Poalc Zion in Deutsch- ( Und und eine Depesche von Dr. Danzigcr (Jerusalem). | Elnnalimcn und Ausnakri der Palüslina-Extkullvc! Im Oktober 1924 1 EInß5nge: 1. Kercn Hajessod, London.....LZ 37 352.03 ' 2. Einr;,ir.ge i c nto früh rer Budget*. . . „ 1316.15 3. Uebcrschuß der Ausgaben über die Ein- » filnge ............_35 5J0 (S? £E 74 237.M f Ausgaben:! 1. Kolonisation ...... . . £E 5o?ift.-n i 2. Schu'wesen ..........M 2435.22 ( 3. Immigration ..........„ 3 4!>7.1n 4. Gesundheitswesen...........2 710.S7 j 5. Lmdwlrtschaftliche Versuchsstation . . „ 1 133.M! 6. Oelfcntliche Arbeiteji.........51St Ol 7. Spezie'Ie Ausgaben....... . „ 8. flandel und Industrie....... . ., Slo.O.1 0. Universität ......£E KASI Universitätsbibliothek . . „ 120.80 „ 3K..6I 10. Admlnislratlonsunkosten .....„ 057J1? £E 74 2*i7.M nowsitn ij.ij.i--um Lew SaraoHowlIsch Bäks! In diesen Tagen ist Bakst gestorben. Nach vielen Wanderungen ist er in Paris begraben worden, in der Stadt, die seine größten Triumphe gtsohen hat. Ein starkes Rußland stand hinter ihm, als er mit dem Djagilewschen Theatcruntcrnclwnen zuerst nach Paris kam und die Pariser mit seiner großen Dekorationskunst blendete. In Grodno geboren, war er aber in Petersburg aufgewachsen, hatte dort die Mittelschule besucht, wAr Schüler der Akademie der Künste gewesen, sein Bildungsgang, sein Verkehr — er freundete sich in der Kunstschule besonders mit dem russischen Maler Ssjerow an —, er kam späterhin in die Kreise der höheren russischen Aristokratie, die seine Zeichnungen schätzte, wie die Aquarelle Albert Bcnois, den er »Ich zum Vorbild wählte, all das prädestinierte ihn zum Träger einer raffinierten, aber doch oberflächlichen russischen Kultur. Die Welt war auf diesem Wege nicht zu erobern. Den Umschwung brachte eme Reise nach Gricdicnlancl oder vielmehr ein ideologisches Moment, das für Baksts Gcsclunacksrichtung von entscheidender Bedeutung wurde. Er ging nach GtsechenlMvd nicht mit der vom hmnÄnistHchcn Oymnuium geprügten Vorstellung der Antike. Die Feststellung der KunstforsdKT, daß die griechische Kunst von orientalischen Einflössen durchsetzt, daß sie von Kreta und Aegypten bestimmt war, diese Feststellung wurde ihm rum Erlebnis. Schon sein Gcmülde, daß er unter dem unmittelbaren Eindruck der griechischen Reise malte, der „Terror Antiquus", ist bezeichnend für svinc besondere Einstellung. Er erscheint hier unter dem Zwange des rätselhaften archaischen Lächelns, und es ist ein grausames Lächeln, das er da der griechischen Göttin verliehen hat. Das StaffclcigemAldc war übrigens nicht das Feld, auf dem sich Bakst betitigen sollte. Er versuchte sich ertt auf dem Gebiete der Graphik, arbeitete an der Zeitschrift „Mir Iskusstwa" (Die Welt der Kunst), die in Petersburg die besten künstlerischen Kräfte unter der Führung von Alexander Bcnois vereint hatte, und ging dann zur Theaterdekoration über, ohne die Buchkunst je vollständig* aufzugeben. Der Kreis um Bcnois lebte in beglückender Renals*viiccstlmmungcn. Man forschte In der Vergangenheit, man betätigte sich in allen Bezirken der Kunst, nitn fühlte sich jedem Unternehmen gewachsen, e» gab keine beengende Spczlalitiemritf, Wenn Bakst eine BühncniuuUttung »kizBcrtc, wenn er ein Kostüm entwarf, vernachlässigte er nie die graphischen Wi-rlc seiner Zeichnung, sie war ihm nie ausschließlich eine Werkzeichnung. Die bunte Reihe seiner Thcaterbilder vor uns, bewundern wir ihre strenge, immer gewahrtt Bildmäßigk keit. Die Gestalt der Tänzerin, deren Kostüm er zeichnet, ist Ranz, «lern Gesetz der Fläche unterordnet, die sie umschreibt. Und ein Lehen durchflutet ihre Glieder, Ihre Go-ichtsziigc: man fühlt, hier ist die Zeichnung Selbstzweck. Die heutigen Konstruktivktcu zogen die Konsequenzen und unterordneten die wirkliche Bühne, die lebende Gestalt des Schauspielers, den Bindungen der BuchscilcnfUichc. Auch sind die Heutigen im Bruch mit der klassischen Konvention weitergegangen, haben dem archaischen Laclicln der griechischen Kunst des 6. Jahrhunderts weiter nachgeforscht, zurück bis zur fratzenhaften grote-nken Mr.ske mexikanischer Götzen. Bakst hat ßicit aber vor dem Hüßlichcn gescheut, er war von keinen allzu düsteren Dämonen besessen. Eine inondünc Atmosphäre umwehte seine SchGpfimgcn, die von de.r „Schecheresada" an, die 1910 seinen Ruhm In Paris begründete. Ihn von Erfolg zu Erfolg führte. Ob der russische „Sadko" oder die englische „Sa'iomt", ob Vcrhaercivs „lUicm", O'MnuiwkiS „Heiliger Sebastian" oder Rlcliard Slrauß' „Joseph" — Bakst bleibt nich stets gleich In der /elcline.ilsdicii Verve, in der klingenden Fülle »einer i'nrheugcbuiig, In der „Schlafenden Prinzessin", die er im Jahre 1021 für eine Londoner Aufführung ausstattete, erscheint er zum ersten Male ermattet. Das russische Ballett hatte nicht mclir den Nymbus, den Ihm der zarischc Hof verliehen hatte. Kein mÄChllges Rußland unterstützte mit seinem Prestige die Verwegenheiten einer heiteren Tanzkunst, ach, sie war nicht mehr verwegen, sie war nicht mehr so recht heiter. Baksts Kost^mfigurcn sind steif wie Mnrioucltai.- Baksts Linie, die in den Jahren vor dem Kriege, In der Mode gesetzgebend war, hat nun allen Schwung verloren. Baksts Farbe Ist stumpf geworden. Noch sind ihm in Amerika glänzende Erfolg«: bcschicdcn worden, aber er selbst mußte fühlen, das musische Theater, das ihn, enirvorgctragcn hatte, dessen Ruhm er außerhalb Rußlands begründen half, die**-! russische Theater der Vorkriegszeit war tot. Die krampfhaften Versuche, es zu beleben, waren vergeblich. Es mußte von vorn angefangen werden. Welche Wege Bakst mm eingeschlagen hatte, ist eine Frage, die unbeantwortet bleiben wird. Er war nur 53 Jaluc alt geworden und stand vor verschiedenen Aufsahen, so z. B. hatte er die Absicht, an einer künstlerischen Expedition nach Palast! na mitzuarbeiten, vielmehr die do:t zu sammelnden archäologischen Dokumente ru bearbeiten. Diese Aufgabe, die vielleicht d.« Jüdisch«' im engeren Sinne bei Bakst au!- gedeckt hätte, ist zum Bedauern vitler unerfüllt geblieben. Uak.st hat als russischer Künstler gewirkt unJ doch war er Im Riisscntum keineswegs voüs'ändig aufgegangen. Im Gegenteil, ohne jüdische Stoffe zu behandeln, war er, waren seine stärksten und charakteristischen Akzente jliitsch. Daß diere Akzente so schnell Gemeingut wurden, ist das nicht übriger* bezeichnend für die Mitteilbarkelt spezifisch jüdischer geistiger Werte? Rahel Wlschnitzer-Bernstein. Pokker, v. Friedrich Kroncr (Axel Junker. Verlag* Dies ist die TragMic des armen Pokker: einfjezwSnqt zu sein In die jämmerlichste, elendeste Gestalt d.eser Welt, den Menschen zum Ekel und sich selbst zum Ekel, und doch voll wachen Bewußtseins, ein Geheimnis mit sich zu tragen — eine Kostbarkeit — eine Seele. Eine Seele, die nicht zu dem eklen Körper paßt, eine Seele, die von der j;rn(kit Sehnsucht erfüllt Ist, die Jedes Geschöpf über tich weihst erhebt. Und so inbrünstig ist diese Sehnsucht, «laß sie wO auf Schwingen die Seele davon trägt, und während der Korper wie ein abgenutzter Lappen zurückbleibt. Irrt sie durch Verbrechen und Wahnsinn, durch Traum und Lebensgier in den verschiedensten Gestalten umher, um schließlich enttäuscht wieder in die elende Hülle zurückzuschlüpfen. — Es Ist kein Zufall, daß diese ruhelose Seele einem armen Juden gehört, denn tief in der Wesenheit des Juden, tief in seinem zergrübelnden, selbstquälerischen Intellekt wurzeln Ihre Irrtümer und Abenteuer, und echt chassidi*che Gedankengänge und Vorstellungen klingen in der Geschichte dieser Seclcnwanderung wieder. Aber auch uralte Probleme, uralte mystische VorsteUuntrsn werden hier aufgerührt, — der Dualismus zwischen KCrper und Geist, der durch ihn hervorgerufene Zwiespalt — die Fragen nach dem eigentlichen Wesen des »'ch" — und wir lassen uns gern von einem 60 erfahrenen aeelenkenncr wie es Friedrich Kroncr Ist, durch die verworrenen, seelischen Labyrinthe führen, die auch lo ihren dunkelsten Verzweigungen stets einen Ausblick auf wahre Menschlichkeit geben. Martha Nothmantv

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