Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1925)
- Date
- 1925-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652694--17038-3517868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
er Sr/ 1*J*l 25 i) t Ql) €TU7.T5* Jiii.ll J. M l! i miw Eimernammer 0.30 Qotdmark ftt ' Redtktlon «ad VerU| W15, Melatkutrt0« ia Erscheint «•den DlenjUtf ond rrtlUi. B«xufi*pr«la bei der Expedition »onatllch 1,85 Coldawk. VUrttT|fthrlich W5 Goldmark. A»Ht»<Mboi»»«»»eU wrtm k im Wttnaf öar •Uittaaa Luit i*ntkt»t. Nummer 3 I Berlin, 9. L 1923 Anzeigen •Verwaltung: JAdiscIst Rundicbaa 0.m.b.tL, Berlin W15, Melneke- •traße 10. Telephoni Amt Bltmirck 71t"<—70 Au«Jf<*pr*l«i l|»«p»lLNii«pif«ni«««lU(UOOol()tiirk. SulltnfvtU 0,13 Goldjurk. FSt k«brllKk*Aual(tn IOOHAnlitUt|. AuttttBicUeli Dl*ult( vi Fr«IU| a«chaltUf 4 Uhr. (»»■■■■■■■■^■■■■■■■■■■a Telephon! Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Berlin Nr. 17392. FarOMtimlctii PoiUpKW»!»»«! Wim. Ko«lo Nr. IM010 / PftfT»th.choiJo»ikA FMU,.rh.......t ^^»^^ fZ£XSZ£ ~ RedektlonMchluO Sonntag und Mittwoch nachmittag, - nwDin <rop 8 xxx, Jahrg. p«r «owttmiiar'orotrabt Wr da» IQdittwo Volk die Khaffunp oinor ölUwtllch ■ rechllKh,, ooilthorfn Malmitatto In PalliMna. „BaaaUr Programm.» Weizmanm in Berlin Der Empfang in Wien und Prag Dr. Chaim Weizmann ist «m 8. Januar, ia Berlin tu einem für »cchs Tage berechneten Aulcnthajt tIngetroffen. Anläßlich der Anwesenheit Dr. Wcizmanns veranstaltet das Auswärtige Amt am 9. Januar im Hotel Kaiserhof ein Frühstück, zu dem Staatssekretär, von Schubert die Einladungen ergehen ließ. Am Sonntag, den 11. Januar, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet das Präsidium des Kercn Hajessod, Berlin,' im Hotel Adlon und Hotel Esplanadc einen Empfang zu Ehren Dr. Wcizmanns. Der Präsident der Qroßloge für Deutsch!md VIII V.O.B.B. Herr Rabbiner Dr. Bacck und der.Vizepräsident Dr. Benno Walter veranstalteten eine Begrüßung Professor Dr. Wcizmanns am 8. Januar in den Räumen der Loge, Klcistitraße 10. Sonntag, den 11. Januar, vormittags 11 Uhr, findet die öffentliche Begrüßung Wcizmanns in der Volksoper statt. (Nur gegen Eintrittskarten.) Außerdem ist eine Reihe von privaten Veranstaltungen vorgesehen, u.a. bei Prof. Einstein, bei iDir. Oskar Wassermann und bei Gen.Konsul Eugen i L a n d a u. ] Am Montag, den 12. Januar, wird Dr. W e I z m a n u die Vertreter der deutschen Preise im Hotel Adlon empfangen und zu ihnen über die politischen und kolonisatorischen Probleme Palästinas sprechen. Ans diesem An- Uli gibt der Kercn Hajessod für Deutschland den Vertretern der deutschen Presse einen Tee.-; Dr. Weizmann ist nach kurzem Aufenthalt in Oesterreich und in der Tscltccho-Slowakci in Berlin eingetroffen und wird etwa eine Woche In der deutschen Hauptstadt, die auch die Zentrale der zionistischen Arbeit Deutschlands ist, verweilen. Zum ersten Mal ist Dr. Weizmann, der bisher infolge seiner Inanspruchnahme in Amerika keine Gelegenheit dazu hatte, in die mitteleuropäischen Zentren des Zionismus gekommen, um den persönlichen Kontakt mit den leitenden Kreisen der zionistischen Arbeit und mit den Palästina-Freunden in diesen Ländern herzustellen, zugleich sich z»i überzeugen, ob die Zionistcn jederorts ihre P.li:ht so erfüllen, wie der Führer selbst in beispielgebender Weise es tut. Das zionistische Leben Mitteleuropas hat durch diesen Besuch einen gewaltigen Implus erhalten. Daß seine Worte Widerhall finden, beweisen nicht die grolkn lärmenden Versammlungen, in denen eine leicht und gern an Begcislerunj sich berauschende Menge Beifall klatscht und sich im Glänze der überragenden Persönlichkeit des jüdisc!::ii Führers sonnt; sondern die Nachhaltigkeit der' Wirkung und die Tat beweisen, ob die Botschaft, die er bringt, wirklich auf fruchtbaren Es,Jcn gcf..l!cn ist. Die Tat hat heute einen ganz bestimmten Namen, sie heißt Maasscr, und sie zeigt sich in der unermüdlichen Arbeit und Werbung von Maasserzahlcrn, die eine Verpflichtung zur Stcucrlcistung für die jüdische Heimstätte in Palästina übernehmen. In dieser Hinsicht war die dem Kercn Hajessod gewidmete Spczialsitzung 'les Wiesbadener Dclcgiertcntages eine eindrucksvolle Kundgebung. Die Worte Wcizmanns, aus denen hervorsing, daß die jüdische Heimstätte nur aus eigener Kraft erbaut werden kann, und daß jeder Versuch, anderen Fakoren die Schuld an dem langsamen Tempo des Aulbaus »zuschreiben, nur eine Ausflucht ist, taten ihre Wirkung. Oie Versammlung brachte die Ucbcrzeugung des deutschen Zionismus zum Ausdruck, daß die Basis des ganzen Aufbauwerkes die Tätigkeit unserer nationalen Fonds, des Keren Hajessod und Keren Kajcmcth bildet ker von dem Leiter der Keren Hajcssod-Arbeit in Deutschland, Herrn Alfred Berger, geäußerte Wunsch, Jaß das Direktorium des Kercn Hajessod seine Zustimung gebe, auch die Kosten der Alijah aus dem Kercn Hajessod zu decken, fand allgemeine Zustimmung, well, eine solche Forderung dem Ocist des .wirklich durchgeführten Maasserprinzips entspricht. Denn wo eine derartige Steuer für nationale Palästina-Zwecke erhoben *ifd, geht es nicht an, noch nebenbei für Sonderzwecke, ic in den nationalen Aufgabenkreis fallen, an die Steuer« hier heranzutreten. Es wurden auch Zeichen des Befremdens darüber laut, daß die Zionistcn anderer Länder ic Maasserbestimmungen des Kongresses nicht so ernst ehmen wie die deutschen Zionistcn. Bis auf ganz enlgc Ausnahmen haben die Teilnehmer dieser Kon* crenz. Ihre Zelchnutigwchcine für diu kommende Jahr " dai Keren Hajessod-Büro abgeführt. Wir zweifeln ilcht, daß such in untern Nachbarländern, die Welzinn besucht hat, «eine Worte fn ähnlicher Weise ge- VWU haben und wir glauben, daß die Berliner Juden, die Jetzt die Ehre haben, Weizmann in Berlin zu begrüßen, sich dessen bewußt sein werden, daß dieser Mann für jich keinen Ruhm und keine Ehre sucht, dagegen für die Sache, die er vertritt, Taten und Opfer fordert. In diesem Sinne begrüßen wir Dr. Weizmann nuf das herzlichste und versprechen, daß Unsrigc beizutragen, um seinen Aufenthalt in Berlin angenehm und erfolgreich zu gestalten. Weizmann bei Masaryk und Benesch Präsiden» Weizmann und Dr. Fciwel sind am 4. Januar früh, von Wien kommend, in Prag eingetroffen. Sic wurden von dem Präsidenten des Jüdischen Nationalrat .'S unter Führung des Stadtrates Dr. Ludwig Singer, von den Leitungen der jüdischnationalcn Fonds sowie von der zkmutischen Studentenschaft empfangen und stürmisch begrüßt. Am Nachmittag sprach Präsident Weizmann int großen t.ucem.vSnnl ühcr die zionistischen Fragen. Es waren 1000 Teilnehmer erschienen, die schon auf der Straße den Präsidenten akklamicrtjit. Die Versammlung verlief in enthusiastischer Stimmung. Nach der Versammhing wurde Dr. Wcl/niann vom Präsidenten Masaryk und vom Minister des Aciißern Dr. Bciicsch in Audienz empfangen. Die gesamte deutsche und tschechische Presse begrüßte Weizmann in bcrzliclicn Artikeln und berichtete ausführlich über die Veranstaltungen. Nachmittags erschien eine Deputation der Präger jüdischen Verein«! bei Dr. Weizmann. Abends nahm er an einem Ihm zu Ehren von der Präger jüdischen Gesellidiaft veranstalteten üankctle teil und reiste sodann nach Brünn (der Hauptstadt Mährens) ab. In Brünn wurde Dr. Weizmann an der Bahn — abgesehen von den zionistischen Funktionären — vom Präsidenten der jüdischen Kultusgcmcindc und anderen Vertretern jüdischer Körperschaften, empfangen. Abends fand in der großen Synagoge eine öffentliche Begrüßung statt, zu der auch Vertreter der Behörden erschienen waren. Unter den Rednern waren Kultuspräsidcnt Blran, Rabbiner Dr. Lcvy, Präsident des Nationalstes Dr. Singer u.a. Dr. Weizmann legte In einer cinstündigen Rede die Aufgaben des Zionismus dar und machte einen fielen Eindruck. Dienstag Vormittag besuchte Dr. Weizmann die jüdischen Schulen, vor allem das Oymnaslum. Nachmittags wurde die Konferenz der Kercn Hajcssod-Zeichncr unter dem Vorsitz von Dr. Emil Margulics abgehalten, in der Dr. Fciwel, Dr. Herrmann und Dr. Weizmann Ansprachin hielten. Darauf würde ein zirka 80 gliedriges Komitee aus Zionistcn und Nichtzionistcn zusammengesetzt. Sodann folgte eine öffentliche Versammlung der Schckelzahlcr, au der 20CO Personen teilnahmen und die wahrhaft enthusiastisch verlief. Am Abend war ein Festigend der U.O. B. * Loge, wo eine Reihe von Reden gehalten wurden. Die Nichtzionistcn erklärten einmütig ihre Bereitschaft, am Palästina-Aufbau mitzuwirken. Mittwoch ist Dr. Weizmann nach Berlin abgereist. In Wien traf Dr. Weizmann Freitag am 2. d. Mts. ein. Sonnabend fand im großen Konzerthaussaal eine Massenversammlung statt, zu der der Andrang so groß war, daß berittene Polizei clngrelen mußte, um eine lebensgefährliche Uebcrfüllung zu verhindern. Als der Vorsitzende des zionistischen Landcskomitces, Dr. Jakob Ehrlich, den englischen Qesandtcn Mr. Douglas bctrüßte, bereitete die Versammlung, unter Hochrulen auf ngland und auf Balfour, eine minutenlange Ovation, Dr. Weizmann selbst war Gegenstand enthusiastischer Ehrung. ' > Die gerrunte Wiener Presse widmete der Anwesenheit Wcizmanns spaltculangc freundliche Berichte. Frankreich tritt nichts vom syrischen Mandat ab Die Agcnce Hivai erklärt die Meldung der Blätter, wonach Frankreich über die Abtretung eines O e b I e 11 streifeni in Syrien, der an das Ocblct von MokiuI grenze,, an England vcihamllc, für vollkommen unbegründet. Du Völkcrbundumindat bezüglich Syriern würde ei übrigem Frankreich allein nicht gestatten, Irgend eine Oebletilnderung vorzunehmen. Leon Dlums Bekenntnis zu Palästina Wir berichteten bereits über das unter Vorsitz de* Abgeordneten Leon Blum, des bekannten Führe« der französischen Sozialisten, In Paris abgehaltenen Kercn Hajessod- Bankett zu Ehren Dr. Wcizmanns. Bei dieser Gelegenheit hielt Blum eine Ansprache, die nicht nur wegen Ihres starken Bekenntnisses zur Idee <*ca jüdischen Palästina bemerkenswert Ist, sondern auch wegen der Bemerkungen über Staatsbürgertum und Antisemitismus, die wohl — nicht nur für Frankreich gelten. . . Abgeordneter Blum führt in seiner Rede u. a. aus: Wenn man sich im Oclstc zehn oder zwölf Jahre zurückversetzt, wenn man bedenkt, wie schwach damals die Aussichten des Zionismus waren, und dann wieder das Heute betrachtet und an das Wachsen des Jüdischen Helmes in Palästina denkt, dann wird man gewahr, welch ungeheure kollektive Anstauung dies erfordert hat. Wir wissen, dieses Resultat haben wir vor allem Dr. Weizmann zu verdanken. Abgiordncter Blum führt dann weiter aus: Er sei franzölUclur Jude und glaube aufrichtig, ein guter Franzose zu sein. Er sei In Frankreich, im Herzen von Parii geboren, seine üroßclten hätten In Paris gelebt, und, soweit er die Geschichte seiner Familie zurückvcrfolgcn könne, «lammten seine Vorfahren aus dem Elsaß, d.h. sie waren Fron/uscn. Er sei In Frankreich erzogen worden, liiittc ein französisches Qymnasium besucht und mit französischen Kameraden zusammen gelebt, sei französischer Beamter gewesen. Wohl keine einzige Feinheit in der französischen Kultur sei ihm fremd. „Und trotz allem fühle ich, daß ich Jude bin, und ich habe ninnuls geglaubt, daß es hierbei Irgendwelchen unvermeid. liehen Konflikt zu bestehen gibt. Ich war sehr überrascht über das, was Dr. Weizmann mir eines Tages sagte; mir erschien es als eine wahrhalt tiefe Analyse, Er eagte, daß •> es, wn» den nationalen Patriotismus anbetrifft, nicht nur einen Dualismus, sondern eher einen Pluralismus geben ' kann und fast Irv jedem Menschen gibt. Es Ist to. Man kann ganz einem Lande angehören und sich doch als einen Integralen Bestandteil einer anderen Oruppe ansehen. Wir können um vollkommen und ganz als Franzosen fühlen, und n gleicher Zeit können wir uns lowohl körperlich wie geistig zum Judentum gehörig bekennen. Der Antisemitismus Ist In, Frankreich nicht entstanden, ' als wir uns als aufrechte Juden gezeigt haben, sondern als •■ wir versuchten, unser Judentum zu verheimlichen. Was den Redner selbst anbetrifft, so hätte er niemals bemerkt, daß er durch sein Bekenntnis zu seiner Rasse und Religion irgendwie Antisemitismus erregt hätte. Es ist vielmehr der Mangel an Stolz und an Würde, der den Antisemitismus erzeugt. ' Wenn das Gesagte wahr Ist, und er sei überzeugt, daß die Juden In Frankreich dies klarer und klarer erkennen, so ici jetzt wirklich die Zeit gekommen, dal) sie den Platz einnehmen, der ihnen bei dem Werk des PalJstlna-Aulbau» ' zukommt. Die Judcnhclt Frankreichs sei gewiß nicht sehr ' zahlreich, aber sie sei alt und besäße eine Macht auf arund ' des Individuellen und sozialen Einflusses vieler ihrer Mitglieder. Sic könnte eine Rolle spielen, die mcht nur nütz, lieh, sondern sogar unbedingt notwendig wäre. Und deshalb appelliert der Redner an sie, als Jude, der niemals [ In Keinem Leben etwas anderes hat sein wollen und es' sich niemals je einfallen lassen wüiue, etwas anderes sein zu können als Jude, ein Jude, der stolz Ist auf sclno Rasse, seine ethnische Zugehörigkeit und die Religion seiner Väter, Wenn all dies, wie er hoffe, die wirkliche Meinung der Juden von Frankreich Ist, so sollten tle dem Palästina-Auf- . bnuwcrkc die dringend nötige Hilfe bringen. Das * würde der Bewegung und Dr. Weizmann eine Stärkung ' und ein weiterer Beitrag zum Erfolg bedeuten, und für dia französischen Juden wäre es sowohl eine Ehre wie die Erfüllung einer Pflicht. Eine rumänische Deklaration aber ilei Zionismus Bukarest, den 5. Januar 1925. Der rumänisch« AuBcnmlnistcr Duca richtete an den in Rumänien weilenden Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahuin Sokolow folgende Deklaration: Mnn hofft In Rumänien, daß Sic In dem unternommenen Werke Erfolg haben werden, ein nationales Heim für das jüdische Volk.in Palästina zu gründen, welches Werk Sic mit allgemein anerkannter Autorität und Loyalität verfolgen. Die Schaffung dieser nationalen) Heimstätte ist ein Humanitätswerk, au welchem auch) Rumänien als Mitglied des Völkerbundes mitwirkte. Wie sehen kein Hindernis, daß die jüdischen Bürger Ru« mänlcns an dem Werke mitwirken, welches Sic in Pa. lästlna um den Preis uo vieler Opfer und Anstrengungen verfolgen.' Die gegenwärtige txwlc die vergangene Regierung haben L>r. Wilcnsky, dem Spezlalgcsandtcii deg Zionistischen Organisation, bei der Sammlung der Fond» zum Wiederaufbau Palästinas .unterstützt, und wir versichern Sie, daß wir ihre Tätigkeit in Zukunft mit demaelbcn .Wohlwollen verfolgen werden. ü ir, % 6 i, v« t t j