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Jüdische Rundschau · 1920-01-06 · Heft 1 (6.1.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 1 (6.1.1920)
Date
1920-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der jüdische Nationalfonds im Jahre 1920 In dem in der letzten Nummer der ״Jüdiwellen Rundschau“ veröffentlichten Rundschreiben hat das Londoner Pa lä s 11 n;1 - A m t die Vorbercihingen für Palästina dargelegt und dabei ausdriicklich auf die außerordentliche Bedeutung des Jüdischen Na t io« al fonds für den Aufbau des neuen Siedlungswerkes hingewiesen. Auge* sichts dieser Aufgabe, heißt es in diesem Aufsatz, ״muß der Jüdische Nationalfoncls zur vollen Größe seiner Bestimmung gebracht werden. Sein großartiger Wcrbegednnke, getragen vom Ernste der heranrückenden Wirklichkeit, soll jetzt das jüdische Voik aufrufen zur großen opferbereiten Leistung. Wenn es gelingt — und es muß gekngen —, die Jahreseinnahmc des Nationalfonds auf eine Million Pfund zu bringen, so werden wir erstens in den Stand gesetzt werden, auch denjenigen Borten käuflich zu erwerben, der uns nicht im Wege der Vereinbarung mit der Mandatarmacht zugewiesen wird und so allmählich den gesamten für die jüdische Siedlung erforderten Boden in den Besitz des J. N.-F. zu. bringen, und zweitens die notwendige Vorbereitung des Bodens, die der AnsLedlung voran gehen muß, durch den N.-F. vornehmen zu lassen. Wir sind sicher, daß die Föderationen alles tun werden, um die jetzt einsetzende Reorganisation der Sammeltätigkeit des J. N.-F. zu unterstützen.“ Diese Sätze enthalten zugleich einen lebendigen Appell an jeden Einzelnen, sich wirklich voll dessen bewußt zu werden, daß der Naiionalfonds nicht eine Institution neben anderen, sondern wirklicli das Instrument, d e r Faktor ist, auf dessen Leistungsfähigkeit und Aktionsbereitschaft das Gelingen unserer Hoffnungen in Erez-israd beruht. uie ioiueruug von ci״cr Million Pfund für 19/0 ist nicht nur vom Palästina-Amt aufgestellt worden, sondern auch das Engere Actions-Gomite hat vor kurzem erst erklärt, daß es mit einer solchen Jahrcscinnnluuc des Nationalfonds bestimmt rechnet. Hierbei handelt cs sich keineswegs um irgendwelche aus der Luft gegriffenen Zahlen, sondern darum, daß die realen praktischen Aufgaben der allernächsten Monate nach den Angaben aller Sachverständigen eine solche Summe erfordern. Bekanntlich wird die Friedenskonferenz der Großinächte schon in den nächsten Wochen die türkische Frage in Angriff nehmen und damit Klarheit auch über die Zukunft Palästinas schaffen. Cie praktische Arbeit steht also unmittelbar bevor, und wenn sie den Erwartungen auch nur einigermaßen gerecht werden soll, so muß der obengenannte Betrag im Jahre 1920 aufgebracht werden. Auf Deutschland entfallen davon beim heutigen Gcldstande zirka vier Millionen Mark. Wer wirklich erkannt hat, daß der N.-F. unsere wichtigste Institution ist und bleibt, daß sein Gamdgcdanke, nämlich der Erwerb von Boden als unveräußerliches nationales Eigentum und dessen Vergebung in Erbpacht nach der einstimmigen Meinung aller Kreise, die an dem Schicksal Palästinas Anteil nehmen, die Basis des neuen Jischub bilden muß, der wird auch die Notwendigkeit eiiischeii, dieses Geld in Deutschland unter allen Umständen aufzubringen. Dazu aber reicht die bisherige Form der f teiligung an den Einnahmen des N.-F, keineswe aus. Es genügt nicht mehr, gelegentliche Anläs zu Spenden für den N.-F. zu benutzen, sondc cs muß verlangt werden, daß sich jeder Einzel mit einem festen, das Höchstmaß seiner fim wellen Leistungsfähigkeit darstellenden jährlich Beitrag an den Sammlungen beteiligt. Die Selb besteuerung des vorigen Jahres war ein Anfa in dieser Richtung, aber ein bescheidener Anfai aer beweist, daß nur ein geringer Bruchteil < organisierten Zionisten Deutschlands diese eiern« tarste Pflicht bisher erfüllt hat w*c^^Ss^e Aufgabe des N.-F., die er 1 allen Mitteln und sofort in Angriff nehmen 1m ist der Erwerb von Boden in Palästina. Die Ko ferenz der N.-F. . Vertrauensleu Deutschlands, die am Sonntag, den 4. Janti in Berlin tagte und von allen größeren Stadl Deutschlands beschickt war, hat es daher als dr ״Oer Ztonlimw» crifrebt fär da» ja«JS1d1e Volk J die Schaffung einer öffcaillcli-rechlilch ^eitchcrtcB J Iiclnulüito in Pelüiiina.“ Baiclcr Programm, | geiul notwendig erachtet, daß jeder organisierte Zionist und, wenn irgend möglich, jeder an der Entwicklung Palästinas interessierte Jude sich mit einem festen Jahresbeitrag zum Landfonds besteuert, der auf mindeste ns 200 M. pro Jahr festgesetzt wurde. Selbstverständlich bedarf es zur Aufbringung einer so bedeutenden Summe auch eines entsprechenden Ausbaues unserer hishetigeu N.-F.-Oiganisation und Propaganda. Die Konferenz hat sich mit allen diesbezügliehet! Fragen eingehend beschäftigt und hat die weiter unten veröffentlichten Beschlüsse gefaßt, die gewiß geeignet §ind, das Ziel des Jahres 1920 zu erreichen. Alles wird darauf ankommen, daß diese Beschlüsse lebendig verwirklicht werden, und das wird nur erreicht, wenn sich wirklich jeder Einzclnc in den Dienst des Nationalfonds-Gedankens stellt. Die oben zitierten Darlegungen des Londoner Palästina-Amtes stellen ausdrücklich fest, daß sehr viel von einer zielbewußten Bodenpolitik des Nationalfonds abhängt und daß die nationalen Mittel, die für den Bodenkauf bestünnit sind, nur auf Grund freier Spenden, d. h. also durch die Sammel- Organisation des Jüdischen Nationalfonds auf gebracht werden können. Hieraus ergibt sich die Größe der Verantwortung, die jeder Einzelne an dem Gelingen des Siedlungswerkes trägt. Nur wenn die ״freien Spenden“ dem Nationalfonds in ausreichendem Maße zufließen, wird der Grundsfock für das Ganze geschaffen werden können, und dazu wieder ist dringend erforderlich, daß diese Spenden zu festen Einnahmen des Nationalfonds wereien. Die deutsche Zentrale hat nun für jede ein-, /eine Stadt den Anteil ausgerechnet, der auf sie entsprechend der Zahl ihrer Zionisten und ihrer 1 jüdischen Steuerzahler entfällt. Dieses Kontingent muß von jedem Ort unter allen Umständen aufgebracht werden, und es wird nur cingehen, wenn wieder jeder einzelne Spender sich zu dem oben angeführten Beitrag für den Landfonds verpflichtet. Es gilt, die Fundamente für das zukünftige Siedlungswerk■ zu legen, es gilt, dem Nationalfonds als dem wichtigsten Faktor die Mittel zu schaffen, die hierzu erforderlich sind. Der Verlauf der N.-F.- Konferenz hat gezeigt, wie sehr jeder unserer ,Vcrtrauensleute van der Notwendigkeit dieser Aufgaben durchdrungen ist. Wird ihre Arbeit von jedem unserer Freunde in dem angedeuteien Rahmen unterstützt, ist sich jeder Zionist der Größe unserer Aufgabe bewußt, dann werden die vier Millionen im kommenden Jahre sicher aufgebracht, dann werden die deutschen Juden den ihnen zukommenden Anteil an der Verwirklichung des Aufbaus von Ercz-Israel beitragen. BeshhI&ssc der Konferenz der Nationülfonds- Vertrauensleute Deutschlands vom 4. Januar 1920 Die Konferenz der Nationalfondsvcrtraucnsleute Deutschlands, die am 1. Januar in Berlin stattfand, war von über fünfzig Vertretern aus fast allen größeren Städten Deutschlands besucht und nahm' einen sehr anregenden für die weitere Arbeit recht ersprießlichen Verlauf. Im Anschluß an die Referate der deutschen Zentrale wurde eine Fülle von praktischen Vorschlägen für die Organisation und Propaganda rn Deutschland gemacht Der genaue Bericht der Tagung wird allen Vertrauensleuten und Mitarbeitern zugehen; eine Veröffentlich«!!״ int einzelnen ist leider infolge Raummangels nicht möglich. Die folgenden Resolutionen, die als Ergebins der Beratungen angenommen wurden, geben aber 9chon ein klares Bild von dem festen Willen aller Bo teiiigten, die Forderung von 4 Millionen Mark im Jahre־ 1920 restlos zu verwirklichen, 1. Die Ausgestaltung der N.-F.-Organisation erfordert, daß an jedem Orte, wo Juden wohnen, mindestens ein Vertrauensmann tätig ist. Ist eine zionistische Ortsgruppe von mindestens 50 Mitgliedern vorhanden, so betraut die Generalversammlung der Ortsgruppe 1ein Mitglied des Vorstandes mit der Leitung der dortigen N.-F.-Arbeit. Für je 50 weitere Mitglieder ist ־ein neuer N.-F.-Kommissar zu bestimmen; an Orten mit mindestens 200 Zionisten ,muß eine N.-F.־ Kommission bis zur Höchstzahl von fünf Mitgliedern gebildet werden. Sind in einem1 Orte mehrere zionistische Vereine vorhanden, 80 soll jeder Verein veranlaßt werden, ein VorstandsmilgUcd in die Kommission zu entsenden. 2. Jede N.-F.-Kormnisslon gliedert sich in folgende Ressorts: a) Vorsitz (der Vorsitzende muß dem Vorstand der Ortsgruppe angeboren), b) Kassenvcnvntturig, c) Sanimetniittel und Vertrieb der N.-F.- Literatur, d) Palästina-Referat. 3. Die Vcrtraucnsmäiiner-Konfcrcnz erklärt daß der vom Hauptbüro für 1920 aus Deutschland erwartete־ Betrag von rund vier Millionen Mark bei Ausnutzung aller vorhandenen Möglichkeiten aufgebracht werde« kann, und verpflichtet daher sämtliche N.-F.-Kommissare und Sammler, alle Kräfte für die Erreichung dieses Zieles cinzusetien. 4. Dazu ist erforderlich, daß jeder Ort den von der N.-ff.-Zentrale in Deutschland nach der Zahl der Zionisten und jüdischen Steuer/alücr crrechuetai Anteil aufbringt. 5. Die Vertraucnsmänner-Konfcrenz erachtet es für dringend notwendig׳, daß jeder organisierte Zionist und womöglich jeder an der Entwicklung Palästinas intcressierte Jude sich mit einem festen Jahres-Beitrag zum Landfonds besteuert, der auf mindestens 205 'Mark pro Jahr festgesetzt wird. 6. Als das volkstümlichste Sammelmitte! des N.-F. hat siel! die Sammelbüchse erwiesen. Es muß daher die Aufgabe jeder Ortskommission Und der Orts kennmissare sein, die Zahl der jetzt in Deutschland aufgestellten Büchsen noch in diesem Jahre um ein Vielfaches zu steigern und unbedingt darauf zu halte«, daß die Leerung mindestens zweimal im Jahr« restlos durchgeführt wird. 7. Die Konferenz der Vertrauensleute ersucht die Leitiiug des N. F., in Anbetracht der Entwertung de» Oeldes den Preis für eine Eintragung ins Ooldcoe Buch 11 Deutschland auf 600 Mark zu erhöhen. Die Lage In der russischen Provinz K. Z. B. Das Zentrum der jüdischen gesellschaftliche« Arbeit ist jetzt Hornel. Dort erscheinen die jüdische« Zeitungen, [fort ist auch der Sitz der Zentralkomitee« mehrerer jüdischer Parteien. Frültcr gal» cs auch eia reges gesellschaltlki 1 es Leben in Dwinsk und ia Orscha. Diese bcidc/1 Städte liegen jedoch dicht Bit der Front und bilden den Sammelplatz für die vielen Tausende jüdischer Flüchtlinge, unter denen eine furchtbare Not herrsch;. Noch schlimmer v :«<!<• di« Lage, als etwa im Monat Juli die Flüchtiingsziige wegen der Eisen bahnschwicrigkeitcn eingestellt wurden und viele Hunderte von Flüchtlingsfainilicn ihren traurige* Wanderweg zu Fuß zurücklegcn mußten. Die Vertreter der Jüdischem Hilfsorganisation (Ekopo) tun zwar ihr möglichstes, aber aus Mangel an Mitteln kann den Unglücklichen Hilfe in genügendem Maße nicht erwiese« werden. Auch diese Schwierigkeiten sind vornelunlich auf die Schikanen der ״Jüdischen Kommissare“ zurückzufüliren. Die meisten dieser Flüchtlinge, die in ihre Heimat Polen um! Litauen zurückkehren wollen, kommen aus clean Wolgagebiet, wohin sie die frühere Zarengewalt vertrieben hatte. Die Vertreter der ״Jüdisehen Hilfsorganisation“ in Saratow, Samara, Zarizyn, Simbirsk, Tambow usw. liattcn seiner Zeit alle Vorbcrcittmgcn für die Repatriierung der Flüchtlingsmasscn getroffen, konnten aber ihre Arbeit nicht zu Ende füliren, weil ihnen die unfähigen und unwissenden Jüdischen Kommissare aus Konkurrenzneid diese Arbeit ״abgenommen“ haben i!n Glauben, daß sie mit Hilfe der 'reichlich von der Regicrtuig zur Vertilgung gestellten Geldmittel die ganze Arbeit würde!» leisten können. Die Jüdischen Kommissare übersahen aber, daß für eine solche Arbeit ein großer und erprobter Organisationsapparat notwendig ist, wie ihn das ״Jüdische Hilfscomitü" in der Tat besitzt. Als Rettung üi der Not muß die hilfreiche Unterstützung der jüdischen Gemeinden bezeichnet werden, die den Unglückliehen Flüchtlingsmasscn Nahrung und Unterkunft gewährten. Glücklicherweise ist die Tätigkeit der ״Jüdi* selten Hilfsorganisation“ wenigstens ln den Gebieten des früheren Ansicdlungsrayons, so vor allem in Orscha und Dwinsk, noch nicht ganz eingestellt, so daß man doch auf eine baldige Lösung der Flüchtlingsfragc hoffen darf. Allerdings wird die Durchführung der ganzen Aktion ohne die tatkräftige Hilfe unserer Brüder im Auslande nicht möglich sein. Auch in der Provinz werden die zionistischen Arbeiten trotz aller Schwierigkeiten fortgeführt. Es ist charakteristisch für die Geschichte der zionistischen Organisation in Rußland, daß zum größten Teil dieselben zionistischen Vertrauensmänner, die in den Zeiten des Zarismus die Last der ganzen Arbeit auf ihren Schulfern trugen, auch heute noch die treuen Träger und Erhalter der Oiganisation sind. Die jüngeren Elemente sind zum TeH cingeaogen, zum Teil stehen sie im schweren Kampf mit den lokalen Sowj .־tbehörden, die die zionistischen Ortsgruppen als konterrevolutionäre ״Nester“ betrachten. Die älteren Vertrauensmänner haben in dieser schweren Zeit die zionistische Arbeit zuführen verstanden. fl

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