Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1915)
- Date
- 1915-04-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seile 125 in den Kolonien funktionieren, und der Unterricht geht normal vor sich. Herr Katz betont nochmals, daß die Lage in Galiläa verhältnismäßig gante gut sei. Verfolgungen kommen nicht vor, es wird ruhig und intensiv gearbeitet. Diejenigen, die dort Kinder oder Verwandte haben, können über deren Schicksal beruhigt sein. Hauptsache ist, sie mit Geldmitteln zu versehen. Das amerikanische Lebensmittelschiff Wir haben in der vorigen Nummer ausführlkh berichtet, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ihr Kohlenschiff ״Vulkan“ dem Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitee und dem Provisorischen Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten zur Verfügung g־estellt hat, um Lebensmittel für die jüdische Bevölkerung nach Palästina zu bringen. Der ״Vulkan“ ist, wie wir erfahren, am 13. März in Philadelphia ausgefahren. An Bord des Schiffes befinden sich mit der Vollmacht zur zweckentsprechenden Verteilung der Lebensmittel usw. die Repräsentanten der beiden Komitees, die Herren Louis H. Levine aus Baltimore und unser Gesinnungsgenosse Dr. S. L e v i n - E p - stein. Der Plan des Jüdischen Kongresses Die jüdischen Zeitungen Amerikas erörtern seit längerer Zeit den Plan der Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses, der die Forderungen des jüdischen Volkes an die Friedenskonferenz formulieren und die Schaffung einer legitimierten Repräsentanz vorbereiten soll. Für eine solche Aktion sprechen viele gewichtige Gründe, falls es wirklich zu einem Zusammen- Schluß der großen jüdischen Organisationen kommen sollte. Die Stellung der amerikanischen Juden zu diesem Plan ist trotz der energischen Sprache der jüdischen Presse noch nicht so entschieden geworden, daß sich die repräsentativen Organisationen des amerikanischen Judentums schon zu einer einheitlichen Haltung entschlossen ־ “h'ittWf.'׳ ־ ׳ ׳,Von •׳ - Bedeutung ist ein New Yorker סי״־■, in dem ein SOgliedriges Komitee gearab.sche bevu,״... J1s ffir Einbemfu״g. ei,nes jü. dischen Kongresses tätig sein soll. Die leitende Persönlichkeit des Komitees ist Herr Josef Barondes. Eine ähnliche Konferenz hat jüngst auch in Mailand stattgefunden. Die Mailänder Ver- Sammlung wurde von den bekannten jüdischen Politikern Herrn Luzzati, gewesenen italienisehen Finanzminister, und Herrn Ottolengi, früheren italienischen Kriegsminister, geleitet. Vom Jüdischen Nationalfonds Flaggentage. — Chol-HamoedPeßach. — Gelöbnisse (Nedari m). — Testamente und Versicherungen. Am letzten Purim wurde durch das Bureau des Jüdischen Nationalfonds für die Vereinigten Staaten ein Flaggentag organisiert, an dem sich 92 Städte beteiligten. Der Ertrag des Flaggentages bezifferte sich auf ca. 10 000 Dollar und ist für das Palästinawerk ein willkommener Beitrag. Dem Beispiele der Amerikaner werden demnächst andere Sarninelstellen des Nationalfonds folgen. Der Flaggentag hat die Popularität des Jüdischen Nationalfonds in Amerika sehr gesteigert, und die dortige Organisation trifft bereits Vorbereitungen für den am Schewuoth stattfindenden Blumentag. In allen Ländern sind in den letzten Wochen eifrig Maßnahmen ergriffen worden, um während der Halbfeiertage des Peßachfestes und kurz nach PeBach die Sammelbüchsen des Nationalfonds zu leeren. Das erscheint von besonderer Bedeutung, wenn man bedenkt, daß der Nationalfonds etwa 150 000 Sammelbüchsen in aller Welt besitzt. Ein aktuelles Flugblatt, das sich an die Frauen wendet, zeigt den Büchseninhabern, welch segensreiche Arbeit mit ihren Spenden bisher geleistet wurde und dürfte die Gebefreudigkeit erhöhen. Der vor einigen Monaten von begeisterten Mitarbeitern des Nationalfonds propagierten Anregung, die Angehörigen der Feldzugsteilnehmer möchten für die glückliche Heimkehr der Ihrigen aus dem Kriege eine Spende für den Nationalfonds geloben und (dem Hauptbureau durch dessen Sammelstellen davon Kenntnis geben, ist bereits in vielen Fällen entsprochen worden. Aus verschiedenen Ländern wurden über solche Nedarim Einzelheiten berichtet. ln der Presse ist bereits wiederholt von Vermächtnissen berichtet worden, die dem Nationalfonds von Kriegsteilnehmern bestimmt wurden und von dem jüdischen Idealismus unserer Vaterlandsverteidiger beredtes Zeugnis ablegen. Solche letztwillige Verfügungen zugunsten des Nationalfonds sind vielfach auch in der Form von Lebe ns versieh e r u n g e n getroffen worden. Ein zionistischer Brudergruss aus Ostpreussen nach Wien Unser Gesinnungsgenosse Oberingenieur Robert Stricker hat der Hilfsaktion für die galizischen Flüchtlinge, die von den österreichischen Zionisten organisiert ist, vierhundert Mark übermittelt, welche er aus Allenstein in Ostpreußen mit nachfolgendem Begleitschreiben erhalten hat: ״Sehr geehrter Herr Stricker! Ich übersende Ihnen 400 Mark zugunsten der Juden aus Galizien und der Bukowina. Diese Summe stellt eine von mir in unserer Gemeinde veranstaltete Sammlung dar. Wir haben selbst erfahren, was es heißt, die Heimat verlassen zu müssen und denken daher mit großem Schmerz an unsere unglücklichen Brüder, welche auch jetzt noch in der Fremde weilen und nur zu gut wissen, daß ihre wirtschaftliche Existenz vernichtet ist. Mit Zionsgruß Rechtsanwalt Wistinetzki.“ ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika. Auf einer Konferenz der Organisationen jüdischer Frauen, die in Chicago stattfand, hielten unter anderen Rednern Dr. Schmarja Levin und Frau Julius Rosen wald kurze Ansprachen. Frau Rosenwald erzählte von den Eindrücken, die sie während ihres Aufenthaltes iii Palästina gewonnen hatte. Sie sprach von der praktischen Verwirklichung des Zionismus und sagte, daß ihr jüdisches Gewissen durch die Reise durchs Heilige Land zu neuern Leben erweckt worden sei. Scholem Aleiche.m und Abraham Reisen sind dem ״Tag“ beigetreten, der jiddischen Tageszeitung, die seit November erscheint und von Hermann Bernstein, der als Journalist vveltbekannten Ruf genießt, herausgegeben wird. Eine Wochenausgabe der Zeitung wird in englischer Sprache gedruckt, und ist in Art der üblichen Sonntagsausgäbe der Zeitungen gehalten. Vor einiger Zeit zeigte ein Ucberblick ii b e r 71 i e Lage 3er Zionistischen Organisation von Louis Lipsky, daß der Zionismus die einzige internationale Organisation ist, welche der Krieg nicht zerstören konnte. Die verschiedenen Glieder der Organisation stehen miteinander i!1 Zusammenhang und es gibt keinerlei Reibung zwischen ihnen. Dänemark. Zum Zwecke der Schekelpropaganda wurde am 22. Marz von der Dänischen Zionistischen Landesorganisation eine Versammlung einberufen. Die Versammlung wurde von Herrn Nachemsohn eröffnet, den Vorsitz führte Herr Leo Motzkin. Zu Beginn hielt Dr. S. Bernstein eine Rede, in der er die organisatorische Bedeutung des Schekels mit hinreißenden Worten darlegte. Nach ihm nahm Herr Groß man n das Wort. Er wies darauf hin, daß selbst Gegner des Zionismus durch den Krieg dazu veranlaßt worden sind, ihre Ansichten über uen Zionismus einer Revision zu unterziehen und teilweise zu ändern. Auch seine Rede erntete stürmischen Beifall. Die darauffolgende Diskussion gestaltete sich äußerst angeregt. Einige gegnerische Bedenken verstand Herr Motzkin in überzeugender Weise zu zerstreuen. Mit dem Gesang der Hatikwah schloß die Versammlung, die zu einer grandiosen national jüdischen Demons t r a t i o n geworden ist. Aegypten. Ein großer Teil der von Palästina nach Aegypten ausgewanderten Juden, die das Land verlassen hatten, weil sie sich aus persönlichen Gründen nicht ottomanisieren konnten, versucht, den Aufenthalt in Aegypten unter der Leitung des Agronomen Oettinger zur weiteren Ausbildung in den landwirtschaftlichen Arbeiten zu benutzen, da sie natürlich die Absicht haben, im geeigneten Moment nach Palästina zurückzukehren. Eine ganz beträchtliche Zahl wird als Arbeiter auf Besitzungen beschäftigt, wo sie gewisse Arbeiten kennen lernen können, deren Kenntnis ihnen später nützlich sein wird, sobald sie nach Palästina zurückgelangen. Eine Gruppe von Arbeitern ist in den Baumschulen von Herrn Grün, einem jüdischen Eigentümer, beschäftigt. Eine andere Gruppe wird in dem Garten der Jüdischen Gemeinde Alexandria untergebracht werden. Andere werden bei den Akkordarbeiten in den Bewässerungsfeldern Arbeit erhalten. Argentinien. 111 Buenos A v res fand am 1415 ״. und 16, Februar die Landeskonferenz der Zionistischen Federation Argentiniens statt. Die argentinische Zionistenfederation hatte in den letzten Monaten vor Kriegsausbruch eine rege Tätigkeit entfaltet, da es dank der organisatorischen Begabung mul der Hingabe des Gesinnuugsgenossen Udo Moses gelungen war, die notwendige Reorganisierung der Federation anzubahneu. Sofort nach Kriegsausbruch schiffte sich Udo Moses, dieser den argentinischen Zionisten unvergeßliche, bis in seine letzte Fiber zionistisch fühlende Enthusiast, nach Deutschland ein, wo er in den ersten Wochen auf dem östlichen Schlachtfeld gefallen ist. Die argentinischen Zionisten mußten darum die neue Konferenz in tiefer Trauer ohne ihn veranstalten. Die Konferenz beschloß die Neuherausgabc der ״Jü־ dischen Hoffnung“. Die neugewälilte Leitung (Jacob Joselevich, Salomon Lieberschütz, N. Gesang'׳ wird zunächst für die innere Kräftigung der Organisation sorgen. Nachrichten Berlin. Unsere Gesinnungsgenossen, Stabsarzt Dr. J. Zwirn-Berlin (K. J.V.) und’ Dr. Emil W e i li - Birkenfeld erhielten das Eiserne Kreuz. Unser Gesinnungsgenosse Emanucl Roer-Berlin (K. J. V.) wurde zum Offizierstellvertretcr, unser Gesinnungsgenossc Franz Em. Auerbach (FI. C.) zum Vizefeldvvebel, unser Gesinnungsgenosse Max Elias- Mülllausen zürn Kavallerieleutnant befördert. Unsere Gesinnungsgenossen Willy Nußbaum- Cassel (K. J. V.), B e r 1 i n s k y ־ Mannheim und Marcel Levv sind gefallen. Wien. Die Gesinnungsgenossen Alfred Gärtner (Volksverein ״Zion“, Teplitz) und Robert Klemperer (Teplitz, Jordania-Prag) sind gefallen. Unserem Gesinnungsgenossen Oberarzt Dr. Emil Stein, A. H. der ״Unitas“, Obmann der Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds und Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich, wurde für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Fähnrich Dr. Jakow Kajon, A. H. der ״Esperanza“ in Wien, erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille. Fähnrich 111g. Miclm■' Schindler, k. 11, k, Fortifikationsbauleiter ii. jakobeny, A. h! der jüd.- akad. Verbindung ,,Kiuiimah“ und der ״Jordania“ in Wien, wurde in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Fei ׳nie mit dem goldenen Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Nach dem Tode wurde unser Gesinnungsgenosse Dr. Hugo Zuck ermann, der als Leutnant im L, Inf.-Reg. Nr. lt seinen Wunden erlegen ist, in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde durch Verleihung des Militärverdienstkreuzes dritter Klasse mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Hamburg. Die Zionistische Ortsgruppe für Hambürg und Altona veranstaltete zum Besten des Roten Halbmondes und der Hamburgischen Kriegshilfe einen Vortragsabend. Dr. Paul R o h r b a c h sprach über den türkischen Orient und die zionistische Bewegung. Leipzig. Der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe, Herr Georg Schreiber, feierte dieser Tage sein 25jähriges Geschäftsjubiläum bei der bekannten Kommissions-Buchhandlung Carl F. Fleischer. Herr Schreiber ist bei der Firma seinerzeit als Lehrling eingetreten und leitet jetzt die Abteilung der Anunef Verkäufe von buchhändlerischen Geschäften. Wir sprechen dem Jubilar auch an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Jassy. Sonntag, den 4. d. M., fand hier eine große Versammlung der rumänischen Zionisten statt in der folgende Herren das Wort ergriffen: Herr Rabbiner Dr. Meyer Thenen, Herr Schwarzfeld, Redakteur der ״Egalitäten“, Schächter und Scharaga. Berlin. Das Jüdische Mädchenstift, Lothringerstr. 16,׳ hat nach dem eben ausgegebenen Bericht das 25. Jahr seines Bestehens vollendet. Die von dem Vorsitzenden Prof. Dr. Strelitz und dem Ehrenmitglied Frau Julie.Ne u man n mitbegründete Anstalt hat von unscheinbarem Beginn sich zu segensreicher Wirksamkeit entwickelt. Sie hat über 200 ■unbemittelten Mädchen unentgeltlich Unterhalt und hauswirtschaftliche Ausbildung gewährt. Von diesen sind 144 dem Dienstbotenberuf zugeführt und 27 für zwei- und mehrjährigen treuen Dienst bei derselben Herrschaft durch eine Prämie von je 40 M. ausgezeichnet worden. Schluß des redaktionellen Teils. Jüdische Gemeinde, Berlin (Gottesdienst) Freitag, 16. April, abends: in allen Synagogen 71/4 Uhr. Sonnabend, 17. April, vormittags: in der Alten Synagoge 81/2 Uhr, in der Kaiserstr.- u. Rykestraßen-Synagoge 0 Uhr. ln den anderen Synagogen: Frühgottesdienst 7(2 Uhr, Hauptgottesdien st 10 Uhr. — Predigten: Syn-