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Jüdische Rundschau · 1915-04-09 · Heft 14-15 (9.4.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 14-15 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14,15 JUED1SCHB RUNDSCHAU Seite 115 wand €!1111,1־( vollständig auf gehört. Unter den Ausgewanderten befinden sieh leider viele jüdische Arbeiter aus den Kolonien, so allein aus Pethach Tikwah 200. Im groben und ganzen ist die Lage der jüdischen Arbeiter in den Kolonien zurzeit keine schlechte. Fast alle Arbeiter haben Beschäftigung, weil es in den gröberen jüdischen Kolonien an arabischen Arbeitern mangelt, die zum Militär einberufen sind. In der Erntezeit nach Pebacli wird sich die Lage weiter bessern. Auch durch die Not s t a n d s a r b e i - ten des J 11 d i s c 11 e n N a t i o n a I f o » d s haben eine ganze Reihe von Arbeitern Beschäftiguiig gefunden. In den Städten ist rnan bemüht, durch Ausführung von öffentlichen Arbeiten eine Erleichterung zu schaffen. In Jaffa muliten indessen die Stralleuarbeiten auf unseren Terrains am Meeresstrand infolge höherer Anordnung eingestellt werden. Dagegen arbeitet man in Haifa am Bau von Straben auf dem Kannelterrain der Iminobilieiigesellschaft, wo etwa 50 Arbeiter täglich Beschäftigung finden. In unseren Farmen geht alles seinen gewohnlichen (lang. Zwar leiden auch diese Betriebe unter der allgemeinen Krisis, aber man konnte überall die meisten im Wirtschaftsplan vorgesehenen Arbeiten aus führen. Man betreibt in diesem Jahre besonders den Anbau von Gemüsen. Aus Ben Schemen bringt man taglieb Milch und Käse nach Tel Awiw und verkauft auch Hübner und Eier nach Jaffa. Das Gemüse aus Daganja muß in Ermangelung einer guten Verbindung nach Haifa-Jerusalem nach Hamaskus geschickt werden. ln allen Schulen (mit Ausnahme der Jaffaer Mädchenschule) wird der Betrieb regelrecht durdigeführt. Die allgemeine Hilfsaktion Amerikas für die Gesamtbevölkerung Palästinas (Von unserem New Yorker Berichterstatter.) ln den letzten!Monaten haben der amerikanische Gesandte Herr Morgenthau und der Staatssekretär Br van uns wiederholt die Leiden geschildert, denen die Einwohner von Palästina, Syrien und den angrenzenden Gebieten durch das Eintreten des türkischen Reiches in den europäischen Krieg aitsgesetzt sind. Große Mengen Volkes sind dein äußersten Mangel ausgesetzt. AH dies enthüllt die Tatsache, daß das Kriegselend nicht auf die europäische Kriegszone beschränkt ist, sondern auch auf die asiatische Türkei, Palästina und Syrien sich ausdehnt. Die Berichte hierüber, welche nach Amerika durch die Bureaus des Botschafters Morgenthau und des State Departement übermittelt wurden, werden durch die Briefe an palästinensisch-syrische Bewohner Amerikas von ihren Verwandten bestätigt, ebenso durch die Berichte von christlichen Missionsanstalten und jüdischen Ansiedlungen in den Städten und Kolonien. Die Führer der christlichen Missionen, die dort arbeiten, und jüdische Gesellschaften in Amerika haben daher ein Komitee gebildet, um dem amerikanischen Volk diese große Not vor Augen zu führen, in der Hoffnung, daß seine Mildtätigkeit die Einwohner von Palästina und Syrien von drohendem Elend retten wird, unabhängig von Glauben und Rasse.־ Von allen Bevölkerungsschichten Amerikas wird Hilfe für das Volk im Heiligen Lande gefordert. Unter Mitwirkung dieses Komitees und der zionistischen Organisationen Amerikas hat es das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee, unterstützt von der Freigebigkeit eines Nathan Straus, unternommen, ein Schiff mit Lebensmitteln für Palästina und Syrien auszurüsten. Die Staatsregierung sowohl wie die kriegführenden Mächte haben diesem Schiff sichere Fahrt garantiert. Von den hierfür gespendeten Summen seien die folgenden genannt: Nathan Straus 50000 Dollar, das Provisorische Komitee für allgemeine zionistische Angele g e n - h eiten 25 000 Doll., das Amerikanisch- Jüdische Hilfskomitee 25 000 Doll,, Jacob M. Schiff 25 000 Doll. Die Notleidenden, die unterstützt werden sollen, sind Christen, Juden, Mohammedaner. Im N a in e n d e r all g e m e i n e 11 M ensc h - lichkeit wird das ganze amerikanische Volk um Hilfe für die Bewohner Palästinas, Syriens und der angrenzenden Gebiete gebeten, die durch den Krieg in unsagbares Elend geraten sind. Ein Bericht Dr. Schmarja Levins über freundliche Gesinnungen der türkischen Regierung gegenüber den Juden (Von unserem New Yorker Berichterstatter.) Dr, Schmarja Le v i 11, Mitglied des Engeren Actions-Comites der Zionistischen Organisation, berichtete der Federation der amerikanischen Zionisten über den Erhalt von Informationen aus absolut glaubwürdigen Quellen, daß, entgegen anderslautenden Gerüchten, das Eigentum der jüdischen Bevölkerung Palästinas nicht konfiszieit worden ist, und daß keine Exzesse irgendwelcher Art seitens der einheimischen Bevölkerung gegen sie stattgefunden haben. Die A n g 1 o P a 1 e s t i n e Bank, die wegen der Ausgabe registrierter Schecks geschlossen wurde, weil dies dem türkischen Gesetz zuwiderläuft, wird demnächst wieder e r öffnet werden. Die türkische Zentralregie r u n g hat die feindseligen Maßnahmen, welche die Lokalbehörden gegen einzelne Zionisten ergriffen hatten, rückgängig gemacht, da die Lokalbehörden dazu nicht autorisiert waren, und hat eine Untersuchung eingeleitet, um die Wiederholung solcher Vorkommnisse zu wiederholen. Auch hat die türkische Regierung einen Erlaß kundgemacht, daß selbst solchen Juden, die nicht ottomanische Untertanen gev orden sind, erlaubt sein soll, in Palästina zu bleiben. Die türkische Regierung ist nach wie vor, gemäß den von Dr. Levin zitierten Autoritäten, den Juden freundlich gesinnt Doch herrschen in Palästina trostlose wirtschaftliche Zustände. An N ahrungsmittein ist ein solcher Mangel, daß man selbst für Geld nichts bekommen kann. Tee, Kaffee, Reis, Mehl und andere Rohstoffe sind dringend erwünscht. Der erste Transport mit Lebensrnitteln, gespendet von amerikanischen Juden, wird von Philadelphia, wie schon gemeldet worden ist, mit dem Kohlendampfer ״Vulkan“ abgehen. Das neue amerikanische Ei n wanderungs-Gesetz Wie wir bereits mitgeteilt haben, hatte der Präsident der Vereinigten Staaten gegen das vom amerikanischen Repräsentantenhaus angenommene Gesetz Über die Beschränkung der Einwanderung sein Veto eingelegt. Infolgedessen mußte der Gesetzentwurf nochmals vom Repräsentantenhaus beraten werden. Er konnte durch das Veto des Präsidenten nur dann angenommen werden, wenn er das zweitemal eine 2־!״Majorität fand; das ist den Gegnern der Einwanderung nicht gelungen. Der Entwurf hat bei der Ab- Stimmung die erforderliche Majorität nicht erreicht. Allerdings fehlten ihm nur sehr wenige Stimmen, so daß immer wieder mit weiteren Beschränkungen der jüdischen Einwanderung nach Amerika gerechnet werden muß. Amerikanische Kriegsfürsorge Zu den vielen jüdischen Hilfskomitees, die sich in der letzten Zeit in den Vereinigten Staaten gebildet haben, ist ein neues in New York hinzugetreten. Unter dem Vorsitz des Herrn Dr. 1. A. Hurwitz ist ein Komitee gegründet worden, das die durch den Krieg in eine Notlage versetzten jüdischen Studenten in der Schweiz unterstützen will. Das Komitee hat bereits namhafte Beträge nach der Schweiz überwiesen. Die Verteilung der Gelder besorgt ein in der Schweiz zu diesem Zweck eingesetztes Korn itee. Das Elend in Polen Senator Neidhart, einer der Regicrtingskommissäre für die Hebung des Notstandes in Polen, hat eine jüdische Deputation empfangen, welcher er versprach, daß alle Schichten der Bevölkerung gleichmäßig bei der Verteilung der Hilfsmittel berücksichtigt werden sollen. Die Ereignisse in Polen scheinen in der Tat tiefen Eindruck auf ihn gemacht zu haben. Obgleich er vor dem Kriege den Ruf als Antise mit hatte, hielt er kürzlich in einer Yersammlung von Russen, Polen und Juden eine Anspräche an den Gouverneur von Ka!nentiz- Podolsk, den Notleidenden Polens ohne Unterschied des Glaubens beizusidien. Er ln - richtete der Versammlung, daß an vielen Orten ״n ח r n o e 11 S c h 0 r 11 s t e i 11 e von einstm a I s blüh e n d e 11 S i ü d t c h e!1 ii b r i g geb 1 i eb e 11 sei e n“. Augenzeugen der Verwüstung in Polen beschreiben gleichfalls, wie die vorher wohlhabenden Juden gänzlich verarmt sind, und daß der Handel der Juden auf den Verkauf von Schreibpapier und Früchten an die Soldaten beschränkt ist. Die Zahl der nach Warschau Geflüchteten vergrößert sich von Tag zu Tag, und die Mittel, die der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen, sind aufs äußerste beschränkt. Diese ungünstigen Verhältnisse sind in ganz Polen die gleichen, sowohl in Russischwie in O e s t e r r e i c h i s c 11 - P o 1 e 11 und in Galizien. v Der wohlbekannte Petersburger jüdische Advokat S 1 i 0 s b e r g , der stets für das jüdische Gemeinwohl arbeitet, organisierte ein Komitee, welches Gelder für die armen Juden in jenem Teil Galiziens sammeln soll, der jetzt unter russischer Herrschaft ist. Dieses Komitee soll, wie wir dem Jevish Exponent entnehmen, mit dem amerikanischen Komitee zusammen arbeiten. Notlage in Wilna Die große jüdische Gemeinde Wilna befindet sich in großen finanziellen Schwierigkeiten. Infolge der Notlage wird sei wenig Fleisch gegessen, daß die Korobka, die jüdische Fleischfaxe, nicht auf ihre Höhe kommt, trotzdem die jüdische Bevölkerung durch Tausende von Vertriebenen vermehrt worden ist, welche sich hier angesiedelt haben. Viele Familien aus den polnisciten und litauischen Provinzen sandten ihre weiblichen Mitglieder nach Wilna, um sie nicht den Insulten der Soldaten auszusetzen. In diesem Jahr fand sich nicht ein einziger Jude, um das sonst sehr begehrte Recht der Verwaltung der F 1 e i s c 111 a x e zu erwerben. Die städtische Behörde war daher gezwungen, die Leitung der Korobka einer Spezialkotnmission zu übertragen. Kürzlich fand eine wichtige Konferenz statt, bei der eine Anzahl Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde unter Führung von M, Brodsky anwesend waren. Die Konferenz besprach die Mittel und Wege, um Gelder für die Notleidenden zu erlangen und beschloß, Distriktskomitees in den wichtigsten Städten zu errichten. Hilfswerk für Palästina Der jüdische K o 1 o!1 i s a t i o n s v e r e 111 ״Es r a“ hat zur Eröffnung der Sammlung einen Beitrag von 10000 Mk. aus seinem Vermögen bewilligt. Der Verband Jüdischer Frauen f ür Kulturarbeit in Palästina, die Gesell- Schaft f ii r Palästina- Forschung und der Verein Bczalcl haben je 1000 Mk. zur Verfügung gestellt. Bei der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sind bereits über 1500 M. an Spenden einzelner Mitglieder eingelaufen. Zahlungen für das Hilfswerk in Palästina sind auf das Postscheekkont'O Berlin 4102 zu leisten. Das Inhaltsverzeichnis des Jahrganges ION ist erschienen und steht Interessenten auf Wunsch kotstenlos zur Verfügung. Verlag ״Jüdische Rundschau“, Berlin W. 15, Sächsische Sfr. 8.

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