Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1915)
- Date
- 1915-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r־ I I I Abonnements »uf die wöchentlich am Freitag «er- | scheinende ,,Jüdische Rundschau** | kosten bei der Expedition und l«si “ allen Postämtern vierteljährlich 1,50 N., außerhalb Deutschlands und Oesterreich-Ungarns M.; für Mitglieder jüdischer Vereine im Sammelbezug durch den Verein 1,— M. JUdisclie Rundschau, G. m. b. H. BERLIN W. 15, Sächsische Straße». Telephon: A.mt Uhland 8׳I5, 846, S68. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. 3UCDISCHC RUMDSCHAU Anzeigen kosten für die sechsgespaltene Petit- *eile oder deren Raum 40 Pf.; Stellen- Angebote und -Gesuche sowie Vereins- Mitteilungen und ״Kleine Anzeigen* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Manuskripte werden, wenn Porto beiliegt, stets zurückgesandt. Redaktumssdiluß: Mittwoch vormittag». Redaktion Jüdische Rundschau BERLIN W. 15, Sächsische Strafte 8. Telephon: Amt Ühland 845, $46, 868. Postscheckkonto : Berlin Nr. 17392. ALLG6M6IN6 3U€PIS€H€ Z€ITUN6 Nummer (4 15 Berlin, den 9. April 1915 — 25. Nissan 5675 XX. jaiiigjaiig. Der Zionismus erstrebt für «las jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm“ Das Hilfswerk für Palästina Neue Nachrichten aus Palästina zwingen uns, an alle, die ein fühlendes Herz für die Notlage unserer palästinensischen Brüder haben, heranzutreten, um der schlimmsten Not daselbst steuern zu können. Wenn Palästina auch bisher von den unmittelbaren Kriegsgreueln verschont geblieben ist, so leidet es doch unsagbar unter der vollständigen Isolierung. Gibt es doch nur wenige Länder, die so völlig auf der! Verkehr zur See angewiesen sind wie Palästina, dessen Hafenstädte Jaffa, Haifa und Gaza fast die gesamte Ein- und Ausfuhr des Landes vermittein; denn der einzige Schienenstrang, der Palästina mit dem oberen Serien verbindet, kommt auch in Friedenszeiten nur einem kleinen Teil des Landes zugute und dient jetzt aus- -di'.ießlicli den rückwärtigen Verbindungen des gegen den Suezkanal marschierenden türkischen Heeres, Die im Lande sonst um diese Jahreszeit vorhandenen Vorräte sind großenteils zur Ernährung des Militärs hcrangezogen. Da die Schiffahrt in der Levante durch die das Meer beherrschenden Dreiverbaiulsmächte fast völlig lahmgelegt ist, so war die Folge einerseits das Aufhören jeglicher Erwcrbsinöglichkeit für große Teile der Bevölkerung, insbesondere für diejeuigen, welche von dem Export der Produkte, wie Orangen, Wein, Mandeln usw. leben, andererseits aber ein stets zunehmender Mangel an den wichtigsten Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen. So fehlt es schon jetzt ganz an Reis, Bohnen, Zucker, Tee, Spiritus; Mehl und Erbsen sind nur schwer zu beschaffen; Kaffee ist außerordentlich teuer geworden. Trifft dies die gesamte Bevölkerung Palästinas, so leidet die jüdische dadurch besonders schwer, da sie ja großenteils auch sonst auf die Zuschüsse von außen angewiesen war, die teils in Form direkter Unterstützung, teils durch Unterhaltung gemeinnütziger Anstalten, Spitäler, Altersheime, Volksküchen und Schulen aller Art gewährt wurden. Selbst die jüdischen Kolonisten leiden mehr als die Araber, da sich die Juden vor allem mit dem Anbau der genannten Exportfrüchte befassen, währenld die Araber mehr Getreidebau treiben. Wenn bisher noch wenig Nachrichten über die Not in Palästina an die Oeffentlichkeit gedrungen sind, so liegt dies daran, daß der AUFRUF schriftliche Verkehr mit Palästina so gut wie ganz aufgehört hat. Audi hat die Not erst in der letzten Zeit einen wirklich bedrohlichen Charakter angenommen, da die schon früh einsetzende Hilfsaktion in Amerika in den ersten Monaten des Krieges die damals noch geringeren Bedürfnisse Palästinas einigermaßen zu befriedigen cermochte. Hat doch Amerika in den ersten sechs Kriegsmonnten über eine Million Mark nach Palästina gesandt. Dazu kamen nicht unbeträchtliche Summen, die aus den in Europa noch von früher her liegenden Beständen der Hilfsorganisationen nach Palästina abgeführt werden konnten. Jetzt aber sind diese Summen aufgebraucht, und Hunger und Elend stehen vor der Tür. Man hatte noch auf den Orangenverkauf gehofft, der allein den jüdiscli«r1 Kolonisten eine Einnahme von 1U. Million Francs gebracht haben würde; aber leider muß die Orangenernte jetzt infolge der Unmöglichkoit des Exports als total verloren angesehen werden, trotz der großen, leider aber vergeblich gebliebenen Anstrengungen, die man in Amerika gemacht hat, um die Erlaubnis zur Ausfuhr der Orangen sowie der Mandeln und des Weins zu erlangen. 111 Palästina selbst kann man nur sein־ kleine Mengen absetzen, und zwar zu so niedrigen Preisen man kauft in der! Städten für 10 Pfennig 125 der großen herrlichen Jaffa-Orangen daß dem Pflanzer überhaupt nichts davon verbleibt. Der Mangel an Zucker verbietet endlich die Verarbeitung der Orangen zu Marmelade. Durch diesen Schicksaisschlag verarmen die Bauern so vollständig, daß, wenn ihnen nicht geholfen wird, wenigstens den Lebensunterhalt, die Arbeitslöhne und das zur Bewässerung benötigte Petroleum zu beschaffen, die Pflanzungen vollständig verfallen werden. Damit würden Werte von 16 Millionen Mark, sowie eine zwanzigjährige Arbeit vernichtet werden. Aber auch abgesehen hiervon sind die An- Sprüche, welche die nächsten Monate an die Hilfsbereitschaft stellen, sehr bedeutende. Unsere Vertrauensmänner in Palästina haben festgestellt, daß ein Zuschuß von mindestens 200 000 Mark monatlich nötig sein wird, um der schlimmsten Not der jüdischen Bevölkerung zu steuern und die Betriebe aufrechtzuerhalten. Wir hoffen, daß das wirklich unermüdlich arbeitende Amerika auch fernerhin einen großen Teil der benötigten Summe aufbringen wird. Rüstet es doch sogar augenblicklich ein Schiff mit Nahrungsmitteln für Palästina aus, an dem sich die großen Philantropen Nathan Straus mit 50 000 Dollar und Jacob Schiff mit 25000 Dollar beteiligt haben. Das Allgemeine und das Zionistische Hilfskomitee in New York gaben ebenfalls ein jedes 25 000 Dollar. Rußland, das selbst so schwer heinigesuchte, wird Palästina wenigstens nicht: völlig im Stich lassen. Dennoch aber muß die Beschaffung eines beträchtlichen Teiles der genannten Summe auf uns deutsche Juden fallen, da ja Deutschland als Freund und Bundesgenosse der Türkei an erster Stelle zu dieser Hilfsaktion ־,erpfliebtet ist. Die Unterzeichneten, im Heiligen Lande arbeitenden Organisationen haben deshalb ein Komitee gebildet, dem Vertreter dieser sämtlichen Vereinigungen angeboren, und welches das Hilfswerk für Palästina in die Hand nehmen wird. Die gesammelten Gelder sollen, soweit sie nicht von den Spendern für besondere Zwecke bestimmt werden, an erster Stelle die direkte Not lindern, und zwar durch Verteilung von Nahrungsmitteln, durch Unter- Stützung und Bildung von Volks- oder Suppenkiiehen, oder durch Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. An zweiter Stelle stellt die Hergäbe von Darlehen an solche wirtschaftlichen Betriebe, die ohne Unterstützung zugrunde gehen würden oder die einer grollen Anzahl von Arbeitslosen Beschäftigung geben können. Dagegen soll die Forderung kultureller Zwecke, der Schulen, Kindergärten usw. wie bisher den einzelnen Vereinen überlassen bleiben. In Anbetracht der großen Wichtigkeit 1111serer Bestrebungen erwarten wir auch von jedem Freund der Palästinaarbeit einen möglichst hohen Beitrag, und zwar nach Möglichkeit einen soleben, der sich während der Kriegszeit monatlich wiederholt. Möge jede Spende reichen Segen bringen! t ieldsciidungcn und Zuschriften sind an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W, 15, Sächsische Stic S, Postscheckkonto Berlin Ilh'J, zu richten. B e z a 1 e 1 Esra Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Verein ־zur Unterstützung ackerbautreibender Hausindustrie in Palästina und Nachbarländern. Juden in Palästina und Serien. Gesellschaft f ii r P a lastinaforsc 111111 g. Jüdische Gesellschaft für sanitär e Interessen in P a 1 ä s t i n a. V e r b a 11 d j u d 1 s c 11 e r F r a u e n f ü r K 111 ■ t u r a r b e i t i 11 P a 1 ä s t i n a B r e s 1 a u e r P a 1 ä s t i n a k o m i t e e. V c r e i 11 z u 1־ F ö r d c r 11 n g j ii d i s c 11 e r A c k e r h a u k 0 1 o 11 i e n i n P a 1 ii s t i 11 a u n d Syrien, Köln. Zionistische V e 1־ c i n i g u 11 g f ü r I) e u t s c 111 a 11 d.