Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 7 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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LEIDWEG DER LIEBE. Von Up ton Sinclair. (Malik-Verlag 1930.) U.pton Sinclair gibt in diesem Buche ein Stück seiner eigenen Geschichte, sekies Werdeganges als Mensch und als Schriftsteller. Eine doppelte Proiblemrei'he wird aufgeworfen: das Schicksal des Dichters innerhalb der kapitalistischen Welt, sein Existenzkampf mit dieser Welt und die geistige Ueberwindung dieser Welt durch detti Sozialismus. Sinclair wählt für die Darstellung wiederum den Weg, den wir aus seinen früheren Werken (kennen: die Entwicklung eifries soziologischen Problems am Schicksal eines einzelnen Menschen. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit wird eine Fülle von Material aus dem Bereich des Literaturbetriebes des modernen Amerika gegeben. Die Abhängigkeit des Erfolges eines Buches davon, oh es der herrschenden Strömung der Zeit dient, oder ob es sich wegen seiner sozialistischen Erkenntnisse dazu in Widerspruch setzt, wird an dem quälenden Schicksal des jungen Dichters gezeigt. Dabei wird noch ein besonderer Prozeß geschildert, der die Vermutung nahelegt, daß Sinclair hier eifrien Teil seiner eigenen Lebensgeschichte geschrieben 'hat. Der junge Dichter vermag in einem bestimmten Augenblick seines Schaffens seine dichterischen Gesichte nicht eher darzustellen, als er über den Zusammenhang zwischen Kunst und Gesellschaft Klarheit enhalten hat. Der Kapitalismus bedeutet so eine dauernde Unterdrückung der dichterischem Persönlichkeit, einen Kampf, der entweder damit endet, daß der Dichter so schreibt, wie die herrschende Gesellschaft es will, oder daß er das Dichten einstellt und einen Beruf innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft sucht. In diesem Kampf, der eitti Kleinkrieg mit den fürchterlichsten Waffen ist, in dem gesellschaftliche Aechtung, Hunger, Kälte und Not zusammenwirken, um den Dichter zur Strecke zu bringen, findet die .bürgerliche Gesellschaft eiftie unfreiwillige Kampfgenossin iii Corydon, der Frau des Dichters. Auch sie ist entschlossen, den Kampf gegen die Gesellschaft zu führen, auch sie erträgt die Leiden der Aechtung und der Armut, aber sie leidet mehr darunter als Thyrsis; der junge Dichter. Der Wunsch, die Leide*n Corydons zu verringern, bringt Thyrsis dauernd in die Gefahr, den Kampf abzubrechen und die Waffen zu strecken. Von daher kommt das Buch zu einer Frage von menschheitlicher Bedeututog: die Gesellschaft, nimmt dem einzelnen Menschen die Freiheit, die Bindung an einen geliebtem Menschen, hebt ebenfalls seine Freiheit auf. Von verschiedenen Seiten kommend, zwingen die Gesellschaft u»nd die Liebe den Menschen zum Verzicht auf seine Freiheit, drängen ihn nach und nach auf jenem Weg, den Sinclair den Leidweg der Liebe nennt. Für Sinclair halten sowohl die Gesellschaft als auch die geliebte Frau für den Dichter eine Falle bereit, die ihn durch einen Lockköder anziehen soll, bis zur gänzlichen Gefangenschaft und zum Verzicht. Die Gefangenschaft durch die Liebe wird aber von dem Manne mit einem Teil seines Wesens selber gewollt. Sinclair ist »Ii lug und gütig genug, zu zeigen, wie diese Gefangenschaft durch die Liebe, die nicht durch einen vorsätzlichen Plan der Frau bewirkt wird, einer tiefen Lebemsnotwendigkeit des Mannes entspricht, gegen die der Freie immer wieder ankämpft, die ihn künstlerisch niederhält, ihn aber menschlich erhebt. Die Unterdrückung durch die bürgerliche Gesellschaft ist zeitliches Schicksal, der Freiheitsverlust durch Liebe ist ewiges Schicksal des Menschen. Quälend wie Not von Thyrsis und Corydon ist der Bericht über ihren Kampf Sinclair steigert diese Qual, auch für den Leser, indem er dem Bericht zu einer nicht leicht zu bewältigenden Breite anschwellen läßt. g. i. DRUCK 240 JUL. KITTLS NACHFOLGER KELLER &. Co., M.-OSTRAU