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Der junge Jude · 1930-12-01 · Heft 7 (Dezember 1930) · page 23

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 7 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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da der Weg zu „objektiver" Erkenntnis gefunden, wie auch nur eine objektive Einführung in die Grrmdprobleme unserer Wissenschaft gegeben werden können? Nur eine beschränktere Aufgabe kann gelöst und soll an dieser Stelle in Angriff genommen werden: eine Uebersicht über die miteinander ringenden Wirtschaftstheorien zu geben. Dabei ergeben sich drei weitere Beschränkungen aus der Natur der Aufgabe. Erstens kann es sich nicht darum handeln, die Auffassungen aller Wirtschaftstheoretiker über alle Probleme des Wirtschaftslebens darzustellen; die Uebersicht soll sich vielmehr auf den Meinungstreit über die grundlegenden ökonomischen Erscheinungen (Wert — Mehrwert, Dynamik des Wirtschaftsprczesses) beschränken. Zweitens soll der leitende Gesichtspunkt dieser Einführung kein dogmengeschichtlicher sein, sondern es sollen nur jene Theorien erwähnt werden, die heute noch im Streit der Meinungen lebendig und richtunggebend sind. Eine weitere Einengung der Aufgabe ergibt sich drittens aus der Beschränkung auf jene Theorien,, die in der Auseinandersetzung zwischen Kapitalismus und Sozialismus die eine oder die andere Partei ergreifen. Daher kann Theoretikern, die einen von keiner der beiden Klassen betreAbarten Seitenweg einschlagen, wie dem Eomantiker Spann oder dem Katholiken Pesch, in diesem Bahme-n keine Beachtung geschenkt werden. Der wichtigste Streitpunkt der Wirtschaftstheorie ist seit einem halben Jahrhundert die Werttheorie. In ihrem Zentrum steht die Frage: Was bestimmt den Wert eines wirtschaftlichen Gutes ihre Kosten oder ihr Nutzen? Die Werttheorien, die von den Kosten ausgehen, werden als objektive, oder besser gesellschaftliche, oder Kosten Werttheorien bezeichnet, die vom Nutzen ausgehenden als subjektive Werttheorien. Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts beherrschten die Kostentheorien unbestritten das Feld und unter ihnen erkämpfte sich sehr bald die Arbeitswerttheorie den ersten Bang. Ihre ersten Ansätze lassen sieh bis zum großen Klassiker der Wirtschaftswissenschaft, Adam Smith zurüokverfolgen dessen Werk , Inquiry iuto the natnire and the causes of the wealth of nations" (eine gute deutsche Volksausgabe erschien unter dem Titel „Der Beiehtum der Nationen" nach der Uebersetzung von Max Stirner im Verlag Alfred Kröner, Leipzig) auch heute noch für das Studium unserer Wissenschaft grundlegend ist. Ja, man tut unserem großen Meister Karl Marx gewiß nicht unrecht, wenn man rückschauend feststellt: die Arbeitswerttheorie wurde vom der klassischen Schule geschaffen, deren Krönung, deren vollendetsten durchgebildetsten Ausdruck das ökonomische Lebenswerk von Karl Marx darstellt3). Marx ist als ökonomischer Theoretiker ohne die englischen Klassiker nicht denkbar; ihr Werk aber wäre ohne Marx ein Torso geblieben. Wollen wir daher die Entstehung und Durchbildung der Arbeitswerttheorie völlig verstehen, dann müssen wir folgenden Weg beschreiten: von Adam Smith, der als erster den Gedanken aussprach» daß die Arbeit die einzige wertschaffende Kraft sei, aber ihn noch roh, undifferenziert formte und mit andern werttheoretischen Gesichtspunkten vermischte, zunächst zu David Bicardo, dem eigent- 3) Von großer Bedeutung für die Frage, wie Marx selbst diesen Zusammenhans: beurteilte, und daneben von dogmenhistorischer Bedeutung, sind Marx' ,.Theorien über den Mehrwert41, herausgegeben »von Karl Kautsky in drei Bänden bei J. H. W. Dietz Nachf. 229

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