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Der junge Jude · 1930-07-01 · Heft 4 (Juli 1930) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 4 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jugend, die sieh mit ehrlicher Beharrlichkeit ihre Stellung in der Umwelt, im Chaos der sie umgebenden Erscheinungen sucht. So ifcam man aus der umfassenden Neutralität zur jüdischen Volksgemeinschaft, so von da weiter zur Chaluziuth und Bindung an die jüdische Arbeiterschaft Palästinas. Vom einem unbedingten Willen zum Ernst-machen waren alle Entscheidungen getragen, von tiefgehender Abneigung gegenüber Deklarationen, die nicht ins Leben übersetzt wurden. Schon die „Frankenberger Formel" von 1922 beschränkte sieh nicht auf das Beikenntnis zur Volksgemeinschaft, auch sie stellte schon Forderungen derVerwirklichung auf, suchte schon den Punkt zu finden, am dem für jeden Einzelnen und für die Gesamtheit das Bekenntnis zur schöpferischen Tat werden ikann. Freilich war es noch wenig, gemessen an dem uns -beiherrschenden Willen zur Ganzheit, was uns Frankenberg zu verwirklichen gab. Die Jungen im Bunde konnten sich nicht damit begnügen, daß man ihnen und dem Bund für ihre Volksgemeinschaft zu arbeiten überließ, da, wo sie ihren Platz fühlten. Schon die Formel von Frankenberg hatte ja deutlieh genug Palästina als die primäre Stätte der jüdischen Tat genannt. Aus der inneren Zentripetalkraft, die den Bund bei seinen Entscheidungen stets auszeichnete, mußte auch die Entscheidung für Palästina in einem bundesgültigen Sinne wachsen. Und es war dann keine Entscheidung prinzipieller Natur mehr, zur Chaluzinth zu kommen. Vielmehr war das Bekenntnis zu Palästina als der Stätte der Verwirklichung zugleich das Bekenntnis zur unmittelbaren Verwirklichung im Lande. -Sicherlich wurden all diese Entscheidungen nicht leicht gefällt. In diesen Blättern wird davon beridhtet, über welche Zweifel und Kämpfe, Spaltungen und Verluste an wertvollen Menschen hinweg man zu Iklaren Weglosungen kam. Daß aber trotz all dieser Widerstände der Zugang zur unmittelbaren menschlichen und jüdischen Tat gefunden wurde, zeugt von der unbeirrbaren Tendenz des Bundes, zum Zentrum der Verwirklichung vorzustoßen. Diese Tendenz auch war es im Grunde, die den Bund zum Sozialismus brachte und seine Stellung innerhalb des Sozialismus bestimmte. Die politischen Auffassungen im Bunde waren ungeheuer verschieden. Trotz einer bewußt ehrlichen Bejahung der „Frankenberger Formel", die übrigens, wenn man werten will, eine durchaus kulturzionistisehe Konzeption enthält, gab es Menschen im Bunde, die der K. P. D. und ihrer Ideologie nahestanden. Die Intensität der Bundesgemeinschaft ließ über solche Tatsachen hinwegsehen. Das Bekenntnis zur palästinensischen Arbeiterschaft und die Arbeit unserer Menschen in den Arbeitergemeinsehaften des Landes bestimmte auch zu einem wesentlichen Teil den Sozialismus des Bundes. Allmählich machte es sich im Bunde bemerkbar, daß die Entscheidung zur palästinensischen Arbeiterschaft auch eine politische Entscheidung innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung war. Nicht zuletzt lehrte sie uns den Wert der Einheit der Arbeiterlklasse schätzen. Der Bund hatte sich immer an Palästina orientiert. So wird es klar, von welchem Einfluß seine wachsende Bindung zur Arbeiterschaft, die mit der Alijah des Kibuz Oheruth in eine neue Phase trat, auf den Bund und seine Entwicklung sein muß. Der Wille zur Ganzheit, der bei den großen Entscheidungen des Bundes bestimmend war, zeigte sich auch im Schicksal unserer Menschen in Palästina. So wie der Bund zum Zionismus und zur pa- 114

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