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Der junge Jude · 1929-11-01 · Heft 4-5 (November 1929) · page 15

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 4-5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Die Führer des bürgerlichen Zionismus 'haben das Gebot der Zeit verstanden. Es war ihnen sicher nicht leicht, die alten traditionellen Formen der zionistischen Organisation zu lockern; sich in die unerprobten Schranken der Agency zu begeben. Die Wandlung war wohl; für die Besten irgendwie schmerzlich. Manches wurde da zum Opfer gebracht Es war im gewissen Sinne ein Sprung ins Ungewisse. Die Gründung der Agency ist nur ein Teilausdruck der Anpassung der zionistischen Bewegung an breitere Schichten und größeres Werk. Auch wir werden uns diesen schmerzlichen Vorgang nicht ersparen können. Eine Alijah von 15.000 Menschen jährlich ist etwas ganz anderes als eine von 2400. Sie fordert Fühlungnahme mit neuen Schiebten, sie fordert eine Wandlung der Erziehungs- und Haehscharahmethoden. Sie drängt zu einem ganz anderen Zielbewußtsein in der ■m onistisch-sozialistischen Jugendarbeit. Die Jugendbünde und die Kibbuzim, die die deutsche Chaluzduth in den letzten Jahren geschaffen hat, waren oft gut gemeint und erlebnisreich. Aber „Euhe" wird uns nicht gegeben werden, wenn wir der Wirklichkeit Palästinas Dienste leisten wollen. Die •Formen der Bewegung sind kein Selbstzweck. Sie müssen sich den Ausdehnungsstufen des sozialistischen Zionismus anpassen. Wenn wir bewußt der Strömung der Zeit entgegenkommen werden, wird uns das neue Leben bereichern. Wer sich weigern wird — wird abseits der lebendigen Verwirklichung bleiben und allmählich zusammenbrechen. Wir kennen aus der zionistischen Vergangenheit Deutschlands solche scheinbar unerwarteten Zusammenbrüche. Sicher ist die Erweiterung der Chaluz- und Alijahbeweguug ohne Mitwirkung der Arbeiterschaft Palästinas unmöglich. Die letzte Verantwortung für eine vervielfachte Alijah trägt die Histadruth. Sie wird sich wie einst, am Anfang der 3. Alijah, in allen ihren Zellen zur Verfügung der neuen Einwanderung ©teilen müssen. Nur durch die konzentrierte Aufnahme und anpassende Kraft der Arbeiterschaft wird das Einleben einer im gewissen Sinne weniger vorbereiteten Alijah möglich. Das Gelingen oder Niehtgelingen der neuen Alijah hängt letzten Endes von Palästina ab. Das Gefühl der Gefahr und der Verantwortung wird die nötigen Mächte erwecken. Die Mitarbeit der palästinensischen Arbeiterschaft an der Erweiterung der Chaluz- und Alijahbewegung wird sich aber damit nicht begnügen können. Wir können nicht solange warten, bis die sozialistisch-zionistische Bewegung in der Diasporah sich von innen heraus zur zielbewußten Keife entwickeln wird. Jahrelang hat sie ihre •besten Kräfte nach Palästina geschickt. Ohne die lebendige Menßchenhilfe Palästinas würde die Bewegung der Diasporah, insbesondere die deutsche, sich aus ihrer ewigen Kinderstube nicht erlösen können. Eine größere und zielbewußtere Bewegung heißt heute notwendigerweise eine palästinensische Führung für sie. 109

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