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Der junge Jude · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Die soziale Abstammung der jüdischen Arbeiterklasse in Palästina ist verschieden von der Abstammung der europäischen Arbeiterschaft; sie ging nicht aus den Eeihen des besitzlosen Bauerntums hervor, nicht aus dem städtischen Handwerkermilieu. Die jüdischen Arbeiter in Palästina gingen aus der Schicht der pauperisierten jüdischen Kleinstädter hervor, die körperlich nicht gearbeitet haben und die von der Arbeit in freier Natur sehr weit entfernt sind. Und diese soziale Abstammung hat die Ideologie der palästinensischen Arbeiterschaft wesentlich beeinflußt, die Ideologie der landwirtschaftlichen Tätigkeit und der physischen Arbeit. Die Bedingungen des Produktivierungsprozeßes bestimmten den Charakter und das Alter unserer Arbeiterbewegung: Eine Bewegung der Jugend, die den Charakter der Jugendbewegung hat und eine Jugend-Sphaere schafft, mit Tanz und Gesang und der Eomantik persönlichen Heldentums und ehrlichem Yerwirklichens der Ideale. Und hieraus ging die Bewegung hervor, in deren Mittelpunkt die kollektive Lebensform und kameradschaftlicher Geist steht, die keine Distanz zwischen Geistigem und Physischen kennt. Die zweite Bedingung, welche die Bewegung geschaffen hat, war die wirtschaftliche Lage Palästinas, eines Landes, das erst gebaut werden muß und keine Masseneinwanderung aufnehmen kann, sondern Pionier- Kolonisation benötigt. Es galt nicht neue Menschen in eine bestehende Wirtschaft einzugliedern, sondern erst ökonomische Möglichkeiten für die Gründung neuer Wirtschaften zu schaffen. Und dies mußte zu einer Entfaltung der wirtschaftlichen Initiative führen. Die Bewegung wurde zu einer kolonisatorischen Bewegung, deren Träger Pioniere auf allen Lebensgebieten waren. J. Gosel. UEBERWINDUNG DER KRISE. Die sogenannte Krise der vierten Alijah begann mitten im Jahre 1926. Im Laufe von wenigen Monaten stieg die Zahl der Arbeitslosen von einigen Hundert auf 7000 Arbeitslose in der Stadt und 1000 in den Kolonien an. (Januar 1927). Gegenwärtig befinden sich im Lande bloß 1200 Arbeitslose Es entsteht nun die Frage, von welchen Wirtschaftszweigen der Best von 5 800 Arbeitslosen absorbiert wurde. Die primitivste Antwort lautet gewöhnlich: Sie sind ausgewandert. Doch die Ziffern der Ein- und Auswanderung belehren uns eires Besseren. Im Jahre 1926 wanderten 14 646 Juden nach Palästina ein und 7364 aus, sodaß sich ein Ueberschuß von 7284 Einwanderern ergibt. Im Jahre 1927 wanderten 3540 Juden ein und 5070 aus. Die Auswanderung überwog also die Einwanderung um 1620 Personen. Im Jahre 1928 wanderten 1991 Juden ein und 2169 aus, sodaß die Auswanderung um 78 Personen die Einwanderung überwog. Fassen wir die Ein- und Auswanderungszahlen von 1926 bis 1928 zusammen, so werden wir feststellen, daß die Einwanderung 7181 Mann mehr betrug als die Auswanderung, und nehmen wir auch an, daß die Hauptlast der Krise erst zu Beginn des Jahres 1927 zu spüren war, so können wir konstatieren, daß in den Jahren 1927 und 1928 die Auswanderung nur 1698 Mann mehr als die Einwanderung betrug. Wie traurig diese Zahlen auch sein mögen, sie zeigen doch, wie übertriehen die Behauptungen unserer jüdischen und nicht jüdischen Gegner waren, als habe die Krise alles weggespült und zerstört, was durch die dritte und vierte Alijah aufgebaut wurde, und als habe sich unsere Zahl im Lande um viele Tausende verringert. Bei dieser Gelegenheit ist auch die natürliche Vermehrung der palästinen- 59

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