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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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Zeit Sabbatai Zewi, in dem der Leser dann den Profeten und sein Wirkern? aus dem historischen Hintergrund verstehen lernt- Und eben dies ist die Stärke des Buches: Die Rekonstruktion jener vejklungenen Epoche mit ihrem unsäglichen Leid, mit dem Fanatismus ihres Glaubens und ihrer ekstatischen Sehnsucht nach dem Messias- In dieser so überzeugend dargestellten Welt steht Sabbatai, wie sehr er sich auch über seine Umgebung erhebt — ganz Kind seiner Zeit. — Das ist das Verdienst Kasteins und seines Buches, unserer Generation noch einmal und doch von Neuem den Weg zu Sabbatai Zewi und seiner Zeit gewiesen zu haben. 0. Pietro Nenni, Todeskampf der Freiheit. (Verlag I. H. W. Dietz, Berlin-) Der Todeskampf der Freiheit ist der vergebliche Kampf, den die italienischen Sozialisten gegen den Faschismus geführt haben- Es ist der authentische Bericht eines Mitkämpfers, der alle Einzelheiten der italienischen Tragödie darstellt. Wenn wir heute dieses Buch lesen, so spüren wir auf jeder Seite die Aehnlichkeit unserer Situation hier als Sozialisten in Deutschland mit der Lage des italienischen Sozialismus vor dem Sieg des faschistischen Regimes. Die Parallelität der Ereignisse geht so weit, daß man versucht ist, bestimmte Namen und Vorkommnisse innerhalb der italienischen Welt durch Namen und Begebenheiten innerhalb der deutschen Politik zu ersetzen. Es ist fast, als ob man eine Prophezeiung liest, eine Prophezeiung des eigenen Untergangs. Ein Unterschied fällt auf: Hitler ist nicht Mussolini. Der Unterschied der moralischen Qualitäten der beiden Führer ist aber nicht groß. Es wird gezeigt, wie zur politischen Methode des Faschismus Mord und Meuchelmord gehört. Die italienischen Sozialisten sind auch nicht so wie die deutsche Sozialdemokratie, die immer wieder hoffe, durch ein Gewährenlassen die Gefahr zu überwinden. Gerade Nenni zeigt uns, wie verantwortungsvoll die Aufgabe einer sozialistischen Bewegung gegenüber dem Faschismus ist, daß Kompfentschlossenheit allein, Radikalität der Gesinnung noch keine ausreichende Garantie gegen den Faschismus ist. Aber auch das zaudernde Schwanken der deutschen sozialdemokratischen Bewegung? das langsame Zurückweichen vor dem vorandringenden Faschismus, die Hoffnung ihn durch eine Erholung der kapitalistischen Wirtschaft zu überwinden, scheinen uns nicht als die rechte Methode zu seiner Bekämpfung. Jeder, der die Gefahr voll erkennen will, in der wir stehen, muß dieses Buch lesen. G. L. Dr* Michael Traub: Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Kriege. (Jüdischer Verlag, Berlin.) Die Versuche, die Lage des jüdischen Volkes in ihrer Tatsächlichkeit zu erfassen, werden gerade in unserer Zeit in immer größerem Umfange unternommen. Diesen Versuchen dient auch die hier angekündigte Schrift von Traub, die die Lage des Volkes von einem bestimmten Gesichtspunkte aus, nämlich dem der Wanderbewegung darzustellen sucht- In dem programmatischen Vorwort seines Buches zeigt Traub die überragende Bedeutung der Wanderung im Leben des jüdischen Volkes auf. Dieses Vorwort ist gerade für uns besonders lesenswert, weil es die Anwendung von Grunderkenntnissen des zionistischen Sozialismus, insbesondere des Poale-Zionismus auf ein jüdisches Spezialproblem bedeutet. Die großen tabellarischen Uebersichteni, die fast alles erreichbare Material über die jüdische Wanderung benutzen, vermitteln eine Reihe von wichtigen Erkenntnissen über Wirtschaftslage, Bildungsgrad, Berufsverteilung unter den Juden. Zum Teil fallen bei diesen Zahlen bestimmte Fehlerquellen auf: So sind die Angaben, die die jüdischen Einwanderer über ihren Beruf machen, sicher nicht immer der Wirklichkeit entsprechend, weil ja gerade der jüdische Einwanderer, darauf weist auch Traub hin, die Verbindung mit seinem Beruf nicht immer so fest und so endgültig auf- 46

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