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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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Diese Abgrenzung, die wir dem allgemeinen Pazifismus gegenüber ziehen müssen, wird auch wirksam werden bei der Kritik von Büchern, die im Geiste jenes allgemeinen Pazifismus, der eben die Gewalt, wo er sie trifft, zu analysieren und zu bekämpfen sucht, geschrieben sind. Innerhalb dieser Einschränkung aber, die wir als Sozialisten machen müssen, hat Otto Lehmann-Hußbuldt ganze Arbeit geleistet. Das mit «furchtbarer Exaktheit arbeitende System der internationalen Rüstungsindustrie, von deren Arbeit viele nichts, wenige Einzelnes wissen, liegt nach der Lektüre unseres Buches in allen Maschen seines blutigen Netzes dem Leser ofifen. Wir haben Kriegsbücher erlebt, aufwühlend und zerreißend, anklagend und niederschmetternd, — dieses da spricht seine eigene Sprache: Statistik und geheimer Briefwechsel, Pressenotiz und geheimer Heeresbefehl, Zahlen und wieder Zahlen — sie sprechen zu uns, wenn wir nur hören können, nicht schwächer als ein Barbusse oder Remarque. Eine Unmenge an Material birgt dieses Büchlein auch gerade für den Kampf des Sozialisten gegen diese übelste Frucht am Baume des Kapitalismus, die Rüstungsindustrie. Wo bleibt alles Gerede von der nationalen Bedeutung dieses Zweiges, seiner Unentbehrlichkeit für die Sicherheit der Nation, wenn die nüchterne Tatsache vermeldet wird, daß man 1866 wie 1914/18 auf beiden -Seiten des Kriegsschauplatzes mit Kruppschen Geschützen schoß, daß in den Dardanellenkämpfen 1915 englische Minen ein englisches Kriegsschiff versenken? In eindringlicher Klarheit zeigt Lehmann-Rußbuldt, wie der Ring der internationalen Rüstungsindustrien sich immer fester zusammenschließt, wie auch die nur indirekt Kriegsmaterial erzeugenden Werke Glieder jener großen Prafitmaschine werden, die am unbarmherzigsten gerade diejenigen verschlingt, die sie bedienen. Vor Jahrzehnten schon wirksam, während des Weltkrieges erschreckend angewachsen, befindet sich heute schon die 'Rüstungsindustrie in einer internationalen^ Verflechtung, die sie »gerüstet« den kommenden Weltgeschehnissen entgegenblicken läßt. Es ist ein furchtbar deutlicher Beweis für die letzte Etappe der kapitalistisch-imperialistischen Entwicklung, zu sehen, wie sich hier ein gewaltiger Konzern bildet, der — wahrhaft international — über die Landesgrenzen hinweg mit dem Gelde der (Nation die Waffen gegen den '»Landesfeind« oder die Landesbrüder — wie gerade das geheiligte Interesse des Profite es gebietet — schmiedet. Es liegt nicht in der Aufgabe dieser Zeilen, auch nur stellenweise den Inhalt des Buches von Lehmann-Rußbuldt wiederzugeben. Sie haben nur den Sinn, hinzuweisen, nachdrücklichst hinzuweisen auf dieses dünne Büchlein, das ein überaus bedeutendes Instrument ist gegen die Diktatur des Waffenkapi-. tals. Dem Glauben des Verfassers allerdings, daß von diesem Buche aus irgendwie prinzipielle Abhilfe geschafft werden könne, können wir nicht folgen. Was uns Sozialisten von Lehmann-Rußbuldt trennt — ohne ums zu hindern, für sein mutiges Buch einzutreten —, hat der verstorbene Sozialistenführer Paul Levi einmal ausgesprochen: wDie Pazifisten sehen im Kriege das Produkt der menschlichen Unvernunft, wir sehen in ihm das Produkt von Gegensätzen der herrschenden Klasse. Die Pazifisten glauben, den Krieg beseitigen zu können durch Aufklärung, durch Hinweis auf die Unsinnigkeit und den Schrecken aller Kriege, wir sehen das Ende der Kriege in der Aufhebung der Gegensätze, die sie schufen, in der Aufhebung des Ausbeutungsverhältnisses der Proletarier durch die Kapitalisten und damit der Gegensätze zwischen den Kapitalisten der verschiedenen Länder.« W. 0. Lest Jack London 112

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