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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 33

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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BUCH BESPRECHUNG Otto Lehmann-Rußbuldt: Die blutige Internationale der Rüstungsindustrie. (Fackelreiter-Verlag.) Sich mit diesem Buche zu beschäftigen, bedeutet für uns auch, unsere Stellung zum Pazifismus überhaupt zu überprüfen. Sind wir eigentlich Pazifister im Wortsinne sind wir gegen Gewalt um jeden Preis und bekämpfen wir <sie, wo immer und unter welchen Zielsetzungen immer sie auftritt? In der Frage liegt die Antwort schon begriffen. Wir werden uns nicht als Gegner der Gewalt schlechthin bekennen, solange wenigstens, als die Gewalt als Realitätsfaktor in ihrem Einfluß auf das staatliche und gesellschaftliche Leben nicht auszuschalten ist. Wir werden uns zunächst nur gegen die Gewalt zu wenden haben, deren Zielsetzungen wir von unserer sozialistischen Auffassung aus nicht gelten lassen, als deren Inhalt wir die Profitsucht des Kapitalismus erkannt haben. Gerade für den Menschen, der mit innerster Intensität oiaoh einer Erneuerung des Lebens dn all seinen Formen strebt, wird es nicht leicht sein, auch für den letzten Kampf um den Aufbruch einer neuen Gesellschaft und Welt aus der Tiefe der bröckelnden, alten Ordnung jenes höllische Instrument des Bestehenden, die Gewalt, sich zu eigen zu machen. Und doch steht die Frage für den entschiedenen Sozialisten heute nicht leichter, wenn es zum Pazifismus Stellung zu nehmen gilt, als: »»Bist du Gegner der Gewalt in jeder Form« oder »willst du Sozialismus verwirklichen, auch unter Anwendung jener bekämpften Gewalt«. Darüber hinaus aber erleichtert uns die sozialistische Erkenntnis den Ausweg aus dem Dilemma, indem sie uns bewußt werden läßt, daß Kampf gegen Gewalt allein keine Haltung ist, die den Grundanschauungen des Sozialismus gerecht wird, daß vielmehr auch unsere Stellung zur Gewalt abhängig gemacht werden muß von dem Platz, den sie innerhalb dies kaipitalistisahen Machtsystems hat. So kommen wir zu der Erkenntnis, daß unser — sozialistisch-revolutionärer — Pazifismus nur bedeuten kann, Kampf wider die Gewalt als Ausdruck jener Ordnung, die wir ändern wollen. Die Schärfe und der Umfang unseres Kampfes wird bestimmt werden durch die Bedeutung der Gewalt für die Klassenherrschaft, die natürlich wiederum der Entwicklung des bestehenden Systems unterworfen ist. So wie wir heute das allgemeine und gleiche Wahlrecht — welches Lassalle noch als die Hauptforderung der von ihm ins Leben gerufenen deutschen Arbeiterbewegung erklärte — keineswegs auch im ^»demokratischen« Staate als Garant einer ihrer Stärke entsprechenden, wirksamen Vertretung der Arbeiterschaft in der Staatsleitung ansehen können, so ist es durchaus auch möglich, daß der Weltkapitalismus neue Garantien seiner Macht findet, die etwa stehendes Heer und Kriegsflotte in ihrer Bedeutung für die Bourgeoisie, somit aber auch für den Sozialismus als Kampfob-jekt zurücktreten lassen. — So wird deutlich, daß unser Kampf gegen die Gewalt abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten des Klassenkampfes geführt werden muß. Ebenso wird auch unsere Haltung in der Praxis zur Arbeit der Pazifisten eine von Schritt zu Schritt abzugrenzende und neu zu bestimmende sein. Wenn wir uns z. B. an einer Aktion gegen die Kriegsdienstpflicht der Jugend beteiligen können, werden wir uns doch auf der anderen Seite nicht nur skeptisch, sondern ablehnend verhalten müssen zu einer Erziehung der Jugend im Geiste des bürgerlichen Friedens. Weil der Frieden, zu dem wir „ja" sagen, sicherlich ein anderer ais der des Pazifisten aus dem bürgerlichen Lager ist, weil in unserer Erziehumg das Moment «des Kamrpfes und Gegensatzes zum Bürger nich't fehlen kann. in

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