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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 22

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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lung abwerfen wird, bestimmt aber nicht ohne den Willen, sich von ihnen loszulösen. Summiert: Der Flührer, der zur Chaluziuth erzieht, muß sich klar sein, daß in dieser Epoche — nicht etwa nur für Westjuden — mit Chaluziuth ernstmachen bedeutet: gewisse — an sich wertvolle — intellektuell-ästhetische Wertungen aufzugeben. Im letzten Grunde berührt die Frage: „darf man es auf sich nehmen, unter diesem Verzicht zu erziehen?" die andere: ob wir die Kraft und die Möglichkeit haben, Zionisten zu sein. 3. Die Schwierigkeiten des Zusammenlebens von West- und Ostjuden sind häufig unverhältnismäßig übertrieben worden. Die Erfahrungen (Blau-Weiß in Palästina) sind darum nicht durchaus brauchbar, weil es ja schließlich auf einem andern Gebiet liegende Tatsachen waren, die das Einleben deutscher Chaluzim in Palästina zum Scheitern brachten. Die Alijahgruppe des JJWB., die sich in Eechoboth mit einer Gruppe aus Litauen verbunden hat, und deren Einleben nach mehr als einem Jahr Arbeit man als voll geglückt bezeichnen kann, besteht nicht aus nur ostjüdischen Elementen. Sicher ist, daß eine bewußte Einstellung auf die palästinensische Umgebung, die durch eine schon früh einsetzende bewußte Erziehungsarbeit erzeugt werden müßte, dem Problem vieles von seiner Schwierigkeit nehmen würde. Es wäre ein tragischer Fehler, wenn man in Deutschland die zwei Fronten der westjüdischen und ostjüdischen Chaluzjugend schüfe, statt die eine der entschiedenen Chaluzjugend gegenüber denen, die noch beiseite stehen. Zusammenfassend: Der Erziehungsweg bis nach Palästina muß ein gerader und konsequenter sein, was natürlich nicht bedeutet, daß die Selbständigkeit der Entscheidung dem jungen Menschen genommen ist. Chaluziuth, gefaßt in all ihrer Weite, bedeutet eben nicht eine Tat, lie man allein auf Grund eines Willensaktes durchführen kann, sondern ist eine so ungeheuer vielfältig komplizierte Lebensaufgabe für den jungen assimilierten Juden, daß man mit Aussicht auf Beständigkeit nur mit einem zielbewußt durchgeführten System vom Beginn der Erziehung an arbeiten kann. Die gesamte Erziehungsarbeit des Chaluzbundes muß darauf abgestellt sein, seine Menschen zur Erfüllung all der schweren Aufgaben, die das Lebensziel, jüdischer Arbeiter in Palästina zu sein, in sich birgt, reif zu machen. So soll eine Kollektiverziehung geschaffen werden, die den Weg des Jugendlichen zur Chaluziuth erleichtert, ohne Weg des leichten Widerstandes zu bedeuten. Auch für die Eingliederung des deutschen Chaluz in Palästina wäre es verhängnisvoll, wenn er von der grundlos übertriebenen Schwierigkeit ausginge, mit Ostjuden zusammenzuleben. Auf lange Zeit hinaus noch ergibt sich die Notwendigkeit, landsmannschaftliche Siedlungen für deutsche Chaluzim abzulehnen, weil eben die Voraussetzungen für den deutschen Chaluz so grundlegend schwierigere sind als für den Chaluz aus dem Osten, der sich in der Form von landsmannschaftlichen Siedlungen in Palästina eingliedert. Der Weg, den die Alijahgruppe des JJWB. in Eechoboth ging und auf den sie heute mit Befriedigung zurücksieht, scheint der Weg zu sein, der auch die westliche Jugend zu einer sinnvollen Eingliederung in den palästinensischen Jischuw führen kann. Abzulehnen ist grundsätzlich eine materielle Sicherung der deutschen Chaluzim, die sie sowohl in einen Ausnahmezustand den Chaluzim aus andern Ländern gegenüber bringen müßte, als auch psychologisch ihre Stellung als freie Arbeiter erschweren würde. 100

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