Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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begrenzten Altersstufe hinaus zu bewahren, kennzeichne das Bemühen jeder ernsten Jugend. Die deutsche Jugendbewegung hat Fiasko in diesem Streben erlitten, die zionistische Jugend hat die Chance einer Selbstverwirklichung in Palästina, einer Selbstverwirklichung, in der die tiefsten Wünsche des Jugendlichen, der aus einer banalisierten und typisierten Umwelt kommt, sich treffen mit den elementaren Forderungen des Zionismus. Wir haben uns nun zu fragen, in welchem Sinne Chaluziuth dem Streben der Jugend nach Erneuerung des Lebens gerecht werden kann. 1. Mit dem Uebergang zum produktiven Beruf schwindet für den Jugendlichen das deprimierende Bewußtsein, nun in das Getriebe des bürgerlichen Lebens einzurücken, das man bis dahin aufs tiefste verneinte und das mehr und mehr von dem Menschen Besitz ergreift* der sich in einem der typisch-jüdischen Handels- und Akademiker- Berufe einordnet. 2. Die Erneuerung des Volkes, das Vertauschen der Vermittler- und Intellektuellen-Berufe mit einfacher körperlicher Arbeit, wird über die theoretische Bejahung hinaus am eigenen Körper miterlebt. Aus Gordons „Schmerzen der Volkwerdung" wird statt einer Formulierung ein Prozeß, dessen Schwierigkeit, Schönheit und auch Tragik das Leben des jugendlichen Chaluz prägt. 3. Die Forderungen der Jugend, wie Kameradschaftlichkeit,. Eigenarbeit, gegenseitige Hilfe, Gemeinschaftlichkeit der Lebensführung, sinnvolle Unterwerfung unter ein großes Ganzes finden ihren .tiefsten Ausdruck in der Lebensgemeinschaft des Chaluz, in dem Gemeinschaftsleben des palästinensischen Arbeiters, — in dem Kibbuz. 4. Mit der Verwirklichung von Hachscharah und Alijah ist das Bewußtsein verbunden, daß man mit der Eingliederung in die arbeitenden Schichten Palästinas den geradesten Weg zur jüdischen Volksgemeinschaft zurück geht. Keine Insel „positiven" Judentums, keine echte Gemeinschaft in der Golah hat grundsätzliche Bedeutung für die Renaissance des jüdischen Volkes. Umschichtung, Selbstarbeit, hebräische Sprache und hebräische Kultur in Erez Israel sind die Wege und hier darf und muß die Jugend Wegbereiter sein. 5. Es muß die Möglichkeit betont werden, daß die bewußt chaluzische Jugend aus Deutschland in Palästina die Möglichkeit und die Pflicht hat, von sich aus mitgestaltend und mitschaffend auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben des Jischuws einzuwirken. So münden Grundforderungen der Jugend im Aufbau des arbeitenden Palästinas, so vereinigen sich die Tendenzen der zionistischen Verwirklichung im Lande mit den Zielsetzungen der Jugend. . Für den Weg der deutschen jüdischen Jugend zur Chaluziuth ist es nicht unwesentlich, die Frage zu untersuchen, ob für den jungen Menschen ökonomische Entwurzelung beziehungsweise eine Situation, die einer solchen Entwurzelung ähnlich ist, eine besondere Prädestination für die Chaluziuth sein kann. Die Frage muß in ihrer Einfachheit verneint werden. Wenn auch der Uebergang zu schwerer körperlicher Arbeit Jugendlichen aus sozial schlecht gestellten Kreisen relativ leichter gelingen wird als solchen aus Kreisen des gutsituierten jüdischen Bürgertums, so muß doch klar sein, daß die innere Revolution, die der Chaluzwerdung vorausgeht, so tiefgreifender Natur ist, daß sie prinzipiell für alle jungen Menschen, aus welchen Kreisen auch immer sie kom- 98