Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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keres Eindringen in die deutsehe Wirtschaft von besonders anziehender Kraft für die Juden. So läßt sich denn bei den Juden aus den östlichen Provinzen Deutschlands und auch den hessischen Juden ein starker wirtschaftlicher Aufstieg feststellen, der gerade in der Verschiedenheit der Berufe und des wirtschaftlichen Lebensraumes zwischen der Generation unserer Großväter und unserer Väter zum Ausdruck kommt. S. Adler-Rudel hat insbesondere daraufhin gewiesen, daß diese Aufwärtsentwicklung des Mittelstandes überhaupt durch den verlorenen Krieg ein jähes Ende gefunden hat und daß der Mittelstand in Deutschland, im Gegensatz zum Großbürgertum und dem Proletariat durch den Krieg eine erhebliche Einbuße an seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung erfahren hat. Hinzu kommt die Tendenz unserer Wirtschaft zur Konzentration der Betriebe. Die Konzentration der Wirtschaft, die zur Schaffung von Großbetrieben auf Kosten der kleinen Unternehmungen führt, wirkt sich besonders nachteilig auf die Juden aus, die bisher Inhaber einer großen Anzahl solcher kleiner Betriebe gewesen sind. Der Verlust der wirtschaftlichen Selbständigkeit in einem späten Zeitpunkt des Lebens erschwert aber auch außerordentlich die Einordnung an einer anderen Stelle der Wirtschaft. In derselben Richtung wirkt die Ausschaltung des Großhandels durch den direkten Verkehr zwischen Fabrikanten und Detaillisten, wie er in einer Reihe von Gewerbezweigen festzustellen ist. Auch von dieser Erscheinung werden besonders stark die Juden betroffen, die bis dahin wichtige Positionen des Großhandels besetzt hielten. Aehnlich wirkt sich auch die Tendenz der Monopolisierung aus, die einige Zweige der Wirtschaft, wie den Getreidehandel und die Branntweinfabrikation beherrscht. Auch hier findet ein Rückgang der selbständigen Existenzen zu Gunsten einer Verbeamtung statt, ^von der auch heute noch Juden in weitgehendem Maße ausgeschlossen sind. Darüber hinaus unterliegt auch der jüdische Angestellte den nachteiligen Auswirkungen wirtschaftlicher Entwicklungen. Die Rationalisierung der Betriebe trägt zu einer Verminderung der Zahl der notwendigen Arbeitskräfte bei. Endlich ist von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen worden, daß die Gesamttendenz unserer Wirtschaft in Richtung einer Bürokratisierung des Großbetriebes, der Uebergang der freien kapitalistischen Wirtschaft zur durch Konzerne und Trusts gebundenen spätkapitalistischen Wirtschaft gerade den spezifischen Fähigkeiten des jüdischen Unternehmers wiederspricht. Es kann hier ununtersucht bleiben, in wie weit nicht auch der jüdische Kapitalist die Umstellung vom Einzelunternehmer zur gebundenen Wirtschaft mitzumachen in der Lage ist. Wir wollen uns nur darauf beschränken, auf diese von manchen behauptete Erscheinung hinzuweisen. Das jüdische Sonderschicksal, das im wesentlichen durch eine spezielle judenfeindliche Tendenz bedingt ist, läßt sich an folgenden Tatsachen darlegen. Eine ganze Anzahl von Großbetrieben und eine Reihe von Gewerbezweigen lehnen die Beschäftigung jüdischer Angestellter ab. Mitunter ist die Begründung rein antisemitisch, indem Wert darauf gelegt wird, daß der Betrieb „judenrein" ist. Diese Einstellung ist besonders da vorzufinden, wo ehemalige Offiziere die Stellung der Personalchefs innehaben. Mitunter wird die Einstellung 82