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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 3

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUNGE JUDE Mai-Juni 1930_3. Jahrg. Nr. 3 Ijar-Siwan 5690 ZUR DISKUSSION ÜBER DIE WIRTSCHAFTSLAGE DER DEUTSCHEN JUDEN. Von Georg Lubinski. Seit längerer Zeit wird sowohl in der jüdischen Fachpresse (Zeitschrift für Jüdische Wanderfürsorge, Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik) als auch in den jüdischen Zeitungen eine Diskussion über die Wirtschaftslage der deutschen Juden geführt. Die Ergebnisse dieser Diskussion sind teilweise von derartig alarmierender Bedeutung, daß nunmehr auch der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden, die Gesamtvertretung der Juden Preußens, dieser Frage seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden versprochen hat. Es ist bereits mehrfach darauf hingewiesen worden, daß diese Diskussion heute noch weitgehend der tatsächlichen Unterlagen ermangelt. Abgesehen von wenigen Zahlen, die in den oben genannten Fachzeitschriften veröffentlicht worden sind, diskutiert man entweder ohne tatsächliche Grundlagen oder auf Grund mehr oder minder genauer Beobachtungen und verläßt sich im übrigen auf den Zeitpunkt, in dem die statistischen Angaben der Volkszählung des Jahres 1925 ausgewertet vorliegen werden. Obgleich also über die tatsächlichen Verhältnisse noch keine völlige Klarheit besteht, können doch die folgenden Tatsachen im wesentlichen als unbestritten angesehen und daher auch den folgenden Ausführungen zugrunde gelegt werden. Zwei Eeihen von Ursachen bestimmen das Schicksal der deutschen Juden: Sie sind einmal den allgemeinen Gesetzen der deutschen Wirtschaft unterworfen und erleiden auf der anderen Seite ein jüdisches Sonderschicksal. Dabei ist noch hervorzuheben, daß die Auswirkung der allgemeinen Wirtschaftsgesetze auf die Juden ebenfalls zu einer besonderen Beeinflußung des jüdischen Wirtschaftsschicksals deshalb führt, weil die Juden in Deutschland eine anormale berufliche und wirtschaftliche Gliederung aufweisen. Wir werden hier dieselbe Erscheinung wie in anderen Ländern, besonders in Bußland, festzustellen haben, daß eine bestimmte wirtschaftliche Entwicklung die Juden besonders hart trifft, weil sie gerade diejenigen Wirtschaftszweige ungünstig beeinflußt, in denen überwiegend Juden konzentriert sind. Solcher Art sind die Veränderungen der wirtschaftlichen Situation der Juden, die als Folge des Krieges anzusprechen sind. Die Juden sind in Deutschland im wesentlichen stets eine Mittelstandsschicht gewesen, deren wirtschaftliche Lage vor dem Kriege besonders günstig gewesen ist. Die Zeit nach der Emanzipation war für die Juden eine Zeit starken wirtschaftlichen Aufstieges, die bürgerliche Gleichberechtigung war nicht nur durch die Verleihung staatsbürgerlicher Bechte, sondern auch durch ein stär- 81

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