Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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CH. N. BIALI K: DIE KRAFT DES „HECHALUZ" (Aus einer Rede von Ch. N. Bialik bei der Feier der arbeitenden Jugend in Tel-Aviv zum Gedächtnis Tel-Chajs und zum Jubiläum des Hechaluz.) Diesen Abend, der dem Gedächtnis des Gründers des Hechaluz, Trumpeldor, und dem zehnjährigen Jubiläum des Hechaluz gewidmet ist, hätte man vielleicht ohne jegliche Ansprachen und Reden begehen müssen. Denn ich sehe die Grundkraft des Hechaluz nicht im Sprechen, sondern im Tun, und das ist das große Neue, das ist der neue Abschnitt, den er der Erneuerungsbewegung in Jisrael hinzugefügt hat. Jede Bewegung macht notwendigerweise die Periode des Gedankens und Traumes durch, die Periode des Sprechens und der Agitation, bis sie schließlich ins Stadium der Tat und des Handelns kommt. Wenn in unserem großen Lager, dessen Anfang vor 50 Jahren liegt, eine Gruppe den Augenblick der Tat beschleunigt und nähergebracht hat, so ist es der Hechaluz. Wer in dieses Stadium eintritt und sein Schicksal mit dem lebendigen Werk, der tagtäglichen Tat verknüpft hat, sieht sich gezwungen, wenig zu sprechen und viel zu tun. Und wenn die Veranstalter der Feier Formen der Tat und des Handelns für ihre Festlichkeiten gefunden hätten, wie sie sie für ihr werktägliches Leben fanden, so hätten sie ihre Lehre in der ihnen angemessenen Form verwirklicht. Wenn wir von der Not der Galuth und ihrer Gefahr sprechen, so meinen wir im Grunde jene gefährliche Krankheit, die Folge der Galuth, die in der Schwäche des nationalen Willens besteht. Da wir von den Kanälen des nationalen und staatlichen Lebens losgerissen sind, stellt sich bei uns eine Lähmung der dem Aufbau eines Landes dienenden Werkzeuge und Organe ein. Eine Gemeinschaft wie wir, selbst wenn sie ihre Krankheit erkennt, ist infolge der Fernhaltung ihrer Organe vom Handeln nicht Herrin ihres Willens und hat es nicht in ihrer Hand, ihre Werkzeuge zur Aktion zu erwecken. Ihre Werkzeuge des Handelns sind schartig und unbrauchbar geworden, und sie hat keine Gewalt über sie. Es ist kein Zufall, daß alle unsere Generationen von Erlösung träumten, aber nicht zu ihrer Erfüllung berufen waren. Die ganze Nation erkannte das Unglück der Galuth; sie erkannte, daß es kein Heilmittel außer der Erlösung und der Wiederauferstehung im Lande der Väter gibt, aber sie begnügte sich mit den Träumen und schuf sich einen imaginären Messias, der am Ende der Tage auf wunderbarem Wege kommen wird; denn sie glaubten nicht an ihr Vermögen, ihren Willen und die Kraft ihrer Tat. Und selbst, als vor 50 Jahren sich eine Bewegung der Aufrüttelung vollzog, um dem Traum eine Deutung auf anderem Wege zu geben, konnte sie night an einem Tage in das letzte Stadium des Handelns eintreten. Die Generation mußte sich lange Zeit selbst einschärfen, daß, wenn sie wirklich wolle, sie auch könne, daß das Können mit dem wahrhaften und absoluten Willen komme. Und selbst nachdem die ersten Chowewe-Zion, und nach ihnen die Zionisten, die Institutionen zur Verwirklichung geschaffen, die ersten Werkzeuge verfertigt hatten: die erste Zange für die zweite Zange, auch dann war 74