Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DER JUNGE JUDE JANUAR 1928 1. Jahrg. Nr. 2 TEWET 5688 KURT BLUMENFELD: JUGENDBUND UND PIONIERTUM INNERHALB DES ZIONISTISCHEN WERKES Die übersteigerte Vorstellung von der Bedeutung der eigenen Gruppe war und ist ein charakteristisches und anscheinend notwendiges Merkmai jedes zionistischen Jugendbundes. Soweit vor dem Kriege junge Zionisten in einer festen Gruppe zusammengeschlossen waren, die sich selbst von der großen zionistischen Organisation abhob, versuchte diese Gruppe, wie etwa die auf Bundesbrüderlichkeit aufgebauten zionistischen Studentenverbindungen in Deutschland oder der Barkochba in Prag, sich als die wesentlichste Ausdrucksform einer gegenwärtigen zionistischen Bewegung zu betrachten. Die zionistische Wirklichkeit jener Tage ersparte solchen Bünden die ernsthaften Konflikte, die heute in der Zeit des Palästinaaufbaus jede Jugendgruppe bedrohen. Die Zionistische Organisation vor dem Weltkrieg empfand sich als starke Einheit, aber sie kannte sich in ihren jugendlichen Teilen persönlich nur wenig. Man war im Gedanken miteinander verbunden, konnte ungehemmt Vorstellungen von der Entwicklung und Erneuerung zionistischen Lebens ausbauen. Es galt, zionistische Ideen in einem Kreise zu entwickeln, und ein Kreis, der über sich zur Klarheit gekommen und von einem bestimmten Idealbild, das in menschlicher Verbundenheit und dauernder persönlicher Aussprache Gestalt gewann, erfüllt war, durfte glauben, daß er den ganzen Inhalt der Gesamtbewegung repräsentiere. Es gab kein System einer zionistischen Arbeit, das in gleicher Weise kolonisatorische Entwicklung, Erziehung und Unterricht in Erez Israel und im Galuth, Propaganda und Finanzierung unserer Wirtschaft umfaßte. Dem zionistischen Jugendbund unserer Tage darf nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß er vor allem das Bild, das er von sich selbst hat, scharf herausarbeitet. Seine Lebendigkeit ist an die Vorstellung von der Besonderheit, von der Eigenart und vielleicht sogar Einzigart seines bündischen Charakters gebunden. Er kann sich aber nicht mehr wie in den Zeiten der reinen Ideenbewegung als alleinigen Träger der Bewegung in dem Sinne betrachten, daß alle lebenswichtigen Funktionen in ihm konzentriert sind. Auch der wichtigste Teil bleibt Teil und hat sich als Teil 41