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Jüdische Korrespondenz · 1920-09-09 · 27 (9.9.1920) · page 8

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
27 (9.9.1920)
Date
1920-09-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Jüdische Korrespondenz Nr. 27 Mittel zur Erhaltung des Lebens zu beschaffen, als dasjenige bezeichnet wozu der Mensch eigentlich von Haus aus berufen ist. Erwägt man, daß dem jüdischen Menschen mit seinem Werkverbot am Sabbat und Feiertagen und mit seinem Zinsverbot und mit einer ganzen Reihe sonstiger Satzungen, gerade der rastlosen Ausbeutung anderer ein Riegel vorgeschoben wird, so begreift es sich, wie seine heiligen und heiligenden Anordnungen die ersten Opfer sind, welche dem Berufsgötzen zum Opfer fallen. Nur ganz an der Nähe der Eltern, wenn man sie ansieht, oder ihnen vielmehr bis ins Innere schauen kann, nur der wird erkennen und muß sich sagen: Das ganze Nichtwollen ist eine Geldfrage, ist Kapitalismus. Die Gesetzeskenntnis gibt dem Menschen auch zur Zeit nicht genügend Ehre; es treten daher selbstgeschaffene Kulturen an deren Stelle. Jüdische Nationen treten in den Kreis der Völker, Nation verkündend, Nation betonend, das Gesetz aus den Händen schmeißend, jedem Einzelnen das Aufheben, die Uebernahme überlassend. Da kommt nun Rabbi Tachlifa und mahnt uns: Der Mensch habe keine Angst, sein Geldbeutel würde zu kurz kommen, seine Ehre würde ihm nicht genügend gezollt werden, er fürchte auch nicht, die Bank würde ihm zu wenig Zinsen geben, er zage nicht, seinen Sohn in eine Jeschiwa zu schicken, aber er hüte sich, ihn zum Geldmensch zu machen, denn nicht äußerer prahlender Ruhm macht den Menschen, denn nur Gottesfurcht kennzeichnet den Inden, nur Ausübung religiöser Vorschriften stempelt den Namensjuden zum wirklichen Juden — und das Geld, den Betrag zur Ermöglichung der Erfüllung und Ausübung dieser Gebote verleiht Gott in Hülle und Fülle — und was er auch dazu benötigt, auch dann erhält er es: „im hausef mausifm lau“, wenn er hinzusetzt, wird auch ihm hinzugesetzt. Auch heute, an den Tagen der Buße und Rückkehr tönt die Stimme des Genius der jüdischen Nation an das Judentum in seiner Gesamcheit und an die einzelnen Individuen, daß sie die Schauforstimme, die alten Töne in ihrer markigen Naturkraft gleich ungekünstelten Sttmmen der Wahrheit an ihr Ohr und in ihr Herz dringen lassen mögen, damit die Tage des Beginns des neuen Jahres, Tage der Einkehr und Selbstprüfung seien. Haben wir uns dann aller Schlacken befreit, so erinnern wir uns der Erzählung, da Rabbi Jochanan auf dem Sterbebett liegt. Die teuren Schüler haben sich um ihn versammelt; in des Meisters Augen glänzen Tränen. „Du Leuchte Jisroels, du Hammer der Kraft, du Säule der Festigkeit, bebst du dem himmlischen Gericht entgegen?" fragen die Jünger. „Wie sollt ich nicht zagen, da man mich vor den ewigen König führt, vor dem es kein Entrinnen gibt", ward die Antwort. Auch in unseren Augen schimmerts heute feucht, denn „haujaum jamid bamischpot kol jezure kedem“ wir fühlen uns heute vor den göttlichen Richterstuhl gerufen und auf ihn sind unsere tränenfeuchten Augen gerichtet, „auf daß er uns begnadige und hell wie Sonnenlicht unser Recht hervorgeht". Uedrr die Jugendbewegung in England, Polen und Litauen. Einem von uns schon seit langem empfundenen Bedürfnis, über die Jugendbewegung in den einzelnen Ländern näheres zu erfahren, veranlaßte uns, die zur Nachkonferenz hier weilenden Delegierten aus England, Polen und Litauen zu einem Vortrage über die Jugendbewegung einzuladen, welchem Ersuchen diese in liebenswürdigster Weise entsprachen und wurde derselbe Sonntag, den 5. <september, im Rahmen einer Mitgliederversammlung in unserem Heime abgchalten. Besonders erfreulich war es für uns, wenn wir aus dem Munde der Vertreter dieser Länder, speziell der aus Polen und Litauen, erfuhren, wie sich auch dort die Jugend zu gewalttger Organisationsarbeit um die Gedaule Thauro schart. Als erster Redner ergriff Herr Tobias Horowitz (Warschau) das Wort. Er schilderte die Entwicklung der Schleume Emune Jisroel und ihrer Jugendorganisattonen, wie diese trotz der in Polen herrschenden traurigen wirtschaftlichen und poliüschen Verhältnisse, sich innerhalb ganz kurzer Zeit zu einer der mächtigsten jüdischen Parteien entwickeln konnte. Wenn auch die Jugendorganisation, welche durch die kriegerischen Verhältnisse am meisten gelitten hat, nicht so stark ist, so zeigt doch der Jugendtag in Lublin, daß die gesetzestreue Jugend gewillt ist zu arbeiten für die heilige Tradition ihrer Väter, welche Bürgschaft nur in einer strammen und mächtigen Organisation gegeben ist. Als zweiter Redner ergriff der Präsident der „Sinai"- Jugendorganisation in England Herr Akiba Moses Adler (London) das Wort. In begeisterten Worten forderte er die Jugend auf, nicht so wie andere das »Nasse rvenisebmoli“ umzukehren, sondern getreu dem Beispiele unserer heiligen Väter erst das Nasse zu verwirklichen, jede und auch die kleinste Mizwo zu erfüllen und dann durch Einrichtung zahlreicher Schiurim und durch fleißiges und unermüdliches Lernen auch dem „Nischmo" gerecht zu werden. Lernen und nochmals Lernen, das ist die Hauptaufgabe unserer Jugend und das ist es auch, was den Kernpunkt der Jugendbewegung in England bildet. Er beleuchtet die Gefahren, welche uns von seiten der Zionisten: Sokolow und Weizmann drohen, die uns ein Erez-Jisroel und ein Judentum ohne Thauro. geben wollen. Dieser Gefahr können wir nur durch organisatorische Zusammenfassung aller jugendlichen Kräfte im Dienste der Thora begegnen. Als nächster Redner sprach der Vertreter der Jugendgruppen in Litauen Herr Samuel Schereschevski (Kowno). Er schilderte den gespannt lauschenden Zuhörern die gewaltige Entwicklung der Orthodoxie in Litauen im allgemeinen und der Jugendorganisationen im einzelnen. Diese wie jene hat dort den größten Teil der Judenheit in sich vereinigt und trotz der größten Anstrengungen der gegnerischen jüdischen Parteien zu einem gewaltigen Machtsattor entwickelt. Aus ihrer Mitte gingen zwei Vertreter ins Parlament, deren einer als Handelsminister der Regierung angehört und sich trotz seiner Arbeitsüberlastung einige Stunden im Tage der Jugend widmet. Redner schildert die gewaltige Chinuch-Arbeit, welche die Jugend dort leistete, indem sie einen Lehrerbildungskurs einrichtete, Schulen gründete und in nächster Zeit auch ein Lehrerseminar eröffnen wird. Als Vertreter der Schleume Emune Jisroel in Polen ergriff Herr I. M. Lew in (Warschau) das Wort, der in begeisterter Rede die Jugend aufforderte, treu an ihrem Ideal, der Thauro festzuhalten und so dem Aguda-Gedanken, der die Lösung aller Aufgaben im Geiste der Thauro erstrebt, zum Siege zu verhelfen. Mit dem Danke an alle Delegierte für ihre trefflichen Ausführungen und mit der Bitte, ihren Organisationen die Grüße der Wiener Jugend zu übermitteln, schloß der Vorsitzende Herr David Baum garten die so eindrucksvolle Versammlung. Abends hielt Herr Schereschevski (Kowno) einen musterhaft durchgearbeiteten Vortrag über „die Aufgabe der Aguda- Jugend", dessen genauen Inhalt wir in einer der nächsten Nummern dieses Blattes wiedergeben werden. Delegtertentag der Agudas Irsvoel-Iugeudorganisation in Deutschland. Zu dem von der Agudas Jisroel-Jugendorganisation nach Nürnberg vom 2. bis H. August einberufenen Delegierte ntaa waren etwa 150 Delegierte aus allen Teilen des Reiches und aus dem Auslande (Polen, Deutschösterreich, Tschechoslowakei, Frankreich, Belgien und Schweiz) sowie zahlreiche Gäste aus Nah und Fern erschienen. firn 2. August abends fand im Festsaale des „Deutschen Hofes" eine öffentliche EröffnunaSv«rsamm!luns statt, in deren Mittelpunkt ein Referat über die „Aßudaberveaung" von Rabbiner Dr. Munk (Berlin) stand. Außerdem sprachen die Herren Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), Alfred Klugmann (Nürnberg), Siegmund Landau (Fürth), OSkar Osenberg (Straßbura). Professor Lieben (Prag), Dr. Feßler (Wien), Rabinowitz (Frankfurt) und Dr. Pmchas Kohn (Ansbach).

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