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Jüdische Korrespondenz · 1920-09-24 · 28 (24.9.1920) · page 12

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
28 (24.9.1920)
Date
1920-09-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Jüdische Korrespondenz Nr. 38 „den ich dich führe. Entsagung und Verzicht gehören dazu. Abend ist über Deutschlands Juden gekommen. Ab§nd knickt uns und wir dorren. Was aber am Abend geknickt hindorrt, am Morgen erneut es frisch wie Gras die Kraft, am Morgen sproßt es und gewinnt frische Kraft. Den Weg vom Abend zum Morgen müssen wir gehen. So geknickt wir sind: am Stamm müssen wir bleiben. Sonst sindwir verloren. „Wer ist der Stamm?" „Die Nation. Siehe, die Welt der Wirklichkeit ist über uns gekommen, in der Gott nicht zu finden ist. Ihr dient unter Verstand, ihr huldigt unser Herz. Die große Aufgabe: mit Gottes Recht an die Welt der Wirklichkeit heranzutreten und sie in Gottes Welt umzuwandeln: Einer hat sie, ein Einziger von uns, gelöst. Uns anderen ging sie über die Kraft, weil wir seinen Weg nicht wandeln wollten, weil wir der Welt der Wirklichkeit hingegeben wurden, ehe Gottes Recht Verstand und Herz restlos besaß, ehe das nationale Götterleben unsere gereifte Seele in Weißglut setzte. Aber heimisch werden können wir doch nicht in der Welt oer Wirklichkeit. Denn in uns lebt die Nation. In die gottlose Welt der Wirklichkeit ragt die jüdische Nation wie ein göttliches Panier hinein, ohne Wurzel in der Welt der Wirklichkeit und drum jede Wirklichkeit überdauernd. Soweit in uns die jüdische Nation lebt, gehören wir nicht der Welt der Wirklichkeit, sondern gehören wir Gott an. Die jüdische Nation, diese unsichtbare, Wirklichkeit spottende, unwirkliche und dennoch persönliche Einheit der über die Erde Zerstreuten, ist nichts als Geschichte gewordener Gott. Gottes Recht streckt seine Arme um die Zerstreuten und hält sie zusammen. Gottes Recht ist die Einheit der Zerstreuten. Gottes Recht ist Gottes Wille, ist Gott. Gott und Gottes Recht und die Einheit der Zerstreuten sind eins."-. Es weht Ewrgkeitsodem in dem Buche. Er führt vom Abend zum Morgen und die Seelen unserer Jünglinge könnten aufblühen, wenn sie sich dieser Führung anvertrauen. Der Führer ist des Weges kundig. Gelsenkirchen. Rabbiner Dr. Hermann Klein. Neue Bücher. Neue Schriften von M. Gottfried. Der bekannte hebräische Schriftsteller und Dichter Markus Gottfried, der die neuhebräische Literatur bereits mit etwa 30 Schriften in Poesie und Prosa bereichert hat und deffen literarische Arbeit in diesen Blättern eingehend gewürdigt wurde, hat in jüngster Zeit wiederum drei Schriften veröffentlicht, die seine bisherigen literarischen Arbeiten sowohl hinsichtlich der Form als auch inhaltlich überragen. Das Epos „Mosche" bringt in einer kräftigen Sprache ein Bild vom Leben, Denken und Fühlen unseres großen Führers Moses von seiner frühesten Jugend bis zum Auszuge der Juden aus Aegypten. Gleichzeitig wird die Vorgeschichte des Auszuges und die Rolle, die Mosche Rabenu hiebei gespielt hat, in überaus ergreifender Weise geschildert. — Das Büchlein „Machscliowo u-Maasseh“ behandelt in leichtverständlicher Form die Bedeutung der „Mizwotb massijot“ im Judentum und beleuchtet das Wesen des moralisch-geistigen Judentums. Die Schrift enthält auch einen sehr temperamentvoll geschriebenen Aufsatz „Der Gott Israels und nicht der Gott Spinozas", in welchem der Gegensatz zwischen der jüdisch-religiösen Auslastung und derjenigen Spinozas klargestellt wird. — Die dritte Schrift „Dem Dichter" ist eine sinnreiche Belehrung für jeden, der sich mit geistiger Arbeit befassen will. — Die ungewöhnlich literarische Fruchtbarkeit Gottfrieds läßt noch weitere Geistesprodukte erwarten. Josef Grobs gesammelte Schriften. Ein Bilderbuch, gezeichnet mit Tinte und Feder und nicht zuletzt mit dem Herzblute des Verfassers. Man lacht, lacht sehr viel und herzlich beim lesen der einzelnen Skizzen und Bilder. „Habt ihr aber ein „jüdisches Freudenfest ohne Tränen gesehn?" srägt der Autor in einer seiner Flüchtlingsbilder und, wahrlich, während wir vom Grob'schen Sarkasmus vor Lachen uns schütteln müssen, benetzen unsere Tränen das Blatt, auf den uns Grob ein Elendsbild hinzugezeichnet. Nicht umsonst entstammt Josef Grob dem Milieu, das er treuherzig, dabei voll Witz und Sarkasmus schildert. All das in seiner Jugend Geschaute hat er in späteren Jahren nochmals innerlich erschaut, um es uns als reifer Schriftsteller wiederzugeben, als einen Ausfluß innerer Intuition, als ein Stück von (einem eigenen Ich. Eine Uebersetzung ins Deutsche wäre wünschenswert, damit auch weitere Kreise einmal von der Würze echt jüdischen Humores etwas erfahren. Den gediegenen inneren Eigenschaften des Buches wäre nur die Dürftigkeit seiner äußeren Ausstattung entgegenzuhalten. Ein Zeichen der Zeit... G. F. Die Fruchtbarkeit der christlich-jüdischen Mischehe. Von Dr. Max Marcuse. (Abhandlungen aus dem Gebiete der Sexualsorschung, Band N, Heft 4.) Bonn 1920, A. Marcus & E. Webers Verlag. Einzelpreis Mk. 3-—. — Eine auf Grund statistischen Materials feststehende unverhältnismäßig hohe Ziffer von kinderlosen und kinderarmen christlich-jüdischen Mischehen wird einen oberflächlichen Beobachter glauben laffen, daß diese Erscheinung auf die Rassenvermischung zurückzuführen sei. Auf Grund interessanter psychologischer und soziologischer Untersuchungen und kritischer Bewertung der Statistik gelangt aber der bekannte Arzt und Sexuologe zu dem Resultat, daß die unabweisbare Minderfruchtbarkeit christlich-jüdischer Mischehen nicht so sehr auf Raffenkreuzung beruht, als vielmehr ozial und psychisch bedingt ist. s- Für einen schwer notleidenden Talmudisten in der Provinz, der von der dorligen Gemeinde nicht unterstützt werden will, werden Geldspenden erbeten an die Administration dieses Blattes. —-1- " Moderne Herrengarderobe feinste Ausführung nach Maß, Reparaturen und Wendungen garantiert streng koscher genäht. Gelbart & Fürst, Wien II. Bezirk, Stephaniestraße Nr. 16. u Eine dipl. Hinderprfenlehrerin nach Bad Pöstyen gesucht. Soli ein wenig slawisch können und muß in einem Kindergarten tätig gewesen sein. Anmeldungen sind an die Administration d. Bl. zu richten. B. HARZ-VERLAG, BERLIN N 24. Soeben erschien: ■ — ■ - Chajim Bloch : Die Gemeinde der Chassidim. Werden und Lehre, Leben und Treiben. Preis gebunden Mk. 20- *. . . . Geht hin und laßt selbst diese Erzählungen mit ihrer unendlichen Fülle von Weisheit auf Euch einwirken! . . . Wir, die wir angekränkelt sind vom modernen Skeptizismus und Relativismus, fühlen uns nach der Lektüre dieses Buches neugestärkt, wie nach einem seelischen, erfrischenden Bade und möchten jene Weisen um die Ruhe ihres Gemütes last beneiden.“ (ÄBreslauer Volkszeitung.“) Ende September 1920 erscheinen ferner folgende Werke von Chajim Bloch. 1. „Der Prager Golem.“ Von seiner „Geburt“ bis zu seinem rTod“. Mit Geleitwort von Dr. Hans Ludwig Held (zweite, verbesserte Auflage). 2. „Israel der Gotteskämpfer.“ Ein ostjüdisches Legendenbuch. 3. „Ostjüdischer Volkshumor.“ Anekdoten, Witze und „ Wörtlich“. 4. „Hersch Ostropoler.“ Ein ostjüdischer Till-Eulenspiegel. Papi er waren, Geschäftsbücher und Drucksorten A. LÖWY Wien, II., Große Pfarrgasse 6. Fernsprecher 44.609 Eigentum einer Societät. —Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

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