Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 28 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Jüdische Korrespondenz Seite 9 JUGENDGRUPPEN-BEIBLATT Zurück zur Thauroh! Im Midrasch wird gelehrt: öesaus jowau Aharaun el hakaudesch besaus betauroh schenikraas saus tlechsiw wesaus hathauroh. Als der Hohepriester in das Allerheiligste kam, um für Jisroel zu beten, da nahm er die Thauroh mit, die Thauroh, von allen Völkern abgelehnt, von Jisroel einstimmig mit Freudenjubel empfangen, von Jisroel gepflegt und gefördert. Die Thauroh sollte für Jisroel ein Meliz Jauscher vor den Stufen des allerhöchsten Thrones sein. Wenn wir in diesen heiligen Tagen vor den Allmächtigen um Gnade bitten, so müssen auch wir uns das S'chus der Thauroh mitnehmen. Wenn wir bei dem schweren Wirtschaftskampf, den ein jeder einzelne mitzumachen hat, Gottes Schutzes erflehen, wenn wir bei der furchtbaren Lage, in der sich unser heiliges Volk auf allen Teilen der Welt befindet, in unserer Verzweiflung keinen Weg der Rettung sehen und mit Inbrunst Rachmim erbitten, wenn wir den geistigen und moralischen Verfall unserer Jugend mitansehen müssen und den Allerbarmer um seinen Beistand anrufen, Jisroel helfen zu können, so ist es die Thauroh, welche uns Kraft zur Tefilloh gibt, ist es das Bewußtsein, daß wir die Thauroh hochgehalten, ihre Gebote befolgt haben, welche uns den Betochen gibt, daß unsere Gebete nicht umsonst gesprochen, unsere Tränen nicht umsonst geflossen sind. Hakaul, kaul Jakow! sagen unsere Weisen, wenn die Tinaukes schel bes rabbon, die Thorajünger ihre liebliche Stimme hören lassen, dann ist Jisroel mächtig und von Geseraus roaus verschont. Fragen wir uns in diesen heiligen Tagen, ob wir das Recht darauf haben, den S'chus der Thauroh in Anspruch zu nehmen, ob wir unsere Verpflichtung der Thauroh gegenüber nachgekommen sind; jeder einzelne wird sich in diesen Tagen die Frage vorlegen, ob er Gebot und Verbot beachtet hat. Wichtiger aber als der einzelne ist die Gesamtheit; fragen wir aber die Gesamtheit, ob sie der Thauroh genügend Ehre und Achtung entgegengebracht hat. Fragen wir insbesondere die Gesamtheit, ob sie bei der Jugend, den Kowaud Hathauroh und den Limud Hathauroh gefördert hat und fragen wir die Jugend, ob sie glaubt, den Anforderungen des Allmächtigen der Thauroh gegenüber Genüge geleistet zu haben! Ls haschem elokecho tiro, es lerabaus Talmide Ghachomim! Gott verlangt, daß wir Talmide Chachomim ehrfürchten; kann die Jugend ruhigen Gewissens sagen, daß sie den Schriftkundigen, den Talmudgelehrten, Rabbinen und Baale-Batim den nötigen Respekt, die notige Ehrfurcht entgegenbringt? Und kann die' Gesamtheit behaupten, daß sie für das Thauroh-Studium der Jugend das nötige Messiras hanefesch aufbringt? Schreiten wir endlich zur Tat! — Möge es jeder Vater als seine heilige Pflicht erachten, seine Kinder in der Jugend einige Zeit dem ausschließlichen Thorastudium zuzuwenden. Mögen es die von G'tt mit Reichtum Gesegneten als ihre Pflicht erachten, Minderbemittelten die Möglichkeit zu bieten, ihre Kinder von dem heiligen Born der Thauroh schöpfen zu lassen. Möge niemand eine sich darbietende Gelegenheit versäumen, um seinen Bruder, seinen Freund zu beeinflussen, sein Kind dem Thauroh-Studium zu widmen. Nur wenn wir eine Jugend haben, die beseelt ist vom Geiste unserer heiligen Thauroh, die eingedrungen ist in den erhabenen Gedankengang unserer heiligen Lehre können wir hoffen, daß Jisroel geistig gesunden, und daß Jisroel von den furchtbaren Leiden, von denen es speziell in den letzten Jahren heimgesucht wurde, verschont bleiben wird. In keinem orthodoren Kaufe fehle die „Jüdische Korrespondenz". Bekanntmachung. Dem Verein „Tiferes Bachurim" und der „Agudas Jisroel- Jugendgruppe" ist es gelungen, eine größere Anzahl Freiplätze in der Slowakei für Jeschivo-Bachurim sicherzustellen. Diejenigen Bachurim, die den nächsten Winter-Sman in einer Jeschivo verbringen wollen und ans Versorgung seitens des „Jeschivo-Komitees" Anspruch erheben, können Anmeldeformulare bis spätestens 29. September 1920, täglich von 5 bis 7 Uhr nachmittags, im Bureau der Jugendgruppe, H., Obere Donaustraße 69, beheben. Jeschivo-Komitee: Verein „Tiferes Bachurim"^ „Agudas Jisroel-Jugendgrnppe". * Die „Jessode-Hatorah" soll den G"ttlob gesteigerten Anforderungen entsprechend vergrößert werden. Der ganztägige Schiur soll erweitert werden. Neue Lehrkräfte sollen nach Wien gebracht werden, um den Betrieb der Jessod-Hathorah vergrößern zu können. Der Kindergarten der Jessod-Hathora wird im vergrößerten Umfange in Kürze eingeweiht werden. Hiezu sind große Mitteln notwendig. Die Agudas Jisroel-Jugendgrnppe hat beschlossen, anschließend au ihre Sammlung für die Unterbringung Wiener Kinder in ausländischen Jeschivos, auch eine Sammlung einzuleiten, um Kindern, die in Wien die Jessode-Hathorah und die Chadorim besuchen wollen, die aber ans finanziellen Gründen sich einen: Erwerbe zuwenden müssen, Unterstützungen zu gewähren und den Kindern späterhin Posten zu verschaffen. Die jetzt gewährten Unterstützungen werden über Wunsch registriert und können später von den jungen Leuten rückgezahlt werden. Die Aguda in Siebenbürgen. Der Redakteur des Großwardeiner Aguda-Blattes, der gegenwärtig hier weilt, berichtet uns: Die spezielle politische und wirtschaftliche Lage Siebenbürgens ist als Hauptgrund des jetzigen ziemlich stockenden Agudalebens zu bezeichnen. Einerseits der starke Einfluß des zionistischen „Jüdischen Nationalverbandes" auf die Regierung und als deren Rückwirkung auch auf die Gesamtjudenheit Transylvaniens, andererseits die völlige Absonderung vom Ausland, Unklarheit und Verkehrsschwierigkeit sind das Merkmal der Lage, deren Wirkung wohl kein freundliches' Ergebnis hat. Die Hoffnungen, die man von dem großen Orthodoxenkongreß in Großwardein — der am 10., 11. und 12. vorigen Monats stattgefnnden hat — erwartete, wurden zu nichts. Man vereinbarte nämlich, aus taktischen Gründen über die Agudafrage in den laufenden Sitzungen nicht zu verhandeln, damit der bloße konfessionelle Charakter des Kongresses gesichert werde. Die Aguda muß das schwierige Feld des Parieikampfes, ohne Hilfe dastehend, ergreifen, sie muß den Kampf gegen die große Agitation und Presse der Zionisten und Misrachisten aufnehmen, was eine gewaltige Arbeit ist. Die zuerst in Großwardein gegründete Ägudaorganisation veröffentlicht mit großen materiellen Opfern seit zwei Monaten eine ungarische Wochenschrift namens »Zsido Közlöny“, auch erscheint unter ihrem Protektorate in Klausenburg eine jüdisch-deutsche Zeitnng „Neue jüdische Presse". Das Erscheinen dieser Blätter, die sowohl dem Inhalte als auch dem «Stile nach die zionistische Presse weit überragen, erweckte großes Aufsehen, und schüttete neues Leben ins glaubenstreue Judentum. Es ist zu hoffen, daß mit Hilfe der ausländischen Aguda Jisroel-Organisationen es gelingen wird, die verlockten und irregeleiteten Juden — der Misrachisten - Zionisten auf die richtige Bahn zu lenken, und das ganze orthodoxe Judentum im Agudaverband zu vereinigen. Natürlich muß die Hilfe ehestens beginnen, man muß die chinesische Mauer, die uns