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Jüdische Korrespondenz · 1920-09-24 · 28 (24.9.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
28 (24.9.1920)
Date
1920-09-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Judentums. Bezugspreis: Ganzjährig K50, halbjährig K 25, vierteljährig Iv 12 50. Ausland jährlich K 70. Einzelnummer 1 Krone. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Np. 28. Wien, 12. Tischri 5681, 24. September 1920. VI. Jahrgang. Per Keiertage wegen erscheint die nächste Wnmmer der „Andischen Korrespondenz" am 8. Hktover. Das Fest der Freude. Kaum sind die Töne des Schaufer verklungen, kaum hat der Jude nach den „furchtbaren Tagen" etwas frei anfgeatmet, und schon feiert er das Fest der Freude, ist frohen Mntes und sieht rosig den kommenden Tagen-entgegen. Es ist dies charakteristisch für den Optimusmus des jüdischen Volkes. Auf Tischa-Beab folgt Schabbat Nachmu, auf Jom-Hakipurim folgt Sukkot. Erst Buße, Kasteiung, Angst vor dem Gerichtstag, bald darauf Freude, Laubhütte, Lulaw und Etrog, Symbole der Sicherheit und des Sieges. Zwei Dinge sind es, die dem Juden Kraft geben, auch in den schlimmsten Tagen den Mut nicht zu verlieren: die Hoffnung auf bessere Zeiten und die Sicherheit, vor dem himmlischen Vater Gnade und Erbarmen zu finden. Im Sinne der Tauchochv weiß der Jude, daß die schlechten Zeiten nur die Folge der bösen Taten sind. Tut der Jude Buße, dann ist alles verziehen und vergeben. Der Jude, der am Jom-Kippur aufrichtig Buße tat, zweifelt keinen Mpment, daß ihm ein gutes Jahr beschieden ist, und aus vollem Herzen freut er sich am „Seman Szimchossenu". Freilich, „al tismach Jisroel el gil koaminT1. Ganz anders als die anderen Völker freut sich der Jude. Es ist die „8simcha schel Mizwah“, die sein Herz erfüllt. Er freut sich, die Mizwath Sukka, die Mizwath Lulaw erfüllen zu können, er freut sich am Ssimchat-Thora, die heilige Thora zu Ende zu lesen und gleich wieder aufangen zu können. Es ist eine ideale Freude, die sein Herz erfüllt. Die Thora ist seine Freude, sein Labsal, sein Leben. Ist es die Thora, die einzig und allein dem Juden wahre Freude bereitet, so soll er sich gerade in diesen Tagen seiner Pflicht der heiligen Thora gegenüber erinnern und sich geloben, dieser Pflicht gerecht zu werden. Es genügt nicht, selbst die Thora zu lernen und ihre Gebote zu üben. „Weschinantom lebonecho;t, es muß dafür Sorge getragen werden, daß auch die Heranwachsende Generation der Thora treu bleibe. Gestehen wir es uns ganz offen: von den drei Säulen, auf die die Welt basiert: Thora, Awauda und Gemilas-Chassodim, wird in unseren Tagen die erste am wenigsten gestützt. Auch der Durchschnittsjude bringt alljährlich große Opfer für die Erhaltung der Gotteshäuser und Legion sind die jüdischen Wohltätigkeitsvereine in allen jüdischen Gemeinden. Wie wenig wird aber leider für die Erhaltung der Thora getan und wie gering ist die Zahl der Talmud-Thorot und der Jeschiboth, die ihren Aufgaben gerecht werden? Da muß Abhilfe geschaffen werden. Gerade in 'den Tagen, da wir uns mit der Thora so freuen und sie iyr Triumph herumtragen, sollten wir unserer Pflichten eingedenk werden und geloben, alles zu tun, „lehagdil Thora ulhadiroh“. Dann werden wir das Recht haben, das Fest der Freude zu feiern, „Wehejisse ach ssomeach!“ Wir wccden dann nur Freude erleben! Oie Arbeit der Agudas Jisroel. Die Preßburger Konferenz der Agudas Jisroel bildete unstreitig einen Markstein in der Entwicklungsgeschichte dieser verhältnismäßig jungen Organisation. Die Bedeutung dieser Konferenz liegt aber nicht so sehr in ihrem Verlaufe, als in den Arbeitsmöglichkeiten, die ihre Beschlüsse geschaffen haben. Leugnen wir es nicht: die Bedingungen, unter welchen die Aguda seit ihrer Gründung bis zur Preßburger Konferenz gearbeitet hat, waren die denkbar ungünstigsten. Der Sitz der Leitung war weder ein jüdischer Zentralpunkt, noch ein politisches "Zentrum. Die Agudas Jisroel war naturgemäß auf die ostjüdischen Massen angewiesen. Frankfurt war wohl ein jüdisches Zentrum in Deutschland, aber es hatte keine allgemein jüdische Bedeutung. Auch politisch war Frankfurt nicht der geeignete Punkt. Als nachher der Sitz der Leitung nach Zürich übertragen wurde, traten die geschilderten Mängel noch stärker in Erscheinung. Zürich spielte während des Krieges eine gewisse Rolle, vermöge der Neutralität der Schweiz und vermöge der geographischen Lage. Die Schweiz war während der Kriegsjahre der Tummelplatz aller politischen Strömungen und Richtungen. Aber für die Agudas Jisroel kam dies nur wenig in Betracht. Ein jüdischer Zentralpnnkt war aber Zürich noch weniger als Frankfurt und der Mangel an entsprechenden Arbeitskräften war hier umso stärker fühlbar. Neben den Mängeln, die der Sitz der Leitung mit sich brachte, war auch der Umstand für die Entwickelung der Agudas hinderlich, daß das Verhältnis der Agudas Jisroel zu den anderen jüdischen Parteien, besonders zum Misrachi, hinsichtlich der Palästinafrage, nicht geklärt war. Es gab innerhalb der Aguda-Kreise, die ein Zusammengehen mit den anderen Parteien wünschten in der Erwartung, es werde dadurch der jüdischen Sache genutzt werden. Diese Annahme war sicherlich sehrlöblich, allein die Kenner der Verhältnisse sagten es voraus, daß es ein zweckloser Verlust an Zeit und Arbeit ist. Die Verhandlungen würden zu keinem positiven Ergebnis führen. Nichtsdestoweniger wurden die Verhandlungen eingeleitet und so vergingen Monate, bevor man über das Ergebnis Klarheit verschaffen konnte. Inzwischen aber war die eigene Arbeit gehemmt und viele passende Gelegenheiten versäumt. Nun aber wird mittelst der Beschlüsse der Preßburger Konferenz diesen Uebeln abgeholfen. Der Sitz der Leitung der Aguda, insofern sie die politische Arbeit zu leisten habe, wird nach London verlegt, dem gegenwärtig wichtigsten weltpolitischen Zentrum und besonders der Zentralstelle für die Palästinasache. Die Aguda ist dem Foreign Office in Downing Street nicht fremd. Das Memorial, das die Aguda der englischen Regierung in der Palästinasache überreichen ließ, hat eine wohlwollende Beachtung und eine aussichtsreiche Beantwortung gefunden. Es wird Sache des Londoner Zentralrates sein, den Kontakt mit den englischen maßgebenden Kreisen aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, daß die Orthodoxie, das Gros der Judenheit. auf die Gestaltung der Verhältnisse im heiligen Lande den gewährenden Einfluß erhalte. Palästina gehört dem ganzen jüdischen Volke und darf keine Parteisache sein. Es darf an Stelle des „Roten Zettels" kein „Blanweißer Zettel" treten. Man mag die Verdienste derjenigen, die dank ihrer politischen Arbeit es so weit gebracht haben, voll und ganz anerkennen, aber sie. können keinen Anspruch auf ein Monopol erheben, weil sie sich sonst dem Verdacht auss^tz"". st«' Hütten

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