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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-18 · 22 (18.6.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
22 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Bezugspreis: Ganzjährig K 50, halbjährig K 25, vierteljährig K 12'50. Ausland jährlich K 70. Einzelnummer 1 Krone. Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Np. 28. Wien, 2. Thamuz 5680, 18. Juni 1920. VI. Jahrgang. Die Orthodoxie und Palästina. Aufruf. An die Judenheit in Deutschösterreich und in der Tschechoslowakei. Die Palästinazentrale sür Deutschösterreich und die Tschechoslowakei der Aguda-Weltorganisation beabsichtigt, eine großzügige und umfassende Tätigkeit für Erez-Jsrael zu entfalten. Treu unserem Programme, sämtliche Judenprobleme in Erez- Jsrael und im Golus im Geiste unserer heiligen altjüdischen Tradition zu lösen, wollen und müssen wir, gesetzestreue Juden, an dem nunmehr im größten Maßstabe möglichen Wiederaufbau unseres heiligen Landes mit voller Energie Mitwirken. Eine der vornehmsten Aufgaben der_ gesetzestreuen Judenheit der Welt muß es jetzt sein, dafür zu sorgen, daß die gesetzestreuen Juden für alle Zukunft die Mehrheit und der Kern der palästinensischen Judenheit werden. Der undurchdringliche ewige Damm gegen äußere und innere Angleichung an die anderen Völker, ist nur unverrücktes Festhalten des jüdischen Volkes an der jüdischen, von Gott gegebenen Volkstradition. Soll Erez-Jsrael der Mittelpunkt des jüdischen Volkes werden, so muß die Thora der Mittelpunkt des jüdischen Volkes werden. Darum ist es notwendig, den gesetzestreuen Juden in Palästina durch Einwanderung gesunder gesetzestreuer Juden zu stärken und auszugestalten. Ein großzügiger Jischuw in Palästina muß raschenstens geschaffen werden! Liebe Brüder, helfet uns bei diesem wichtigen Werke. Wir rufen alle gesetzestreuen Juden, die sich mit Landarbeit beschäftigen oder beschäftigen wollen, auf, sich unserer Ojlim- Gruppe (zwecks mehrmonatlicher Ausbildung in Landwirtschaft) zu melden. Wir rufen alle gesetzestreuen Handwerker, die nach. Palästina fahren wollen, auf, uns ihre Adresse bekanntzugeben. Für solche, die ein Handwerk erlernen wollen, beabsichtigen wir, Werkstätten zu errichten. Wir rufen alle gesetzestreuen Landwirte, Gutspächter und Gutsbesitzer auf, uns ihre Adressen bekanntzugeben und uns mitzuteilen, ob sie geneigt wären, gesetzestreuen, gesunden und arbeitslustigen jungen Juden Arbeitsgelegenheit auf dem Lande zu verschaffen. Für alle aber, die nach Palästina übersiedeln wollen, gedenken wir einen Kataster anzulegen. Alle gesetzestreuen Vereine, Aguda- und Agudajugend-Gruppen werden aufgefordert, Palüstinakomitees zu bilden mit ähnlichen Aufgaben und im engsten Kontakte mit unserer Zentrale. Die Palästinazentrale der Aguda errichtet einen Keren-Erez- Jsrael-Fonds (Palästina-Fonds) mit folgenden Unterabteilungen: a) einen Jawne-Fonds (Palästina-Schulfonds), b) einen Ojlim-Fonds (Palästina-Landwirtschaftsfonds), c) einen Bojnim-Fonds (Palästina-Jndustriefonds). Spenden sind an die „Jüdische Korrespondenz" (VIII., Alserstraße 55) zu richten, wo die Namen der Spender ausgewiesen werden. Wir fordern alle Aguda- und Agudajugend-Gruppen in Deutschösterreich und in der Tschechoslowakei auf, den Monat Juli zu einem Erez-Jsrael-Monat zu machen, in welchem bei Veranstaltungen, Volksversammlungen und insbesondere beim Thoraaufrufen für Palästina-Fonds gespendet wird. Oie Orthodoxie und die Lultnswahlen. Je näher der Wahltermin heranrückt, desto heftigere Formen nimmt der Wahlkampf an und besonders die Orthodoxie, die mit dem feierlichsten Entschluß in den Wahlkampf getreten ist, diesen in rein sachlicher Form zu führen, ist Gegenstand der heftigsten Angriffe, Verleumdungen und Verdächtigungen seitens der Zionisten, die selbst die Grenzen des bei einem Wahlkampf zulüßlichen überschreiten. Entgegen der Absicht, unsererseits nach keiner Richtung aggressiv aufzutreten, sind wir heute zu einer energischeren Auseinandersetzung gezwungen. Wir wollen uns auch hiebei eines gemäßigten Tones bedienen und überlassen es den Gegnern, nach wie vor in dem Schmutz zu waten, den ihre „Wortführer" so reich anhäufen. Zunächst mag eine Frage beantwortet werden, welche zwar ebenso heimtückisch wie alle anderen Anwürfe gestellt wird, die aber zumindest den guten Glauben der Fragenden nicht ausschließt. Es wird seitens der Zionisten gegen die Orthodoxie der Vorwurf erhoben, sie sei den Zionisten in den Rücken gefallen, um indirekt der Assimilation zu dienen. Als Beweis hiefür wird angeführt, daß die Orthodoxie erst diesmal in den Wahlkampf mit einer eigenen Liste eingreift, als die Zionisten Aussicht haben, die Gemeinde zu erobern; früher, insolange die Assimilanten die Herrschaft innehatten, verhielt sich die Orthodoxie passiv. Ferner wird der Vorwurf erhoben, die Orthodoxie setzt sich in ihren Versammlungen und Kundgebungen vornehmlich mit den Zionisten auseinander, kümmere sich aber keineswegs um die Assimilanten. Diese Umstände werden als Beweis dafür ins Treffen geführt, daß die Orthodoxie der Assimilation Liebesdienste leiste. In Wirklichkeit entbehre diese Beweisführung der Grundlage. Gegenüber der Assimilation konnte sich die Orthodoxie passiv verhalten, weil schon die Existenz der Orthodoxie ein flammender Protest gegen die Assimilation und ihr neologes Judentum ist. Indem die Orthodoxie es bei jeder Wahlkampagne abgelehnt hat, die ihr angebotenen Mandate anzunehmen, hat sie damit feierlichst dokumentiert, daß sie mit der Assimilation nichts zu tun haben will und bloß so weit mit ihr in Berührung kommt, als es die gesetzlichen Bestimmungen und die Verhältnisse leider gebieten. Wenn die Orthodoxie sich auf den Trennungsstandpunktgestellt hat, so hat sie deutlicher als alle feierlichsten Reden und Kundgebungen, jede Gemeinschaft mit der Assimilation adgelehnt. Einen direkten Kampf gegen die Assimilation zu führen, war gar nicht notwendig. Kein religiöser Jude konnte je dazu verleitet werden, anzunehmen, das assimilatorische Judentum sei irgendwie jüdisch. Zwischen Orthodoxie und Assimilation ist der Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Nur ein Minder kann da die Grenze verkennen. Auch heute, da die Orthodoxie sich veranlaßt gesehen hat, in den Wahlkampf einzugreifen, erachtet sie es als überflüssig, den Gegensatz zur Assimilation erst besonders betonen zu müssen. Selbstverständlichkeiten brauchen

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