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Jüdische Korrespondenz · 1920-05-28 · 18 (28.5.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
18 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K50, halbjährigK25, vierteljährig Iv 12*50. Ausland jährlich K 70. Einzelnummer 1 Krone. Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Älserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Nr. 18. Wien, 11. Siwan 5680, 28. Mai 1920. VI. Jahrgang. An öte oxtfyoboxew KrEuswäMer! Die orthodoxe Liste für die bevorstehenden Knltuswahlen in Wien ist fertiggestellt und wird dieser Tage nach der offiziellen Ueberreichnng veröffentlicht werden. Die Wähler werden die Gelegenheit haben, die Auswahl an Männern zu würdigen, deren Namen diese Liste enthält. Es sind dies vornehmlich Männer, die seit Jahrzehnten im öffentlichen Leben stehen und deren aufrichtige Arbeit für das Wohl des Klal-Jisroel allgemein bekannt ist. Männer, die nie nach Mandaten und Ehrenstellen strebten, denen jede Großsprecherei zuwider ist, die aber dafür desto intensiver der Arbeit für das allgemeine Wohl huldigten und deren Leistungen, sei. es im , engeren Kreise,' fei--es-in* der-'-breiten-OeffentliWeit/'weitittrd - .breit bekannt sind. Die bisherige Tätigkeit dieser Männer bietet die Gewähr, daß sie jn der Kultnsstube die richtigen Männer an der richtigen Stelle sein und dazu verhelfen werden, daß die Wiener Kultusgemeinde im vollen Sinne des Wortes jüdisch werde. Die große Begeisterung, die die Aufstellung einer eigenen orthodoxen Liste in den weitesten Kreisen der Glaubenstreuen sowie derjenigen, die Sinn und Interesse für das unverfälschte Judentum haben, ausgelöst hat, läßt erwarten, daß die Aktion vom Erfolg begleitet sein wird. Nach vielen, vielen Jahren werden Männer in die Wiener Kahalstube einziehen, die das richtige Verständnis für die Aufgaben einer jüdischen Kultnsgemeinde haben, und über den guten Willen verfügen, ihr ganzes Können in den Dienst des Klal-Jisroel zu stellen. Das Programm, mit welchem die Orthodoxie in den Wahlkampf eingreift, ist bereits veröffentlicht worden, und die Wähler haben die Möglichkeit, dasselbe zu beurteilen. Sie ersehen daraus, daß es sich um eine ausgesprochen volkstümliche Plattform handelt, der jeder Gutgesinnte seine Zustimmung geben kann. Es ist kein Parteiprogramm, keine hohlklingende Phraseologie. Es werden keine großen Worte gemacht, sondern mit deni gebotenen Ernst das als Ziel gesteckt, was unter den ■ gegebenen Verhältnissen erreichbar ist. Indem die.Orthodoxie sich vornehmlich an die eigenen bewußtsinnigen Gesinnungsgenossen wendet, beschränkt sie sich in Auf denn ihrer Aktion keineswegs ans die eigenen Kreise. Sie ruft zur Mitarbeit alle jene aus, die auf dem Boden des traditionellen Judentums stehen, und den Wunsch hegen, daß es in religiöser Beziehung besser werde. Der lebhafte Anklang, den das Aust treten und das Knltusprogramm der Orthodoxie auch in nicht orthodoxen Kreisen gefunden hat, liefert den Beweis für die Anziehungs- und Werbekraft des religiösen Gedankens, wie auch dafür, daß «tau ahnon JisroeP, daß trotz der Verheeküngeir der Zeit das religiöse Judentum nicht verwaist und nicht isoliert ist. Je kräftiger die Glanbenstreueu im öffentlichen Leben austreten, desto leichter wird es Men, die Kriise der Orchodoxic weiter zuziehein und tmfftritrftfölfeffe Judentum zu stärken. Jn diesem Sinne geht die Bedeutung der Kultuswahlenaktion der Orthodoxie weit über den Rahmen einer Wahlkampagne hinaus. Wird der orthodoxen Liste der erwartete und wünschenswerte Erfolg zuteil, dann wird in Wien dem religiösen Judentum kräftiger und mutvoller als bisher das Wort gesprochen, dann wird das jüdische Wien jüdischer werden, dann wird in Mitteleuropa ein jüdisches Zentrum entstehen, ein Zentralpunkt für religiöses Leben, soziale Wohlfahrtsarbeit und wirtschaftliche Regeneration. Dann wird Wien, seiner geograp h isch en Lage entsprechend, d ie B rücke zwischen den Juden des Ostens und des Westens bilden und seiner historischen Mission gerecht werden. Groß und schwer ist die Aufgabe, deren sich die Orthodoxie in Wien mit ihrer Aktion unterzieht. Es geschieht in der Hoffnung ans die tatkräftigste Unterstützung und Mitwirkung all derjenigen, die dem Judentum treu sind und dessen Hebung anstreben. Es ist Sache dieser Kreise, diese Erwartungen zu rechtfertigen. Möge jeder in seinem Wirkungskreis während der nächsten Wochen für die orthodoxe Liste Werbearbeit nach Kräften leiste:! — und der Erfolg lvird nicht ausbleiben. Je stärker die orthodoxe Vertretung in der Kultusgemeinde sein* wird, desto günstiger wird es um die Sache des unverfälschten Judentums stehen. * Arbeit!

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