Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1920-05-20 · 17 (20.5.1920) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
17 (20.5.1920)
Date
1920-05-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3495278-3495461-3495477--1343-3497242
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 17 Jüdische Korrespondenz Seite 9 JUGENDGRUPPEN-BEIBLATT Orthodoxe Liste. Unsere Führer haben beschlossen, zu den Kultuswahlen eine eigene Liste aufzustellen. Die Orthodoxie darf offiziell nur jene in die Kultusgemeinde wählen, die wirklich berechtigt sind, als Vertreter der gesetzestreuen Juden Wiens zu gelten. Nur glaubenstreue Juden können die Rechte der Orthodoxie vertreten und sie vor dem antireligiösen Fanatismus schützen. An uns ist es nun, Arbeit zu leisten. GesetzeStreue Jugend Wiens! Agitiert für die orthodoxe Liste! Jeder Deutschösterreicher, der Kultussteuer zahlt, ist wahlberechtigt. — Jedermann, der im Jahre 1912 gewählt hat, ist wahlberechtigt. Wer noch nicht Kultussteuer gezahlt hat, der eile. Die Kultussteuer kann bis zum 28. Mai erlegt werden. — Jedermann nehme sofort Einsicht in die in der Kultusgemeinde aufliegende Wählerliste. Wer in derselben nicht enthalten ist, reklamiere sofort. Orthodoxe Jugend Wiens! Jeder glaubenstreue Jude vom vollendeten 21. Lebensjahre aufwärts muß wissen, daß es seine Pflicht ist, am Wahltage zur Urne zu schreiten und für die Liste der Gesetzestreuen zu stimmen. Glaubenstreue Jugend Wiens! Meldet euch zur Mitarbeit für die Kultuswahlen. Thoratreue Juden Wiens! Tut eure Pflicht! Zu den Kultuswahlen. . Wie ein Lauffeuer durcheilte die Nachricht die Stadt, daß die orthodoxen Führer beschlossen haben, in den Wahlkampf der Kultusgemeinde aktiv einzugreifen. Nach Verhandlungen zwischen den einzelnen Gruppen innerhalb der gesetzestreuen Judenschaft ist es gelungen, eine gemeinsame orthodoxe Liste aufzustellen. Die Orthodoxie, welche bisher immer gut verstanden hat, Thauro, Awaudo und Gemilas Chesed zu üben, welche es aber nicht für notwendig befunden hatte, in Angelegenheiteil, die von anderen Schattierungen innerhalb der Judenheit — wenn auch nicht gut — geleitet wurden, tätig einzugreifen, weil sie ihre Kräfte nicht zersplittern wollte, sondern dieselben für jene Arbeit, die nur von glaubenstreuen Juden geleistet wird, aufheben wollte, ist zur Einsicht gelangt, daß dies nicht mehr angeht. # Der neue Zug der Zeit, der es mit sich bringt, daß die nicht religiösen Elemente für Judentum mehr Interesse zeigen und mit intensiver Arbeit einsetzen, läßt es notwendig erscheinen, daß die gesetzestreue Judenschaft nunmehr auch dort, wo gemeinsame Angelegenheiten behandelt werden, vertreten ist. Dort wird es Aufgabe der gesetzestreuen Vertreter sein, die Interessen ihrer Mandatare, die Ehre der Thora und unsere vieltausendjährige Tradition zu schützen. Die Orthodoxie ist bis jetzt von den Nicht-Orthodoxen geringschätzig behandelt worden. Es war unser erster Erfolg, daß die Kunde von der Aufstellung einer orthodoxen Liste solchen Staub aufgewirbelt hat. Die Orthodoxie muß sich Geltung verschaffen! Aufgabe der Jugend ist es, agil für die Wahl vorzuarbeiten und eifrig agitatorisch tätig zu sein. Jeder glaubenstreue Jude muß wissen, daß heute die Wahl der orthodoxen Liste religiöse Pflicht ist. Die Parteienverhältniffe hu heutigen Judentum. Vortrag des Herrn Dr. Ben-Zion Feßler. Sonntag vormittags hielt Herr Dr. Ben-Zion Feßler einen Vortrag über „Die Parteienverhältnisse im heutigen Judentum". Die bis zum letzten Plätzchen den großen Saal der Agudas Jisroel-Jugendgruppe füllende Zuhörerschaft horchte den spannenden und begeisternden Ausführungen des Redners mit wachsender Aufmerksamkeit und spendete dem Redner stürmischen Beifall. Nach der Rede fand eine sehr lebhafte Diskussion statt, welche, abgesehen von einigen erregenden Momenten, erhebend und aufklärend verlief. An der Diskussion beteiligten sich Herr Pinkas jun. kontra, die Herren Stroh, Blech, Stolzberg, Lederer, Schreiber, Bobriker und Baumgarten pro. Das Schlußwort hatte wieder der Vorsitzende Herr Doktor Feßler. In trefflicher Weise führte er den Unterschied zwischen der Ideologie der Aguda und der Zionisten an. Während die Zionisten nur Volk, Land und Sprache bejahen, bejahen wir — religiöse Juden — alles, was jüdisch ist. Wir bejahen G'tt, wir bejahen das jüdische Gesetz, die jüdische Sprache, das jüdische Volk und das jüdische Land. Die jüdische Religion und das jüdische Gesetz bilden das ewige Rückgrat im jüdischen Volkstum und wir müssen deshalb alle jene Parteien bekämpfen, die dem Volke dieses Rückgrat brechen wollen. In gehobener Stimmung ging die Versammlung auseinander. (Anmerkung der Schriftleitung der Jugendgruppe: Wir behalten uns vor, diese Rede wegen ihres reichhaltigen Inhalts zu Agitationszwecken entweder als Beilage zu einer der nächsten Nummern oder als besondere Broschüre zu veröffentlichen.) Chaluze Fisroel. In den Kreisen der Agudas Jisroel-Jugendorganisation besteht eine Strömung, eine auf gesetzestreuer Grundlage stehende Chaluzim-Gruppe zu gründen. Hiemit wird die ohnehin sehr ausgedehnte und segensreiche Tätigkeit der Agudas Jisroel- Jugendgruppe in Wien einen neuen Impuls bekommen und außerdem werden so manchen jüdischen Chaluzim, die im Nahmen der zionistischen Organisation zu Chilul Schabbos gezwungen sind, Gelegenheit geboten, sich in unserer Organisation zu echtjüdischen Pionieren für Erez Jisroel heranzubilden. — Nähere Informationen erteilt Herr Dr. Ben-Zion Feßler, IX., Liechtensteinstraße 109 16. Derselbe nimmt auch vorläufige Anmeldungen entgegen. Dem verdienstvollen Mitarbeiter und Vortragenden der Agudas Jisroel-Jugendgruppe und Mädchengruppe Herrn Dr. Joel Pollak zu seiner Hochzeit mit Fräulein Hermine Schlesinger, Vorstandsmitglied der Agudas Jisroel-Mädchengruppe. unsere herzlichste Gratulation. Agudas Jisroel Mädchengruppe. Jugendgruppe. Herr Siegmund Schreiber, Leiter der Sektion XVII der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, hat sich mit Fräulein Milly Rabinowitsch, Tochter des Herrn Jakob Rabinowitsch, verlobt. Aufruf! Die stets zunehmende Ausdehnung unserer Organisation erfordert eine Vergrößerung unseres Bestandes an Seforim für Unterrichtszwecke, welche wir aber infolge der' gegenwärtigen hohen Bücherpreise käuflich nicht erwerben können. Der Unterrichtsausschuß der Agudas Jisroel-Jugendgruppe wendet sich daher mit diesem Aufrufe an jene jüdischen Kreise, welche in der Lage sind, aus ihren eigenen Beständen Seforim, jüdische Bücher oder sonstige Zeitschriften der Jugendgruppe zur Verfügung zu stellen. Wir eröfinen gleichzeitig eine Sammlung für Kinjam Seforim urtb bitten dringendst leden Einzelnen, nach seinen Kräften beizutragen und uns tatkräftigst zu unterstützen. Der Unterrichtsausschuß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.