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Jüdische Korrespondenz · 1920-04-23 · 14 (23.4.1920) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
14 (23.4.1920)
Date
1920-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz Seite 7 Nr. 14 ärztlichen Gesellschaften von Bedeutung und hat in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen den Ruf der Wienermedizinischen Schule - mitbegründet. Seine anthropologischen Forschungen, seine Besuche in Kerkern und seine Schädelmessungen an Verbrechern waren allbekannt. Von seltener geistiger Frische war Benedikt bis in die letzte Zeit literarisch tätig und interessierte sich in seinen letzten Jahren namentlich für die Emanations- und Wünschelrutenforschung^ (Die Agirdas Jisroel in England.) Aus London wird geschrieben: In einer gutbesuchten Versammlung von Vertretern aller bekannten Synagogen und Bethäuser wurde das Programm der Agudas Jisroel nochmals eingehend erörtert. Großen Eindruck machte der zur Verlesung gelangte Auftus der 300 polnischen Rabbiner zur Betätigung im Rahmen der Wlda. Die räbbinische Kundgebung wurde mit eindringlichen Worten' des Herrn Rabbiner Dr. Jung, der den Vorsitz in der Versammlung führte, begleitet. Es wurde einstimmig der Entschluß gefaßt, den Ausruf in allen Gemeinden Englands und der Kolonien zu verbreiten und den zweiten Festtag zum Sammeltag für die Zwecke der Aguda zu bestimmen. Ein Viertel der gesammelten Gelder soll Palästina zugute kommen. (Antisemitische Verhetzungen in Straßburg.) Der S. Korrespondent der „I. P. Z." in Straßburg meldet: Bei einer öffentlichen Versammlung der im Generalstreik befindlichen Straßburger Arbeiterschaft, erließ die sozialistische Streikleitung den Auftus zu tätlichen Ausschreitungen gegen die Juden. Die Folgen-sind bis zur Stunde noch nicht abzusehen. (Die Inden in Sowjetrußland.) Laut der Agentur „Varsovia" veröffentlicht das in Wilna erscheinende Organ der jüdischen sozialistischen Partei „Bund", der „Toz", den Bericht eines soeben aus Sowjetrußland zurückgekehrten Parteimitgliedes über die gegenwärtig dort herrschenden Verhältnisse. Der Flecktyphus wüte auf dem gesamten Gebiet Sowjetrußlands (so berichtet der Gewährsmann des „Tog") in einem bisher wohl nirgends bekannten Maße. Es herrsche ein vollständiger Mangel an Medikamenten und Desinfektionsmitteln. In Smolensk seien vor kurzem deutsche Flieger gelandet, die 700 Kilo Arzneimittel mitgebracht haben. Die Bevölkerung Rußlands sei vollständig erschöpft und wünsche den Frieden um jeden Preis. Die wirtschaftliche Lage ist nicht überall gleich. In Moskau und Petersburg sei die Lage derart schrecklich, daß es unbegreiflich sei, wie die Bevölkerung dieser beiden Hauptstädte den Winter - habe durchmachen können. Die Sowjetregierung schreitet oft zur Requisition zaristischer Rubel, die im Werte viel höher stehen als die sowjetistischen Noten. In Witebsk werden für 1000 zaristische 20.000 sowjettstische Rubel bezahlt. Die Bolkskommissäre hätten auch auf der zionistischen Organisation gehörende zwei Millionen zaristische Rubel Beschlag gelegt, doch sei dieser Betrag der Organisation dann zurückerstattet worden. Für den 18. Mai ist nach Moskau ein panrussischer Zionistenkongreß einberufen worden." Nekrolog. . Freitag, den 16. April, verschied im besten Alter Frau Helene Bern selb, eine hochgebildete, durch besondere Frömmigkeit und Herzensgüte ausgezeichnete Frau. Einer der ersten 'Familien der ungarischen Orthodoxie, Schiff Deutsch-Kreutz entstammend, gründete sie mit ihrem Gatten ein echt jüdisches Haus, in dem Verehrung für die Tauroh und deren Träger sich mit unbegrenztem Wohltätigkeitssinn vereinten. Sie war die beste Tochter, die zärtlichste Gattin, die liebevollste Verwandte und kannte kein'größeres Vergnügen als Gutes zu tun. Ihre Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit errangen ihr die Verehrung aller, die sie kannten. Ihr Lieblingsbuch war Thillim, das sie im Urtext und in der deutschen Uebersetzung auswendig wußte. Sie wurde Sonntag hier zu Grabe getragen. Des Rosch Chodesch halber unterblieben Trauerreden; die riesige Beteiligung an dem Leichenbegängnis sprach beredt für die allgemeine Verehrung, deren sich die Dahingeschiedene erfteute. Dem schwergeprüften Gatten wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Rabbi Levi-Iizchot von Berdrtfcherv ges. A. (Chassidische Erzählungen.) 1. Bon der wahren Gastfreundschaft. Der heilige Rabbi Levi-Jizchok von Berditschew kam einmal nach Lemberg. Er Sing zu einem reichen Manne und bat ihn, er möge ihm erlauben, in seinem Hause zu übernachten. Der reiche Mann wuyte nicht, well er vor sich hatte, und sagte, daß es in Lemberg doch genug Gasthäuser gäbe. Der Rabbi bat ihn noch einmal um Nachtquartier und sagte, daß sein Geldbeutel ihm nickt erlaube, in einem Gasthause abzusteigen. Der Reiche nahm ihn trotzdem nicht auf, sondern schickte ihll zu einenr Lehrer. Der Rabbi wollte sich nicht zu erkennen geben und ging zum Lehrer, der ihn sehr gastfreundlich aufnahm. Am nächsten Morgen wurde in Lemberg bekannt, daß der Berditschewer Rabbi angekommen sei, und' viele Leute kamen vor das Haus des Lehrers, um den Heiligen zu begrüßen. Unter den Leuten befand sich auch der reiche Mann; er sagte zum Rabbi: „Ich bitte euch, Rabbi, kommt in mein Haus: denn alle großen Männer, die nach Lemberg kommen, pflegen Zimmer bei mir abzusteigen." Der heilige Rabbi Levi-Jizchok antwortete darauf: „Welcher Unterschied ist zwischen Abraham und Lot? Alle preisen die Gastfreundlichkett und Barmherzigkeit Abrahams, der die drei Engel mit Butter, Milch und Fleisch bewirtete; von Lot heißt es ja auch, daß er die Engel aufnahm und ihnen ungesäuerte Kuchen buk. Lot lud die Engel doch ebenso freundlich zu sich ein wie Abraham. Der Unterschied 'ist der: Von Lot heißt es: ,Die zwei Engel kamen gegen Sodom, und da Lot sie sah, stand er auf ihnen entgegen? Lot wußte also, lven er vor sich hatte. Bon Abraham heißt es aber: ,Und als er seine Augen aufhob, sah er, da standen drei Männer vor ihm/ Die Engel erschienen Abraham also als gewöhnliche Menschen, und doch nahm er sie gastfreundlich auf. — So war es auch mit euch: als ich zu euch als gewöhnlicher Mensch kam, wolltet ihr mir kein Obdach gewähren und schicktet mich zuerst in ein Gasthaus und bann zum Lehrer. Und jetzt, da ihr niich als den Berditschewer Rabbi seht, ladet ihr mich zu euch ein " 2. Von den falschen Messias. Ein Freidenker spottete einmal in Gegenwart des heiligen Rabbi Levi-Jizchok über die Tannaün und sagte, daß selbst Rabbi Akiba den Aufrührer Bar-Kochba für den Messias gehalten und ihm seine Kleider nachaetragen habe. Der Rabbi erzählte darauf folgendes Gleichnis: „Es war einmal ein Kaiser. Er hatte einen einzigen Sohn, den er wie seinen Augapfel liebte. Dieser Sohn aß einmal von einer rächt ganz frischen Speise und wurde gefährlich krank. Man berief zu ihm die berühmtesten Aerzte, doch keiner konnte ihm helfen. Schließlich berief man ein Konsilium von den größten Aerzten und Gelehrten. Einer von diesen meinte, daß man den Kranken nackt in ein mit einer sehr scharfen Salbe einges'chrniertes Laken einhüllen müsse; wenn er so eine ganze Nacht läge, würde die Salbe die Keime der Krankheit auS seinem Körper ausziehen. Ein zweiter Arzt wandte ein, daß der Kranke die großen Schmerzen, welche die Salbe verursacht, nicht aushalten können werde, denn er sei zu sehr geschwächt. Ein dritter Arzt schlug vor. die Salbe des ersten Arztes anzuwenden, dem Kranken aber zuvor einen Schlaftrunk zu geben, damit er die ganze Nacht schlafe und die Schmerzen nicht spüre. Ein vierter Arzt bemerkte, daß der Kranke ein schwaches Herz habe und daß ihm daher ein Schlaftrunk gefährlich werden könne. Den besten Rat gab der fünfte Arzt, welcher fügte, daß das Laken mit der scharfen Salbe und der Schlaftrunk vortreffliche Mittel seien; nur solle man den Schlaftrunk nicht auf einmal, sondern in kleinen Dosen geben: der Kranke würde einschlasen, nach zwei Stunden aufwachen und vor großen Schmerzen schreien; dann solle man ihm wieder etwas vom Schlaftrunk geben, so daß er wieder zwei Stunden schlafen würde. Und so solle man es die ganze Nacht machen. Man folgte diesem Rate, und der Kranke wurde gesund. Als der Herr der Welt sah, daß die Seele seines geliebten Volkes Israel gefährlich erkrankte und alle Arzneien, die ihm die heiligen Äerzt'e gaben, nicht mehr halfen, berief er die himmlischen Heerscharen zu einem Konsilium. Auf diesem Konsilium wurde beschlossen, die Juden in die Finsternis der Verbannung zu werfen; da aber das Herz des Volkes zu schwach mar, um alle die Marter und Verfolgungen anszuhalten, wurde gleichzeitig verordnet, das Volk einzuschläfern und alle zwei bis drei Stunden durch den Posaunenstoß eines falschen Messias anfzuwecken, um es dann wieder einzuschläfern. Und so wird es gemacht werden, bis die ganze Nacht der Verbannung abläuft und der wahre Messias erscheint. Darum werden auch die Augen der größten heiligen Männer, wie die des Rabbi Akiba zuweilen geblendet, damit fie sich irren und einen falschen Messias für einen wahren ansehen." Adas Jisroel (Schiffschul), II., Große Schiffg. 8. Gebetstunden in der Zeit vom 5. bis 12. Ijar (24. bis 30. April). Freitag», &. Ijar r Sabbateingang 7*50. Samstag, 6. Ijar: Morgengebet 7 und 9 30, Mincha 105 und 4 30, Sabbatausgang 8 36. An Wochentagen: Morgengebet 545 und 630, Mincha 745.

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