Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 14 (23.4.1920)
- Date
- 1920-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 14 . Jüdische Korrespondenz traditionstreuen jüdischen Studenten, eine Stätte unverfälschten jüdischen Geistes wird, der wir unsere Akademiker mit beruhigtem jüdischen Gewissen anvertraüen können. Die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse legen dem Kurawrium der Mensa eine gewaltige Last auf, doch ist zu erwarten, daß in Anbetracht der äußerst wichtigen Aufgaben der Mensa die jüdischen Kreise Wiens sich für diese Institution interessieren und sie tatkräftigst unterstützen werden. Agudas Iistoel-Jugendgruppe. Zentralleitung: XX., Obere Donauftratze 69 (Eingang Floßgasse). Schrurim-KrnLaicung vom 6. 6is 13. Izcrr 3680 (24. öis 80. April' 1020). Samstag, 11 Uhr vormittags: Sidroh mit Konunentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Schenk. Samstag, 4 Uhr nachmittags: Mögen Awrohom, Herr David Baum garten. Samstag, 5 Uhr nachmittags: Bortrag. Herr Falk Schlesinger (Hamburg). Sonntag, 11 Uhr vormittags: Ncwiim Rischomm, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner M. Flosch. Sonntag, V.6 Uhr abends: Dinim, Herr Nathan Manuel. Montag, aUS Uhr abends: Sidroh mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner A. Weiß. DienStag, 3/48 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner A. W e i ß. Mittwoch, 3/«6 Uhr abends: Mischnoh (Schabbos), Herr Dr. Sem* berger. Donnerstag, s/48 Uhr abends: Mischnoh (Schabbos), Herr Dr. L ent» berger. Ferner findet täglich um 3/48 Uhr abends ein Gemoroh (Gitin)« Schmr des Herrn Salomon Schreiber statt. Sektion: XVII., Welemangasse. Samstag, 5—6 Uhr nachmittags: Mögen Awrohom, Herr Abraham Schreiber. * Samstag, 6-7 Uhr abends: Pirkeh Owaus, Herr Nathan Manuel. Sonntag, 6—9 Uhr abends: Dinim. Montag, 8—9 Uhr abends: Mischnoh (Bezoh), Herr Dr. Sem« berger. Dienstag, 6—9 Uhr abends: Mischnoh (Bezoh), Herr Dr. Sem« berger. Mittwoch, 8—9 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar, Herr Doktor I. Pollak. Donnerstag, 8—9 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar, Herr Dr. I. Pollak. SamStag, 5 Uhr nachmittags: Vortrag des Herrn Moses Blech über „Simud Hathüuro" im Bethause, XVI., Sindauergaffe 6. Für die jüngere Altersklasse findet täglich von ‘/s7 bis V-8'Nhr nachmittags im gleichen Lokale ein eigener Schiur statt. Sektion: XX., Uraunfetsgasse 3. Bezüglich der täglichen Schiurim verweisen wir auf die Ankündigungen im obgenannten Bethause. (Fortsetzung von Seite 4.) die soziale Gerechtigkeit ist der Sinn des Völkerlebens; die moralische Weltordnüng muß sich durchsetzen. Die Juden müssen für die Abkehr von Gott leiden und für ihre historische Mission reif werden. Zephania, ein älterer Zeitgenosse Jeremias, faßt in wenigen Kapiteln den ganzen Kampf zusammen und verkündet das Heran« nahen von Gottes Tag, — das Herannahen des Strafgerichtes über Juda. „Ein lautes Geschrei wird sich (in Jerusalem) erheben vom Fischtor an und ein Geheul von dem andern Tor, und ein großer Jammer an den Hügeln. Heulet, die ihr an der Mühle wohnet, denn das ganze Krämervolk ist dahin und alle, die Gold sammeln, find ausgerottet. ... Es wird sie ihr Silber und Gold nicht, erretten können am Tage des Zornes Gottes, sondern das ganze Land soll durch das Feuer seines Eifers verzehrt werden" (1,10—11, 18). Mit geringerem prophetischen Schwung, aber mit großer Gelehrsamkeit und bohrender Gründlichkeit behandelt Hesekiel im babilonischen Exil das Problem. „Wehe den Hirten, die sich selbst hüten, anstatt die Herde zu weiden. Ihr freffet das Fette und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Der Schwachen^ wartet ihr nicht und die Kranken heilt ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern hart und herzlos herrscht ihr über sie. . . Aber auch zu euch, meine Herde, spricht Gott: Ich will richten zwischen Widdern und Böcken, zwischen fetten und mageren Schafen. Darum, daß ihr tretet mit den Füßen und die Schwachen von euch stoßt und verjagt mit euren Hörnern, will ich meiner Herde helfen, damit sie nicht mehr zum Raube werde" (34, 2—22). Jeder ist für seine Handlungen verantwortlich, es steht in jedermanns Willen, Gutes oder Böses zu tun (33, 11—19). Darum soll sich Israel bekehren und Gottes Gebote erfüllen. Verwoben mit der Strafpredigt und Unheilsverkünduna ist bei allen Propheten eine Heilsbotschaft an Israel und die felsenfeste Ueberzeugung von der endgültigen Erlösung der Menschheit. Im zweiten Teile Jesaja (Kapitel 40 bis Ende) erreicht die Prophetie ihren Gipfelpunkt. Die Juden werden zum Missionsvolke der sozialen Gerechtigkeit: „Der Geist Gottes ist über mich, er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Enterbten die frohe Botschaft zu künden, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu predigen den Gefangenen die Befreiung, den Gebundenen die Erlösung" (61, 1). Dieses Volk, wenn es die Sendung auf sich nimtnt, wird zum Mittelpunkte der Menschheit. Lange verachtet und für unwert gehalten, wird es zur Zierde der Welt. „Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit Gottes geht auf über dich. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dich bricht die Herrlichkeit Gottes hervor. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln und die Könige im Glanz, der über dich aufgeht. . . Deine Vorsteher sollen den Frieden lehren und deine Pfleger Gerechtigkeit predigen. . . Dein Volk soll aus lauter Gerechten bestehen und das Erdreich ewiglich besitzen" (60, 1—21). Sein Zeitgenosse Hesekiel entwarf ein Bild eines jüdischen Gottesstaates, in dem Menschen- und Besitzgleichheit zur Hauptbedingung gemacht wird. „Und ihr sollt das Land gleich austeilen, ein wie dem anderen. . . Und wenn ihr das Los werfet, das Land imter euch zu teilen, so sollt ihr die Fremdlinge, die unter euch wohnen, halten gleichwie die Einheimischen unter den Kindern Israel, und sollen auch ihren Teil am Lande haben, ein jeglicher in dem Stamme, .unter dem er wohnt" (47, 14—22). Mit dem Ideal von Recht und Gerechtigkeit war das des ewigen Friedens eng verbunden: Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und der Leopard bei den Böcken liegen: ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben... Die Schwerter werden zu Pflugscharen, die Speere zu Rebmessern umgeschmiedet, denn es wird kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und werden hinfort nicht mehr kriegen lernen (Jes. 2, 4; Micha 4, 3; Hosea 2, 18). Zacharia sieht die Zeit kommen, ut welcher Gott „die Kriegswagen aus Ephraim, die Schlachtrosse aus Jerusalem und die Kriegspfeile abschaffen wird. Ewigen Frieden wird er unter allen Völkern verkünden. Seine Herrschaft wird sich über alle Meere bis an der Welt Ende ausdehnen" (9, 10). Nicht durch Heer noch durch Gewalt, sondern durch den Geist wird das Gottesreich gegründet (4, 6). Und einer der letzten Propheten, Maleachi, stellt die Menschheitsfrage: „Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht Ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern?" (2, 9). _ Rundschau. . (Landesschulrat Dr. Markus Spitzer gestorben.) Am-14. April ist hier nach längerem Leiden im 70. Lebensjahre Landesschulrat Dr. phil. et jur. Markus Spitzer gestorben. Der Verstorbene, der aus Waag-Neustadtl stammte und ursprünglich die Rabbinerlaufbahn gewählt hatte, verfügte über ein ansehnliches hebräisches Wissen, für dessen Verbreitung er sich stets einsetzte. Im Jahre 1896 wurde er in den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde gewählt, dem er bis zu seinem Tode aygehörte. Er gehörte lange Jahre dem Bezirksschulrat und seit dem Tode des Landesschulrates Dr. Gustav Kohn als Vertreter der Judenschast dem Landesschulrat an, wo er sich stets für die gerechte Behandlung jüdischer Angelegenheiten energisch einsetzte. Dr. Spitzer war seit zehn Jahren Mitglied des Vertreterkollegiums, seit drei Jahren Präsident der Chewra Kadischa und des Kuratoriums des Königsberger-Jnstituts. Sowohl im Kultusvorstand als auch im Bethausvorstand, dessen Präsident der Verstorbene war, hat er stets die konservattve Richtung in Kultusangelegenheiten vertreten. Das konziliante Wesen und die Hilfsbereitschaft Dr. Spitzers haben ihm in den weitesten Kreisen Freunde erworben. — Am 16. April, nachmittags, wurde die irdische Hülle des Verblichenen zu Grabe getragen. Nachdem Oberkantor Morgenstern die Gesänge des Rituales vorgetragen, nahm Rabbiner Dr. Grunwald mit einer kurzen Trauerrede Abschied von dem Toten. Nach ihm sprach der Vizepräsident der Gemeinde Hofrat Dr. Rappaport. Die Beisetzung erfolgte im Ehrengrabe. (Professor Dr. Moritz Benedikt gestorben.) Am 14. April ist hier der weitbekannte Nervenarzt Professor Dr. Moritz Benedikt im 85. Lebensjahre gestorben. Benedikt war ein Gelehrter von Weltruf, welcher auf dem Gebiete der Medizin und der Naturwissenschaft eine überaus vielseitige Tätigkeit entfaltete. Er war Ehrenmitglied fast aller europäischen