Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 11-12 (1.4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11/12 Jüdische Korrespondenz Seite 13 (Fortsetzung von Seite 8.) (Verband jüdischer Kriegsveteranen in Amerika.) In Amerika hat sich ein Verband jüdischer Kriegsveteranen gebildet, dessen Zweck es ist, neben dem Schutze der amerikanischen Flagge und der Verfassung den jüdischen Namen rein zu halten und ihn gegen ungerechte Angriffe, von welcher Seite und zu welcher Zeit immer es versucht Wörden sollte, zu verteidigen. An der Spitze der Organisation stehen jüdische Offiziere, die sich im Kriege ausgezeichnet haben, wie Maurice Simmons, Hauptmann N. Taylor-Philipps, Oberst Isidor Jsraes und Oberst Samuel Kopetzky. Das Komitee erließ einen Aufruf, in welchem erklärt wird, daß der Schutz der Juden gegen antisemitische Angriffe niemals durch religiöse Körperschaften so wirksam geübt werden könne, wie durch die 200.000 jüdischen Soldaten, die an dem Kriege teilgenommen und sich als verläßlich und pflichttreu erwiesen haben. Dies zeigte sich am deutlichsten bei der würdigen und imposanten Demonstration gegen die Pogrome in Polen und in der Ukraine, bei welcher die jüdischen Veteranen geschlossen aufmarschierten. (Beschwerlichkeiten der Einwanderung.) Aus New Uork wird gemeldet: Das neue Einwanderungsgesetz, das - entgegen Wilsons Veto — von jedem Einwanderer die Fähigkeit verlangt, 40 Worte lesen zu können, erregt lebhaften Widerstand, denn es spielen sich in seinem Gefolge ganze Tragödien ab. Eine Ausnahme für Bräute ehemaliger Kriegsteilnehmer ist bereits genehmigt. Die Legislative des Staates New Jork hat jetzt eine Resolution angenommen, worin der Kongreß um Aufhebung des Gesetzes ersucht wird, das ganz unnütz sei und nur Schikanen verursache. (Die jüdischen Gewerkschaften und der Sabbat.) Die gesetzliche Festlegung einer wöchentlichen Maximalarbeitszeit von 48 Stunden läßt auch in England eine Wiederbelebung der Sabbatbeobachtung in Arbeiterkreisen aussichtsreich erscheinen. Auf Einladung Rabbiner Dr. Jungs, der in dieser Frage seit langem rührige Tätigkeit entfaltete, fand eine Konferenz der größten jüdischen Arbeitergewerkschaften statt, insbesondere derjenigen der Konfektion, wobei die allgemeine Einführung der Sabbatruhe ln den Fabriken ernst diskutiert wurde. Schwierigkeiten entstehen nur in den vier Wintermonaten, wo der frühe Freitagsschluß eine Verlängerung der Arbeitszeit über neun Stunden an den fünf Wochentagen bedingt. Die anwesenden Arbeitervertreter beschlossen einstimmig, ihren Organisationen die Annahme der Jung'schen Vorschläge zu empfehlen. Inzwischen haben auch die Vorstände der Gewerkschaften diese Haltung der Delegierten gebilligt. - (Aus Jerusalem.) Wie aus Jerusalem berichtet wird, sind mit dem Steigen der Lebensmittelpreise auch die Arbeitslöhne gestiegen. Schneider, Schuhmacher, Uhrmacher und Steinmetze verdienen von 50 bis 100 ägyptische Groschen pro Tag. In manchen Handwerkszweigen herrscht großer Mangel an geschulten Kräften, sodaß man sich mit Lehrlingen begnügen muß. Demgegenüber ist die Arbeitslosigkeit unter den geschickten Arbeitern groß. Auch die Zahl der Thoraschreiber, deren Zahl in Jerusalem 250 übersteigt, ist in der letzen Zeit kritisch geworden. — Zufolge der ungewöhnlichen Kälte dieses Winters, mangelt es den Schneidern und Schustern in Jerusalem nicht an Arbeit. Auch die Tischler haben vollauf Beschäftigung. Zwei neue Möbelfabriken, darunter eine auf genossenschaftlicher Basis, sind in Jerusalem eröffnet worden und können daselbst weitere Tischler Beschäftigung finden. — Der Waad von Tel-Awiw hat in den palästinensischen Zeitungen einen Wettbewerb ausgeschrieben für die Ausarbeitung eines Planes für die Erweiterung der Wasserleitung, den Bau eines Bassins und zur Einführung von elektrischem Licht. — Die Abteilung des „Waad Hazirim" für Landwirtschaft und Siedelung hat Schritte unternommen, um eine gegenseitige Versicherungsgesellschaft für Zugtiere und Milchkühe in den jüdischen Kolonien Palästinas zu organisieren. (Agrrdas Jisroel in Paläftina.) Wie aus Jerusalem mitgeteilt wird, wurden dort in den Vorstand der „Agudas Jisroel" gewählt: die Herren Rabbiner I. I. Diskin, Ehrenpräsident; Rabbiner I. Ch. Sonnenfeld, Präsident; M. Fränkel, E. M. Slutzkin, Salmen Zweigs B. Epstein, Aron Punsch, Dr. Wallach, S. Chawas, W. Schocher, Moses Blau, M. Tukazinski, S. Enda und Jacob Sonnenfeld als Vorstandsmitglieder. (Lansing — ein Gegner des Zionismus.) Der in New Dort erscheinende „Haint" bringt eine Zuschrift seines Washingtoner Korrespondenten R. Fink anläßlich der Demission des Staatssekretärs Lansing. Der Korrespondent schreibt: Jetzt, nachdem Präsident Wilson Herrn Lansing entlassen hat, kann ich gewisse sensationelle Tatsachen berichten, die bisher nicht enthüllt werden durften. Ich bin in der Lage zu erklären, daß in den Archiven des Weißen Hauses und des Staatsdepartements das Original und die Abschrift eines Briefes liegt, ben der gewesene Staatssekretär Lansing an Präsident Wilson gerichtet hat, und in welcher er den Präsidenten auffordert, den Zionismus nicht zu unterstützen. Der Brief war die Antwort auf eine Anfrage Wilsons über Lansings Meinung vom Zionismus. Der Brief enthält die Worte: „Ich bin der Ansicht, daß unsere Regierung die Zionisten bei der Friedenskonferenz nicht unterstützen soll. Ich habe die Empfindung, daß die christliche Welt nicht erlauben wird, daß in Palästina eine Regierung von jenem Volke eingesetzt wird, das Jesus gekreuzigt hat." (Das große Sanhedrin.) Die von dem Rabbiner der Aschkenasimgemeinde in Kairo, Rabbi Aaron Mendel Hakohen, vor dem Kriege ins Leben gerufene „Kneßes Jisroel"-Orgauisation hat ihre Tätigkeit, unterstützt vom Chacham-Baschi, Rabbi Raphael Aron ben Schimom 1111b seinem rührigen Bruder, wieder ausgenommen. Sie erstrebt die Schaffung eines Bes din hagadol von einundsiebzig hervorragenden Thoragrößen der ganzen Welt in Jerusalem als großes Sanhedrin und höchste religiöse Autorität für das ganze jüdische Volk, ihm soll ein Sanhedrin ketanno von 23 Männern der Tat und der Wissenschaft zur Seite stehen. Die Grundlage sollen große Weltsammluugen für einen Religionsfouds des jüdischen Volkes bilden. Ein ausführlicher Plan, der alle Einzelheiten vorsieht, ist ausgearbeitet und wird auf Wunsch Interessenten zur Verfügung gestellt. * (Gottesdienste am Passahfeste im Saale des Hotel „Kontinental".) Aus Anlaß des diesjährigen Passahfestes veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien an Stelle der infolge des seinerzeitigen Brandes des Leopoldstädter Teinpels entfallenden Gottesdienste im Saale des Hotel „Kontinental", II., Taborstraße 4, Gottesdienste, und zwar: Freitag, den 2. April (abends), Samstag, den 3. April (vormittag und abends), Sonntag, den 4. April (vormittag), Donnerstag, den 8. April (abends), Freitag, den 9. April (vormittag und abends) und Samstag den 10. April (vormittags). Der Eintritt ist frei — Karten werden nicht ausgegeben. (Maskir-Andachten am Passahfeste.) Zur Vcr meidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarah" werden vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde Wien — wie alljährlich -- auch am diesjährigen Passahfeste (Samstag, den 10. April) um 3/i9 Uhr früh im Saale des Hotel „Post", l., Fleischmarkt 16, und im Saale des Hotel „Kontinental", II. Taborstraße 4, anläßlich der Maskir- Andachten feierliche Gottesdienste veranstaltet. Der Eintritt ist frei — Karten werden nicht ausgegeben. Nekrolog. (M. A. Pollak.) Mittwoch, den 17. März, verblich im Alter von 67 Jahren Herr M. A. Pollak, Obmann-Stellvertreter der israelitischen Armenanstalt. — Ein strenger Jehudi, ein musterhafter Sohn und zärtlicher Bruder, widmete er sich mit besonderem Eifer der Armenanstalt, deren umfangreiches Arbeitsfeld er nahezu allein besorgte. Besondere Mühe und Sorgfalt widmete er während des Krieges der Fürsorge für Kriegsbeschädigte, Gefangene und Internierte. — Speziell vor dem Pessachfest gönnte^ er sich durch Wochen keine Ruhe und Rast. — Sein Hinscheiden reißt eine große Lücke in