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Jüdische Korrespondenz · 1920-04-01 · 11-12 (1.4.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
11-12 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ganzjährig K50, halbjährigK 25, vierteli;/,|to/Bn fÜP (ÜB lütEPESSEIl (IfiS jährig K 12*50. Ausland jährlich K 70. Z^ElllWE. Einzelnummer 1 Krone. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Nr. 11/12. Wien, 13. Nissan 5680, 1. April 1920. VI. Jahrgang. An die geehrten Abonnenten! Da die Herstellungskosten unseres Blattes in den letzten Wochen wieder eine bedeutende Steigerung erfahren habensehen wir uns leider ^gezwungen, wieder eine Erhöhung der Bezugspreise vorznnehrnen, Die „jüdische Korrespondenz" kostet von nun an: chanzjährig.K 50*— Halbjährig.. 25 — Vierteljährig.12*50 Einzelnummer.. 1— Ansland.„ 70 — Wir ersuchen um Erneuerung des Abonnements, resp. nm Wachzahtung der Differenz nach den gegenwärtigen Bezugspreisen. Die Administration. Der Auszug aus Aegypten. „Und danach kamen Mose und Aharon und sprachen zu Pharao: Also spricht der Herr, der Gott Israels: lasse mein Volk, daß es mir eine Feier halte in der Wüste." Wie ein roter Faden zieht sich die Feststellung durch die ganze Geschichte des Auszuges Israels aus Aegypten, daß es der Ewige war, der dieses gewaltige historische Ereignis geleitet und vollzogen hatte. Die Söhne Israels seufzten und ächzten unter dem Druck der Sklaverei im Lande der Pharaonen. Der Gedanke, dasselbe zu verlassen, war ihnen demnach gar nicht gekommen. Mose erschien ihnen als der Bote Gottes, verkündete die nahe Erlösung und vollführte dieselbe — aber bloß als Werkzeug des Ewigen, als Vollstrecker seines Willens. „Darum sprich zu den Kindern Israels: Ich bin der Herr! Und ich werde euch wegführen aus der ägyptischen Fronde, euch erretten aus ihren Dienst, euch erlösen mit großer Kraft." Nicht als Staatsmann, nicht als Diplomat erschien Mose vor Pharao; auch nicht als Nationalheld, der seinem Volke die Erlösung bringen will. Nicht einmal seinen Brüdern gegenüber gebärdete er sich als solcher, obwohl ihre Not und ihr Leid sie sicherlich für eine solche Botschaft empfänglich gemacht hätte. Der Ewige, der war, ist und sein wird, hat mich zu euch geschickt! Er will sein Versprechen an Abraham, Jizchak und Jaakow einlösen und das Volk Israel in das Land der Verheißung bringen. Es war keine elementare Volksbewegung, keine der eigenen Not entsprungene, mittelst Rhetorik aufgepeitschte Entschlossenheit. Es. war ein Befehl Gottes, ein Werk des Ewigen, ein Gotteswunder. „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich' geführt aus dem Lande Aegypten, dem Hause der Knechtschaft." Ich habe dich aus dem Lande der Pharaonen geführt, mein Werk war die Erlösung. „Oder ob es jemals ein. Gott versucht hat, zu kommen, sich ein Volk aus einem Volke herauszunehmen, mit Versuchungen, mit Zeichen und -Wundern, mit Krieg und starker Hand, mit ausgestreckten Arm und mit großen Schrecknissen, ganz so, wie für euch getan hat der Herr, _ euer Gott, in Aegypten, vor enern Augen!" Ja, das gewaltigste Ereignis, das unsere Geschichte kennt, es trägt ganz und gar den Stempel des Ewigen, es ist ein Werk Gottes, keine Menschenleistung. Das mußte auch der Heidenprophet Bileam bezeugen: „Und Balak sandte Boten an Bileam mit den Worten: „Siehe, ein Volk ist ausgegangen aus Aegypten." . . . Bileam aber replizierte: „Kel mauziom mimizraim. Gott war es, der dieses Volk aus Aegypten geführt; deswegen ist er ihnen wie die Kraft des Röem!" Der Wille des Menschen ist zu schwach, seine Kraft unzulänglich, um ein solches Werk zu vollziehen. Und wären wir alle klug, verständig, gelehrt, wir wären noch heute Sklaven in Aegypten. -st Der ersten Genla gemäß kann und wird auch die letzte'sein: Gottes- und nicht Menschenwerk! Nur dann wird die Erlösung diesen Namen verdienen! Eitler Wahn ist das diplomatische Feilschen, die geheimen Abmachungen, die die Erlösung herbeiführen wollen. Galuth Edom kann nur auf ähnliche Weise wie Galuth Mizraim das Ende finden. „Wenn der Herr .nicht das Haus bauet, — vergeblich haben sich daran abgemüht, die es erbaut." Die Geula, die wir erhoffen und herbeisehnen, muß eine solche sein, die nicht von einem Ministerwechsel abhängig, nicht der Laune eines arabischen Intriganten unterworfen ist. Mose war der Bote Gottes — nur ein solcher kann das Erlösnngswerk vollführen! Achad-Harabanim. Fromm und Orthodox. (Ost und West.) Die Schrecken des Krieges, die-wir schaudernd miterlebt und mitgelittey. haben, brachten die Inden des alten Oesterreich einander näher. Die frommen Ostjuden wurden von dem Vorurteil geheilt, daß die „Deutschen" (das ist der Sammelname für alles nichtöstliche) einfach keine Juden seien; die Westler aber, zu denen auch wir Wiener uns. bis zu einem gewissen Grade zählen, lernten den großen Schatz der teuersten Güter, Frömmigkeit, Gottesgelehrtheit und auch Mildherzigkeit, der in unseren östlichen Glaubensbrüdern aufgespeichert ist, kennen und werten. Mit dem Ban des ersten Wiener Tempels setzten die Versuche ein, die scharf geschiedenen Teile der strengreligiösen Judenschaft, hie polnische — hie nichtpolnische, zu verbinden, zur gemeinsamen Abwehr und Förderung gemeinsamer Ziele. Diese Versuche scheiterten. — Die Zahl der Frommen nahm G. s. D. zu und es kam oft vor, daß religiöse Angelegenheiten bei der Kultusgemeinde und den Behörden vertreten werden mußten. Wer sorgte für die Schechitah? Wer für die Mikwah? Nachdem es ein von der Orthodoxie anerkanntes Prinzip ist, daß ein Rabbiner einer Reformgemeinde unter keinen Umstünden für religiöse Juden maßgebend sein kann und wäre er an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit noch so hervorragend, weit er nicht unabhängig sein kann, mußten einige Leute eines Bethausvereines (SchiffschulAdaßJisroel) sich anmaßen, für Schechitah, Mikwah, Hauruoh zu sorgen. — Mußten bei der Regierung wegen der Schabbatarbeit in den Schulen einschreiten, mußten für die Errichtung orthodoxer

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