Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 10 (19.3.1920)
- Date
- 1920-03-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3495278-3495461-3495471--1273-3497154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 10 Jüdische Korrespondenz Seite 7 250.000 Dollar für produktive Hilfe in Polen auszuwersen. Dieser Fonds wird dazu benützt werden, Anleihen an Handwerker und Kleinhändler durch die schon bestehenden Sparkassen und andere Institute zu gewähren. Die Ausarbeitung des Planes für diese Anleihe wurde Dr. Goldman übertragen. LamMennachnchten. Clara Hirschler und Salornon Brunner Verlobte. Elsa Breuer-Weil und Jakob Fischer Verlobte. Fräulein Riwe Jeruchem, Tochter des Altstädter Rabbiners (Stary Sambor), hat sich mit Herrn David Halberstamm aus Chrzanow verlobt. * Der Verein A. I. A. wünscht zur Verlobung des Herrn Dr. Pollak mit Fräulein Schlesinger einen herzlichen Masoltow! personalnachrrcht. Rechtsanwalt Dr. Ernst Emanuel Kornfeld hat seine Advokaturskanzlei in PZien, 1., Biberstraße 8, eröffnet. Richtigstellung. Wir brachten die Mitteilung von der Wahl des Herrn Rabbiner Wessely zum Rabbinatsasseffor in Preßburg und ist uns hiebei ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Herr Rabbiner Wessely ist an Stelle des seligen Rabbi Leb Friedmann ernannt worden, hingegen ist Rabbi Leb Rubenstein weiterhin Rosch Bes-Din in Preßburg. Das Maschal. Von Dr. P. I. K o h n ^Leipzig). Unter den 49 Arten der Bibelerklärung, welche der Talmud aufstellt, hat von jeher das Maschal (Gleichnis) einen hohen Rang eingenommen. Wir finden seine Spuren, das Bedürfnis, in Bildern zu sprechen, bereits in den Büchern Moses, zum Beispiel in dem Segen Jakobs, wo er feine Kinder mit Tieren vergleicht und ihre Fähigkeiten durch deren Eigenschaften veranschaulicht: (Dan wird sein wie eine Schlange auf dem Wege, eine Otter auf dem Pfade, welche das Roß in die Fersen beißt, so daß sein Reiter rückwärts sinkt) und viele andere Stellen. Ein wirkliches, formvollendetes Maschal gibt uns das Richterbuch in dem Gleichnis von den Bäumen, die einen König über sich haben wollten, ebenso das zweite Buch Samuel, in der der Frau aus Tekoa von Joab in den Mund gelegten Geschichte vom Brudermörder und der Prophet Jesaja in dem Gleichnis vom Weinberge. Zur Blüte gelangte diese Erklärungsart erst im Talmud und Miorasch, wo es von Gleichnissen gleichsam wimmelt. Von Rabbi Meir allein erwähnt der Talmud dreihundert Fuchsfabeln, von denen uns noch drei wunderschöne und sehr bekannte erhalten geblieben sind. Auch von den späteren Bibel-Talmud- und Midraschexegeten ist dieser Zweig sehr gepflegt worden und manche von ihnen haben darin eine gewisse Virtuosität erlangt. Der berühmteste Maschaldichter, den die jüdische Literatur hervorgebracht hat. war unzweifelhaft der im 18. Jahrhundert in Rußland geborene und dort zur Zeit des Wilnaer Gaon wirkende Prediger Rabbi Jakob Krauz, bekannt unter dem Namen: „Der Dubnoer Maggid" oder nach demNamen seines Hauptwerkes: „Der Ohel Jakob". Seine Gleichniffe sind meist dem täglichen Leben entnommen, häufig sehr launiger Art und darum stets von packendster Wirkung. Als Beispiel mögen hier einige Maschalim von ihm folgen. Als sich Rabbi Jakob einst einem Gemeindevorsteher als Dubner Maggid vorstellte und um die Erlaubnis bat, am Sabbat einen Vortrag halten zu dürfen, forderte ihn dieser auf, sich durch ein Maschal als solcher zu legitimieren. Der Maggid erklärte sich dazu bereit und erlaubte feinem Examinator, die Stelle, die er durch em Gleichnis erklären sollte, selbst zu wählen. Der Vorsteher schlug sein Gebetbuch für die Selichottage auf und wies auf die erstbeste Stelle, die ihm ins Auge fiel. Sie lautete: Mi scheanah leabraham awinu behar hamorija hu jaannenu (Der unfern Erzvater Abraham auf dem Berge Morijah erhörte, der möge auch uns erhören). „In diesem Satze gibt es eine Schwierigkeit", begann der Maggid seine Erklärung, „die am besten durch ein Gleichnis klar gemacht werden kann. Ein Mann trat in einen Spezereiladen. Zugleich mit ihm war ein anderer Käufer eingetreten, der vom Ladenbesitzer zuerst bedient wurde. Er kaufte einige Kleinigkeiten im Werte eines Rubels ein und erhielt zuletzt, außer dem Gekauften, noch ein Paket Tee, das drei Rubel wert war. als Geschenk zugelegt. Das gefiel dem Fremden und er gab gleichfalls einen Rubel aus, was aber den Verkäufer nicht veranlaßte, auch ihin eine Gratiszulage zu geben. „Warum geben Sie nicht auch mir ein Päckchen Tee?" fragte er den Besitzer. „Wofür denn?" entgegnete dieser erstaunt. „Für den Einkauf eines Rubels kann ich Ihnen doch mcht em Geschenk für drei Rubel machen." „Warum taten Sie es aber bei dem Maniie, der vor mir einkaufte?" fragte der Fremde wieder. „Der Mann ist mein stabiler Kunde", erklärte ihm der Ladeninhaber. „der mir durchs Jahr recht viel zu verdienen gibt. Durch kleine Aufmerksamkeiten, die ich ihm gelegentlich erweise, will ich ihnl meinen Dank ausdrücken. Sie aber kenne ich nicht, warum sollte ich Ihnen ein Geschenk machen?" In dem gleichen Verhältnis, wie der Fremde zum Käufer, stehen wir zu Gott — führte der Maggid aus. Wenn Abraham die Heimat, Vermögen, ja sein einziges Kind für Gott hingeben wollte, von ihm erhört.wurde, mit welchem Rechte können wir uns auf ihn berufen und uns ihm gleichstellen wollen, indem wir sagen: Wie Gott ihn erhört hat, so möge er auch uns erhören?" Die Antwort auf diese Frage kann man aber gleichfalls durch ein Gleichnis erklären. Eine Gemeinde suchte einen Rabbiner und schickte — wie dies in früherer Zeit üblich "war — einige namhafte Gelehrte in eine bekannte Jeschiwa (Talmudschule), um dort einen tüchtigen Kandidaten auszuwählen. Die Männer baten den Leiter der Jeschiwa, ihnen einen geeigneten Bachur (Talmudjünger) zu nennen. „Ich habe hier einen jungen Mann", sagte dieser zu ihnen, „der durch seinen Scharfsinn ebenso wie durch seine Kenntnisse und Frömmigkeit alle Zöglinge unserer Schule überragt. Er ist nur leider von sehr geringer Herkunft und seine ganze Familie besteht aus lauter Ame- Haarez (Unwissenden). Wenn euch das nichts macht, kann ich euch keinen Würdigeren empfehlen." Der junge Mann wurde geholt und die Abgesandten konnten sich überzeugen, daß der Jeschiwaleiter ihn nicht über Gebühr gelobt hatte. Er war wirklich ein hervorragender Gelehrter und dabei sehr bescheiden, und da sie sich an seine geringe Herkunft nicht stießen, wählten sie ihn zum Rabbiner. Die Gemeinde war mit dieser Wahl außerordentlich zufrieden und verehrte ihren jungen Rabbiner über die Maßen. Um ihm ihre Liebe und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen, überreichten die Mitglieder ihm bei der Geburt seines ersten Söhnchens einen Vertrag, in dem sie sich verpflichteten, seinen Sohn, wenn er in Gelehrsanckeit und Frömmigkeit ihm nachgeraten werde, zu seinem einstigen Nachfolger zu machen. Der Rabbiner, ein wahrheitsliebender Mann, sagte ihnen: „Nehmt es nicht übel, meine Lieben, wenn ich euch sage, daß ich. die Anerkennung, die ihr mir durch diesen Vertrag zum Ausdruck bringen wollt, in Wirklichkeit nicht finde. Wenn ihr euch bedingungslos verpflichtet hättet, meinen Sohn dereinst zu meinem Nachfolger zu machen, auch wenn er mir an Gelehrsamkeit nachstehen sollte, so wäre das eine Anerkennung meiner Person gewesen, denn ihr hättet damit gesagt, daß ihr meinen Sohn, auch wenn er selbst nicht würdig genug sein sollte, um meinetwillen zu eurem Rabbiner machen wollt. Wenn ihr aber zur Bedingung macht, daß er mir an Tüchtigkeit gleich sein müsse, so ist doch weniger meine, als vielmehr feine Tüchtigkeit, die ihn euch als Rabbiner begehrenswert wird erscheinen lassen. Genau so verhält es sich mit unserem Gebet zu Gott. Wenn wir auch keine eigenen Verdienste aufzuweisen haben, auf die wir uns, um bei Gott Erhörung zu finden, berufen könnten, so haben wir von unserem Erzvater Abraham doch das Gute voraus, daß wir seine Nachkommen sind, während er als eines Götzendieners Sohn nur seine eigene Frömmigkeit in Rechnung zu stellen hatte." Neue Bücher. „Altneulaud." Roman von Theodor H e r z l. Achte Auflage B. Harz-Verlag, Berlin-Wien. — „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen", hat Herz! seinem Buche als Motto vorangestellt. Als der Roman zum erstenmal erschien, mochte gar mancher glauben, er habe es mit einem Märchen zu tun. Heute ist wohl die Verwirklichung noch nicht eingetroffen, aber das Märchenhafte des Buches ist wesentlich abgestreift und man liest es heute mit um so größerem Interesse. „Die Kultur der Araber." Von Prof. Dr. Joseph Hell. Mit zahlreichen Abbildungen. II. Verbesserte Auflage. 1919. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Preis gebunden Mk. 2*50. — Die Welt der. Araber ist durch die Ereignisse des Weltkrieges den Europäern wesentlich näher gerückt worden. Das vorliegende Büchlein, das die Kultur der Araber in kurzen Zügen populär schildert, besitzt daher eine große Aktualität. „Tolstois Meisterjahre." Einführung in iWs heutige Rußland. Zweiter Teil. Von Karl N ö tz e l. 1918. Verlag Georg Müller. München. Preis geheftet Mk. 12 —r — Die Augen aller Welt sind auf das heutige Rußland gerichtet, von dessen Gesundung auch die Gesundung Europas abhängig ist. Nur wenige sind imstande, die dortigen Ereignisse richtig zu verstehen und einzuschätzen. Das vorliegende Buch ist eim wichtiger Behelf hiefür. Wer Tolstoi näher, kennt, der kennt auch das heutige Rußland und begreift die dortigen Erscheinungen. „Die Vertreibung der Hagar." Ein Trauerspiel. Bon Di etzers ch m i e d t. Osterheld & Co., Berlin. 1918. Preis Mk. 3*50. — „Jeruschalaims Königin." Eine Tragödie. Von Dietzerschmied t. 1919. Osterheld & Co., Berlin. Preis Mk. 4-30. — Eine biblische Tragödie und eine solche aus den Zeiten des letzten Makkabäer-Königs — mit großer dichterischer Kraft geschrieben, wenn auch nicht immer nach dem Geschmack des glaubenstreuen Juden. Unter allen Umständen soll die gute Absicht des Autors und sein warmes Interesse für die jüdisch-historischen Gestalten Anerkennung finden. „Der geniale Mensch." Von Hermann Fürst. Zehnte verbesserte Auflage. Berlin, 1914. Verlegt bei Wilhelm Borngräber. Preis Mk. 10— Ein ebenso inhaltsschweres, wie erfolgreiches Buch, das